Chronische Bronchitis: Ursachen, Symptome, Therapie

Dauerhafter Husten mit Auswurf deutet auf eine chronische Bronchitis hin. Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor. Wer die Anzeichen ignoriert, riskiert eine ernste Lungenerkrankung

von apotheken-umschau.de, aktualisiert am 31.10.2018
Hartnäckiger Husten? Dahinter kann eine chronische Bronchitis stecken

Hartnäckiger Husten? Dahinter kann eine chronische Bronchitis stecken


Kurz zusammengefasst: Was ist eine chronische Bronchitis?

Chronische Bronchitis bedeutet, dass die Bronchien dauerhaft entzündet sind. Laut der Welt-Gesundheitsorganisation (WHO) gilt eine Bronchitis als chronisch, wenn die Symptome Husten und Auswurf in zwei aufeinander folgenden Jahren während mindestens drei Monaten pro Jahr durchgehend bestehen.

Die Bronchien sind die Fortsetzung der Luftröhre. Sie teilt sich am unteren Ende in zwei Hauptbronchien. Diese führen die Atemluft in die beiden Lungenflügel. Dort verzweigen sich die Bronchien immer feiner, bis sie in den mikroskopisch kleinen Lungenbläschen enden, wo der eigentliche Gasaustausch, also die lebensnotwendige Aufnahme von Sauerstoff und Abgabe von Kohlendioxid stattfindet.

An einer chronischen Bronchitis erkranken im Laufe des Lebens zirka zehn Prozent der Bevölkerung. Rauchen gilt als größter Risikofaktor (umgangssprachlich "Raucherhusten"), es gibt aber auch zahlreiche andere Auslöser, weshalb eine Reduktion auf das Rauchverhalten zu kurz greift.

Wichtigste Therapiemaßnahme für Raucher ist der Rauchstopp. Verschiedene Medikamente, angepasster Sport und spezielle Atemtechniken können zusätzlich helfen.

Aus einer chronischen Bronchitis kann sich eine COPD entwickeln – eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Die Atemwege sind dann dauerhaft verengt und Lungenbläschen werden abgebaut (Emphysem). Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber COPD und im Ratgeber Lungenemphysem.

Kind betroffen? Mehr erfahren Sie hier: Ständig Husten – wann ist das gefährlich?

Ursachen und Risikofaktoren: Wie entsteht eine chronische Bronchitis?

Risiko Tabakrauch: Rauchen ist die häufigste Ursache einer chronischen Bronchitis. Tabakrauch schädigt die Atemwege auf unterschiedliche Weise: Zum einen zerstört er die Flimmerhärchen in der Bronchialschleimhaut. Diese transportieren normalerweise Schleim und darin enthaltene Schadstoffpartikel ab und üben damit eine Reinigungsfunktion aus. Zum anderen fördert Tabakrauch entzündliche Vorgänge, schwächt das Immunsystem und bewirkt, dass mehr Schleim in den Bronchien gebildet wird. Besonders nachts im Liegen sammelt sich Sekret an, was zu morgendlichem Husten mit Auswurf führt. Auch Passivrauchen erhöht das Risiko für eine chronische Bronchitis.

Luftschadstoffe: Bestimmte Gase, Stäube und Dämpfe belasten manche Menschen am Arbeitsplatz. Diese Schadstoffe können ebenfalls zu Lungenproblemen führen und eine chronische Bronchitis auslösen.

Häufige Atemwegsinfekte: Bakterielle und virale Infektionen treten bei einer chronischen Bronchitis gehäuft auf. Oft bleibt dabei unklar, ob sie Ursache oder Folge der Atemwegserkrankung sind.

Genetische Ursachen: Eine gewisse genetische Komponente lässt sich bei der chronischen Bronchitis und ihren Folgen erkennen. Sehr gut charakterisiert sind der Alpha-1-Antitrypsinmangel, der das Risiko für ein Lungenemphysem erhöht und mit Symptomen einer chronischen Bronchitis einhergehen kann, die Mukoviszidose, deren Lungenbeteiligung ebenfalls oft als chronische Bronchitis beginnt und die Zilienfunktionsstörung, bei der Mutationen zu einer fehlenden oder fehlerhaften Ausbildung der Flimmerhärchen auf der Bronchialschleimhaut führt.

Andere Grunderkrankungen: Bestimmte Erkrankungen treten zusammen mit einer chronischen Bronchitis auf. Dabei können Ursache und Folge oft nur schwer identifiziert werden. Beispiele sind Asthma, chronische Nasennebenhöhlenentzündung und Lungentuberkulose. Ein hyperreaktives Bronchialsystem, wie es bei Menschen mit einer Allergie typisch ist, kann in seltenen Fällen eine chronische Bronchitis begünstigen.

Ist eine chronische Bronchitis ansteckend?

Eine chronische Bronchitis ist nicht im eigentlichen Sinne ansteckend – im Gegensatz zur akuten Bronchitis, bei der das häufig der Fall ist. Treten im Rahmen einer chronischen Bronchitis Atemwegsinfekte auf, können diese allerdings ansteckend sein.

Symptome: Wie macht sich die chronische Bronchitis bemerkbar?

Das klassische Symptom einer chronischen Bronchitis ist Husten mit Auswurf von zähem Schleim. Der Husten tritt vor allem morgens auf.

Eine chronische Bronchitis beginnt oft schleichend und kann zunächst unbemerkt voranschreiten. Denn einen verschleimten Husten, der für längere Zeit anhält, führen Betroffene oft auf eine vermeintlich harmlose, vielleicht "verschleppte" Erkältung zurück. Sie nehmen das Symptom nicht ernst.

Eine chronische Bronchitis kann fließend in eine COPD übergehen. Kommt es bei körperlicher Anstrengung zu Atemnot und einem Engegefühl im Brustkorb, ist das ein mögliches Zeichen, dass sich bereits eine COPD entwickelt hat. Hinter solchen Symptomen können allerdings auch andere Ursachen stecken, etwa eine Angina pectoris.

Ab wann ist eine Bronchitis chronisch?

Laut WHO-Definition handelt es sich um eine chronische Bronchitis, wenn die Beschwerden Husten und Auswurf in zwei aufeinander folgenden Jahren während mindestens drei Monaten pro Jahr an den meisten Tagen der Woche auftreten.

Was ist eine Exazerbation?

Von einer Exazerbation sprechen Ärzte, wenn sich die Beschwerden des Patienten plötzlich verschlechtern. Dies tritt vor allem bei fortgeschrittener Erkrankung und während der kalten Jahreszeit auf. In der Mehrzahl der Fälle sind Atemwegsinfekte der Auslöser. Besteht eine sehr schwere COPD, kann eine Exazerbation lebensbedrohlich werden.

Wichtig: Nehmen Sie Symptome der Atemwege ernst. Gehen Sie zum Arzt, wenn Beschwerden wie Husten hartnäckig anhalten oder wenn Kurzatmigkeit auftritt.

Chronische Bronchitis: Welche Folgen hat die Krankheit?

Schreitet eine chronische Bronchitis voran, kann das negative Folgen haben:

Lungenemphysem: Ein Lungenemphysem betrifft vor allem die Lungenbläschen der Lunge. Sie sind für die Aufnahme von Sauerstoff unverzichtbar. Bei einem Lungenemphysem verschmelzen sie allmählich zu größeren Blasen, die Wände der Lungenbläschen werden abgebaut. Luft bleibt so in der Lunge gefangen. Zudem nimmt die innere Oberfläche der Lunge immer weiter ab. Obwohl die Atemmuskulatur stärker aktiv wird, bleibt der Gasaustausch ungenügend. So entsteht das Gefühl von Atemnot oder Kurzatmigkeit. Ein Emphysem lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Ratgeber Lungenemphysem.

Rechtsherzinsuffizienz (Schwäche der rechten Herzkammer): Bei einem Lungenemphysem werden die Blutgefäße in der Lunge teils abgebaut, teils eng gestellt. Das Blut muss durch weniger und engere Gefäße fließen. Das wird nur durch einen erhöhten Druck möglich, ein Lungenhochdruck entsteht. Die rechte Kammer des Herzens muss mehr Kraft aufbringen, um das Blut in die Lunge zu pumpen. Das Herz vergrößert sich, die Muskelmasse nimmt zu, es arbeitet nicht mehr effizient. So kommt es zur Rechtsherzinsuffizienz mit Symptomen wie Atemnot und geschwollenen Beinen. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Ratgeber Herzschwäche.

Diagnose: Wie erkennt man eine chronische Bronchitis?

Informationen zu Beschwerden, Krankengeschichte und Lebensstil des Betroffenen liefern dem Arzt erste Hinweise. Als nächstes hört und klopft er den Brustkorb des Patienten ab. Unter Umständen ist ein pfeifendes oder brummendes Geräusch beim Ausatmen zu hören, bei Sekretverhalt in den Bronchien hört man auch bei der Einatmung rasselnde Atemgeräusche.

Die Diagnose der chronischen Bronchitis wird im Wesentlichen anhand der Angaben des Patienten gestellt. Allerdings muss der Arzt andere Krankheiten als mögliche Ursache der Beschwerden ausschließen, zum Beispiel Asthma, eine Lungenentzündung, eine Lungenembolie, Lungenkrebs, Tuberkulose oder Herzkrankheiten. Unterschiedliche Untersuchungen können dafür erforderlich sein. Chronischer Husten kann außerdem als Nebenwirkung bestimmter Medikamente entstehen (Blutdrucksenker: ACE-Hemmer) und tritt häufig im Zusammenhang mit Sodbrennen und Reflux auf. Mehr dazu im Ratgeber Gastroösophageale Refluxkrankheit.

Wichtig ist es, den Beginn einer Bronchialverengung so früh wie möglich zu erkennen, damit die Krankheit noch gut behandelbar ist. Deshalb überprüft der Arzt die Lungenfunktion mit einem Lungenfunktionstest, der Spirometrie. Der Patient pustet dazu mit maximaler Kraft in ein Messgerät, nachdem er tief eingeatmet hat. Mit dieser Methode wird unter anderem der Kennwert "FEV1" bestimmt: das forciert ausgeatmete (exspirierte) Volumen in der ersten Sekunde. Der FEV1-Wert in Relation zur insgesamt ausatembaren Luft (sogenannte expiratorische, forcierte Vitalkapazität, FVC) gibt Auskunft darüber, ob die Atemwege verengt sind, beziehungsweise wie sehr die Atmung beeinträchtigt ist. Mehr dazu lesen Sie im Text Spirometrie. Mit Hilfe der Ganzkörperplethysmografie lassen sich die Bronchialverengung und das Ausmaß einer Lungenüberblähung genauer und auch bei ruhiger, normaler Atmung erfassen. Eine Ganzkörperplethysmografie wird in der Regel nur vom Lungenfacharzt durchgeführt.

Eine Blutgasanalyse kann der Arzt einsetzen, um die Sauerstoffversorgung des Organismus und die Abatmung des Kohlendioxids zu überprüfen.

Mit Belastungstests (Fahrrad- oder Laufbandergometrie, Spiroergometrie) lassen sich Veränderungen der Lungenfunktion oft deutlicher und früher nachweisen als in Ruhe.

Bei Verdacht auf eine Infektion kann der Arzt auch eine Probe des morgendlichen Auswurfs (Sputum-Probe) auf Keime untersuchen lassen und ein Röntgenbild der Lunge anfertigen – letzteres kann auch ein Bronchialkarzinom sichtbar machen.

Des Weiteren kommen bei Bedarf Diagnoseverfahren wie eine Blutabnahme, eine Bronchoskopie (Lungenspiegelung) oder ein EKG (Elektrokardiogramm) infrage.

Therapie: Was hilft bei chronischer Bronchitis?

Rauchstopp / Expositionsstopp: Wer mit dem Rauchen aufhört, kann das Fortschreiten einer chronischen Bronchitis verlangsamen. Bereits drei Tage nach der letzten Zigarette verbessert sich die Lungenfunktion. Im Laufe der Zeit lässt der Husten nach, die Bronchien bilden weniger Schleim. Auch das Lungenkrebsrisiko reduziert sich deutlich. Wer anderen Schadstoffen in der Luft ausgesetzt ist, sollte versuchen, sie künftig zu meiden.

Medikamente: Sie bekämpfen nicht die Ursache der chronischen Bronchitis. Aber sie können Symptome lindern und das Wohlbefinden verbessern. Die genaue Therapie hängt unter anderem vom Schweregrad der Erkrankung ab. Bei einem geringen Schweregrad einer COPD verschreibt der Arzt kurz-wirksame bronchialerweiterende Medikamente (Beta-Sympathikomimetika oder Anticholinergika). Der Patient kann sie bei Bedarf nehmen, wenn er Luftnot verspürt. Schreitet die Erkrankung weiter voran, kommen meist langwirksame bronchialerweiternde Sprays hinzu, die der Betroffene regelmäßig anwendet. Zusätzlich kann der Arzt ein Kortison-Präparat verschreiben. Kortison wirkt entzündungshemmend. Mehr zur Behandlung bei COPD lesen Sie im Ratgeber Ratgeber COPD.

Weitere Maßnahmen

Atemphysiotherapie: Spezielle Atemtechniken (zum Beispiel die sogenannte Lippenbremse) und eine Körperhaltung, welche die Atmung erleichtert, tragen dazu bei, die Lebensqualität und Belastbarkeit trotz eingeschränkter Lungenfunktion zu erhalten.

Bewegung: Körperliches Training ist ein zentraler Bestandteil der Therapie. Wer angepassten Sport treibt – zum Beispiel in einer Lungensportgruppe – kann die Belastbarkeit und Funktionsfähigkeit seines Körpers bestmöglich erhalten. Regelmäßige körperliche Aktivität verringert außerdem das Risiko für eine Exazerbation, also eine plötzliche Verschlechterung der Bronchitis-Beschwerden. Der Sport sollte unter ärztlicher Anleitung stattfinden, damit sich der Patient nicht überfordert.

Ernährung: Übergewicht beeinflusst den Krankheitsverlauf ebenso wie Untergewicht. Vor allem letzteres geht mit einer ungünstigen Prognose einher. Eine angepasste Ernährung sollte in Zusammenarbeit mit einem Ernährungsexperten erfolgen.

Empfohlene Schutzimpfungen: Die Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie rät Patienten mit COPD, sich gegen die echte Grippe (Influenza) und gegen Pneumokokken impfen zu lassen.

Heilungschancen: Ist eine chronische Bronchitis heilbar?

Eine chronische Bronchitis kann sich im Anfangsstadium völlig zurückbilden. Damit ist eine Heilung grundsätzlich möglich. Entscheidend ist, dass Betroffene das Rauchen oder andere inhalative Schadstoffe eliminieren. Sind die Bronchien allerdings schon verengt, ist also eine COPD entstanden, lässt sich die Krankheit nicht mehr vollständig heilen. Der Verlauf und die Lebenserwartung können jedoch sehr wohl positiv beeinflusst werden – durch eine konsequente Therapie.

Prof. Dr. med. Jürgen Behr

Beratender Experte

Professor Dr. med. Jürgen Behr ist Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik V für Pneumologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Ärztlicher Direktor der Lungenfachklinik München-Gauting und Klinischer Leiter des Comprehensive Pneumology Center München. Er ist Facharzt für Innere Medizin (Teilgebiete Lungen- und Bronchialheilkunde, Kardiologie, Zusatzbezeichnung Allergologie) und forscht unter anderem über Lungenfibrose, Lungenhochdruck, COPD (chronisch obstruktive Bronchitis), Lungentransplantation und andere Lungenerkrankungen.

Quellen:

- Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin: Husten, Nr. 11 (Gültigkeit verlängert bis 02/2019)
- Classen, Diehl, Kochsiek: Innere Medizin, Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 6. Auflage
- Gerd Herold und Mitarbeiter: Innere Medizin, Köln Gerd Herold 2017
- Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP): Diagnostik, Prävention und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), Stand 01/2018

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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