Wer vom Augenlasern profitiert

Mit dem Laser lassen sich Kurz- oder Weitsichtigkeit korrigieren. Die Methode gilt als sehr sicher. Doch sie eignet sich nicht für jeden
von Dr. Christian Heinrich, aktualisiert am 22.09.2015

Scharf sehen: Ein paar Hundertstel Millimeter Hornhaut-Abweichung entscheiden

Panthermedia/suravid

Wie scharf sehe ich, wenn ich auf diese Zeilen schaue, wenn ich aus dem Fenster blicke, wenn ich den Vogel auf dem Baum neben mir beobachte? Es ist nur eine Winzigkeit, die darüber entscheidet. Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland sind kurzsichtig. Für sie alle gilt: Wäre die Hornhaut im Auge ein paar Hundertstel Millimeter flacher, würde sie das Licht anders weiterleiten. Auf der Netzhaut und damit auch im Gehirn entstünde dann ein schärferes Bild.

Eine Mini-Abweichung der Hornhaut bewegt jährlich rund 100.000 Deutsche dazu, sich wegen ihrer Kurz- oder Weitsichtigkeit in einer hiesigen Augenklinik operieren zu lassen. Dabei müssen sich die meis­ten heute nicht einmal buchstäblich "unters Messer" legen: Während Operateure bei der konventionellen Lasik-Methode noch mit einer Kombina­tion aus einem ultrafeinen Messer und einem Laser arbeiten, kommen bei der weiterentwickelten Methode Femto-­Lasik – sie wird heute beim Großteil aller Eingriffe angewandt – ausschließlich Laserstrahlen zum Einsatz. Auch bei der relativ neuen Methode mit dem Namen Relex Smile kommt man ohne Messer aus.

Weil die Laser noch präziser sind als das Messer, bringt das deutlich weniger Komplikationen mit sich. "Femto-Lasik und Relex Smile haben die Eingriffe noch risikoärmer gemacht, als sie es ­ohnehin schon waren", sagt Dr. Urs ­Voßmerbäumer, Leiter der Refraktiven Chirurgie und des Ambulanten OP-Zentrums an der Universitäts-Augenklinik und Poliklinik in Mainz.

Mehr Lebensqualität durch Laser-Korrektur

Klar, eine gute Sehschärfe lässt sich auch unkomplizierter mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen erreichen. Und Kurzsichtigkeit beispielsweise würde wohl kaum jemand als Krankheit bezeichnen, die durch eine Operation behandelt werden muss. Aber es ist andererseits auch mehr als eine ästhetische Angelegenheit.

Viele, die sich lasern lassen, erleben unmittelbar eine wesentliche Steigerung der Lebensqualität: "Sie machen morgens die Augen auf und sehen alles scharf, sie können Sportarten wie Schwimmen ausüben, ohne sich Gedanken über geeignete Sehhilfen zu machen", sagt Voßmerbäumer. "Das unterscheidet uns von den Schönheitschirurgen: Wir verbessern tatsächlich die körperliche Leistungsfähigkeit, nicht nur das Aussehen."

Augenlasern: Nicht für jeden geeignet

Doch das Augenlasern kommt nicht für jeden infrage. Die Kommission Refraktive Chirurgie der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft hat entsprechende Richtlinien aufgestellt. Sie empfiehlt Kurzsichtigen den Eingriff nur bis minus acht Dioptrien, Weitsichtigen bis plus drei Dioptrien. Sie rät auch ab, wenn eine Hornhautverkrümmung von über fünf Dioptrien vorliegt oder die zentrale Hornhaut­dicke weniger als einen halben Millimeter beträgt.

Zudem ist eine Operation laut Voßmerbäumer normalerweise nur in einem Alter zwischen 19 und 50 Jahren sinnvoll: "Vorher kann sich die Hornhaut im Wachstumsprozess noch verändern, und mit Anfang 50 setzt bereits die Altersweitsichtigkeit ein, dann verändert sich das Auge wieder, und der Effekt des Laserns verschwindet", so der Experte.

Weniger Restrisiken durch die richtige Arztwahl

Und dann sind da noch die Risiken. Denn trotz aller Fortschritte bleiben auch Femto-Lasik und Relex Smile Operationen, die mit – wenn auch sehr kleinen – Restrisiken verbunden sind. Gut 99 Prozent der Eingriffe verlaufen glatt. Allerdings liegt die Patienten­zufriedenheit mit 96 Prozent leicht ­darunter. Der hauptsächliche Grund dafür: das Gefühl, trockene Augen zu haben. Mithilfe von Augentropfen verschwindet es allerdings meist innerhalb weniger Tage, spätestens binnen eines Jahres.

Die meisten Komplikationen können noch während der Operation korrigiert werden. Doch sehr selten gibt es auch Fälle, bei denen die Hornhaut dauerhaft geschädigt wird: Infektiöse Entzündungen mit Vernarbungen, bei denen später im Gesichtsfeld verschwommene Stellen auftauchen. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt jedoch im Promillebereich.

Durch sorgfältige Wahl des Augenzentrums und des Arztes lassen sich die Risiken noch weiter minimieren. So haben mehrere Studien gezeigt, dass Ärzte, die mehr als 200 Eingriffe durchgeführt haben, eine deutlich niedrigere Komplikationsrate vorweisen als Mediziner, die noch unerfahren sind. Außerdem gibt es den sogenannten Lasik-TÜV Süd, ein Gütesiegel, das unter anderem Hygiene, technische Ausstattung, Erfahrung und Qualifikation der Ärzte und die Patientenzufriedenheit in die Bewertung einbezieht. Zurzeit tragen 21 Zentren in Deutschland das Güte­siegel; es bietet jedem Interessierten zumindest einen Anhaltspunkt, wohin er sich wenden kann.

Laser-Eingriffe im Ausland?

Ist die Entscheidung für das Augenlasern gefallen, zahlt der Patient in Deutschland rund 2000 Euro pro ­Auge, einschließlich Vor- und Nachuntersuchungen. Im Ausland hingegen liegt der Preis bei teils deutlich weniger als der Hälfte. Vor allem in der Türkei, in Ungarn, Polen und Tschechien spezialisieren sich Augenzentren zunehmend auf das Hornhautlasern. "Planen Sie direkt eine längere Urlaubsreise an die schöne türkische Riviera, und verbinden Sie die Augenlaserbehandlung mit einem herrlichen Urlaub", wirbt  zum Beispiel ein Anbieter im Internet.

Einer Studie der Ergo-Versicherung aus dem vergangenen Jahr zufolge haben sich fünf Prozent aller Deutschen schon einmal wegen einer medizinischen Behandlung ins Ausland begeben, 13 Prozent davon zum Augenlasern. Verteilt man die Reisen auf die vergangenen 20 Jahre, dann sind es jährlich 25 000 Deutsche, die für einen solchen Eingriff ins Ausland reisen.

Thomas Kohnen, Direktor der Klinik für Augenheilkunde an der Univer­sität Frankfurt am Main und Vorsitzender der Kommission Refraktive Chirurgie, hält diese Zahl für realistisch – und würde gleichzeitig jedem Einzelnen abraten.

Moderne Technologie und strenge Richtlinien in Deutschland

"Es geht nicht darum, dass wir keine Konkurrenz wollen – die guten Zentren in Deutschland haben mehr als genug zu tun. Es geht um die Qualität", stellt Kohnen klar.

Immer wieder kommen Patienten zu ihm, die seit einem Eingriff im Ausland Probleme haben. 20 Fälle trug Kohnen für eine im Fachmagazin ­Augenspiegel veröffentlichte Studie zusammen. "Wir haben in Deutschland eine Menge Erfahrung, die weltweit führende Technologie und die strengsten Richtlinien", sagt er.

Für seine Einschätzung spricht auch ein kleinerer Strom von Medizintouristen, der sich in die andere Richtung bewegt: Immer wieder lasern Kohnen und Voßmerbäumer auch wohlhabende Geschäftsleute und Mitglieder der Königshäuser aus arabischen Ländern.


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