Was Sie über Blutspenden wissen sollten

Mit einem Pieks Leben zu retten, das ist mit einer Blutspende möglich. Was die Voraussetzungen sind, wo Blutspenden möglich ist und wie es abläuft

von Valerie Till, aktualisiert am 12.05.2016
Bluttransfusion

Blutspende: Ungefähr 500 Milliliter Blut werden dabei entnommen


Bundesweit werden täglich rund 17.000 Blutspenden benötigt. Blutgruppen, die am meisten gebraucht werden, sind auch die, die in der Bevölkerung am häufigsten auftreten: Das sind die Blutgruppen A Rhesus positiv mit 37 Prozent und Null Rhesus positiv mit 35 Prozent. Eine besondere Stellung haben Spender mit der Blutgruppe Null und dem Rhesusfaktor negativ: Sie gelten als Universalspender, da ihr Blut mit den anderen Blutgruppen kompatibel ist und somit in Notfällen bei allen Transfusionen eingesetzt werden kann. Notwendig sind aber Spenden aller Blutgruppen, da es von den seltenen Gruppen auch weniger Spender gibt.

Wo kann man Blut spenden?

Hauptsächlich wird in Deutschland die Blutversorgung durch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) organisiert. Es deckt rund 70 Prozent des Bedarfs an Blutspenden ab. Die sechs regional tätigen Blutspendedienste des DRK organisieren Blutspendetermine und stellen Blutpräparate für Krankenhäuser und Praxen in ihrer Region her. Über den nächsten Termin in der Nähe können Interessierte sich entweder online über die Smartphone-App "DRK-Blutspende", auf der Seite des DRK oder unter der bundesweit gültigen Rufnummer 0800 / 11 949 11 kostenfrei aus dem deutschen Festnetz informieren. Auch in der lokalen Presse werden die Termine oftmals angekündigt.

Die staatlich-kommunalen und universitären Blutspendedienste (StKB) sichern mehr als 20 Prozent der notwendigen Blutversorgung in Deutschland. Die über 100 Einrichtungen der StKB sind sowohl örtlich als auch organisatorisch in öffentlich-rechtliche Krankenhäuser integriert. Spendezentren und -termine sind auf der Homepage des StKB zu finden.

Schließlich gibt es noch die unabhängigen, privaten Blutspendedienste. Der Größte unter ihnen ist die Haema AG – ein pharmazeutisches Unternehmen – mit 35 Blutspendezentren in Deutschland. Informationen zu den Haema-Zentren und zu Blutspendeterminen sind der Homepage zu entnehmen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Der Schutz des Spenders und des Empfängers stehen bei Bluttransfusionen im Vordergrund. Dies stellen die Blutspendedienste sicher. Das deutsche Transfusionsgesetz (TFG), das durch Richtlinien der Bundesärztekammer ergänzt wird, macht eine Reihe von Vorgaben zum Schutz von Spender und Empfänger. Dadurch kommt es zu Einschränkungen, wer Blut spenden kann und wer nicht. Die wichtigsten im Überblick:

Die Voraussetzungen für eine Blutspende

Wie oft dürfen Frauen und Männer zur Spende?

Männer dürfen sechs Mal im Jahr Blut spenden, Frauen nur vier Mal. "Das liegt daran, dass Frauen während ihrer Monatsblutung regelmäßig Blut und Eisen verlieren. Der Körper kann verlorene Blutmengen zwar schnell nachproduzieren, allerdings benötigt er länger, um die Eisenvorräte wieder aufzustocken", erklärt Professor Robert Zimmermann, leitender Oberarzt der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung am Universitätsklinikum Erlangen. Zwischen zwei Vollblutspenden müssen sowohl Frauen als auch Männer einen Abstand von mindestens acht Wochen einhalten, um dem Körper genügend Zeit zur Nachbildung zu geben.

Bekommt man für eine Blutspende Geld?

Nach dem deutschen Transfusionsgesetz soll eine Blutspende in erster Linie unentgeltlich erfolgen. Verboten ist eine Aufwandsentschädigung allerdings nicht. Wenn Blutspendedienste eine Entschädigung anbieten, sollen sie sich laut Gesetz am Aufwand orientieren, den ein Spender hat. Darunter fallen zum Beispiel Fahrtkosten zur Blutspendezentrale oder Parkkosten. Das DRK zahlt Spendern keine Aufwandsentschädigung. Bei einigen Blutspendediensten wird regelmäßigen Spendern aber ein kostenloser Gesundheitscheck angeboten. Außerdem gilt eine Blutspende bei einigen Krankenkassen als Präventionsmaßnahme, da der Spender und sein Blut untersucht werden. Diese Maßnahme kann dann im Rahmen des Bonusprogramms angerechnet werden. Bei staatlich-kommunalen Einrichtungen sowie privaten Blutspendediensten bekommt der Spender in der Regel eine pauschale Aufwandsentschädigung – die Höhe variiert je nach Aufwand.

Was ist der Unterschied zwischen einer Blut- und einer Plasmaspende?

Wer von einer Blutspende spricht, meint damit in den meisten Fällen die Vollblutspende. Der Spender stellt in diesem Fall alle Blutbestandteile – Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Blutplasma – zur Verfügung. Dazu fallen zwei weitere Spendearten unter den allgemeinen Begriff der Blutspende: die Plasma- und die Thrombozytenspende.

Thrombozytapheresespende

Bei der Plasmaspende läuft das entnommene Blut des Spenders durch ein spezielles Gerät, welches das Plasma von den Blutzellen trennt. Die restlichen Blutbestandteile fließen zurück in den Körper des Spenders. Ähnlich läuft die Thrombozytenspende ab: Hier wird dem Blut ebenfalls nur ein Bestandteil – in dem Fall die Blutplättchen (Thrombozyten) – entnommen. Die Voraussetzungen für eine Plasma- oder Thrombozytenspende sowie der Ablauf unterscheiden sich von einer Vollblutspende.

Bestehen gesundheitliche Vor- oder Nachteile?

Bei einer Blutspende werden dem gesunden Körper rund 500 Milliliter Blut abgezapft. Diesen Verlust kann er ohne Probleme innerhalb einiger Tage wieder auffüllen. Um den Eisenverlust auszugleichen, benötigt der Körper mehr Zeit – bei Männern rund acht Wochen, bei Frauen länger. Regelmäßige Blutspender sollten darauf achten, ihren Eisenvorrat durch eine ausgewogene Ernährung wieder aufzufüllen. Fleisch, Spinat, Haferflocken oder Nüsse sind beispielsweise gute Eisenlieferanten. Wenn der Arzt einen Eisenmangel feststellt, lässt sich dieser oft auch mit Eisentabletten beheben.

"Nach der Blutspende kann der Kreislauf etwas geschwächt sein, was aber nicht besorgniserregend ist", sagt Zimmermann. Aus dem Grund wird Blutspendern empfohlen, sich eine kurze Ruhepause zu gönnen, bevor sie sich in ihren gewohnten Alltag stürzen. Nach der Pause hat sich der Kreislauf wieder stabilisiert. Hauptsächlich treten Kreislaufprobleme bei Erstspendern, jungen und leichtgewichtigen Menschen auf. Auch ein möglicher Bluterguss an der Einstichstelle der Blutabnahme ist nicht besorgniserregend. Bei rund 23 Prozent aller Spender tritt laut Angaben der Uniklinik RWTH Aachen ein blauer Fleck auf, der aber nach einigen Tagen von selbst verschwindet.

Dass regelmäßiges Blutspenden Patienten mit Bluthochdruck helfen könnte, ihren Blutdruck zu senken, vermuten Forscher der Berliner Charité. In ihrer einjährigen Studie beobachteten sie insgesamt 292 Blutspender, von denen 146 Personen zu Beginn einen erhöhten Blutdruck aufwiesen. Nach vier Blutspenden à 480 Milliliter konnte der Blutdruck um durchschnittlich 12,2 mmHg systolisch und 6,9 mmHg diastolisch gesenkt werden. "Regelmäßiges Blutspenden kann vielleicht kurzfristig einen positiven Effekt auf den Blutdruck haben, jedoch glaube ich nicht, dass er diesen langfristig senken kann", sagt Zimmermann.

Wie läuft eine Blutspende ab?

Vor der Spende: Ärzte empfehlen, vor einer Blutspende auf Sport zu verzichten und ausreichend zu trinken – mindestens 1,5 Liter. Auch sollte der Spender vor dem Termin etwas essen, fettreiches Essen allerdings meiden. Eine Blutspende dauert im Gesamten rund 60 Minuten. Also genügend Zeit einplanen!

Im Blutspendezentrum ist der erste Schritt die Anmeldung. Die persönlichen Daten des Spenders werden überprüft und er muss einen Lichtbildausweis vorlegen. Dauerspender sollten außerdem ihren Blutspendeausweis zu jedem Termin mitbringen. Im nächsten Schritt folgt das Ausfüllen eines Fragebogens zum Gesundheitszustand, damit der Arzt prüfen kann, ob die jeweilige Person spendentauglich ist. Dieser Bogen beinhaltet beispielsweise Fragen in Bezug auf Medikamente, Reiseaufenthalte oder Impfungen (s.o. Voraussetzungen). Des Weiteren klärt der Arzt den Spender über mögliche Risiken der Blutspende auf, wie beispielsweise Schwindel, ein möglicher blauer Fleck oder selten auftretende Nervenverletzungen an der Einstichstelle. Nach der Aufklärung muss der Spender der Blutentnahme zustimmen.

Dann folgen einige Tests: Zum einen checkt der Arzt Werte wie Puls, Temperatur und Blutdruck, prüft Kreislauffunktionen und bespricht den ausgefüllten Fragebogen. Zum anderen wird der Hämoglobinwert (kurz: Hb-Wert) bestimmt. Ist der Hämoglobinwert zu niedrig, fehlen dem Körper möglicherweise wichtige Eisenreserven zur Neubildung von roten Blutkörperchen, und die Person wird nicht zur Spende zugelassen.

Während der Spende: Die Blutentnahme dauert rund zehn Minuten. Rund 500 Milliliter Blut werden entnommen, die in ein steriles, geschlossenes Beutelsystem fließen. Währendessen kann der Spender je nach Angebot zum Beispiel lesen oder Fernsehen schauen.

Nach der Spende: Nach der Blutentnahme bietet der vertrauliche Selbstausschluss dem Spender bei Zweifeln noch die Möglichkeit, die Freigabe seiner Spende zu stoppen. Untersucht wird das Blut dennoch.

Unter Aufsicht sollte der Spender sich nun zwischen 20 und 30 Minuten ausruhen. In vielen Blutspendezentren wird ein kleiner Imbiss angeboten, um sich zu stärken. Für Auto-, Motorrad- oder Fahrradfahrer gilt, dass sie erst nach einer 30-minütigen Pause wieder am Straßenverkehr teilnehmen dürfen. Auf Sport oder Sauna sollte nach der Blutspende für den Rest des Tages verzichtet werden.

Erstspender erhalten innerhalb von zwei bis drei Wochen nach der Spende ihren Unfallhilfe- und Blutspenderpass per Post zugeschickt.

Was passiert nach der Spende mit dem Blut?

Der Beutel mit dem Blut wird anonymisiert weitergegeben. Das bedeutet, dass auf dem Beutel kein Name zu finden ist, sondern nur eine Nummernreihe. Diese ist im EDV-System des Blutspendedienstes mit dem Namen des Spenders verknüpft, kann aber nur von den Mitarbeitern unter Einhaltung des Datenschutzes – und das auch nur im Bedarfsfall – eingesehen werden. Die Blutspendedienste sind gesetzlich dazu verpflichtet, zu jeder Spende die betreffende Person identifizieren zu können und dies über einen Zeitraum von 30 Jahren. Ein Austausch zwischen den verschiedenen Blutspendediensten findet nicht statt. "Aus dem Grund ist es sinnvoll, stets bei derselben Einrichtung Blut zu spenden", sagt Zimmermann.

Innerhalb der nächsten 24 Stunden nach der Spende wird das Blut zentrifugiert und in seine Bestandteile aufgeteilt. Daraus werden bis zu drei verschiedene Fertigprodukte hergestellt: ein Erythrozytenkonzentrat, ein Thrombozytenkonzentrat und gefrorenes Frischplasma. Gleichzeitig wird das Blut im Labor untersucht. Die Blutgruppe des Spenders wird ermittelt, und das Blut wird auf Infektionen wie Hepatitis A, B und C, HIV und Syphilis untersucht. Sollte dem Labor etwas auffallen, würde der Spender darüber informiert und das gespendete Blut nicht freigegeben werden.

Wenn alles in Ordnung ist, werden die drei Fertigprodukte unterschiedlich aufbewahrt, bis ein Patient davon profitieren kann. Plasma, das nicht direkt für die Transfusion benötigt wird, geben die Blutspendedienste an die Pharmaindustrie ab. Letztere stellt beispielsweise aus Plasma Präparate für Patienten her, die unter Störungen der Blutgerinnung leiden. Erythrozytenkonzentrate werden bei zwei bis sechs Grad Celsius in speziellen Kühlschränken gelagert und sind fünf bis sieben Wochen lang haltbar.

Thrombozytenkonzentrate

Thrombozytenkonzentrate sind sehr empfindlich und müssen ständig bei 20 bis 24 Grad Celsius in speziellen Schüttelschränken aufbewahrt werden. Diese Schränke sorgen dafür, dass die Flüssigkeit im Beutel stets in Bewegung bleibt und die Thrombozyten nicht verklumpen. Thrombozytenkonzentrate werden nach maximal vier Tagen entsorgt, wenn sie bis dahin nicht verwendet wurden. Das Plasma wird eingefroren, ebenfalls in speziellen Gefrierschränken gelagert und hält ein bis zwei Jahre.

Eine große Menge an Blutprodukten – nämlich rund ein Fünftel – wird für die Behandlung von Krebspatienten eingesetzt, die teils über längere Zeiträume hinweg kontinuierlich solche benötigen. Als nächstgrößere Gruppe folgen die Frauen und Männer mit Herz-, Magen- und Darmkrankheiten. Daneben wird das Spenderblut unter anderem bei Unfallverletzungen, Blutarmut, Geburtskomplikationen und Erkrankungen der Leber, Nieren, Knochen und Gelenke benötigt.