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Antihormonelle Therapie bei Brustkrebs

Brustkrebs wächst oft hormonabhängig. Wenn der Tumor entsprechende Rezeptoren besitzt, kann eine Behandlung helfen, die den Einfluss der Hormone ausschaltet

aktualisiert am 18.12.2019

Viele Brustkrebsformen sind hormonempfindlich. Das bedeutet, dass diese Tumoren von den weiblichen Geschlechtshormonen zum Wachstum angeregt werden. Weisen die Brustkrebszellen Empfangsstellen für die Hormone, sogenannte Hormonrezeptoren auf, wird der Tumor hormonrezeptorpositiv genannt. Hier empfiehlt sich in aller Regel eine Anti-Hormontherapie.

 

Häufig kommt diese Therapie adjuvant, also nach der Operation zum Einsatz. Manchmal kommt eine Anti-Hormontherapie auch vor der Operation, also neoadjuvant, in Betracht.

Ob ein Tumor Hormonrezeptoren besitzt, zeigt die Gewebeuntersuchung. ER+ steht für Östrogenrezeptor-positiv und PgR+ oder PR+  für Progesteronrezeptor-positiv.

Prinzipiell kann eine antihormonelle Behandlung auf zwei Weisen gestaltet werden: Entweder wird die Bildung von Geschlechtshormonen unterbunden. Während dazu früher häufig Eierstöcke entfernt oder bestrahlt wurden, gibt es inzwischen Arzneimittel, die die Freisetzung der weiblichen Geschlechtshormone verringern. Oder aber die betroffenen Frauen bekommen Medikamente, welche an die Hormonrezeptoren der Tumorzellen binden und diese blockieren. Die Hormone können in beiden Fällen nicht mehr als Wachstumsreiz auf den Tumor wirken.

Antihormonelle Behandlung vor den Wechseljahren

Die Anti-Hormontherapie findet in der Regel nach der Operation statt, also adjuvant. Frauen vor den Wechseljahren bekommen normalerweise mindestens fünf Jahre lang das Medikament Tamoxifen. Tamoxifen ist ein sogenannter selektiver Östrogen-Rezeptor-Modulator (SERM). Es besetzt die Östrogen-Rezeptoren, ohne an den Brustzellen wie das Geschlechtshormon zu wirken. An manchen anderen Geweben wirkt es dagegen östrogenartig. Aromatasehemmer können vor den Wechseljahren nicht als alleinige Therapie eingesetzt werden, weil sie die Hormonproduktion in den Eierstöcken nicht immer vollständig unterdrücken. Bei erhöhtem Rückfallrisiko kann die Therapie auf zehn Jahre ausgedehnt werden.

Bei erhöhtem Rückfallrisiko besteht zusätzlich die Möglichkeit, die Eierstöcke – und damit auch die körpereigene Östrogenproduktion – durch die Gabe sogenannter GnRH-Agonisten künstlich auszuschalten. GnRH-Agonisten, die auch GnRH-Analoga heißen, sind dem körpereigenen Neurohormon GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) ähnlich, das im Gehirn gebildet wird. Zu Beginn der Behandlung mit GnRH-Agonisten steigen die Östrogenspiegel kurzfristig an, bevor sie auf sehr niedrige Mengen absinken. Dann kommt die Hormonbildung in den Eierstöcken zum Erliegen, und die hormonellen Wachstumsimpulse an die Krebszellen entfallen. Wird Tamoxifen nicht vertragen, können GnRH-Agonisten eine Alternative sein.

GnRH-Analoga werden in der Regel monatlich als Spritzen unter die Haut oder als Implantat alle drei Monate eingesetzt. Nach Beendigung der Therapie, die normalerweise mindestens zwei Jahre dauert, können die Eierstöcke theoretisch wieder ihre Arbeit aufnehmen.

Antihormonelle Behandlung nach den Wechseljahren

Nach den Wechseljahren kommt eine weitere Gruppe von Medikamenten mit antihormoneller Wirkung zum Einsatz: die sogenannten Aromatasehemmer. Aromatasehemmer können vor oder nach einer Therapie mit Tamoxifen oder auch alleine gegeben werden. Sie blockieren das Enzym Aromatase, das für die Herstellung von Östrogen im Körper notwendig ist. Zum Einsatz kommen

  • Anastrozol,
  • Exemestan
  • oder Letrozol

– das ist die sogenannte dritte Generation an Aromatasehemmern.


Der Aromatasehemmer kann für fünf Jahre eingenommen werden. Oder er folgt auf zwei bis drei Jahre mit Tamoxifen, das dann für weitere zwei bis drei Jahre durch den Aromatasehemmer ersetzt wird (sogenannter "Switch"). Umgekehrt, also erst eine Behandlung mit dem Aromatasehemmer und dann mit Tamoxifen ist auch möglich. Die Gesamtdauer dieser aufeinanderfolgenden Therapie liegt ebenfalls bei fünf Jahren. Bei Patientinnen mit erhöhtem Risiko kann die Therapie mit einem Aromatasehemmer auf bis zu zehn Jahre verlängert werden. Ein Aromatasehemmer kann auch nach einer fünfjährigen Therapie mit Tamoxifen für weitere drei bis fünf Jahre gegeben werden. Dadurch verlängert ("erweitert") sich die Therapiedauer auf insgesamt acht bis zehn Jahre.

Nebenwirkungen der Anti-Hormontherapie

Unter einer antihormonellen Therapie treten als Nebenwirkungen häufig Östrogenmangelerscheinungen auf, wie sie auch in den "natürlichen" Wechseljahren auftreten. Bei Frauen vor den Wechseljahren können Zyklusveränderungen auftreten.

Wichtig: Irreguläre Blutungen oder neu auftretende Blutungen nach den Wechseljahren sollten Sie unbedingt vom Frauenarzt kontrollieren lassen, um Gewebeveränderungen an der Gebärmutterschleimhaut auszuschließen.

Beispiele für Beschwerden, die unter einer Anti-Hormontherapie auftreten können:

  • Tamoxifen: Unter anderem Hitzewallungen, Gerinnselbildungen in den Venen (Venenthrombosen), Lungenembolien und Schlaganfälle. Tritt eine Sehstörung auf, müssen die Augen unverzüglich untersucht werden.
  • GnRH-Agonisten: Unter anderem Gelenk- und Muskelschmerzen, außerdem sinkt oft die Knochen dichte.  Nach Ende der Therapie holen die Knochen den Verlust an Dichte meist wieder auf, zumindest teilweise.
  • Aromatasehemmer: Unter anderem Gelenk- und Muskelschmerzen, depressive Verstimmungen. Osteoporose kann ebenfalls auftreten.