Weniger Salz bei Bluthochdruck ratsam?

Viele Ärzte sagen, zu viel Kochsalz im Essen erhöhe den Blutdruck. Deshalb raten sie, sparsam damit umzugehen. Über die optimale Salzmenge wird dennoch immer wieder diskutiert

von Gerlinde Gukelberger-Felix / Dr. Martina Melzer, 25.10.2016

Geschmacksträger Salz: Bei manchen Menschen beeinflusst es den Blutdruck


Salz – chemisch: Natriumchlorid – ist für den Körper wichtig. Denn Natrium und Chlorid braucht er unter anderem, um den Flüssigkeitshaushalt aufrechtzuerhalten. Außerdem, um den Blutdruck zu regulieren. Der Mensch nimmt Natriumchlorid in erster Linie durch Speisesalz zu sich. Um den täglichen Bedarf eines Erwachsenen ausreichend zu decken, reichen laut Bundesinstitut für Risikobewertung 3,8 Gramm Kochsalz aus.

Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in Bonn empfehlen, pro Tag nicht mehr als sechs Gramm Salz zu konsumieren. Laut den Bonner Ernährungsexperten nehmen die Deutschen aber deutlich mehr zu sich: Frauen im Schnitt 8,4 Gramm Speisesalz pro Tag, Männer 10 Gramm.

Ist das ein Problem? Viele Ärzte sagen: Ja. Denn ein Übermaß an Salz im Essen kann den Blutdruck erhöhen, welcher wiederum als Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall gilt. Außerdem sagen Mediziner, dass sich viele solcher Erkrankungsfälle vermeiden ließen, wenn die Menschen salzärmer leben würden.

Nicht jeder reagiert auf Salz mit einem Blutdruckanstieg

Wie groß der Einfluss von Salz auf den Blutdruck tatsächlich ist und was es dem Einzelnen bringt, an diesem Geschmacksträger zu sparen, darüber diskutieren Wissenschaftler dennoch immer wieder. So gibt es Menschen, bei denen der Blutdruck durch Salz im Essen ansteigt und solche, bei denen sich kaum ein Effekt zeigt. Unter den Bluthochdruckpatienten reagieren Studien zufolge circa 30 bis 50 Prozent auf Speisesalz sensibel. Sie werden als "salzsensitiv" oder "Kochsalz-Responder" bezeichnet. Unter denjenigen, die normale Blutdruckwerte haben, reagieren nur rund 10 bis 20 Prozent. Wessen Blutdruck vom Salz weitgehend unbeeinflusst bleibt, zählt zu den sogenannten Non-Respondern.

Schon seit Jahren suchen Forscher nach einer Möglichkeit, die individuelle Salzempfindlichkeit zuverlässig und alltagstauglich zu bestimmen. Denn sie ist nicht nur für Bluthochdruck, sondern auch für andere Krankheiten, zum Beispiel der Nieren, bedeutsam. Bis sich aber solche Tests bewährt haben und Ärzte gezielte Empfehlungen abgeben können, gilt: Wer zu hohen Blutdruck hat, sollte darauf achten, nicht zu viel Salz zu essen.

Wissenschaftler des renommierten Cochrane-Instituts haben zahlreiche Studien unter die Lupe genommen und überprüft, wie sehr der Blutdruck im Schnitt durch Salzeinsparen sinkt. Ergebnis: Wer es schafft, seinen Salzkonsum von rund 12 Gramm auf etwa sechs Gramm täglich zu reduzieren, dessen systolischer Blutdruckwert sinkt um circa fünf bis sechs mmHg, der diastolische um etwa zwei bis drei mmHg.

Fertigprodukte enthalten viel Salz

Wer Salz einsparen möchte, muss umdenken. "Etwa 75 bis 90 Prozent des Speisesalzes nehmen die Menschen über verarbeitete Lebensmittel und Außer-Haus-Verzehr zu sich", sagt die Ernährungswissenschaftlerin Professor Sabine Ellinger von der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Zu den verarbeiteten Lebensmitteln zählen unter anderem Brot, Käse und Wurstwaren. Auch Dosengemüse ist kräftig gesalzen, weil Salz gut konserviert. Fertiggerichte enthalten auch häufig relativ viel Salz.

"Nicht vergessen darf man Mineralwasser, das mitunter einen hohen Natriumgehalt aufweisen kann. Wer Kochsalz einsparen möchte, sollte natriumarmes Mineralwasser kaufen", rät die Ernährungswissenschaftlerin. Wer selbst frisches Essen zubereitet, hat den Vorteil, dass er die zugesetzte Salzmenge kontrollieren kann. Außerdem lässt sich Salz sparen, indem man mehr mit Kräutern würzt.

Ist zu wenig Salz auch schädlich?

Studien haben gezeigt, dass der Blutdruck umso mehr sinkt, je mehr man am Salz spart. Wäre es da nicht naheliegend den Salzkonsum unter sechs Gramm täglich zu reduzieren? "Bei Patienten mit Bluthochdruck ist das nicht realistisch. Und für all jene Menschen mit normalen Blutdruckwerten ist es nicht notwendig", sagt Professor Martin Hausberg, Direktor der Medizinischen Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Nephrologie, Rheumatologie und Pneumologie am Städtischen Klinikum Karlsruhe.

Möglicherweise schadet es sogar, zu wenig Salz zu sich zu nehmen. Umfangreiche Studien deuten an, dass für die Sterblichkeit eine U-förmige Kurve besteht. "Bei über zwölf Gramm und unter sechs Gramm Kochsalz täglich nahm die Sterblichkeit zu. Im Bereich dazwischen blieb sie konstant", sagt Hausberg. Eine Studie mit über 130.000 Teilnehmern, die 2016 im Fachmagazin The Lancet erschien, zeigte unter anderem: Menschen mit Bluthochdruck, die mehr als sieben oder weniger als drei Gramm Salz pro Tag verzehrten, hatten ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Fazit:

  • Studien weisen daraufhin, dass bei vielen Menschen zu viel Salz wohl genauso ungesund ist wie zu wenig.
  • Da die Deutschen im Schnitt aber deutlich über den derzeitigen Empfehlungen der Fachgesellschaften liegen, sollten zumindest Patienten mit zu hohem Blutdruck, darauf achten, eher sparsam mit Salz umzugehen.
  • Das gelingt am einfachsten, indem man möglichst wenig Fertigprodukte zu sich nimmt und dafür mehr selbst kocht.
  • Wie sehr Menschen mit Bluthochdruck davon profitieren, weniger Salz zu essen, ist individuell sehr unterschiedlich und wird unter Experten nach wie vor kontrovers diskutiert.

Kochsalzgehalt in Lebensmitteln

Lebensmittel NaCl (g/100g) NaCl (g/Portion) Portion (g)
Erbsen (frisch/tiefgekühlt) 0,005 0,008 150
Erbsen, zub. mit Salz und Fett 0,42 0,63 150
Kichererbsen (Konserve) 0,61 0,91 150
Möhre, roh 0,15 0,23 150
Möhre, Konserve 0,62 0,93 150
Roggenmischbrot 1,36 0,61 45
Roggenvollkornbrot 1,33 0,67 50
Weizenbrot 1,37 0,41 30
Weizenvollkornbrot 1,17 0,58 50
Schweineschnitzel natur 0,15 0,19 125
Rind (Roastbeef) 0,14 0,18 125
Bockwurst 1,78 2,22 125
Bratwurst (fein) 1,72 2,59 150
Currybratwurst 1,93 2,9 150
Bierschinken 2,16 0,54 25
Kasseler, Aufschnitt 3,56 1,07 30
Putenbrust 3,1 0,78 25
Döner Kebap 1,27 4,45 350
Hamburger, groß 1,19 2,39 200
Laugenbrezel mit Butter 2,67 2,13 80
Pizza Margherita 1,27 3,81 300
Pizza Salami 1,4 4,19 300
Kuhmilch, 3,5% Fett 0,11 0,17 150
Fruchtjoghurt, 3,5% Fett 0,13 0,19 150
Allgäuer Hartkäse, 50% Fett i.Tr. 1,52 0,46 30
Gouda, 40% Fett i.Tr. 2,77 0,83 30
Apfel 0,003 0,003 125
Erdbeeren 0,008 0,01 125

Quelle: Heseker/Heseker: Die Nährwerttabelle. 2. Auflage. Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt an der Weinstraße, 2012

Fachliche Beratung und Information: Professorin Sabine Ellinger