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Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe

Mit einer Biopsie gewinnt der Arzt eine Gewebeprobe vom Patienten. Diese Probe kann das Labor auf krankhafte Veränderungen untersuchen, zum Beispiel per Mikroskop

von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 05.06.2019
Darmkrebs Polyp

Bei einer Darmspiegelung wird häufig eine Gewebeprobe entnommen. Dies geschieht mit einer elektrischen Schlinge


Biopsie - was ist das?

In der Regel kommt eine Biopsie dann infrage, wenn der Arzt eine Gewebsvermehrung ertastet oder gesehen hat. Oder ein Marker im Blut hat sich auffällig verändert. Es kann auch nach einer bildgebenden Untersuchung ein Krankheitsherd sichtbar sein, der Fragen aufwirft. In vielen Fällen klärt nur die Untersuchung des gewonnenen Gewebes unter dem Mikroskop, ob es sich bei dem Herd um eine gutartige Wucherung oder eine bösartige Krebserkrankung handelt. Mit unterschiedlichen Methoden werden Teile des auffälligen Gebietes oder die gesamte Veränderung entnommen.

Bei Verdacht auf bestimmte Krankheitsbilder können auch mehrere Biopsien aus einem Organ entnommen werden. Ein Beispiel dafür sind Stanzbiopsien der Prostata.

Was kann biopsiert werden?

Biopsien können fast alle Organe betreffen. Hier als Beispiel einige Biopsiearten samt jeweils einem typischen Grund für den Eingriff:

  • Hautbiopsie: auffälliges Muttermal
  • Muskelbiopsie: bei unklarer Muskelerkrankung
  • Lymphknotenbiopsie: bei unklarer Vergrößerung mit Verdacht auf Bösartigkeit
  • Knochenmarkbiopsie: bei Störungen der Blutbildung
  • Hirnbiopsie: Verdacht auf Hirntumor oder Entzündungsherd
  • Schilddrüsenbiopsie: mit Ultraschall entdeckter Knoten
  • Lungenbiopsie: durch eine bildgebende Untersuchung entdeckter unklarer runder Herd
  • Brustbiopsie: bei einem Knoten in der Brust
  • Magenbiopsie: in der Magenspiegelung sichtbare Veränderung der Schleimhaut
  • Leberbiopsie: bei unklarer Erkrankung der Leber, die einen Umbau des Lebergewebes vermuten lässt
  • Nierenbiopsie: nach der Transplantation einer Niere, um Abstoßungsreaktionen zu erkennen
  • Dünndarmbiopsie: Verdacht auf Zöliakie
  • Darmbiopsie: bei einer Darmspiegelung sichtbare Schleimhautwucherung
  • Blasenbiopsie: durch Spiegelung der Blase entdeckte Auffälligkeit
  • Prostatabiopsie: Abklärung eines Tumorverdachts
  • Gebärmutterausschabung: bei einer Störung der Monatsblutung

Einteilung nach Umfang der Biopsie

Schneidet oder sticht der Arzt in einen Krankheitsherd hinein und entfernt nur einen Teil des Gewebes, spricht er von einer Inzisionsbiopsie (Inzision = Einschnitt). Beispielsweise nehmen Chirurgen bei Verdacht auf ein sogenanntes Weichteilsarkom (bösartiger Tumor) an den Armen oder Beinen öfter eine Inzisionsbiopsie vor. Gleiches gilt für Muskelbiopsien, bei welchen nur ein kleiner Anteil Fasern möglichst vorsichtig entnommen wird.
Bei der vollständigen Entfernung eines Krankheitsherdes handelt es sich um eine Exzisionsbiopsie (Exzision = Ausschnitt).

Exzisionsbiopsien sind beispielsweise die Abtragung eines Polypen im Darm mittels Darmspiegelung und das komplette Beseitigen eines Muttermals oder eines vergrößerten Lymphknotens. Ebenso entfernt der Arzt bei einer sogenannten Konisation einen Gewebekegel aus dem Gebärmuttermund mit vollständigen Krebsvorstufen und frühen Tumorstadien.

Prostata-Biopsie

Biopsiearten

Je nach Instrument, mit dem der Arzt die Biopsie vornimmt, gibt es unterschiedliche Bezeichnungen der Biopsien. Per Nadel durchgeführte Biopsien kontrolliert der Arzt oft mit einem zeitgleich eingesetzten bildgebenden Verfahren, zum Beispiel Ultraschall.

Diese Instrumente kommen zum Einsatz:

Feinnadelbiopsie (FNB)

Mit einer Spritze samt einer bis zu 0,75 Millimeter dünnen Nadel punktiert der Arzt verdächtige Knoten. Aufgrund der sehr dünnen Nadel ist diese Probenentnahme mit einer Blutentnahme vergleichbar und es kann im Gegensatz zur Stanzbiopsie in der Regel auf eine Betäubung verzichtet werden. Durch die angesetzte Spritze erzeugt der Arzt wie bei einer Blutabnahme Unterdruck und gewinnt einzelne Zellen aus dem Zielgebiet. Mit einer Feinnadel werden oft folgende Organe mittels Ultraschallkontrolle von außen punktiert:

Während einer Endoskopie (Spiegelung der Organe von innen) kann ebenfalls ein Ultraschall erfolgen und unter dieser Kontrolle eine Biopsie von folgenden Organen von innen gemacht werden:

Stanzbiopsie

Die bei einer Stanzbiopsie verwendeten Nadeln sind bis zu 2,2 Millimeter dick. Das erfordert in der Regel eine örtliche Betäubung. Per Stanzbiopsie kann der Untersucher Gewebezylinder gewinnen, von denen der Laborarzt später dünne Schnitte anfertigt und unter dem Mikroskop begutachtet. Stanzbiopsien setzen die Ärzte unter anderem bei diesen Organen ein:

  • Brustdrüse
  • Leber
  • Prostata

Hochgeschwindigkeits - Stanzbiopsie

Diese ausgefeilte Technik setzen Ärzte bei im Ultraschall sichtbaren Knoten in der weiblichen Brust ein. Die Stanznadel besteht dabei aus einer soliden Nadel mit einer zwei Zentimeter langen seitlichen Aussparung und einer geschliffenen Hohlnadel, welche die solide Nadel umhüllt. Mit einem auslösbaren Mechanismus schießt zuerst die solide Nadel in den Knoten, und Gewebe des Knotens fällt in die Aussparung. Danach schnellt die Hohlnadel vor und trennt das Gewebe in der Aussparung ab.

Vakuumbiopsie

Das besondere an der Vakuumbiopsie ist die bis zu 4 Millimeter dicke "gefensterte" Hohlnadel mit einer seitlichem Öffnung. Sobald die Nadel im Zielgebiet ist, legt der Arzt einen Sog an, der durch die seitliche Öffnung Gewebe in die Nadel hineinsaugt. Innerhalb der Nadel trennt dann ein rotierendes Messer das Gewebe ab. Die Vakuumbiopsie nutzen die Ärzte beispielsweise bei

  • der Brustdrüse
  • und der Prostata
Brustkrebs gezielt bekämpfen

Biopsie durch Operation

Bei einer Krebserkrankung ist es oft wichtig, die nächsten Lymphknoten im Lymphabflussgebiet zu entnehmen und zu untersuchen. Per Mikroskop stellt das Labor dann fest, ob sich dort bereits Krebszellen eingenistet haben. Diese Lymphknoten entfernt der Arzt vollständig im Rahmen einer Operation (auch Lymphknotenexstirpation genannt). Bei fast allen Tumoroperationen gibt es inzwischen Richtlinien, wie viele Lymphknoten aus welchen angrenzenden Gebieten mindestens mitentfernt werden müssen, damit das sogenannte Tumorstadium ermittelt und somit die weitere Therapie festgelegt werden kann (zum Beispiel entscheidet dies häufig, ob noch eine Chemotherapie auf die Operation folgen muss). Bei Brustkrebs gibt es einen besonderen Lymphknoten (manchmal auch mehrere, die diese Funktion haben), den Wächter- oder englisch: Sentinel-Lymphknoten. Er liegt in der Achsel der betroffenen Seite und kann noch vor der Operation mit Farbstoff markiert und anschließend punktiert werden. Oder während der Operation wird der markierte Knoten komplett entnommen und zur Schnelluntersuchung zu den Pathologen geschickt. Ist der Wächterlyphknoten nicht betroffen, muss während der Operation üblicherweise keine Ausräumung der Achsel-Lymphknoten stattfinden. Dies spart nicht nur Zeit, sondern der Patientin eine unnötige Ausweitung der OP und Schmerzen.

Zangenbiopsie

Hierbei verwendet der Arzt eine Biopsiezange mit zwei Haltegriffen. Durch das Zusammendrücken der Haltegriffe knipst der Arzt mit der Spitze der Zange Gewebe ab. Spezielle Biopsiezangen können auch durch ein Endoskop geführt werden und tief im Körper Gewebsproben gewinnen. Zangenbiopsien gibt es zum Beispiel im Bereich

  • der Lunge
  • des Magens
  • und des Darms.

Kürettage

Bei der Kürettage setzt der Arzt scharfkantige Schaber ein, sogenannte Küretten. Damit trägt er Schleimhaut oder Haut ab. Beispiele sind die Ausschabung der Gebärmutter und die Gewinnung von Hautproben bei Pilzerkrankungen der Haut.

Zellabstrich oder Bürstenzytologie

Hier werden besonders feine Bürsten oder kleine Spatel für die Gewinnung einzelner Zellen in sehr engen Räumen eingesetzt. Zum Beispiel im Rahmen der Krebsfrüherkennung gewinnt der Arzt so Zellen aus der Schleimhaut des Gebärmutterhalses. Oder es wird Matrial aus sehr dünnen Gängen gewonnen, wie es zum Beispiel bei einer endoskopischen Bauspeicheldrüsen- oder Gallengangsuntersuchung der Fall sein kann. Diese Zellen werden anschließend auf einen Objektträger übertragen.  Manchmal fallen diese Untersuchungen aber auch ohne Ergebnis aus, da nur recht wenig Material entnommen wird und man erst unter dem Mikroskop erkennen kann, ob überhaupt veränderte Zellen dabei sind.

Basalzelle

Untersuchung der Biopsie

Ein spezialisiertes Labor untersucht die Gewebeprobe nach der Entnahme. Ist es ein größeres Gewebestück, so zerschneidet sie der Facharzt für Gewebeuntersuchungen, der sogenannte Pathologe, zuerst in feine Schichten und färbt sie. Anschließend betrachtet er die Schichten unter dem Mikroskop. Die Art der Zellen gibt ihm Hinweise darauf, aus welchem Organ die Probe stammt. Er kann auch sehen, ob es sich um gutartiges oder bösartiges Gewebe handelt, also Krebs. Ist es Krebs, kann die Untersuchung in der Regel auch zeigen, ob der Tumor an dieser Stelle entstanden ist, der ob es sich um eine Absiedlung (Metastase) handelt von einem Tumor aus einer ganz anderen Körperregion.

Je nachdem, wie stark sich die Krebszellen von dem Ausgangsgewebe unterscheiden, und welcher Abschnitt des Tumors getroffen wurde, kann der Pathologe auch eine Aussage über die Eigenschaften des Tumors treffen, beispielsweise wie aggressiv er in anderes Gewebe hineinwächst.

Molekularbiologische Tests können außerdem bei einigen Krebsarten zeigen, ob die Zellen bestimmte Rezeptoren besitzen, die sie angreifbar machen für Medikamente gegen Krebs.

Risiken bei der Biopsie

Biopsien sind in der Regel nur minimale Eingriffe mit geringen Gefahren. Am Ort der Entnahme können kleinere Blutungen beziehungsweise Blutergüsse entstehen. Um Infektionen durch die Biopsie auszuschließen, verabreichen die Ärzte den Patienten manchmal vorsorglich ein Antibiotikum. Weitere mögliche Gefahren hängen von dem Ort der Biopsie ab, und davon, ob eine Betäubung (Kurznarkose) erforderlich war.

Bei den allermeisten Tumorarten ist Studien zufolge keine Verschleppung von einzelnen Tumorzellen durch die Biopsie zu befürchten. Ein Beispiel für eine Ausnahme sind Weichteilsarkome. Bei ihnen ist es nötig, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen: So wird dort bei einer Biopsie die eigentliche Punktionsnadel durch eine umhüllende Führungsnadel zurückgezogen, damit nicht einzelne Tumorzellen im Stichkanal hängenbleiben können. Außerdem wählen die Ärzte den Stichkanal so, dass sie ihn gegebenenfalls bei einer anschließenden Operation des Tumors mit entfernen können.

Quellen:

1. Deutsches Krebsforschungszentrum Krebsinformationsdienst: Biopsie: So werden Gewebeproben entnommen. Online: www.krebsinformationsdienst.de/untersuchung/biopsie.php  Operation bei Brustkrebs Online: https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/operation.php#inhalt17 (Abgerufen am 14.05.2019)
2. BAO Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V.: - Gewebsentnahme Gebärmutterhals (Konisation) Online: https://www.operieren.de/content/e3224/e10/e886/e898/e935/ - Entfernung von Haut- und Weichteiltumoren Online: https://www.operieren.de/e3224/e10/e451/e456/e537/ - Muskelbiopsie Online: https://www.operieren.de/e3224/e10/e451/e456/e9469/ (Abgerufen jeweils am 14.05.2019)
3. Prostata Hilfe Deutschland: Ist eine Biopsie wirklich nötig? Online: https://prostata-hilfe-deutschland.de/biopsie-wirklich-notwendig/ (Abgerufen am 14.05.2019)
4. Schenk, Maren: HPV-bedingte Karzinome und Genitalwarzen: Wege einer effektiven Prävention Dtsch Arztebl 2018; 115(43): A-1948 / B-1627 / C-1612
5. Role of endoscopy in primary sclerosing cholangitis: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) and European Association for the Study of the Liver (EASL) Clinical Guideline.
J Hepatol. 2017 Apr 13. pii: S0168-8278(17)30108-3. doi: 10.1016/j.jhep.2017.02.013.
Online: www.journal-of-hepatology.eu/article/S0168-8278(17)30108-3/fulltext
6. Deutsche Gesellschaft für Senologie: Sentinel-Node-Biopsie beim Mammakarzinom Interdisziplinär abgestimmter Konsensus der Deutschen Gesellschaft für Senologie für eine qualitätsgesicherte Anwendung in der klinischen Routine. Online: https://www.senologie.org/fileadmin/media/documents/pdf/konsensuspapier_sentinel.pdf (Abgerufen am 14.05.2019)