COPD: Acht Strategien gegen Atemnot

Menschen, die an der chronischen Lungenkrankheit leiden, geht langsam die Luft aus. Jede Anstrengung wird zur Qual. Doch es gibt Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern

von Dr. Reinhard Door, aktualisiert am 07.11.2016
COPD

Eine COPD verändert die Lunge dauerhaft und beeinträchtigt die Lungenfunktion


Aha! Wenn Lungenärzte das sagen, hat dies nichts mit einer überraschenden Erkenntnis zu tun. Die Abkürzung AHA steht bei Medizinern für Atemnot, Husten, Auswurf. Also für das, was der Volksmund als Raucherhusten bezeichnet. Geht den Betroffenen die Luft aus, sollten sie die morgendlichen Hustenanfälle nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen. Spätestens dann wird es Zeit, das Laster anzugehen – und die Zigaretten sein zu lassen.

Es trifft in erster Linie Raucher

Gifte im Tabakqualm reizen die Lunge. Sie steckt das nicht immer so einfach weg. Fasern, die normalerweise die Bronchien offen halten, werden zerstört. Zudem gehen häufig die kleinen Lungenbläschen kaputt, über die Sauerstoff in das Blut gelangt und Kohlendioxid entweicht. Sie verschmelzen zu großen Hohlräumen, die sich aufblähen und kaum noch ihrer Funktion nachkommen. Ärzte sprechen dann von einem Emphysem. Mal betrifft die COPD (chronisch obstruktive Lungen­erkrankung) mehr die Bronchien, mal mehr die Lungenbläschen.

Chronische Bronchitis

Der Begriff COPD verheißt zunächst einmal nichts Gutes: Das Leiden ist chronisch, nicht heilbar. Die Bronchien sind obstruktiv, also verengt. Der Sauerstoff kann seinen Weg in die Tiefen der Lunge schlecht passieren und trifft dort zudem auf einen Luftstau. Die Folge: Atemnot bei Anstrengung. Im fortgeschrittenen Stadium wird jedes Treppensteigen zur Qual.

Mit dem Rauchen aufhören

Die Situation ist dennoch nicht hoffnungslos. Dass sich ihre Atemwege wieder vollständig öffnen, das dürfen COPD-Patienten nicht erwarten. Was kaputt ist, bleibt kaputt. Die Ziele der Therapie lauten deshalb, das Fortschreiten der Krankheit zu bremsen, die Atemnot zu lindern und den Betroffenen wieder zu ermöglichen, was ihnen das Leiden raubte: unbelastet unter Leute zu kommen und mobil zu bleiben auch ohne Auto, Aufzug, Rolltreppe und die Hilfe anderer.

Linderung ist meist möglich. Je weiter die COPD fortgeschritten ist, desto schwieriger gestaltet sich allerdings die Behandlung. Erkrankte suchen sich aber oft erst Hilfe, wenn ihre Lebensqualität bereits stark beeinträchtigt ist. Sie finden nicht die Kraft für einen Nikotinentzug. Haben nicht den Mut, mit einem Arzt über ihre Probleme zu sprechen. "Viele Patienten kommen so spät zum Arzt, weil der ihnen sagt, was sie nicht hören wollen", erklärt Professor Roland Buhl, "nämlich, dass sie mit dem Rauchen aufhören sollten."

Acht Wege, die Atemnot zu lindern

Hustenanfälle sind ein Alarmsignal

Als Leiter des Schwerpunkts Pneumologie an der Uniklinik Mainz hat Buhl täglich mit solchen Patienten zu tun. Er weiß, dass der Abschied von der Zigarette nicht leicht ist. Er weiß aber auch, dass das Leiden sonst gnadenlos fortschreiten würde – allen Therapien zum Trotz. Mit gezielten Programmen, Nikotinersatz und manchmal Medikamenten sei ein Ausstieg möglich. Der Experte betont: "Zum Aufhören ist es nie zu spät."

Auch Professor Berthold Jany will vermeiden, dass die COPD erst erkannt wird, wenn die Patienten schon massiv leiden. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin hat kürzlich Empfehlungen mitformuliert, die eben dieses Ziel verfolgen. Eine der Forderungen lautet: bei jedem Zigarettenkonsumenten die Lungenfunktion messen. "Viele Raucher haben sich an ihren Zustand gewöhnt", sagt Jany. "Ihnen ist nicht bewusst, dass Raucherhusten oft schon das Anzeichen einer COPD ist." Für das Messen der Lungenfunktion muss der Patient nicht unbedingt zum Facharzt. Viele Hausärzte sind entsprechend ausgestattet.

Neben der Lungenfunktion, den Beeinträchtigungen im Alltag und den Symptomen richtet sich die Therapie mittlerweile auch nach der Zahl und Schwere sogenannter Exazerbationen, kurzfristiger Krankheitsschübe.

Silvester wird es schlimmer

Die Ursache dafür sind meist Infekte, bisweilen auch bestimmte Wetterlagen oder Schadstoffe. "Ein typischer Aus­löser ist zum Beispiel der Rauch beim Silvesterfeuerwerk", berichtet Professor Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. In schweren Fällen müssen die Patienten ins Krankenhaus. Bei intensiver Behandlung klingen die heftigen Symptome zwar binnen einiger Wochen wieder ab. Doch je häufiger solche Episoden auftreten, desto schneller sinkt die Lungenleistung. Deshalb sollten Exazerbationen möglichst verhindert werden.