Wadenkrämpfe: Therapie und Selbsthilfe

Die Behandlung von Krämpfen in Unterschenkel und Fuß richtet sich nach der Ursache. Da die meisten Wadenkrämpfe harmlos sind, helfen oft Dehnübungen und Bewegung

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 20.10.2016

Wadenkrämpfe beim Sport: Die Wadenmuskeln dehnen und Pausen einlegen


Krankhafte Wadenkrämpfe: Behandlung der Grunderkrankung

Nur selten sind Wadenkrämpfe Anzeichen für eine Erkrankung wie eine Stoffwechsel- oder Nervenstörung. Sie treten dann meist gehäuft auf, halten länger an und sind besonders schmerzhaft. Zudem fallen oft noch andere Symptome auf, wie Schmerzen in einem Bein oder beiden Beinen, Kribbeln und Taubheitsgefühle oder ein Schwächegefühl in den Muskeln, möglicherweise auch in anderen Körperbereichen.

Heftige, wiederkehrende Wadenkrämpfe muss immer der Arzt abklären. Erster Ansprechpartner wird der Hausarzt sein, der seinen Patienten je nach Verdacht an einen Internisten, einen Spezialisten für hormonelle Störungen (Endokrinologen), einen Facharzt für Nervenerkrankungen (Neurologen) oder einen Orthopäden überweist.

Mit der Behandlung der ursächlichen Erkrankung bessern sich in der Regel auch die Krämpfe. Physiotherapie mit Krankengymnastik und Dehnübungen begleiten häufig die Therapie. Dehnübungen helfen zudem bei akuten Wadenkrämpfen (siehe auch Tipps unten).

Einige Muskel- beziehungsweise Muskelnervenerkrankungen wie die amyotrophe Lateralsklerose können die Fachärzte meist nur symptomatisch behandeln, das heißt mit Maßnahmen und Medikamenten, die die Beschwerden mildern und den Krankheitsverlauf hinauszögern.

Wadenkrämpfe: Behandlung mit Medikamenten

– Magnesium

Bei nachgewiesenem Magnesiummangel (siehe Kapitel "Ursache: Gestörter Elektrolythaushalt") wird der Arzt eine passende Therapie mit Magnesium und gegebenenfalls weiteren Mineralstoff- und Vitaminpräparaten verordnen. Die Ärzte setzen Magnesium auch häufiger bei idiopathischen Wadenkrämpfen ohne eindeutige Ursache ein. Magnesiumpräparate können zudem Ungleichgewichte ausgleichen, die mit einer chronischen Erkrankung wie Diabetes zusammenhängen. Sie sind darüber hinaus oft in der Schwangerschaft angezeigt und können älteren Menschen, die verstärkt mit Wadenkrämpfen zu tun haben, Erleichterung bringen.

! Sie sollten Magnesiumpräparate aber immer nur in Absprache mit dem Arzt einnehmen, um Wechselwirkungen und ungünstige Effekte auf andere, gleichzeitig bestehende Krankheiten zu vermeiden.

– Chininsulfat

Der Einsatz dieses Wirkstoffes bei wiederholten heftigen nächtlichen Wadenkrämpfen kann unter bestimmten Voraussetzungen zeitlich begrenzt infrage kommen. Dies sollten Sie aber grundsätzlich mit Ihrem Arzt besprechen. Auch in der Apotheke können Sie sich dazu weiter beraten lassen. Denn die Anwendung wird seit einiger Zeit unter Fachleuten kritisch diskutiert – unter anderem, da vereinzelt schwere Nebenwirkungen auftreten können. Nach Empfehlungen auch deutscher Experten sollte Chininsulfat nur noch in besonderen Fällen und nur unter strenger ärztlicher Kontrolle zum Einsatz kommen. Vorher müssen mögliche Grunderkrankungen, die gesondert behandelt werden können, vom Arzt ausgeschlossen und alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden sein, unter anderem eine Physiotherapie mit Dehnungsübungen.

Vielen Betroffenen, die unter nicht krankhaften Wadenkrämpfen leiden, hilft es in der Tat meist schon, wenn sie ihre Muskeln regelmäßig dehnen, sich ausreichend körperlich bewegen und sich ausgewogen ernähren (zu magnesiumreichen Nahrungsmitteln siehe Tipps unten). Dehnungsübungen während eines akuten Krampfes und zur Vorbeugung sind die Grundlage der Therapie.

Was gegen Wadenkrämpfe bei sportlichen Aktivitäten hilft

– Vorbeugen

Wer viel Sport treibt und dabei immer wieder einmal von Wadenkrämpfen gebremst wird, der sollte sein Trainingsverhalten unter die Lupe nehmen. Einen Gang runterschalten, Pausen einlegen, die Trainingsintensität nur langsam steigern, Ausgleichsübungen einbauen, die Waden gezielt dehnen – all das kann sinnvoll sein.

Vorsicht auch vor Temperaturreizen, wenn Sie etwa in kaltem Wasser schwimmen. Wadenkrämpfe können Sie dann in gefährliche Situationen bringen. Kühlen Sie Ihren Körper vorher sanft ab, zum Beispiel mit einer Dusche oder im seichten Wasser.

Bereiten Sie sich mit Gymnastik und Stretching auf einen Ausdauersport wie Schwimmen oder Joggen vor.

Beobachten Sie auch, ob Sie viel schwitzen, und kontrollieren Sie Ihre Trinkgewohnheiten. Die Flüssigkeit und damit die Mineralstoffe, die Sie während Ihrer sportlichen Aktivitäten verlieren, gilt es auszugleichen. Trinken Sie mindestens einen Liter pro Sportstunde, einen Teil davon schon vor dem Training, dann während Ihrer Aktivität in regelmäßigen Abständen (etwa alle 15 bis 20 Minuten einen Achtel- bis einen Viertelliter) und danach natürlich. Wenn es heiß ist, entsprechend mehr. Am besten eignen sich stilles Mineralwasser mit viel Magnesium und Natrium oder Saftschorlen. Nicht ideal sind Getränke, die viel Zucker und Kohlensäure enthalten.

Mehr Tipps, wie Sie sich als Sportler richtig ernähren, sodass Ihre Muskeln gut versorgt sind, finden Sie im Artikel "Die ideale Ernährung für Freizeitsportler", hilfreiche Trainingsanleitungen in unserer "Rubrik "Sport".

! Wer Herzprobleme oder ein Nierenleiden hat, sollte mit seinem Arzt besprechen, wie viel er trinken darf und soll.

– Wichtig für Sport(wieder)einsteiger

Wenn Sie über 35 Jahre alt sind und länger nicht mehr sportlich aktiv waren oder wenn Sie Probleme mit dem Herzen und den Gelenken haben, lassen Sie sich zuerst von Ihrem Arzt untersuchen. Er muss gesundheitliche Risiken ausschließen. Besprechen Sie mit ihm, welche Sportart für Sie geeignet ist.

– Wenn ein Krampf beim Sport auftritt

  • Bleiben Sie stehen und dehnen Sie den Unterschenkel (siehe nebenstehende Übungen im Bild). Massieren Sie die Wade leicht, lockern Sie den Fuß.
  • Überprüfen Sie, ob Ihr Sportschuh gut sitzt, ob Sie Ihre Sportkleidung einengt.
  • Gehen Sie einige Schritte, trinken Sie etwas und legen Sie eine Trainingspause ein.
  • Wenn es zu kühl ist, ziehen Sie sich Strümpfe oder wärmende Hosen an.

Nächtliche Wadenkrämpfe mildern

– Vorbeugen

Gehen Sie am Abend noch eine Runde spazieren und trinken Sie ausreichend (eineinhalb bis zwei Liter sollte ein gesunder Mensch täglich aufnehmen). Regelmäßige Gymnastik, Stretching und Ausdauersport wie Walking, Radfahren und Schwimmen halten allgemein Ihre Muskeln fit und beugen Krämpfen vor.

Spezielle Tipps:

  • Dehnen Sie Ihre Muskeln mit einfachen Dehnübungen vor dem Zubettgehen (siehe  Bilder links und das Video "Stretching").
  • Wenn Sie mit unten am Fußende eingeschlagenen Decken schlafen, lockern Sie diese, damit die Füße Bewegungsfreiheit haben. Vermeiden Sie schwere Decken, die nachts auf Ihren Füßen lasten und sie einengen.
  • Ein warmes Bad oder eine warme Dusche für Füße und Waden entspannen.

– Wenn ein Krampf im Bett auftritt

Ziehen Sie im Liegen die Fußspitze nach oben in Richtung Knie, treten Sie mit der Ferse weg vom Körper (siehe Bilder). Vielen hilft es, die Wade dabei noch sanft zu massieren. Andere müssen aufstehen und einige Schritte gehen, damit der Krampf sich legt. Oft tut dann Wärme gut, etwa eine kurze warme Fuß- und Wadendusche. Manchen von Krämpfen Geplagten helfen dagegen eher kalte Auflagen auf den harten Muskeln.

Gute Tipps gegen Wadenkrämpfe allgemein

  • Tragen Sie bequeme Schuhe, die Ihren Füßen guten Halt geben und nicht drücken.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig. Gezielte Dehnübungen, mehrmals in der Woche durchgeführt, halten die Muskeln fit und beugen Verkürzungen vor.
  • Wenn Sie längere Zeit körperlich nicht aktiv waren, beginnen Sie langsam, Ihre Muskelkraft wieder aufzubauen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt und in Gesundheits- und Sportzentren beraten. Vielen Menschen in der zweiten Lebenshälfte hilft Krafttraining, die Muskeln bis ins hohe Alter aktiv zu halten.
  • Vermeiden Sie abrupte Wechsel von Warm zu Kalt. Vor allem im Sommer ist es nicht ratsam, sich überhitzt ins kalte Wasser zu stürzen.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen, um Mangelerscheinungen zu vermeiden. Reich an Magnesium sind Obst, grünes Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte, zum Beispiel: Bananen (sie enthalten zudem viel Kalium und B-Vitamine), Haferflocken, Vollkornbrot, Spinat, Erbsen, Sojabohnen, Sesamsamen, Nüsse wie Cashew-Nüsse, Sonnenblumenkerne.