Bakterien im Urin: Immer ein Infekt?

Keime in der Urinprobe müssen nicht zwangsläufig bedeuten, dass eine Blasenentzündung vorliegt. Wie Ärzte differenzieren

20.11.2017

Urin ist nicht steril, wenn er den Körper durch die Harnröhre verlässt


Der Nachweis von Bakterien im Urin ist an sich nichts Schlimmes. Denn da die Harnröhre durch Bakterien besiedelt und eine saubere Harngewinnung nicht einfach ist, sind Verunreinigungen der Proben durch Keime häufig.

Ob es sich um eine Verunreinigung oder tatsächlich um eine Infektion handelt, entscheidet der Arzt anhand einiger Kriterien:

  • Bakterienzahl

Erst wenn mehr als 100.000 Keime pro Mililiter enthalten sind, gilt dies als sicherer Hinweis auf eine Harnwegsinfektion.

  • Symptome

Hat der Patient keine Beschwerden, die für eine Harnwegsinfektion sprechen und finden sich im Urin weniger als 100.000 Keime pro Milliliter sprechen Mediziner von einer asymptomatischen Bakteriurie. Diese wird nur bei Personen mit einem erhöhten Risiko für eine Zystitis (zum Beispiel Diabetiker, Schwangere ...) behandelt. Klagt der Patient jedoch über Beschwerden, die für eine Blasenentzündung typisch sind, kann der Arzt auch bei geringeren Keimzahlen eine Therapie mit Antibiotika erwägen.

  • Bakterienart

Bei einer Blasenentzündung oder Harnwegsinfektion wäre ein auslösender Erreger zu erwarten. Zeigt sich in der Urinkultur, dass im Harn mehr als zwei verschiedene Bakterienarten enthalten sind, spricht das eher für eine Verunreinigung der Probe als für eine Infektion. Ebenso ist es verdächtig, wenn typische Hautkeime nachgewiesen werden. Möglicherweise sind diese über die Finger in den Probenbecher geraten.

 Werden wiederholt verschiedene Keime im Urin oder ein Harnwegsinfekt ohne Symptome festgestellt, so sollte der Urin einmal über einen Katheter gewonnen werden. Dann lässt sich mit Sicherheit sagen, ob der Urin bereits in der Blase Keime enthält, oder ob die Bakterien erst beim Wasserlassen hineingelangt sind.