Geschwollene Beine und Füße: Wie Schwellungen entstehen

Schwillt ein Körperteil oder eine Körperstelle an, hat sich Flüssigkeit in dem Raum zwischen den Geweben unter der Haut angesammelt

von Andrea Blank-Koppenleitner, aktualisiert am 24.04.2018

Den ganzen Tag auf den Beinen und viel gestanden: Da staut sich das Blut leicht in den Beinvenen zurück


Bestimmte Druckverhältnisse im Körper bewirken, dass die Flüssigkeiten in den ihnen jeweils zugedachten Bereichen im Gleichgewicht sind. So befindet sich ein großer Teil des Körperwassers innerhalb der Zellen, ein anderer Teil in den Zellzwischenräumen und in den Gefäßen. Über das Blut, das zum Großteil flüssig ist, gelangen Sauerstoff und Nährstoffe bis in alle Körperteile, in jede Zelle, wo sie genutzt werden.

Die Versorgung erfolgt über die Arterien und kleinste Haargefäße, die Kapillaren, die die Nährflüssigkeit an die Gewebe abgeben.

Normalerweise transportieren Venen das Blut ab

Den Abtransport von Kohlendioxid und verbrauchten Stoffen, die im Stoffwechsel entstanden sind, übernimmt das Venensystem. Die venösen Haargefäße saugen die Flüssigkeit wieder auf, und die Venen führen das sauerstoffarme Blut zum Herzen zurück.

Die Lymphgefäße befördern ebenfalls einen Teil der Flüssigkeit (Lymphe) sowie Eiweißstoffe aus den Geweben zu den Venen. Auch nehmen sie Fette aus dem Darm auf und leiten sie ins Blut weiter. Außerdem spielt das Lymphsystem als Teil des Immunsystems für die Abwehr eine wichtige Rolle.

Beinschwellung: Probleme der Venen oder Lymphgefäße

Eine Schwäche oder ein Stau im Venen- oder im Lymphsystem führt dazu, dass der normale Flüssigkeitsaustausch nicht mehr funktioniert und Flüssigkeit im Gewebe zurückbleibt. Es kommt zu Schwellungen, auch Ödeme genannt. Allein langes Stehen oder Sitzen kann eine stärkere Blutfülle in den Beinvenen bewirken, denn die Venen müssen das Blut größtenteils gegen die Schwerkraft zum Herzen befördern.

Dabei helfen ihnen die Sogleistung des Herzens, die Arbeit der zuständigen Muskeln sowie Klappen in den Venen, die verhindern, dass das Blut wieder zurückfließt. Sind die Muskeln nicht aktiv, wie bei längerem Sitzen, sackt das Blut in den Venen ab. Dadurch erhöht sich der Druck in den Gefäßen, Aufnahme und Abstrom der Flüssigkeit aus den Geweben sind verlangsamt.

Wenn es sehr warm ist, dehnen sich die Venen aus, um Wärme abzugeben und damit die Körpertemperatur konstant zu halten. Auch das stört den Abtransport vorübergehend. Die Knöchel schwellen an, bisweilen auch die Unterschenkel.

Funktionieren die Venenklappen nicht mehr richtig, staut sich das Blut zurück, die Gefäße weiten sich. Eine häufige Folge sind Krampfadern und Beinschwellungen. Krampfadern, Venenentzündungen oder eine tiefe Venenthrombose gehören zu den krankheitsbedingten Ursachen von dicken Beinen beziehungsweise eines dicken Beins.

Ebenso kommen Störungen im Lymphsystem als Auslöser infrage. Bei Lymphödemen schwellen neben Knöcheln und Füßen meist auch die Zehen an.

Ödeme bei Herz- und Gefäßerkrankungen

Kann das Herz aufgrund einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) seiner Pump- beziehungsweise Sogleistung nicht mehr nachkommen, erhöht sich der Druck in den Beinvenen. Es können sich Ödeme bilden, auch an den Beinen.

Probleme in den Arterien können dazu führen, dass Gewebe anschwillt, zum Beispiel, wenn es unterversorgt wird, da eine Arterie chronisch verengt ist. Eine solche Durchblutungsstörung muss sofort behandelt werden, damit der betroffene Bereich nicht abstirbt und im schlimmsten Fall etwa ein Fuß oder Bein amputiert werden muss. Durch eine geschädigte Gefäßwand tritt auch leichter Flüssigkeit aus. Ursachen sind Gefäßverschlüsse (Thrombosen), unter anderem infolge von Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) und Entzündungen.

Schwellungen durch Infektionen und Stoffwechselstörungen

Schäden an den Gefäßen können zudem durch Infektionen, chemische Reize oder Verletzungen entstehen. So sondert das Gewebe im Zuge einer Abwehrreaktion etwa gegen Bakterien oder andere Krankheitserreger vermehrt Flüssigkeit wie Lymphflüssigkeit ab.

Übergeordnete Störungen im Stoffwechsel, im Eiweiß-, Wasser- und Mineralhaushalt beeinträchtigen von verschiedenen Seiten den geordneten Flüssigkeitsaustausch. Damit wird verständlich, warum Menschen, die an Diabetes oder an einem Nieren- oder Leberleiden erkrankt sind, häufig auch Probleme mit geschwollenen Beinen haben. Ebenso führen Ernährungsmängel zu Ödemen, etwa Eiweißmangelödemen bei Essstörungen oder Alkoholmissbrauch. Auch hormonelle Schwankungen beeinflussen den Stoffwechsel.

Sonderform Lipödem: Ansammlung von Fett

Nicht immer ist ein Flüssigkeitsstau die Ursache für sichtbare Schwellungen. Auch Fett kann sich im Gewebe ansammeln. Eine anlagebedingte Fettverteilungsstörung ist Ursache eines sogenannten Lipödems.

Auch der Lebensstil spielt eine Rolle

Ungesunde Lebensgewohnheiten, allen voran Bewegungsmangel und Übergewicht, fördern Fettablagerungen und Gefäßschäden. Alle Vorsorgemaßnahmen und Therapiepläne werden auch immer solche Gesundheitsprobleme mit einbeziehen.