Knoten in der Brust: Die Brust kennenlernen, Selbstuntersuchung

Die Brust (lateinisch „Mamma“) der geschlechtsreifen Frau besteht aus Drüsen- und Stützgewebe. Letzteres setzt sich aus Fett- und Bindegewebe zusammen. Das Stützgewebe verleiht der Brust ihre Form, Elastizität und Größe

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 26.06.2017

Erst in der Stillzeit ist das Drüsengewebe der Brust vollständig ausgereift


Symmetrisch sind sie natürlich normalerweise schon, aber nie sind die Brüste einer Frau haargenau gleich. Kleine Unterschiede dürfen durchaus sein. Merkliche Veränderungen an einer Brust, irgendetwas, das die Symmetrie, die Optik, den Tastsinn oder das Befinden stört, austretendes Sekret...: Solche und ähnliche Dinge sollte eine Frau sicherheitshalber dem Gynäkologen zeigen.

Woraus die Brust besteht

Das Drüsengewebe der Brust setzt sich aus Drüsenläppchen (Lobuli glandulae mammariae) und den zugehörigen kleinen Milchgängen zusammen. In den Läppchen wird in der Stillphase die Muttermilch gebildet. Sie gelangt über die Milchgänge zur Brustwarzenkuppe. Die kleinen Milchgänge vereinigen sich unterwegs zu größeren Sammelgängen. Vor der Mündung auf der Brustwarze weiten sie sich noch etwas auf. In der Stillperiode bilden sich hier kleine Milchseen, die sich entleeren und wieder füllen, wenn das Kind an der Brust saugt.

Mehrere Läppchen ergeben einen größeren, in sich verzweigten Drüsenlappen. Insgesamt enthält jede Brust etwa 15 bis 20, durch Bindegewebe voneinander abgesetzte Drüsenlappen. Das Läppchen mit seinem Gang ist eine Untereinheit. Es setzt sich aus beerenförmigen Endstücken zusammen, in denen die Milch gebildet wird.

Kontrollstation Lymphknoten

Der Drüsenkörper der Brust ist in das unter der Haut liegende Fettgewebe eingebettet. Nerven-, Blut- und Lymphbahnen in der Brust kommunizieren mit den entsprechenden Leitungsbahnen im Körper. Besondere Bedeutung kommt dem Lymphsystem zu.

Als ein Arm des Kreislaufs und der Immunabwehr erfüllt es eine Doppelrolle: Über seine Gefäße transportiert es einen Teil der Gewebeflüssigkeit, die Lymphe. Gleichzeitig sortiert es Abbauprodukte und sonstiges "Material" aus. Dazu gehören auch Krankheitserreger und Zellen. All dies wird in den Wachstationen des Lymphsystems, den Lymphknoten, regelmäßig kontrolliert. Was der Körper loswerden will, machen Immunzellen nach Möglichkeit klein und unschädlich.

Die zur Brust gehörenden Lymphknoten sind normalerweise nicht tastbar. Nur bei krankhaften Veränderungen vergrößern sie sich, können manchmal auch schmerzempfindlich sein und tastbar werden, zum Beispiel in der Achselhöhle.

Die Macht der Hormone

Das Brustdrüsengewebe unterliegt im Laufe des Lebens gegensätzlichen hormonellen Prägungen: erste Aussprossung in der Pubertät, Rückbildung in den Wechseljahren. In der Schwangerschaft reift es aus und entfaltet sich schließlich vollends, sodass nach der Entbindung das Stillen beginnen kann.

Zwischenzeitlich befindet sich das Drüsengewebe Monat für Monat in "gebremstem Auf und Ab": Nach dem Eisprung, normalerweise also in der Zyklusmitte, weiten sich die Milchgänge etwas, und die Drüsenläppchen vergrößern sich vorübergehend. Das Bindegewebe nimmt mehr Flüssigkeit auf, die Brust wird voluminöser, fester, spannt oder schmerzt womöglich. Alles dies dient, im Vorgriff auf eine Schwangerschaft, zur Vorbereitung der Milchbildung. Tritt keine Schwangerschaft ein, gehen die frühen Entfaltungen mit der Monatsblutung wieder zurück, ein neuer Zyklus beginnt.

In den Wechseljahren schrumpft das Drüsen- und Bindegewebe, Formfestigkeit und Dichte der Brust lassen nach – damit aber auch die viele Frauen plagenden zyklischen Brustbeschwerden.

Das Brustgewebe: Was sich wie anfühlt

Das Drüsengewebe lässt sich am besten im oberen äußeren Brustbereich (Quadranten) neben der Achselhöhle tasten, wo es auch am deutlichsten ausgeprägt ist. Normalerweise fühlt es sich fest und nur leicht strangförmig an, eventuell auch etwas höckrig oder knotig. Das Fettgewebe ist dagegen weicher und liegt zum Beispiel vermehrt im unteren Bereich der Brust. Besonders der Fettanteil hängt vom individuellen Körperbau ab: Bei Frauen, die viel auf die Waage bringen, sind auch die Brüste fettreicher.

Stellen, die sich oft etwas uneben, höckrig oder gar knotig anfühlen, können in der zweiten Zyklushälfte zunehmen und schmerzempfindlich sein. Diese zyklisch auftretenden Brustschmerzen heißen häufig Mastodynie (der Wortstamm "Mast-" leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet Brust, Mutterbrust).

Ein schmerzhaftes Spannungsgefühl in beiden Brüsten gehört neben dem Ausbleiben der Monatsblutung übrigens auch zu den ersten, wenn auch unsicheren Anzeichen einer Schwangerschaft. Schmerzen im Bereich der Brüste ohne Bezug zum Zyklus nennen Ärzte eher Mastalgie. Ob Schmerzen in der Brust, Mastalgie, Mastodynie: Besser einmal zu viel als zu wenig zum Arzt, insbesondere dann, wenn außerdem eine Veränderung an der Brust festzustellen ist. Das gilt auch für Männer.

Vor den Wechseljahren sollten Frauen ihre Brüste möglichst immer in der ersten Zyklushälfte untersuchen, weil das Gewebe dann lockerer und besser "durchtastbar" ist.

Bei Einnahme einer Anti-Baby-Pille, die keinen Zyklus nachahmt, oder nach den Wechseljahren sollte man möglichst immer denselben Zeitpunkt im Monat für die Untersuchung wählen – einfach als Anhaltspunkt, um es nicht gänzlich zu vergessen. Natürlich kommt es auch auf die passende Technik an. Hilfestellung gibt der Frauenarzt (siehe Kapitel "Weitere Symptome, Diagnose").

Frauen, die ihre Brüste selbst untersuchen, haben meistens mehr Gespür für Veränderungen des Gewebes. Das ist nach aktuellen Studien der Hauptvorteil der Selbstuntersuchung. Wichtig ist auch, die Beschaffenheit rechts und links miteinander zu vergleichen und auf neu entstandene Seitenunterschiede zu achten.

Tastbare Knoten sind meistens größer als einen halben bis einen Zentimeter.