Basaliom: Hautkrebs mit tausend Gesichtern

Zwar ist er nicht ganz so gefährlich wie schwarzer Hautkrebs. Aber weißer Hautkrebs kommt viel öfter vor, vor allem Basaliome. Anfangs sind sie oft unscheinbar
von Dr. med. Roland Mühlbauer, aktualisiert am 14.04.2016

Ausgedehnte Sonnenbäder erhöhen das Basaliomrisiko

iStock/anthonysp

In Deutschland treten jedes Jahr über 130.000 neue Fälle eines Basalioms auf. Tendenz steigend. Dieser Tumor ist die häufigste Form von weißem Hautkrebs. Wenn er nicht behandelt wird, wächst er immer weiter und kann sogar Knorpel und Knochen zerstören. Zumindest bildet das Basaliom aber kaum Absiedlungen (Metastasen) in anderen Bereichen des Körpers.

Wie sieht ein Basaliom aus?

"Das Basaliom ist sozusagen ein Chamäleon der Hautveränderungen", erklärt der Münchener Dermatologe Dr. Hans Ulrich Voigt, Leiter des Hautzentrums Dermatologie am Dom. Denn die Erscheinungsformen seien äußerst vielfältig. Oft sind es wenig auffällige, unspektakuläre Veränderungen, die Laien leicht entgehen und selbst Ärzte missdeuten können. Sie sehen wie ein Pickel aus, ein rotes Wärzchen, ein glasiges Knötchen oder eine schuppende Stelle, wie eine kleine Wunde oder eine Narbe.

Basaliom am Hals

Your Photo Today/BSIP/GIRAND

Hinter welchen Pickeln kann ein Basaliom stecken?

Verdächtig sind alle Pickel und Wunden, die innerhalb von drei Wochen nicht abheilen. "Dann sollte sie sich auf jeden Fall ein Hautarzt ansehen", sagt Voigt. Die meisten Basaliome entdecke er aber als Zufallsbefunde beim routinemäßigen Hautkrebsscreening.

Welche Bereiche des Körpers sind bevorzugt betroffen?

Das Basaliom findet sich vor allem an den Körperstellen, die nicht von Kleidung bedeckt sind und deshalb direkt vom Sonnenlicht getroffen werden. Dazu zählen das Gesicht, die Hände und die Unterarme. Aber auch Stellen, die beim Einschmieren mit Sonnencreme vernachlässigt werden, wie der Rücken und die Schultern können betroffen sein. "Und bei Glatzenträgern kommen Basaliome auch oft oben auf dem Kopf vor", ergänzt Voigt.

In welchem Alter kommt das Basaliom vor?

Typischerweise tritt es rund um das 60. Lebensjahr auf, oder älter. Aber die Altersgrenze verschiebt sich in den letzten Jahren immer weiter nach unten. "Inzwischen haben wir auch schon Patienten, die erst Mitte 30 sind", berichtet Voigt.

Warum nehmen die Basaliome so zu?

Im Wesentlichen liegt das am Sonnenkonsum. Denn die Haut verträgt nur eine gewisse Menge an UV-Strahlung, und die Schäden summieren sich im Lauf des Lebens. Ein Übermaß kann dann zu Hautkrebs führen. Auch veränderte Reisegewohnheiten tragen zur UV-Belastung bei: Viele Menschen fliegen immer häufiger in südliche Länder, oft auch in den Wintermonaten, und setzen sich viele Stunden der Sonne aus. Dabei schmieren sich viele nicht ausreichend ein, kritisiert Voigt: "Dann braten sie am Strand und möchten möglichst braun zurückkommen." Das alles erhöhe die Lebens-UV-Dosis. Auch die steigende Lebenserwartung trägt dazu bei, dass sich mit den Jahren immer höhere Dosen summieren.

Untersuchung auf Hautkrebs mittels Video-Auflichtmikroskopie

Dermatologie am Dom

Ab wann empfehlen Ärzte ein Hautkrebsscreening?

Von der gesetzlichen Krankenversicherung ist es ab dem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre vorgesehen. Es komme aber auf das individuelle Risiko an, meint Voigt: "Menschen, die viel draußen arbeiten, wie Bauarbeiter, Gärtner oder auch Skilehrer sollten sich ab 30 einmal pro Jahr die Haut untersuchen lassen."

Sind Menschen mit bestimmten Hauttypen besonders gefährdet?

"Ja. Generell sind Menschen mit dunkler Haut besser geschützt als Menschen mit heller Haut", sagt der Dermatologe. Wer sehr sonnenempfindlich ist und leicht einen Sonnenbrand bekommt, hat ein höheres Risiko. Aber auch stark pigmentierte Menschen können durchaus ein Basaliom bekommen.

Wie stellen Ärzte fest, ob es wirklich ein Basaliom ist?

Die meisten Basaliome lassen sich mit einem geschulten Auge erkennen. Apparative Untersuchungsverfahren können die Diagnose erhärten. "Da gibt es Geräte, mit denen der Arzt in die Haut hineinsehen und sogar einzelne Zellen betrachten kann", erzählt Voigt. So erkenne er die Ausdehnung des Tumors. Eine ganz sichere Diagnose bietet die Untersuchung einer Gewebeprobe unter dem Mikroskop.

Ist bei jedem Patienten eine Gewebeprobe nötig?

"Wenn die Diagnose eindeutig ist, entfernen wir auch gleich das ganze Basaliom", so Voigt. Das entnommene Gewebe wird hinterher zur feingeweblichen Untersuchung an das Labor geschickt. Dort lässt sich feststellen, ob die Schnittränder frei von veränderten Zellen sind, also die Hautveränderung vollständig entfernt wurde.

Ist immer eine Operation nötig?

Die Operation gilt als der Goldstandard. "Zumindest im Gesicht ist das die Methode der Wahl", sagt Voigt. Je nach Art des Basalioms entfernt der Hautarzt außerdem einen Randsaum von zwei bis fünf Millimetern. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Zellen unter der Haut weiterwuchern. "Dann entsteht unter Umständen plötzlich ein riesiger Defekt, der sogar die Nase oder die Augen zerstören kann", warnt Voigt. Das müsse der Arzt auf jeden Fall verhindern.

Dr. Hans-Ulrich Voigt

Dermatologie am Dom

Welche Behandlungsalternativen gibt es bei Basaliomen am Körper?

Bei oberflächlichen Tumoren ist die photodynamische Therapie eine Möglichkeit. Dabei trägt der Hautarzt eine Substanz auf das Basaliom auf, die mit vorgeschädigten Hautzellen reagiert und sie für Licht empfindlich macht. Anschließend wird die Stelle mit einem speziellen Infrarotlicht bestrahlt, das die mit der Substanz beladenen Zellen zerstört.

Als weitere Option kann das Basaliom mit sogenannten Immunmodulatoren behandelt werden. Diese Stoffe werden auch von außen aufgetragen. Sie stimulieren das Immunsystem der Haut so stark, dass es in einer entzündlichen Reaktion die Krebszellen angreift und vernichtet.

Gibt es auch Tabletten gegen Basaliome?

"Bei sehr fortgeschrittenen Tumoren verordnen wir manchmal Medikamente, die der Patient einnimmt", berichtet Voigt. Substanzen wie Vismodegib können bewirken, dass sich die Basaliome verkleinern oder sogar verschwinden. "Der Wirkstoff ist aber aufgrund der Nebenwirkungen nur bei sehr ausgedehnten Befunden angebracht", fügt der Experte hinzu. Die Substanz gilt unter anderem als fruchtschädigend und darf deshalb nicht bei schwangeren Frauen eingesetzt werden.

Wie sieht die Nachsorge nach einem Basaliom aus?

Ein Basaliom ist ein Zeichen, dass die Haut bereits einen gravierenden Lichtschaden angesammelt hat. Deshalb ist die Gefahr für weitere Basaliome deutlich erhöht. "Wir bestellen die Patienten deshalb halbjährlich oder zumindest jährlich zur Kontrolle ein", sagt Voigt. Außerdem sollen sich die Patienten so gut wie möglich vor UV-Strahlen schützen und sich selbst kontrollieren, ob ihnen verdächtige Hautveränderungen auffallen. Dazu zählen rote schuppende Stellen, glasige Knötchen oder Narben, die vorher nicht da waren.

Wie lässt sich Basaliomen vorbeugen?

Entscheidend ist der Schutz vor zuviel UV-Strahlen. "Deshalb am besten die Mittagssonne zwischen elf und drei meiden, und sich in der Zeit im Schatten aufhalten", rät der Dermatologe. Außerdem sollten die Menschen eine Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor verwenden, und eine ausreichende Menge auftragen. Für den ganzen Körper brauche man in etwa 30 Milliliter. Wird zu wenig verwendet, sinkt der Lichtschutzfaktor exponentiell: "Trage ich nur ein Viertel der Menge auf, habe ich nur ein Sechzehntel des Lichtschutzfaktors!" Besser morgens einmal richtig eincremen, idealerweise mit einem wasserfesten Präparat, statt alle zwei Stunden eine zu geringen Menge zu verwenden. Für Glatzenträger ist eine UV-dichte Kopfbedeckung sehr sinnvoll. Außerdem kann ein Hut mit ausreichender Krempe auch das Gesicht beschatten.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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