Harnröhrenstriktur: Therapie

Die Behandlung einer Harnröhrenstriktur richtet sich nach Ursache und Vorgeschichte. Häufig ist eine Operation nötig. Es gibt verschiedene Operationsverfahren – mit unterschiedlichen Rückfallquoten

von Dr. Dagmar Schneck, aktualisiert am 03.07.2014

Eine Harnröhrenenge wird häufig operiert


Frische entzündliche und verletzungsbedingte Strikturen innerhalb der ersten drei Monate behandelt man in der Regel konservativ – das bedeutet ohne Operation. Bei dieser Therapie wird der Urin über einen Katheter über die Bauchdecke abgeleitet (suprapubischer Blasenkatheter). Der Patient erhält ein passendes Antibiotikum. Je nach Ursache und Verlauf der Erkrankung schließt sich häufig eine Operation an.

Welche Operationsmethoden gibt es zur Behandlung einer Harnröhrenstriktur?

Es gibt ein breites Spektrum an Operationsverfahren, mit denen man eine Harnröhrenstriktur behandeln kann. Die Auswahl des Verfahrens ist davon abhängig, wo die Engstelle liegt, wie lang sie ist und ob und wie sie bereits vorbehandelt wurde. Weitere wichtige Aspekte sind das Alter und der Gesundheitszustand des Betroffenen. Eine besondere Herausforderung ist die Behandlung von Rückfällen.

Aufdehnung (Bougierung): Die einfachste und älteste Methode ist die sogenannte Bougierung (Aufdehnung) der Harnröhre. Manchmal kann der Betroffene selbst nach Anleitung wiederholt gleitmittelbeschichtete Einmalkatheter in die Harnröhre einführen (Langzeitdilatation). Dieses Verfahren kann die Symptome jedoch nur vorübergehend mildern. Außerdem verursacht diese Behandlung selbst kleine Verletzungen. Mögliche Folge: Die Engstelle wird noch länger und ausgeprägter. Deswegen sollte eine solche Bougierung nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden.

Stent ("Stütze"): Ebenfalls wenig aufwändig ist es, die Harnröhrenenge mit Hilfe eines Stents – einem feinen Drahtgeflecht – offenzuhalten. Ein dauerhafter Erfolg ist auch hier unwahrscheinlich, da Stents fast immer mit Keimen besiedelt werden und dann einen chronischen Harnwegsinfekt unterhalten. Meist wächst außerdem Narbengewebe durch die Maschen des Stents.

Dieses Verfahren wendet man wegen seiner schlechten Langzeitergebnisse nur in Ausnahmefällen an.

Schlitzung: Wenn eine Striktur erstmals auftritt und nicht länger als 1,5 Zentimeter ist, ist eine endoskopische Schlitzung der Harnröhre häufig erfolgreich. Anschließend wird die Harnröhre für etwa einen Tag mit einem Blasenkatheter geschient. Die Operationsdauer und auch die Dauer der Nachbehandlung sind kurz. Die Rückfallrate dieser Behandlung liegt bei circa 50 Prozent. Die Behandlung von Rückfällen mit einer erneuten Schlitzung ist wenig erfolgreich. Darüber hinaus kann wiederholte Schlitzung die Erfolgsaussichten einer späteren Harnröhrenplastik beeinträchtigen. Dieser Aspekt ist vor allem in der Beratung und Behandlung von jüngeren Betroffenen zu berücksichtigen.

Entfernung, Harnröhrenplastik: Kurzstreckige Verengungen bis etwa zwei Zentimeter Länge im Bereich des Penisschaftes (bulbäre Harnröhre) kann der Arzt komplett entfernen und die Harnröhrenenden wieder miteinander vernähen (End-zu-End-Anastomose). Bei längeren Engstellen wird oft eine Harnröhrenplastik nötig: Dabei werden Lücken in der Harnröhrenwand durch verpflanzte Haut (meist von der Vorhaut des Patienten) gedeckt. Die Rückfallquote nach diesen Operationen ist mit 5 bis 20 Prozent vergleichsweise gering. Diese Behandlungen sind jedoch technisch schwieriger und daher oft mit langen Operationszeiten (ein bis drei Stunden) verbunden. Für hochbetagte Patienten mit schweren Begleiterkrankungen kommen sie daher häufig nicht infrage.

Nach der Operation ist in der Regel für etwa zwei bis drei Wochen ein Blasenkatheter nötig. Meistens können die Patienten nach fünf Tagen Klinikaufenthalt mit einem Blasendauerkatheter nach Hause gehen.