{{suggest}}


Gegen Berufsunfähigkeit absichern

Für diesen Fall müssen Arbeitnehmer privat vorsorgen. Aber beim Abschluss einer entsprechenden Versicherung gibt es einiges zu beachten

von Konstanze Fassbinder, 21.01.2019
Computerarbeitsplatz

Berufsunfähig? Versicherungen können Betroffene auffangen - doch das Angebot ist riesig


Nicht mehr arbeiten, seinen Beruf nicht mehr ausüben, kein Geld mehr verdienen – die Horrorvorstellung wohl aller Arbeitnehmer. Versicherungen können vor einem finanziellen Desaster schützen. Doch das Angebot ist riesig. Worauf Sie bei der Auswahl und Antragstellung achten sollten.

Wie verschaffe ich mir einen Überblick?

"Das ist tatsächlich nicht einfach", sagt Katharina Lawrence. Sie ist Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt am Main. Grundsätzlich sollte die private Berufsunfähigkeitsversicherung Rentenzahlungen bieten, wenn der Versicherte berufsunfähig wird. Doch jeder Tarif definiere "berufsunfähig" unterschiedlich, erklärt Lawrence.

Sie rät dazu, das Angebot mit den aktuellen, unverbindlichen Empfehlungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft zu vergleichen. Ihnen sollte der Tarif mindestens entsprechen. Daruber hinaus informieren etwa die Verbraucherzentralen, auch im persönlichen Beratungsgespräch. Weiterer Anhaltspunkt: die regelmäßigen Bewertungen von Stiftung Warentest.

Klinik

Wer braucht die Zusatzversicherung?

Berufsunfähigkeit ist nicht über die gesetzliche Rente abgedeckt. Wenn der Beruf aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit nicht mehr ausgeübt werden kann, droht den meisten Arbeitnehmern und Selbstständigen der finanzielle Ruin. Das wegfallende Erwerbseinkommen können nur wenige durch eigene Rücklagen auffangen.

Neben der Privathaftpflichtversicherung halten Experten die sogenannte BU deshalb für die wichtigste private Versicherung. Sie sollte möglichst in jungen, gesunden Jahren abgeschlossen werden. "Erfahrungsgemäß wird es schwierig im Alter von 50+ einen bezahlbaren Schutz zu finden", sagt Lawrence.

Für wen ist die Absicherung unverzichtbar?

Vor allem für Berufstätige mit kreativen oder körperlich herausfordernden Tätigkeiten. Allerdings werden ausgerechnet viele dieser Berufe, laut Verbraucherchützerin Lawrence, nur zu sehr hohen Preisen oder im Einzelfall überhaupt nicht versichert. Dazu zählen zum Beispiel Schauspieler oder Dachdecker.

Musiklehrer

Worauf sollte man bei der Antragstellung achten?

Einer der größten Fehler ist es, die Gesundheitsfragen nicht sorgfältig genug zu beantworten. "Nehmen Sie sich Zeit", rät Lawrence. Jede Versicherung frage anders. "Bei der einen muss man alle ambulanten Behandlungen der letzten zehn Jahre angeben, die andere will alle Erkrankungen wissen. Also auch die nicht durch einen Arzt behandelten, wie zum Beispiel Rückenschmerzen."

Spätestens im Versicherungsfall prüft der Versicherer die Angaben. Hat der Kunde nachweislich grob fahrlässig unvollständige Informationen übermittelt, besteht die Gefahr, dass der Versicherer nicht leisten muss. Die Prämien sind verloren. Erst nach Ablauf von zehn Jahren kann der Anbieter sich nicht mehr auf falsche Antworten im Auftrag berufen.

Klinik

Und wenn der Anbieter bei Berufsunfähigkeit nicht zahlt?

"Machen Sie sich klar, dass Sie unter Umständen mithilfe von Gutachtern beweisen müssen, dass Sie berufsunfähig im Sinne der konkreten Bedingungen sind", sagt Expertin Lawrence. Gerade wenn es um psychische Krankheiten gehe, gäbe es die Versicherungsunternehmer irgendwann auf, um ihre Ansprüche zu kämpfen, so ihre Erfahrung. "Und die Psyche ist mittlerweile einer der Hauptgründe aller Schadensfälle."

Wie hoch sind die Kosten?

"Für eine junge Büroangestellte kann eine Police im Jahr schnell ein Nettogehalt kosten", sagt Lawrence. Deshalb immer bedenken: Man muss sich die Versicherung auch über die
gesamte Vertragsdauer leisten können. Grundsätzlich gilt: Je riskanter der Beruf, desto teurer der Versicherungsschutz. Körperlich Tätige zahlen mehr als im Büro Sitzende. Die Preise vergleichen kann nur, wem mehrere gleichwertige Angebote für seine individuelle
Situation vorliegen.

Wie hoch sollte man sich absichern?

"Mit der Höhe der BU-Rente sollten Sie nicht nur Ihren Lebensunterhalt bestreiten können", empfiehlt Lawrence. Wichtig sei zum Beispiel auch, dass die Krankenkasse abgedeckt sei – und eventuell weitere laufende Absicherungskosten wie Risikolebensversicherung für die Familie. "Da liegen Sie dann bei Renten ab minimal 1500, besser 1800 Euro."

Sinnvoll ist außerdem, die Laufzeit des Vertrags bis zum Eintritt in den Altersruhestand zu wählen. Wer mit Anfang 50 nicht mehr arbeiten kann, hat viel Zeit zu überbrücken bis zur Rente. Die Höhe der durchschnittlichen Erwerbsminderungsrente lag laut Deutscher Rentenversicherung zuletzt bei unter 800 Euro monatlich.

Katharina Lawrence

Lässt sich die Versicherung vorzeitig kündigen?

Grundsätzlich ja. "Aber nur Kunden, die etwa in der Mitte der Laufzeit kündigen, erhalten einen klitzekleinen Rückkaufwert", sagt Lawrence. Wer zum Ende hin kündigt, erhält gar kein Geld. "Machen Sie sich klar: Danach können Sie unter Umständen keinen neuen Vertrag abschließen", rät die Expertin.

Bekommt man denn grundsätzlich Geld zurück?

Ist die BU an eine Renten- oder Kapitallebensversicherung gekoppelt, kommt es nach regulärem Ablauf zur Auszahlung. "Solche Versicherungsvarianten empfehlen wir als Verbraucherzentrale in der Regel nicht, da die Leistungen aus solchen Verträgen mitbezahlt werden müssen", so Lawrence. Dies führe zu deutlich höheren Beiträgen.

Zusätzlicher Schutz

Diese Versicherungen können außerdem sinnvoll sein:

Private Pflegeversicherung

Das Risiko, später ein Pflegefall zu werden, ist nicht gering. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt oft nicht alles ab. Aber nur, wer schon grundlegend abgesichert ist, sollte zusätzlich in eine Pflegetagegeld-, Pflegekosten- oder Pflegerentenversicherung investieren. Je nach Eintrittsalter steigen die Raten.

Krankenhaus-Zusatzversicherung

Sie deckt je nach Tarif Sonderleistungen wie Einzelzimmer, freie Wahl des Krankenhauses oder Chefarztbehandlung ab. Wer Wert legt auf freie Wahl und Ruhe im Falle eines Klinikaufenthalts – und es sich leisten kann –, sollte hier investieren.

Auslandskrankenversicherung

Jeder, der regelmäßig verreist, sollte eine abschließen. Denn die gesetzlichen Kassen zahlen im Fall von Krankheit oder Unfall keinen Rücktransport.

Achten Sie darauf, dass "im medizinisch sinnvollen Fall" gezahlt wird, nicht im "medizinisch notwendigen". Bei Letzterem wird der Transport nur gezahlt, wenn der Versicherte am Urlaubsort nicht adäquat versorgt werden kann. In den meisten europäischen Ländern ist das nicht der Fall. "Medizinisch sinnvoll" hingegen bedeutet, dass die Aussicht auf Heilung zu Hause besser ist, weil Patienten zum Beispiel keinen Dolmetscher benötigen. Lassen Sie sich am besten immer unabhängig berate