Wadenkrämpfe – Ursachen: Muskelerkrankungen

Schmerzhafte Krämpfe in Wade und Fuß können auch bei bestimmten Muskelkrankheiten auftreten. Beispiele sind Myotonien und Stoffwechselprobleme im Muskel selbst

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 14.11.2018
Hände halten eigene Füße

Erkrankungen im Muskel, die Krämpfe der Muskeln an Beinen und Füßen verursachen, sind selten


Myotonien, die Wadenkrämpfe verursachen können

Myotonie bedeutet, dass sich ein Muskel nach einer willkürlichen Anspannung nur zögerlich wieder entspannt. Bei den insgesamt eher selten auftretenden Muskelerkrankungen ist also die für harmonische Bewegungen notwendige rasche Abfolge von Zusammenziehen und Erschlaffen einzelner Muskeln gestört. Sichtbar wird das etwa bei der verzögerten Lockerung der Hand nach kräftigem Händedruck (Greifmyotonie) oder beim schleppenden Öffnen der Augen nach Lidschluss.

Die Ionenkanäle der Muskelzellen nehmen hier Nervenreize nur fehlerhaft auf und übertragen sie auch nicht mehr richtig. Daher sprechen Ärzte auch von Ionenkanalerkrankungen der Skelettmuskeln. Dabei unterscheiden sie sogenannte myotone Dystrophien und nicht dystrophe Myotonien. Dystrophie bedeutet, dass Struktur und Funktion von Muskeln beeinträchtigt sind, eine Art Verkümmern. Eine dritte Krankheitsgruppe umfasst periodisch auftretende Lähmungen bei Veränderungen des Kaliumgehalts im Blut (Fachbegriff: dyskaliämische periodische Lähmungen). Hier kommt es zu vorübergehender Nicht- beziehungsweise Untererregbarkeit der Muskelzellmembranen. Teilweise können bei diesen Erkrankungen auch Herzrhythmusstörungen auftreten.

Da es sich um erblich bedingte Störungen handelt, sind genetische Untersuchungen Teil des Diagnoseprogramms bei Myotonien. Das hat mitunter auch Konsequenzen für die Therapie, das heißt ob bestimmte Medikamente zum Einsatz kommen können. Nachfolgend ein Beispiel für nicht dystrophe Myotonien: die Myotonia congenita Thomsen.

DNA, Genspirale

Myotonia congenita Thomsen

Symptome: Erste Anzeichen sind oft schon bei kleinen Kindern zu erkennen. Sie können schlecht greifen oder Gegenstände halten, fallen leichter. Die Wadenmuskeln sind stark angespannt und werden steif. Der Fuß zeigt dabei spitz nach vorne. Dazu kommen Lähmungsattacken, Muskelsteifigkeit in unterschiedlichen Muskelpartien. Zusammengezogene Muskeln entspannen sich nur mühsam. Das behindert zahlreiche Aktivitäten. Wird eine Bewegung mehrmals wiederholt, funktioniert das Muskelspiel meist wieder ("Warm-up-Phänomen"). Auffallend ist oft ein muskulöser Körperbau.

Diagnose und Therapie: Wegweisend sind für den Neurologen neben der körperlichen Untersuchung und der Krankengeschichte Bluttests sowie die Elektromyografie. Zu den grundlegenden Untersuchungen kommen eventuell Magnetresonanztomografien, spezielle Gentests und die feingewebliche Untersuchung von Muskelgewebe (Biopsie) dazu.

Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden. Viele Betroffene benötigen nur in bestimmten Situationen und zeitlich begrenzt Medikamente, etwa muskelentspannende, krampflösende Mittel. Sie können häufig trotz ihrer Symptome ein weitgehend normales Leben führen.

Wadenkrämpfe bei metabolischen Myopathien (stoffwechselbedingte Muskelkrankheiten)

Herrscht in einem Muskel ein Ungleichgewicht zwischen Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr einerseits und Energieverbrauch andererseits, funktioniert der Muskel nicht mehr geregelt. Das heißt, er kann sich nicht mehr im notwendigen Maß zusammenziehen, dehnen oder entspannen. Störungen im Zucker- (Glykogen-) und Fettstoffwechsel beruhen meistens auf erblich bedingten Defekten wie Glykogenspeicherkrankheiten. Sie wirken sich auf unterschiedliche Weise aus. Je nach Krankheitsbild sind die Funktionen innerer Organe wie Herz, Leber, Nieren und die Atemwege betroffen.

An der Skelettmuskulatur kann es zu Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Muskelabbau, Versteifungen und einer erhöhten Neigung zu Krämpfen kommen. Wadenkrämpfe sind in diesem Zusammenhang möglich, gehören aber nicht zu den vorherrschenden Symptomen. Die Beschwerden stellen sich vielfach unter körperlicher Belastung ein, so zum Beispiel beim sogenannten Phosphorylasemangel (McArdle-Syndrom), einer Erbkrankheit. Ruhe, aber auch gemäßigte Aktivität bringt häufig Erleichterung, Überanstrengung kann dagegen gefährliche Krankheitsschübe auslösen.