Wadenkrämpfe – Diagnose: Wie der Arzt vorgeht

Das Arzt-Patient-Gespräch gibt erste Hinweise. Körperliche Untersuchungen, Nerventests, Blutanalysen und ausgewählte Verfahren festigen die Diagnose von Wadenkrämpfen
von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 20.10.2016

Test mit dem Reflexhammer: Hiermit prüft der Arzt in einem ersten Schritt, wie bestimmte Nerven und Muskeln reagieren

Strandperle/PhotoAlto

Wadenkrämpfe: Wann ist der Arzt gefragt?

Solange Krämpfe in der Unterschenkelmuskulatur und in den Füßen nur gelegentlich nachts oder untertags auftreten, sind sie meist harmlos. Sie haben häufig keine erkennbare Ursache. Die Krämpfe können jedoch auch Warnzeichen dafür sein, dass Sie Ihre Muskeln entweder überlastet oder aber zu wenig gefordert haben. Dehnungsübungen, gezieltes Training helfen dann in der Regel. Auch ein vorübergehendes Ungleichgewicht im Wasser-Salz-Haushalt, weil Sie stark geschwitzt und/oder zu wenig getrunken hatten, lässt sich meist rasch wieder ausgleichen.

Gehen Sie jedoch zum Arzt, wenn die Krämpfe Ihnen vermehrt zu schaffen machen und Dehnen keine Wirkung zeigt. Wenn solche Crampi sich häufiger einstellen, sehr schmerzhaft sind und länger als ein paar Sekunden anhalten, sollten Sie mit Ihrem Hausarzt oder Internisten darüber sprechen. Das gilt in besonderem Maße, wenn oft Schmerzen im Bein, Taubheitsgefühle oder Kribbeln auftreten. Werden Sie auch aufmerksam, wenn weitere Krankheitszeichen dazukommen, etwa Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Nachtschweiß. Weitere Warnzeichen sind außerdem Muskelkrämpfe in anderen Körperteilen, ein Schwächegefühl in den Muskeln, Gang- oder Bewegungsunsicherheiten, Müdigkeit und Abgeschlagenheit.

Der Arzt wird Muskelkrämpfe zudem immer dann abklären, wenn Sie schon Vorerkrankungen haben, etwa einen zu hohen Blutdruck, Diabetes oder eine Nierenkrankheit.

Wegweisend bei Wadenkrämpfen: Das Arzt-Patient-Gespräch

Der Hausarzt kennt zumeist die Krankengeschichte, eventuelle Grunderkrankungen seines Patienten und die Medikamente, die er einnimmt. Veränderungen hier können für ihn besonders aufschlussreich sein, ebenso eine noch nicht bekannte Schwangerschaft.

Schildern Sie Ihrem Arzt genau, wann und wie oft die Wadenmuskulatur sich verkrampft, welche Muskeln genau sich verhärten, wie die Spasmen sich äußern, wie lange sie anhalten, was Sie dagegen unternehmen. Der Arzt wird zudem wissen wollen, ob andere Mitglieder Ihrer Herkunftsfamilie häufiger an Muskelkrämpfen leiden oder gelitten haben.

Berichten Sie dem Arzt auch, ob Sie körperlich aktiv sind, und wenn ja, in welcher Form. Ihre Trink- und Ernährungsgewohnheiten sind für ihn von Interesse, ebenso Ihr Alkoholkonsum und ob Sie rauchen. Sagen Sie es dem Arzt auch, wenn Sie in der letzten Zeit vermehrt geschwitzt haben, häufig Wasser lassen mussten, (Brech-)Durchfälle oder eine Verletzung, etwa an den Beinen oder am Rücken hatten.

In der ersten Analyse der Symptome wird der Arzt die Wadenkrämpfe auch schon von anderen Muskelproblemen abgrenzen, die in den Beinen auftreten können. Das können zum Beispiel gelegentliche, meist nächtliche Muskelzuckungen oder ein Syndrom der unruhigen Beine (Restless-Legs-Syndrom) sein. Ebenso gilt es, andere Beschwerden abzuklären, die typisch für arterielle Durchblutungsstörungen in den Beinen (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK) sind.

Häufige körperliche Untersuchungen und Laboranalysen in der Diagnose von Wadenkrämpfen

Der Arzt wird sich Beine und Füße, den Rücken, Arme und Hände sowie den Kopfbereich genau ansehen. Er kontrolliert die Gefäßpulse und misst den Blutdruck. Mit bestimmten Tests prüft er Nervenreaktionen, indem er zu Beispiel das Zusammenziehen der Muskeln durch Beklopfen provoziert. Weitere eingehende Nervenprüfungen nimmt in der Regel ein Nervenarzt (Neurologe) vor.

Blutuntersuchungen geben Aufschluss über den Elektrolythaushalt, die Blutzuckerwerte, über Nieren- und Leberfunktion. Ebenso lässt der Arzt die Schilddrüsenhormone und eventuell noch weitere Hormonwerte bestimmen, Muskelenzyme im Blut messen sowie gegebenenfalls einen Schwangerschaftstest durchführen. Darüber hinaus gehören Urinanalysen oft zum Untersuchungsprogramm dazu.

Zu den Fachärzten, an die der Hausarzt je nach Verdacht seinen Patienten überweist, gehören in erster Linie ein Internist, ein Neurologe oder ein Orthopäde.

Mögliche apparative Verfahren und weiterführende Tests bei Wadenkrämpfen

Eine weiterführende Untersuchung der Nervenfunktionen stellt die sogenannte Elektromyografie (EMG) dar. Sie erlaubt es, die elektrischen Abläufe und damit auch die Nervenaktivitäten in einem Muskel zu messen. Das geschieht meist mit Hilfe feinster Nadelelektroden, die in den Muskel selbst gestochen werden und die die elektrischen Aktivitäten des jeweils entspannten und angespannten Muskels ableiten. Eine Elektroneurografie (ENG) ergänzt häufig diese Messung. Sie erfasst über auf der Haut angebrachte Elektroden die Nervenleitgeschwindigkeit. Diese zeigt an, wie schnell die Nervenfasern elektrische Reize, also bestimmte Kommandos an die Muskelfasern, weitergeben.

Spezielle Bluttests (zum Beispiel der Laktat-Ischämie-Test) weisen auf krankhafte Veränderungen im Stoffwechsel der Muskeln hin. Mitunter sind auch feingewebliche Untersuchungen von Muskelgewebe angezeigt, wenn Hinweis auf eine meist erbliche, stoffwechselbedingte Muskelerkrankung besteht (metabolische Myopathie, siehe auch Kapitel "Ursache: Muskelkrankheiten")

Computertomografie und Magnetresonanztomografie können die Ärzte heranziehen, um sich ein Bild von der Wirbelsäule, den Bandscheiben und dem Wirbelsäulenkanal zu verschaffen. Manchmal ist in sehr seltenen Fällen zusätzlich eine spezielle Röntgenuntersuchung des Rückenmarkkanals mit Kontrastmittel notwendig, die Myelografie. Sie zeigt Verengungen und Erkrankungen im Rückenmarkkanal beziehungsweise an Nervenwurzeln auf. Neurologen setzen zudem die Magnetresonanztomografie beziehungsweise Kernspintomografie ein, um mögliche Muskelerkrankungen genauer zu bestimmen.

Ultraschalluntersuchungen von Venen und Arterien klären über den Zustand der Durchblutung in den Beinen auf. Eine Farbdoppler-Sonografie lässt erkennen, ob die Blutzirkulation gestört ist und ob Venenklappen nicht richtig schließen.

Vermutet der Arzt aufgrund der klinischen Untersuchungsergebnisse, der Krankengeschichte und der Beschwerden des Patienten eine arterielle Verschlusskrankheit in den Beinen, sind spezielle Gefäßuntersuchungen sinnvoll. Dazu gehören bestimmte Gehtests sowie Messungen des Blutdrucks in den Beinen, ebenfalls mit Hilfe eines Ultraschallgeräts (Dopplerdruckmessung). Der Facharzt überprüft zudem den Blutflusses in den Schlagadern. Die Doppleruntersuchung kann auch mögliche Engstellen aufzeigen. Ausführliche Informationen dazu finden Sie im Ratgeber "Durchblutungsstörungen in den Extremitäten (PAVK)".

Ultraschalluntersuchungen, zusätzlich auch die Farbdoppler-Sonografie, ziehen zudem die Internisten zur Diagnose von Nieren- und Lebererkrankungen heran. Sie werden begleitet von einer Reihe spezieller Blut- beziehungsweise Urintests.

Liegt eine krankhafte Ursache vor, wird der Arzt entsprechende Behandlungsmaßnahmen einleiten. Einige der Krankheitsbilder, die unter anderen Symptomen auch Wadenkrämpfe auslösen können, sind in den folgenden Ursachenkapiteln aufgeführt.


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