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Leukämie: Häufige Fragen und Antworten

Was ist eine Leukämie? Welche Symptome sind typisch? Wie sieht die Behandlung aus? Hier finden Sie Antworten auf häufige Fragen

von Dr. Irmela Manus, 09.04.2019

Was ist eine Leukämie?

Leukämie, umgangssprachlich Blutkrebs, ist ein Oberbegriff. Er fasst verschiedene Krankheiten des Blutes und vor allem des Knochenmarks zusammen. Experten unterscheiden zahlreiche Leukämie-Formen, die unterschiedlich verlaufen und sehr individuell behandelt werden. Die Leukämie gibt es also eigentlich gar nicht.

Welche Leukämie-Formen gibt es?

Es gibt eine Vielzahl an Formen. Grob unterteilt werden Leukämien in

  • Akute Leukämien: Sie machen sich in der Regel plötzlich bemerkbar, verschlechtern sich rasch und müssen sofort behandelt werden
  • Chronische Leukämien verlaufen oft schleichend, manchmal über viele Jahre

Unterschieden werden Leukämien außerdem nach der Sorte Blutkörperchen, von denen die Krankheit ausgeht: Myeloische Leukämien entstehen aus sogenannten myeloischen Vorläuferzellen. Lymphatische oder lymphoblastische Leukämien entstehen aus Vorläuferzellen der Lymphozyten.

Mehr zu wichtigen Leukämie-Formen:

Akute myeloische Leukämie (AML) und Akute lymphatische Leukämie (ALL)
https://www.apotheken-umschau.de/Leukaemie

Chronische myeloische Leukämie (CML)
https://www.apotheken-umschau.de/leukaemie/cml

Streng genommen nicht zu Leukämien, sondern zu malignen Lymphomen zählt die
Chronische lymphatische Leukämie (CLL)
https://www.apotheken-umschau.de/leukaemie/cll

Wie entsteht eine Leukämie?

Zu einer Leukämie kommt es, wenn der Körper fehlerhafte Blutzellen produziert. Bei der Mehrzahl der Patienten bleibt offen, wieso das passiert.

Neue Blutzellen entstehen normalerweise kontinuierlich im Knochenmark. Dort reifen sie über mehrere Stufen aus Vorläuferzellen heran. Die fertigen Blutzellen überleben unterschiedlich lang im Organismus, erfüllen wichtige Funktionen und werden wieder abgebaut.

Schleichen sich in der Erbinformation einer Vorläuferzelle bestimmte Fehler ein, bilden sich unter Umständen viele unreife weiße Blutzellen, sogenannte leukämische Blasten. Sie können sich unkontrolliert vermehren. Experten gehen davon aus, dass solche Fehler in den Genen einer Vorläuferzelle oft zufällig im Laufe des Lebens entstehen. Sie werden also in der Regel nicht einfach vererbt.

Im Gegensatz zu den gesunden Blutzellen reifen bei akuten Leukämien die leukämischen Blasten nicht zu funktionsfähigen Zellen heran. Zudem stören sie die Produktion der normalen Blutzellen, so dass es zu einem Mangel kommen kann:

  • Fehlen gesunde weiße Blutkörperchen, kann es zu häufigen Infekten kommen
  • Fehlen rote Blutkörperchen, entsteht eine Blutarmut. Mögliche Folgen sind Schwäche und Kurzatmigkeit
  • Fehlen Blutplättchen, können verstärkt Blutungen auftreten

Die Blasten können, teils in großen Mengen, vom Knochenmark ins Blut und dann in andere Körperregionen gelangen.

Bei der chronischen myeloischen Leukämie vermehren sich die weißen Blutzellen aller Reifungsstufen stark. Diese finden sich dann in großen Mengen auch im Blut. Diese Besonderheit erklärt auch den Namen "Leukämie": übersetzt bedeutet er "weißes Blut".

Welche Ursachen und Risikofaktoren sind bekannt?

In den meisten Fällen lässt sich nicht klären, warum es zu einer Leukämie kam. Bestimmte Faktoren erhöhen das statistische Risiko, an einer Leukämie zu erkranken:

  • Kontakt zu bestimmten chemischen Substanzen wie Benzol
  • Radioaktive Strahlung und Röntgenstrahlen
  • Manche Zytostatika, die bei der Behandlung von Krebserkrankungen zum Einsatz kommen

Deutlich zeigt sich ein statistischer Zusammenhang jedoch nur bei hohen Dosen. Längst nicht jeder, der einem potenziellen Risiko ausgesetzt war, erkrankt. Vermutlich müssen verschiedene weitere Faktoren zusammenkommen.

  • Eine genetische Veranlagung kann ebenfalls eine Rolle spielen. Bestimmte genetische Veränderungen erhöhen das Risiko für eine Leukämie, etwa die Trisomie 21.
  • Hierzulande selten rufen Viren wie HTLV-1 eine bestimmte Leukämieform hervor. Leukämien sind aber nicht "ansteckend".
  • Vor allem chronische Leukämien werden mit steigendem Lebensalter häufiger.

Kann man einer Leukämie vorbeugen?

Die genauen Ursachen einer Leukämie sind nicht bekannt. Nach heutigem Wissen ist es nicht möglich, einer Leukämie gezielt vorzubeugen, etwa durch einen gesunden Lebensstil.

Wie die Lebensweise und das Leukämie-Risiko genau zusammenhängen, wird noch erforscht. Es gibt beispielsweise Hinweise, dass Rauchen die Wahrscheinlichkeit für eine akute myeloische Leukämie erhöht.

Risikofaktoren (siehe Abschnitt "Welche Ursachen und Risikofaktoren sind bekannt?") scheinen nur für einen kleinen Teil der Krankheitsfälle relevant zu sein. Trotzdem empfiehlt es sich, potenzielle Risiken nach Möglichkeit vorsichtshalber zu minimieren.

An welchen Symptomen erkennt man eine Leukämie?

Es gibt viele Leukämie-Formen, die sich ganz unterschiedlich zeigen können. Deshalb lässt sich keine allgemeine Aussage treffen.

Chronische Leukämie-Formen bleiben oft lange unbemerkt, werden manchmal zufällig im Rahmen einer Blutuntersuchung im Blutbild entdeckt. Akute Leukämien verursachen in der Regel deutlichere Beschwerden, die sich rasch verschlimmern. Mögliche Symptome bei Leukämien sind beispielsweise

  • Müdigkeit, Schwäche, Kurzatmigkeit
  • Fieber, Nachtschweiß
  • Neigung zu Infekten
  • Blutungsneigung, etwa blaue Flecken, punktförmige Hautblutungen (Petechien)
  • Druckgefühl im Oberbauch
  • Knochen- und Gelenkschmerzen

Diese Anzeichen müssen aber nicht in jedem Fall vorhanden sein. Sie können alle auch andere Ursachen haben. Zudem können bei Leukämien weitere Symptome auftreten.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Eventuell liefert eine Blutuntersuchung bereits Hinweise. Um die Diagnose zu sichern, ist oft eine Knochenmarkbiopsie nötig. Der Arzt entnimmt dabei unter örtlicher Betäubung eine kleine Probe aus dem Knocheninneren, meistens am Beckenkamm.

Wie werden Leukämien behandelt?

Die Therapie richtet sich nach der genauen Form der Leukämie. Dabei werden die individuellen genetischen Merkmale der veränderten Zellen immer wichtiger. Allgemeine Aussagen lassen sich hier nicht treffen. Die Behandlung kann sehr unterschiedlich ablaufen und unterschiedlich lange dauern.

Je nach Fall kommen beispielsweise Chemotherapien zum Einsatz, spezielle Medikamente wie Tyrosinkinase-Hemmer oder monoklonale Antikörper. Unter Umständen kommt eine Blutstammzell-Transplantation infrage.

Bei akuten Leukämien ist eine rasche Therapie erforderlich. Auch Patienten mit einer chronischen myeloischen Leukämie werden in der Regel sofort behandelt. Die chronische lymphatische Leukämie gehört strenggenommen zu den Lymphomen. Bei dieser Erkrankung kann es sein, dass Ärzte zunächst abwarten, und den Krankheitsverlauf lediglich überwachen.

Wie sind die Heilungschancen bei Leukämien?

Es gibt zahlreiche Leukämie-Formen (siehe Abschnitt "Welche Formen gibt es"). Deshalb lässt sich zur Lebenserwartung keine pauschale Aussage treffen. Die Prognose hängt außerdem stark von individuellen Faktoren wie beispielsweise dem Alter ab.

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg.

Mehr Informationen:

Deutsches Krebsinformationszentrum, Krebsinformationsdienst KID

Kostenlose Hotline: 0800 - 420 30 40, täglich von 8 bis 20 Uhr
Internet: www.krebsinformationsdienst.de
und www.facebook.com/krebsinformationsdienst
E-Mail: krebsinformationsdienst@dkfz.de
https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/leukaemien/risikofaktoren.php

Viele Informationen zum Thema "Krebs bei Kindern" sowie Adressen von Ansprechpartnern bietet der Krebsinformationsdienst unter
https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/weitere-tumorarten/krebs-bei-kindern.php

Kompetenznetz Leukämien
https://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/patienten/leukaemien/

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V.:
https://www.onkopedia.com/de/my-onkopedia/guidelines

Quellen:

Wendy Stock, MD, Michael J Thirman, MD, "Pathogenesis oft acute myeloid leukemia"", ed. UpToDate. Waltham, MA: UpToDate Inc. http://www.uptodate.com (Abgerufen im November 2018)

https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/leukaemien/index.php, (Abruf Februar 2019)

https://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/patienten/leukaemien/, (Abruf Februar 2019)

Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2019, Köln Gerd Herold

https://www.onkopedia.com/de/my-onkopedia/guidelines

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.