Knoten in der Brust – Ursachen: Krebserkrankungen

In Deutschland erkrankt jede zehnte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Die Überlebenschancen haben sich in den letzten Jahren verbessert

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 26.06.2017

Gefühl für Veränderungen: Frauen sollten ihre Brüste einmal im Monat abtasten


Hinter Brustkrebs verbergen sich zahlreiche, sehr verschiedene Erkrankungen. Ausführliche Informationen zu den häufigsten Formen des Mammakarzinoms finden Sie im Beitrag "Brustkrebs".

Nachfolgend geht es um einige Sonderformen wie das inflammmatorische Karzinom, den Paget-Tumor, Lymphome und Sarkome der Brust.

Wie eine Brustentzündung: Inflammatorisches Karzinom

Diese bösartige Erkrankung ist eine Sonderform von Brustkrebs. Sie kann sowohl von den Milchgängen als auch von den Drüsenläppchen ausgehen. Nur etwa ein bis sechs Prozent aller Brustkrebserkrankungen betreffen diesen Tumortyp. Die Patientinnen sind meist etwa Ende fünfzig. Eine Rarität ist dieser Tumor bei Männern. Wie bei "normalem" Brustkrebs ist die genaue Erkrankungsursache unbekannt. Der eher aggressiv wachsende Krebs verbreitet sich schon frühzeitig über die Lymphspalten in der Haut, verstopft die Lymphgefäße und führt zu einem Rückstau der Lymphe (zur Lymphe siehe Kapitel "Die Brust kennenlernen"). Dadurch schwillt die Brust an.

Symptome: Es kommt manchmal zu einem Knoten, in der Regel aber zu einer deutlichen Rötung oder Violettverfärbung und zur Verhärtung der Haut. Meistens betrifft das den unteren Anteil der Brust. Auch eine Grübchenbildung und Furchung der Haut, eine sogenannte Apfelsinenhaut, ist typisch. Die erkrankte Brust fühlt sich heiß an und kann schmerzen. Durch die begleitende Schwellung nimmt die Brust an Größe zu (Seitenunterschied!). Die Brustwarze kann abgeflacht oder eingezogen sein und schuppen. Fieber fehlt meistens. Jede Brustentzündung – insbesondere wenn sie außerhalb der Stillzeit auftritt –, die nach Behandlung mit Antibiotika nach ein, zwei Wochen nicht abgeklungen ist, wird der Arzt gründlicher untersuchen, um zum Beispiel ein inflammatorisches Karzinom auszuschließen.

Diagnose: Außerhalb der Stillzeit sind Brustentzündungen (nicht puerperale Mastitis, mehr dazu im Kapitel "Ursachen: Brustentzündung" in diesem Beitrag) eher ungewöhnlich. Zwar kann eine Mastitis zum Beispiel auch nach einer Brust-Operation oder -bestrahlung auftreten, aber sie entwickelt sich dann meist in zeitlichem Zusammenhang mit der Behandlung.

Zur Diagnostik einer unklaren Brustentzündung erfolgt zunächst meist eine Mammografie. Ergibt diese einen verdächtigen Befund, schließen sich Gewebeentnahmen an. Lautet das Ergebnis inflammatorischer Brustkrebs, werden noch detaillierte Untersuchungen, etwa des Brustkorbs, der Leber und des Knochensystems notwendig sein, um genau zu erkennen, welchen Bereich der Tumor einnimmt.

Therapie: Die Überlebenschancen sind durch die Therapie heute gestiegen. Eine Chemotherapie vor der Operation, die sogenannte neoadjuvante Therapie, verbessert zunächst einmal die Chancen der operativen Behandlung. Denn dadurch kann der Tumor verkleinert werden und sich von der Haut zurückziehen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Operation und Wundheilung. Ob außerdem eine Therapie mit einem speziellen Antikörper sinnvoll ist, hängt von den biologischen Eigenschaften des Tumors ab. In der Regel wird die Brust nach der Vorbehandlung operiert. Spricht der Tumor sehr gut darauf an, ist ein brusterhaltendes Operieren möglich. Andernfalls wird die Brust abgenommen. Auch Lymphknoten entnimmt der Operateur. Nach dem Eingriff wird die Chemotherapie teilweise fortgesetzt. In der Regel schließt sich noch eine Strahlenbehandlung an.

Juckender Ausschlag an der Brustwarze: Paget-Tumor?

Die Paget-Erkrankung tritt bei etwa ein bis zwei Prozent der an Brustkrebs erkrankten Frauen auf, meist im fünften Lebensjahrzehnt. Es kommt zu einer ekzemähnlichen Veränderung der Brustwarze. Ekzem ist zuächst ganz allgemein ein Oberbegriff für eine Reihe entzündlicher, nicht ansteckender, juckender Hautveränderungen, die mit einer Rötung, Bläschen, Knötchen, Krusten, Nässen und Schwellung einhergehen.

Ein Ekzem im Brustwarzenbereich kann verschiedene Ursachen haben: Hautkrankheiten wie Neurodermitis (atopisches Ekzem), allergisches Kontaktekzem, Schuppenflechte (Psoriasis), Krätze (Skabies). Ärzte haben bei einem Brustwarzenekzem stets im Hinterkopf, eine bösartige Erkrankungsursache zeitnah auszuschließen. Je nach Diagnose kann der Hautarzt in Abstimmung mit dem behandelnden Frauenarzt die Entzündung beziehungsweise das Ekzem kurzfristig gezielt behandeln. Falls es sich um eine der genannten Hauterkrankungen handelt, klingt der Befund meist ab. Die feingewebliche Untersuchung ist aber bei jedem Brustwarzenekzem notwendig, das nach gezielter dermatologischer Therapie nicht abgeheilt ist oder wieder auftritt, sprich bei womöglich zweifelhaften Veränderungen, und selbstverständlich auch bei einem Tastbefund.

Beispiel atopisches Ekzem der Brustwarze: Was spricht dafür?

Entwarnung und wiederholte ärztliche Kontrollen sind hier ein Balanceakt. Die Krankengeschichte und Begleitsymptome können die Diagnose atopisches Ekzem aber durchaus wahrscheinlich machen. So kommt es häufiger bei jungen Frauen mit schon länger bekannter Atopie- beziehungsweise Allergieneigung zu Hautekzemen (wichtig: Allergietestung, Allergieneigung in der Familie). Ein atopisches Ekzem der Brustwarze (atopisches Mamillenekzem) tritt eher beidseitig auf. Die Haut ist ganz allgemein trocken, reagiert jedoch auf die örtliche Behandlung mit Kortison- und Basissalben. Außerdem treten wechselnd Ekzeme an anderen Hautstellen wie Hals und Streckseiten der Arme und Beine auf – typische und viel häufigere Lokalisationen des atopischen Ekzems im Erwachsenenalter. Der stark ausgeprägte Juckreiz führt zu Kratzeffekten, die erkrankten Hautstellen neigen zu Infektionen. Befall der Brustwarzen ist ein mögliches Zusatzzeichen, wie es das zum Beispiel auch manchmal vorhandener Ausfall der seitlichen Augenbrauen oder angeborene doppelte untere Lidfalten sein können.

Verbirgt sich hinter einem Ekzem im Brustwarzenbereich doch Krebs, was natürlich nicht immer auszuschleißen ist, kann es sich zum Beispiel um Brustkrebs oder ein duktales Carcinoma in situ (DCIS) handeln. Das ist eine von einem Milchgang ausgehende Krebsvorstufe. Die Krebszellen sind hier nicht über den Milchgang hinaus in die Umgebung vorgedrungen, es handelt sich also um einen nicht invasiven Krebs. Dagegen überschreitet der normale, invasive Brustkrebs mit der Zeit bestimmte Grenzen am Ort der Entstehung. Der Tumor kann im frühen Stadium auf den Milchgangsbereich unmittelbar hinter der Brustwarze beschränkt sein. Die eigentlichen Ursachen sind unbekannt. Hormonelle und erbliche Einflüsse spielen eine Rolle. Weitere mögliche Diagnosen, die mitunter aus der feingeweblichen Untersuchung resultieren können: ein papilläres Mamillenadenom (erosive Adenomatose, ein gutartiger Brusttumor), ein Morbus Bowen (begrenztes Karzinom der Haut, geht von den hornbildenden Zellen aus), eventuell ein Melanom (Hautkrebs).

Symptome, die auf eine Paget-Erkrankung hinweisen können: Typisch ist ein hartnäckiger, rötlicher Hautausschlag der Brustwarze und des Warzenhofs, der in eine leicht nässende, blutende oder Krusten bildende, aber nicht abheilende Wunde, eventuell ein Geschwür, übergeht. Die Veränderungen können mit Schmerzen oder einem Brennen verbunden sein und allmählich über die Brustwarze hinausreichen. Sie finden sich eher nur an einer Brust. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen ist ein Knoten tastbar.

Diagnose: Wichtig ist zunächst die Abgrenzung von anderen ekzemähnlichen Hauterkrankungen (siehe oben), die jedoch meistens vom Warzenhof auf die Brustwarze übergreifen und nicht, wie bei der Paget-Erkrankung, sich zunächst an der Brustwarze selbst entwickeln. Der Arzt wird die bildgebenden Diagnostikverfahren, wie sie für die Brust üblich sind, einleiten. Zusätzlich wird er einen Zellabstrich oder ausgepresstes Sekret aus der Brustwarze mikroskopisch untersuchen lassen und natürlich auch eine sachgerechte Gewebeprobe, eventuell ultraschallgesteuert, aus dem erkrankten Bereich entnehmen.

Therapie: Die Geschwulst wird operativ entfernt. Das Ausmaß der Operation hängt von der Art und Ausbreitung des Tumors ab. Brustwarze und Warzenhof und ein Teil des darunterliegenden Gewebes müssen in der Regel weggenommen werden, manchmal auch noch mehr Gewebe. Auch die Nachbehandlung hängt vom Einzelfall ab. Sie kann in einer Bestrahlung, bei begleitendem hormonempfindlichen Brustkrebs auch in einer Anti-Hormontherapie, sodann einer Chemotherapie bestehen. Eine Antikörper-Therapie kann infrage kommen, wenn das Tumorgewebe vermehrt den sogenannten HER2-Faktor ausbildet und dann besonders stark auf entsprechende Wachstumsreize reagiert. Eine Antikörper-Therapie kann diesen Mechanismus unterbrechen.

Vergrößerte Lymphknoten: Lymphadenopathie, Lymphome

Ein leicht vergrößerter Lymphknoten (Lymphadenopathie) im Brustgewebe ist häufig gutartig und muss auch nicht zwangsläufig getastet werden können. Er entspricht dann – bis zu einer bestimmten Größe – einem relativ typischen Befund in der Mammografie. Tastbare vergrößerte Lymphknoten, zum Beispiel in der Achselhöhle, können zum Beispiel Folge einer Infektion am Arm oder an der Hand sein. Außerdem können sie bei einer Brustentzündung (siehe oben und Kapitel "Brustentzündung") oder bei Brustkrebs auftreten. Die Mehrzahl der Lymphknotenschwellungen ist harmlos.

Wenn weitere Symptome wie etwa Fieber, Nachtschweiß oder ungewollte Gewichtsabnahme eine Lymphknotenschwellung begleiten, kommen bestimmte Infektionskrankheiten, mitunter eine sogenannte autoimmune Systemerkrankung, seltener auch eine bösartige Lymphknotenkrankheit in Betracht.

Bösartige Lymphknotenkrankheiten umfassen eine größere Zahl von krankhaften Veränderungen des lymphatischen Systems, die unter dem Begriff Lymphdrüsenkrebs oder maligne Lymphome zusammengefasst werden.

Die Diagnose bei einem in der Brust auffallenden Lymphknoten ergibt sich bei unklarer Bildgebung (Mammografie, Ultraschall) aus einer Biopsie, wenn weitere Symptome nicht von vorneherein andere Diagnoseschritte nahelegen. Die Therapie richtet sich nach der definitiven Diagnose. Ist sich der Radiologe sicher, dass eine Mammografieaufnahme einen einzelnen, nicht verdächtigen Lymphknoten aufzeigt, sind keine weiteren Maßnahmen außer den üblichen Kontrollen beim Frauenarzt notwendig. Er wird dann entscheiden, in welchem Rhythmus zum Beispiel weitere Mammografien stattfinden sollen.

Sarkom der Brust

Ein Sarkom ist eine eher aggressive Tumorform. Sarkome können schnell wachsen und neigen zur Wiederkehr. Sie gehen vom Bindegewebe aus und variieren feingeweblich stark. Es gibt teilweise auch Verbindungen zu bösartigen Vaianten des Phyllodes-Tumors (siehe Kapitel "Andere Geschwülste"). Nach der entsprechenden Diagnose aus einer Biopsie und bestimmten weiterführenden Untersuchungen werden diese Tumoren vollständig und mit einem größeren Saum gesunden Gewebes entfernt. Manchmal ist es unumgänglich, die Brust abzunehmen. Die weitere Behandlung sollte möglichst in einer interdisziplinären Ärztekonferenz in einem zertifizierten Brustzentrum festgelegt werden (weiterführende Informationen dazu im Kapitel "Überblick", unter Fachliteratur).