Bluthochdruck (Hypertonie): Therapie

Gegen Bluthochdruck bewähren sich seit langem Medikamente. Eine gefäßfreundliche Lebensweise und die Behandlung auslösender Grunderkrankungen gehören immer zur Therapie
aktualisiert am 04.10.2017

Medikamente können den Blutdruck nachhaltig senken

istock/Lori Caryn

Blutdruck selbst messen: Am besten mit einem qualitätsgeprüften Oberarmgerät

W&B/Martin Ley

Gegen Bluthochdruck bewähren sich seit langem Medikamente. Eine gefäßfreundliche Lebensweise und die Behandlung auslösender Grunderkrankungen gehören immer zur Therapie dazu. Mehr dazu lesen Sie im Kapitel "Bluthochdruck (Hypertonie): Wissenswertes für Betroffene" in diesem Ratgeber. Wann also Medikamente?

Die Behandlung mit Blutdrucksenkern wird eingeleitet, wenn ein gesünderer Lebensstil nicht in die Tat umgesetzt werden kann, wenn der erhöhte Blutdruck sich nach einigen Monaten nicht im wünschenswerten Maße gebessert hat, oder wenn die gemessenen Blutdruckwerte von Anfang an sehr hoch sind. Liegen zusätzliche Herz-Kreislauf-Risikofaktoren vor, gilt es, den Blutdruck besonders sorgfältig im Normalbereich zu halten (siehe "Zielwerte") und natürlich auch den Risikofaktoren gegenzusteuern. Für den Blutzucker heißt das zum Beispiel, normnahe Werte zu erreichen.

Sind bereits hochdruckbedingte Organschäden eingetreten, beispielsweise an den Nieren oder am Herzen, oder besteht eine Herzkranzgefäßerkrankung (Koronare Herzkrankheit), dann ist eine umfassendere Behandlung notwendig. Dabei sind gute Blutdruckwerte ein zentraler Punkt.


Allgemeine Zielwerte der Blutdrucksenkung

  • Der Arzt wird die für den einzelnen Patienten optimalen Zielwerte in erster Linie an dessen persönlichem Herz-Kreislauf-Risiko ausrichten. Das heißt: Maßgebend ist, ob der Betroffene bereits eine Erkrankung wie zum Beispiel einen Herzinfarkt durchgemacht hat oder ob bei ihm innerhalb der nächsten zehn Jahre ein deutlich erhöhtes Risiko dafür besteht. Dabei wird auch das mögliche Risiko für einen Schlaganfall miteinbezogen. Diese Herz- und Gefäßrisiken lassen sich anhand bestimmter Faktoren und medizinischer Befunde berechnen. Ebenfalls eine Rolle spielen einige chronische Nierenerkrankungen. Mehr dazu im nächsten Textkasten.

  • Ist dies alles nicht der Fall, hat der Betroffene zudem keinen Diabetes und ist jünger als 75 Jahre alt, sollte sein Blutdruck nach derzeitigen Empfehlungen (Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL®, Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention) auf Werte unter 140/90 mmHg (Messungen in der Arztpraxis) gesenkt werden. Entsprechende Zielwerte bei Selbstmessungen: unter 135/85 mmHg.

  • Tipps zu den Selbstmessungen: Mindestens eine Woche vor dem nächsten Arztbesuch täglich vier Messungen über sieben Tage zu Hause durchführen, zwei morgens, zwei abends. Am besten eignet sich dazu ein aktuelles, qualitätsgeprüftes (validiertes) Oberarmgerät.

Blutdruck: Selbstmessung und Praxismessung ergänzen sich optimal

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Zielblutdruck in speziellen Situationen

Bestimmte Patienten haben ein erhöhtes Herzkreislaufrisiko. Der Fachbegriff dafür: kardiovaskuläres Risiko. Das sind einmal Herzpatienten, die an einer Herz-Kreislauferkrankung leiden oder eine solche haben, ohne dass diese sich bereits mit Beschwerden bemerkbar gemacht hat. Ein schon durchgemachter Schlaganfall ist hier ausgenommen. Aber auch Pateinten mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine Herzkreislaufkrankheit, in diesem Fall einschließlich Schlaganfall (siehe auch Textkasten oben), gehören dazu. Ihnen allen empfiehlt die Hochdruckliga, erhöhte systolische Blutdruckwerte auf Werte unter 135 mmHg zu senken, wobei ein Bereich von 125 bis 134 mmHg akzeptabel erscheint. Der diastolische Blutdruck sollte Werte unter 85 mmHg erreichen.

Dieselben Zielwerte gelten für Patienten mit bestimmten chronischen Nierenkrankheiten und Patienten im Alter ab 75 Jahren, da auch sie prinzipiell der Patientengruppe mit erhöhtem Herz- und Gefäßrisiko zugeordnet werden. Immer gilt: Die Betroffenen haben noch keinen Schlaganfall erlitten.

Der systolische Blutdruck sollte bei allen genannten Patientengruppen aber nicht unter 120 mmHg sinken. Der diastolische Druck sollte 70 mmHg nicht unterschreiten, sofern speziell der Gesundheitszustand der Herzkranzgefäße noch nicht genau abgeklärt wurde.

Die Therapie wird, eine normale Behandlungssituation vorausgesetzt, jeweils behutsam eingeleitet und der Blutdruck in kürzeren Abständen kontrolliert.

Patienten mit Diabetes mellitus sollten nach den Leitlinien der europäischen Hypertoniegesellschaft (siehe Kapitel "Bluthochdruck (Hypertonie): Fachliteratur" in diesem Ratgeber) auf Blutdruck-Werte unter 140/85 mmHg eingestellt werden. Falls bei einem Diabetiker ein beginnender Nierenschaden festgestellt wurde, wird eine Behandlung des Blutdrucks auch bereits bei hoch normalen Werten empfohlen. Die Therapie hat hier unter anderem zum Ziel, die Nieren abzuschirmen. Auf einen beginnenden diabetischen Nierenschaden kann zum Beispiel eine vermehrte Eiweißausscheidung hinweisen (siehe Abschnitt "Urineiweiß-Differenzierung" im Kapitel "Bluthochdruck (Hypertonie): Diagnose").

Blutdruckmedikamente: Kombi-Präparate vereinfachen die Therapie

Thinkstock/iStockphoto

Blutdrucksenker im Überblick

Zur medikamentösen Behandlung des Hochdrucks stehen folgende Medikamente, einzeln oder kombiniert einsetzbar, zur Verfügung:

  • Diuretika
  • ACE-Hemmer
  • AT-1-Rezeptor-Antagonisten
  • Betarezeptorenblocker
  • Kalziumantagonisten
  • Reninantagonist Aliskiren und ältere Reservearzneistoffe

Diuretika

In diese Rubrik gehören Thiaziddiuretika, Schleifendiuretika und kaliumsparende Diuretika. Bei diesen reihen sich auch sogenannte Aldosteronantagonisten wie Spironolacton oder Eplerenon ein. Diuretika senken schon in niedriger Dosis den Blutdruck. Sie wirken zunächst gefäßerweiternd, ab einer bestimmten Dosis steigern sie die Kochsalzausscheidung und reduzieren im gleichen Zuge das Flüssigkeitsvolumen im Körper. Diuretika eignen sich besonders zur Kombination mit anderen Blutdrucksenkern, da sie auch in niedriger Dosierung deren Wirkung verstärken. Bei Herzschwäche und Nierenschwäche sind sie unverzichtbar.

Insbesondere Thiaziddiuretika können den Cholesterin-, Fett- und Zuckerstoffwechsel ungünstig beeinflussen. Die Ausscheidung der Harnsäure kann beeinträchtigt (Folge: der Harnsäurespiegel im Blut steigt, ein Problem, wenn jemand zu Gicht neigt), die von Kalium und Magnesium gesteigert werden (Folge: Kalium- und Magnesiummangel, oft ungünstig bei Neigung zu Herzrhythmusstörungen). Dennoch wird der Arzt individuell entscheiden, ob die mit einem Thiaziddiuretikum erreichte Drucksenkung nicht doch mehr Vor- als Nachteile für die Gesundheit bringt.

ACE-Hemmer, AT-1-Rezeptorantagonisten und der Reninantagonist Aliskiren

ACE-Hemmer und AT-1-Rezeptor-Antagonisten und die Substanz Aliskiren senken den Blutdruck, indem sie in das körpereigene Renin-Angiotensin-(Aldosteron-)System (RAS) eingreifen.

In Kürze: Das Enzym Renin aktiviert den Stoff Angiotensin I, der durch das Enzym ACE (Abkürzung für Angiotensin converting enzyme) in Angiotensin II umgewandelt wird. Angiotensin II ist ein hochwirksamer Blutdruckstimulator. ACE-Hemmer blockieren seine Bildung, allerdings nicht vollständig, da Nebenwege offen bleiben. AT-1-Rezeptor-Antagonisten hemmen vor allem die sehr blutdruckwirksame Angiotensin-II-Bindung an den AT-1-Rezeptor. Mehr dazu im Kapitel "Bluthochdruck (Hypertonie): Ursachen, Risikofaktoren".

Beide Arzneistoffgruppen können diabetische Nierenschäden verlangsamen und das Risiko für einen Schlaganfall senken. Die Dämpfung des RAS ist günstig beim Hochdruckherz (verdickte und/oder vergrößerte linke Herzkammer) sowie bei einer Herzmuskel- und Nierenschwäche. Wenn sich unter einem ACE-Hemmer ein Reizhusten einstellt, ist der Wechsel zu einem AT-1-Rezeptor-Antagonisten empfehlenswert.

Der Arzneistoff Aliskiren, der derzeit nicht zu den Blutdrucksenkern der ersten Wahl gehört, hemmt die Aktivität des Enzyms Renin, insofern der Name Reninantagonist. Dadurch werden deutlich weniger Angiotensin I, Angiotensin II und Aldosteron aktiv, der Druck sinkt. Zu den häufigen Nebenwirkungen von Aliskiren gehört Durchfall. RAS-wirksame Blutdrucksenker im "Doppelpack" (duale RAS-Blockade durch einen ACE-Hemmer und einen AT-1-Rezeptor-Antagonisten) werden nicht empfohlen. Für Aliskiren besteht diesbezüglich sogar eine Gegenanzeige, nämlich bei Patienten, die einen Diabetes oder eine Nierenfunktionsstörung haben.

Betarezeptorenblocker

Betarezeptorenblocker (kurz: Betablocker) schirmen den Organismus gegen die Wirkung des antreibenden Sympatikus beziehungsweise der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin ab, indem sie die entsprechenden Empfangsstellen oder Rezeptoren an den Zellen blockieren. Es gibt verschiedene solcher Rezeptoren. Beta-1-Rezeptor-selektive Arzneistoffe wie zum Beispiel Metoprolol oder Bisoprolol zielen dabei besonders auf die Rezeptoren für Adrenalin und Noradrenalin am Herzen; nicht beta-1-selektiv sind Propranolol oder Pindolol. Sie können beispielsweise auch gegen Migräne eingesetzt werden. Andere Betablocker, die als Nebeneffekt mehr oder weniger deutlich die Gefäße erweitern können, sind zum Beispiel Carvedilol und Nebivolol. So ist etwa Carvedilol auch bei arterieller Verschlusserkrankung der Beine (pAVK, Verkalkung der Beinarterien) vertretbar, sofern nicht schwer ausgeprägt.

Nicht angezeigt (kontraindiziert) sind Betablocker bei Bronchialasthma, schweren chronischen Lungenkrankheiten (Ausnahme zum Beispiel: COPD), ausgeprägten Durchblutungsstörungen der Gliedmaßen (zu Carvedilol siehe oben), akuter Herzschwäche, deutlich verlangsamtem Herzschlag oder Herzblock. Vorsicht geboten ist bei einer Betablockerbehandlung von Diabetikern, die zu Unterzuckerungen neigen. Zudem können Betablocker einen Diabetes bei entsprechender Veranlagung begünstigen. Auch Patienten, die an einer Depression, Schuppenflechte (Psoriasis) oder erektilen Dysfunktion leiden, sollten möglichst keine Betablocker einnehmen.

Der Stellenwert der Betablocker in der Hochdrucktherapie hat sich verändert. Für Patienten mit einem Hochdruckherz, mit einem überaktiven Sympathikus-Nervensystem, mit einer Herzkranzgefäßerkrankung, nach einem Herzinfarkt oder mit Herzschwäche ist ihr therapeutischer Nutzen unumstritten. Die Schutzwirkung im Hinblick auf das Schlaganfallrisiko ist weniger ausgeprägt, für einen Herzinfarkt dagegen gut belegt.

Kalziumantagonisten

Gegen Bluthochdruck werden lang wirksame wirksame Kalziumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ, etwa Amlodipin oder Lercanidipin, eingesetzt. Sie bremsen den Einstrom von Kalzium in die Zellen, entspannen die Gefäßmuskulatur und verbessern so die Elastizität der Gefäße. Daher sind sie auch bei "stabiler" Herzkranzgefäßerkrankung (Koronare Herzkrankheit) geeignet. Das Schlaganfallrisiko beeinflussen sie günstig, und Diabetes ist keine Einschränkung. Mögliche unerwünschte Effekte sind Gesichtsrötungen, Kopfschmerzen, Fußschwellungen, Schlafstörungen, Hautreaktionen.


Versorger des Herzens: Die Herzkranzgefäße

W&B/Szczesny

Bewährte Medikamentenkombinationen

Bei der Ersttherapie wird oft eine niedrig dosierte Medikamentenkombination eingesetzt. Infrage kommt beispielsweise ein Hemmer des RAS plus ein Kalziumantagonist. Diese Kombination scheint sich besonders bei Hochdruckpatienten anzubieten, die wegen bestimmter Begleiterkrankungen, etwa Diabetes oder Herzkranzgefäßerkrankung (Koronare Herzkrankheit), ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko haben. RAS-Hemmer oder Betablocker können auch mit einem Diuretikum gepaart werden. Die Kombination eines ACE-Hemmers und eines AT-1-Rezeptor-Antagonisten, also von RAS-Blockern, ist nicht empfehlenswert.

Wann ist der beste Einnahmezeitpunkt?

Die Regel lautet: Einnahme zu Beginn der Aktivphase. Viele Betroffene kommen mit der morgendlichen Einnahme ihres Medikamentes tatsächlich auch gut zurecht. Manchmal ist jedoch die Anwendung eines der Medikamente oder eines weiteren am Abend günstig, um den Blutdruck nachts oder tags wie nachts noch besser in den Griff zu bekommen. Bei zu tiefen Blutdruckwerten in der Nacht ist die abendliche Einnahme dagegen nicht sinnvoll. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Arzt dazu beraten.


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Weißkittelhochdruck und maskierter Hochdruck: Harmlos oder heimtückisch?

Es kommt immer wieder vor, dass Patienten bei der Blutdruckmessung in der Arztpraxis erhöhte Werte haben – manchmal schon, bevor sie den Arzt erblicken. Messen sie zu Hause nach, ist alles im grünen Bereich. Ein Fall von Weißkittelhochdruck? Bei der mutmaßlich maskierten Hypertonie ist es genau umgekehrt: Der Arzt misst einen normalen, allenfalls grenzwertigen Blutdruck, während Selbstmessungen der Betroffenen eindeutig erhöhte Werte ergeben. Pure Aufregung das eine, systematischer Messfehler das andere?

Klarheit kann in beiden Fällen in der Regel eine ambulante Langzeitblutdruckmessung bringen – anhand des mittleren Blutdrucks in 24 Stunden und des Blutdruckverlaufes tagsüber und nachts. Der sogenannte Weißkittelhochdruck ist nicht weiter besorgniserregend, wenn sich bei genauerer Prüfung der Blutdruck als normal (oder normalisiert) und mögliche Risikofaktoren als gut kontrolliert erweisen.

Der maskierte, vermeintlich normale oder mit Medikamenten gut eingestellte, de facto aber unkontrollierte Blutdruck ist die problematischere Variante, weil er häufig mit "heimlichen" Herzkreislaufrisiken einhergeht  – von Dauerstress bis Rauchen, von Bauchfett bis Diabetes, von Übergewicht bis Schlafapnoe. Letztere betrifft häufiger Männer unter 65 Jahren, und offenbar nicht einmal wenige. Hier heißt es: aufpassen, den Blutdruck zuverlässig kontrollieren und optimieren. Das Kapitel "Bluthochdruck (Hypertonie): Ursachen, Risikofaktoren" informiert Sie genauer.


Stimmt etwas nicht? Unklare Messergebnisse vom Arzt kontrollieren lassen

W&B/Jan Greune

Wenn die Therapie nicht anschlägt – Einnahmeprobleme & Co.?

Anfangs ist Geduld gefragt: Die meisten Blutdrucksenker erreichen erst nach drei bis vier Wochen ihre volle Wirkung. Erst dann lässt sich der Therapieerfolg beurteilen. Das gilt auch, wenn die Dosis erhöht wird. Tatsächlich benötigen viele Patienten eine Dreifachkombination aus den empfohlenen Medikamenten, darunter ein Diuretikum. Bei hartnäckig hohen Werten kann der Arzt ein Medikament aus der zweiten Reihe wählen: Moxonidin, Minoxidil, alpha-Methyldopa. Lässt sich der Druck damit nicht unter 140/90 mmHg senken, gilt er als therapieresistent.

Dann können verschiedene Hindernisse vorliegen. Infrage kommen zum Beispiel andere Medikamente, welche die Wirkung der Drucksenker durchkreuzen. In diesem Fall müsste die Therapie, soweit machbar, umgestellt werden. Es kann auch sein, dass die Blutdruckmedikamente selbst zu nachteiligen Reaktionen des Körpers führen. Andere Gründe sind eine unregelmäßige oder unzureichende Einnahme.

Oft sind auch die Folgen eines ungesunden Lebensstils ausschlaggebend, der eigentlich beeinflussbar ist: Bewegungsmangel, zu hoher Salz- und Alkoholkonsum, Fettleibigkeit. Auch hier wird der Arzt spezielle Therapieoptionen prüfen, um dem Problem beizukommen. Schließlich kann eine sekundäre Hypertonie vorliegen, die bislang noch nicht bekannt ist (mehr dazu wiederum im Kapitel "Bluthochdruck (Hypertonie): Diagnose"). Den Weißkitteleffekt, also einen nur in der Arztpraxis erhöhten Blutdruck, hat der Arzt bei dieser Problematik durch eine Langzeitblutdruckmessung in der Regel ausgeschlossen (siehe oben).

Neue Wege: Katheterbehandlung, Schrittmacher

Die Denervation der Nierennerven (auch renale Denervation, weiterer Fachbegriff: renale Sympathikus-Hochfrequenzablation) und der Baroreflex-Schrittmacher sind zwei neue technische Verfahren in der Bluthochdrucktherapie. Derzeit aber nur als eine Option bei ausgewählten Patienten und in spezialisierten Kliniken. Die Ergebnisse werden noch genauer geprüft.

Renale Denervation
Schon seit einiger Zeit gibt es den Ansatz, Nervenbahnen in den Wänden der Nierenarterien mit Hochfrequenzstrom zu veröden, sie sozusagen stillzulegen. Eine chronische Stresswirkung durchbrechen ... geht das wirklich? Offenbar ja. Bei Patienten mit deutlich erhöhten Blutdruckwerten ließ sich in einer neueren Studie der Blutdruck durch das Katheterverfahren ohne gleichzeitige Einnahme von Medikamenten zuverlässig senken. Bei dem etwa einstündigen Eingriff wird ein hauschdünner Schlauch von der Leiste aus über die Bauchschlagader in die Hauptnierenarterien vorgeschoben. An der Spitze des Instrumentes befinden sich Elektroden, die über einen Hochfrequenzstrom erhitzt werden können. Eine Narkose ist nicht notwendig, wohl aber Röntgenkontrollen mit Kontrastmittel. Die renale Denervierung könnte – vorbehaltlich der Bestätigung durch weitere Studien – vor allem denjenigen Patienten eine Chance geben, die trotz der Einnahme mehrerer Medikamente zu hohe Blutdruckwerte haben. 

Baroreflex-Schrittmacher

Eine andere Option bei schwer behandelbarem Bluthochdruck ist die sogenannte Barorezeptor-Stimulation. Barorezeptoren sind spezielle Blutdruckregler in der Wand der Halsschlagadern. Sie reagieren auf Dehnungen der Gefäßwand und senden ihre Impulse an das Kreislaufzentrum im Gehirn. Dieses veranlasst notwendige Anpassungen, etwa der Herztätigkeit und des Gefäßtonus. Bei hartnäckigem Bluthochdruck kann die Empfindlichkeit der Barorezeptoren verändert sein, drucksenkende Impulse können ausbleiben. Die künstliche Stimulation mit einem Schrittmacher überspielt das gewissermaßen.

Dafür wird in einem chirurgischen Eingriff ein Zugang zur Halsschlagader geschaffen und eine Elektrode untergebracht, mit der sich die dort liegenden Barorezeptoren reizen lassen. Der angeschlossene Impulsgeber wird unterhalb des Schlüsselbeins unter der Haut platziert.


Schwindel, Atemnot, Brustenge sind Alarmzeichen, gerade auch bei Bluthochdruck

Dynamic Graphics/ John Foxx/ RYF

Was tun bei einer Blutdruckkrise?

Krisenhafte Blutdruckanstiege sind immer ein Alarmzeichen. Die Betroffenen spüren die sich anbahnende Entgleisung oft, aber durchaus nicht immer. Schwindel, Unruhe, Angst, Zittern, Panikgefühle, Atemnot, Engegefühl der Brust – das sind mögliche Anzeichen.

Entscheidend ist nicht allein das Ausmaß des momentanen Druckanstieges. Vielmehr sind mögliche Reaktionen sensibler Organe – Herz und Herzkranzgefäße, Hauptschlagader, Gehirn, Nieren, Augen – Gradmesser für die Gefährlichkeit der Situation. Treten also im Zuge der Druckerhöhung Brustschmerzen, ausgeprägte Atemnot, Sehstörungen oder sogar ein Kollaps auf, ist das ein absoluter Notfall; eine Behandlung in der Klinik ist unumgänglich.

Demgegenüber lässt sich eine starke Erhöhung des Blutdrucks ohne alarmierende Begleitsymptome meist gut beherrschen. Der Druck wird hier eher langsam gesenkt. Dies ist oft ambulant möglich. Vor allem dann, wenn der Hochdruck bereits bekannt und medikamentös eingestellt worden ist, noch keine Organschäden durch den Bluthochdruck eingetreten sind und eine engmaschige ärztliche Kontrolle gesichert ist. Oft legen sich sehr hohe Werte nach etwas Ruhe wieder von selbst. Um mögliche Gefahren abzuwenden, rufen Sie aber in jedem Fall Ihren Hausarzt an. Er wird Ihnen sagen, was zu tun ist und wie Sie sich jetzt am besten verhalten.


Schilddrüse: Manchmal der Schlüssel zum Bluthochdruck

W&B/Szczesny

Behandlung bei sekundärer Hypertonie

Die Therapie gestaltet sich hier nach Möglichkeit ursachenbezogen. So lassen sich zum Beispiel Funktionsstörungen der Schilddrüse, die mit einem Zuviel oder Zuwenig an Schilddrüsenhormon einhergehen, gezielt behandeln. Dann sollte sich neben anderen Beschwerden auch der Blutdruck normalisieren.

Tumoren der Nebennieren

- Primärer Hyperaldosteronismus, Conn-Syndrom – Tumoren mit vermehrter Aldosteronbildung: Ein Nebennierentumor nur auf einer Seite kann beispielsweise mittels Bauchspiegelung (laparoskopische Adrenalektomie) entfernt werden. Bei einem beidseitigen Nebennierenrinden-Tumor können Medikamente vom Typ der Aldosteronantagonisten den Blutdruck senken. Dies gilt auch für eine ein- oder beidseitige Vergrößerung der Nebennierenrinde (Hyperplasie).

- Morbus Cushing: Auch hier ist die Ursache ausschlaggebend für die Therapie. Ein Tumor der Nebennierenrinde, der eigenständig Kortison bildet, kann in einer Operation oder einem laparoskopischen Eingriff entfernt werden. Spezielle Therapien sind bei Ursachen wie einem Tumor der Hirnanhangdrüse angezeigt. Am häufigsten liegt einem Morbus Cushing aber eine Langzeit-Hormonbehandlung mit Kortison oder ACTH wegen einer anderen Erkrankung, etwa einer Autoimmunkrankheit, zugrunde. Die behandelnden Ärzte bemühen sich hier stets, notwendiges Kortison so sparsam wie möglich zu dosieren. Leider haben die bei der Therapie von Autoimmunkrankheiten eingesetzten Medikamente häufig Nebenwirkungen. Der Arzt wird versuchen, die Therapie insgesamt bestmöglich auszubalancieren und Nebenwirkungen so weit wie möglich zu vermeiden.

- Phäochromozytom: Häufig kommt hier eine laparoskopische oder operative Tumorentfernung nach medikamentöser Vorbehandlung als Schutz vor Blutdruckentgleisungen zum Einsatz. Andernfalls kann eine spezielle medikamentöse Therapie helfen. Bei bösartigen Phäöchromozytom-Formen kann unter bestimmten Voraussetzungen auch eine nuklearmedizinische Strahlentherapie infrage kommen.

Nierenarterienstenose

Verursacht eine arteriosklerotische Nierengefäßverengung den Bluthochdruck, wird häufig eine medikamentöse Therapie eingeleitet. Zum Beispiel bietet sich hier ein Arzneimittel an, welches in das schon mehrfach genannte Renin-Angiotensin-(Aldosteron-)System (RAS) eingreift. Allerdings müssen der Blutdruck und die Nierenfunktion unter dieser Behandlung engmaschig kontrolliert werden. Wenn sich das Krankheitsbild verschlechtert oder schon Komplikationen aufgetreten sind, kann im Einzelfall ein Kathetereingriff, bei dem das Gefäß erweitert und meist noch eine Gefäßstütze eingelegt wird (Stentangioplastie), oder ein gefäßchirurgischer Eingriff erfolgen. Die Therapieentscheidung treffen die Ärzte individuell nach sorgfältiger Prüfung. Bei der seltenen fibromuskulären Nierenarterienstenose (fibromuskuläre Dysplasie, siehe Kapitel "Bluthochdruck – Diagnose") – sie kommt eher bei jüngeren (weiblichen) Patienten mit Bluthochdruck vor –, ist ein Kathetereingriff in der Regel erfolgversprechend.

Obstruktives Schlafapnoesyndrom

Die Therapie der Schlafapnoe zielt bei übergewichtigen Patienten auf gewichtsreduzierende Maßnahmen ab. Auslöser wie Alkohol oder beruhigende Schlafmittel gilt es zu meiden. Zudem gibt es verschiedene Hilfsmittel wie zum Beispiel Unterkiefer-Biss-Schienen (Protrusionsschienen). Standardtherapie ist die nächtliche nasale Überdruck(be)atmung mit einer Atemmaske. Die Atemtherapie kann dazu beitragen, den Blutdruck zu senken beziehungsweise das Ansprechen auf blutdrucksenkende Medikamente zu verbessern. Andernfalls kann eine spezielle Schrittmachertherapie (upper airway stimulation) helfen. Manchmal kommen auch HNO-ärztliche, kieferorthopädische und kieferchirurgische Maßnahmen in Betracht.


Schwangere Frauen mit Bluthochdruck werden engmaschig ärztlich überwacht

W&B/Forster & Martin

Bluthochdruck in der Schwangerschaft

Schwangere mit leichtem Bluthochdruck können bis auf Weiteres ihre normale körperliche Aktivität beibehalten, sollten aber Anstrengungen meiden. Bei höheren Blutdruckwerten gilt es, sich zu schonen und körperlich-seelisch mehr zur Ruhe zu kommen. Dies kann auch eine Unterbrechung der Berufstätigkeit (Arbeitsunfähigkeit oder individuelles "Arbeitsverbot"), mitunter sogar Bettruhe beinhalten. Frauen, die nur einen leicht erhöhten Blutdruck haben, wohlauf und sportlich gut trainiert sind, können zunächst an ihrem Bewegungsprogramm festhalten, sollten aber ein, zwei Gänge zurückschalten. Von manchen Sportarten wird abgeraten, zum Beispiel Krafttraining. Der Frauenarzt wird die Betroffenen dazu individuell beraten.

Außerdem sollte man sich in der Schwangerschaft ausgewogen ernähren und die allgemein "übliche" Salzaufnahme beibehalten, also nicht salzarm essen. Von entwässernden Maßnahmen ist abzusehen. Wenn nötig und möglich – meist bei einem Blutdrucklevel zwischen 150 und 160 systolisch und ab 100 mmHg diastolisch – wird ein zu hoher Druck behutsam mit einem Medikament gesenkt, um die Schwangere vor Komplikationen zu schützen.

Nach den aktuellen Leitlinien soll eine Schwangere bei Blutdruckwerten ab 150 mmHg systolisch oder 100 mmHg diastolisch in einer Klinik mit Perinatalzentrum vorgestellt werden. Hier kann der Gesundheitszustand von Mutter und Kind noch genauer erfasst und die Behandlung abgesteckt werden. Auch diese sollte (zunächst) in der Klinik stattfinden. Bei Verdacht auf eine beginnende Präeklampsie ist die Klinikeinweisung unbedingt notwendig.

Bei Risikofaktoren für eine Präeklampsie, beispielsweise Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft, Nierenerkrankung, schon vor der Schwangerschaft vorhandener chronischer Bluthochdruck, Diabetes in der Schwangerschaft, Alter über 40 Jahren oder Fettleibigkeit behandeln Frauenärzte die Betroffene von der 16. bis zur 34. Schwangerschaftswoche vorbeugend mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure. Auf eine Spät-Präeklampsie nahe am Geburtstermin hat das allerdings keinen Einfluss.

Falls der Bluthochdruck schon vor der Schwangerschaft bekannt war und medikamentös behandelt wurde, gilt es, die Behandlung mit einem Medikament fortzuführen, das sich in der Schwangerschaft eignet. In der Frühschwangerschaft genügt mitunter eine niedrigere Medikamentendosis.

Standardmedikament ist alpha-Methyldopa, in der normalen Hochdrucktherapie inzwischen ein Reservemittel. Ersatzweise außerdem möglich: zum Beispiel ein Betarezeptorenblocker wie Metoprolol oder ein Kalziumantagonist wie Nifedipin. Dieses Mittel kommt auch infrage, wenn ein deutlich erhöhter Blutdruck akut gesenkt werden muss.

Die einzige "ursachenbezogene" Therapie bei Präeklampsie/Schwangerschaftshochdruck ist eine mehr oder weniger vorzeitige Entbindung. Etwa drei Monate danach überprüft der Arzt routinemäßig den Blutdruck und den Urinbefund.
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