Bandscheibenvorfall: Therapie

Meist lässt sich ein Bandscheibenvorfall mithilfe von Schmerzmitteln, Wärme und viel Bewegung behandeln. Eine Operation wird nötig, wenn die konservative Therapie versagt

aktualisiert am 10.02.2017

Wärme-Anwendung: Fango- und Moorpackungen lockern die Rückenmuskulatur


Bis zu 90 Prozent aller Bandscheibenvorfälle und Beschwerden bekommen Arzt und Patient durch eine konservative Therapie in den Griff. Sie setzt sich aus zwei Grundpfeilern zusammen:

  • Schmerzen lindern – mithilfe von Medikamenten und Wärme – und
  • Rückenmuskulatur normalisieren – durch Physiotherapie und Sport.

Schmerztherapie bei Bandscheibenvorfall

Das Wichtigste ist, dass sich der Betroffene wieder ohne Beschwerden bewegen kann. Deshalb verschreibt der Arzt anfangs schmerz- und entzündungshemmende Medikamente. Diese sollte der Betroffene regelmäßig und konsequent einnehmen. Das verhindert, dass er aufgrund von Schmerzen eine Schonhaltung einnimmt, seine Rückenmuskulatur zusätzlich verspannt und sich die Beschwerden verschlimmern. Schmerzt der Rücken heftig, kann der Arzt im Einzelfall auch örtlich betäubende Medikamente oder Kortison spritzen.

Gleichzeitig kann auch Wärme helfen. Sie regt die Durchblutung in der Haut an und lockert die versteifte Rückenmuskulatur. Es gibt verschiedene Wärme-Anwendungen: Fango- und Moorpackungen, Rotlicht, warme Kleidung. Daneben empfiehlt sich oft eine Stufenbettlagerung. Dabei positioniert der Patient im Liegen die Beine zum Beispiel im rechten Winkel auf einem Würfel. Das entlastet die Nerven.

Physiotherapie und Bewegung

Es gilt inzwischen als überholt, dass sich der Bandscheiben-Geplagte nicht bewegen darf oder sogar im Bett bleiben muss. Dies ist nur in seltenen Fällen angebracht. Stattdessen beginnt der Patient meist sofort mit einer Physiotherapie. Diese kann auch in Form einer ambulanten Rehabilitation stattfinden. Der Betroffene sollte dann regelmäßig zu Hause trainieren. Wer die krankengymnastischen Übungen konsequent macht, entlastet seine Wirbelsäule und fühlt sich rasch besser. Auch Massagen, entspannende Übungen und spezielle Bewegungstherapien (zum Beispiel Aqua-Gymnastik) helfen.

Sport ist nach einem Bandscheibenvorfall ebenfalls erlaubt und verbessert die Heilungschancen. Ob Joggen, Radfahren oder Schwimmen – welche Sportart infrage kommt, muss der Erkrankte mit dem Arzt absprechen. Alle Tätigkeiten, die den Rücken und die Bandscheiben belasten, sind allerdings tabu. Also keine schweren Lasten heben, in gebückter Haltung putzen oder Sand schippen!

Durch konsequentes Umsetzen der konservativen Maßnahmen sollten sich die Bandscheibenprobleme spätestens nach sechs bis acht Wochen deutlich bessern oder ganz verschwinden. Ist dies nicht der Fall sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche konservative Therapie.

Einfache Übungen gegen akute Rüchenschmerzen

Wann ist bei Bandscheibenvorfall eine Operation nötig?

Helfen Schmerzmittel und Bewegungstherapie nicht, kommt eine Operation infrage. Ein Bandscheibenvorfall sollte operiert werden, wenn

  • er Lähmungen hervorruft,
  • wenn sich diese schnell verschlechtern oder
  • wenn der Patient auf Schmerzmittel nicht anspricht.
  • Symptome wie eine Blasen- und Stuhlinkontinenz sowie durch Taubheitsgefühle im Genital- und Analbereich (Reithosenanästhesie) vorliegen. Diese seltenen Formen schwerer Bandscheibenvorfälle, zum Beispiel das sogenannte "Caudasyndrom" (im Symptome-Kapitel beschrieben), stellen einen echten Notfall dar.

Was passiert bei einer Bandscheiben-Operation?

Bei der Bandscheibenoperation entfernt der Chirurg den Bandscheibenvorfall und entlastet die eingeklemmte Nervenwurzel. Üblicherweise nimmt der Operateur eine sogenannte mikrochirurgische Diskektomie vor. Hierbei wird der vorgefallene Teil des Gallertkerns sowie Teile der Bandscheiben (Nucleotomie) mit Hilfe eines Operationsmikroskops entfernt und so die Nervenwurzel entlastet.

Neben diesem Standardverfahren gibt es alternative OP-Methoden, die jedoch weniger etabliert und wissenschaftlich weniger gut untersucht sind. Dazu zählen zum Beispiel perkutane endoskopische Techniken.

Wie lange fällt man nach einer Bandscheiben-OP aus?

Der stationäre Aufenthalt nach einer mikrochirurgischen Bandscheibenoperation ist meist recht kurz (drei bis fünf Tage). Nach der Operation empfehlen Experten eine ambulante oder stationäre Anschlussheilbehandlung beziehungsweise Rehabilitation. Ziel dieser Nachsorge ist es, die Rumpfmuskulatur zu stabilisieren, rückengerechtes Verhalten zu erlernen und den Patienten auf eine Rückkehr ins Arbeitsleben vorzubereiten. Die "Reha" beinhaltet unter anderem Krankengymnastik und rückenstärkende Übungen.

Auch Sportvereine und Krankenkassen bieten spezielle Rückengymnastiken an. Dort können Bandscheiben-Geplagte oft auch an einer "Rückenschule" teilnehmen, in der sie lernen, wie sie sich im Alltag "rückenfreundlich" verhalten.