So pflegen Sie Ihre Kontaktlinsen

Wer Kontaktlinsen trägt, muss sie täglich reinigen – und zwar mit großer Sorgfalt. Die wichtigsten Tipps, auf die Sie achten sollten
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 27.03.2017

Bewahren Sie Kontaktlinsen immer in den dafür vorgesehenen Behältern auf. Und wechseln Sie diesen alle vier Wochen aus, um Keime nicht zu fördern!

Thinkstock/iStockfoto

Die kleinen Schälchen schmiegen sich an den Augapfel. Sie beschlagen weder, noch stören sie beim Joggen. Zudem sind sie quasi unsichtbar. Kontaktlinsenträger profitieren von diversen Vorteilen. Dafür müssen sie den feinen Sehhelfern – jeden Abend und jeden Morgen – ihre volle Aufmerksamkeit widmen. Denn Kontaktlinsen bedürfen täglicher Pflege.

Die zwei wichtigsten Aspekte dabei: reinigen und desinfizieren. Denn auf Kontaktlinsen sammeln sich unter anderem Fette und Eiweiße. "Es bildet sich ein Biofilm, der eine ideale Grundlage für potenzielle Krankheitserreger darstellt", sagt Dr. Gerald Böhme, Augenarzt aus Backnang. Insbesondere auf und in flexiblen, also weichen, Kontaktlinsen siedeln sich schnell Keime an, da sie mit wassergefüllten Poren durchsetzt sind. Aber auch formstabile (harte) Linsen offerieren Mikroorganismen gute Aussichten, wenn besagter Biofilm auf der Oberfläche der Linse haftet.

Kontaktlinsen täglich reinigen

Reinigen Sie die feinen Schälchen jeden Tag, beseitigen Sie auf diese Weise einen Großteil des Biofilms. Legen Sie die Linse dazu vorsichtig auf die innere Handfläche und benetzen Sie sie mit ein wenig Reinigungslösung. Reiben Sie die Linsenoberfläche behutsam mit dem kleinen Finger der anderen Hand ab. "Der kleine Finger weist die geringste Keimbelastung auf", erklärt Böhme. Das gilt allerdings nur, wenn Sie sich vorher gründlich die Hände mit Seife waschen und mit einem fusselfreien Tuch abtrocknen.

"Leider vergessen viele Kontaktlinsenträger diesen enorm wichtigen Punkt", weiß der Augenarzt. Böhme sieht deshalb immer wieder Patienten, die mit einer Hornhautentzündung zu ihm kommen. Sind die Linsen verschmutzt, gelangen Bakterien, Viren oder Pilze leicht von dort auf die Hornhaut und können sie infizieren. Eine Keratitis kann sehr schmerzhaft sein und zu bleibenden Hornhautschäden führen. Vor allem Träger von flexiblen Linsen sind für eine Hornhautentzündung anfällig, wenn sie diese nicht ordentlich pflegen. "Zudem spüren Träger von weichen Linsen den Entzündungsschmerz kaum und kommen deshalb fast immer zu spät zum Augenarzt", merkt Böhme an.

Kein Leitungswasser zum Reinigen verwenden

Ebenfalls sehr wichtig: kein Leitungswasser verwenden, um die Linsen zu säubern! Darin können sich Bakterien und andere Mikroorganismen befinden, welche die Haftschalen verunreinigen. "Manche Erreger aus dem Leitungswasser, etwa die Acanthamöbe, können schwere Augeninfektionen auslösen", sagt Böhme. Benutzen Sie deshalb immer ein spezielles Kontaktlinsen-Reinigungsmittel, das Ihnen der Augenarzt oder Optiker individuell für Ihre Augen und für das jeweilige Kontaktlinsenmaterial empfiehlt.

Haben Sie die Linsen vorsichtig abgerieben, spülen Sie diese kurz ab und legen sie in den Aufbewahrungsbehälter. Nun kommt der zweite wichtige Pflegeschritt: das Desinfizieren. Erst das keimreduzierende Mittel rückt den Mikroorganismen, die sich auf oder in den Schälchen befinden, auf den Leib. Wie lange die Kontaktlinsen in der Lösung verbleiben müssen, hängt vom jeweiligen Präparat ab. Verwenden Sie die Lösung vom Vorabend nicht ein zweites Mal. Auch Sparermischungen – halb neu, halb alt – empfehlen sich nicht. Denn das Desinfektionsmittel wirkt so deutlich schwächer als eigentlich nötig. 

Setzen Sie die Linsen wieder ein, denken Sie wieder zuerst ans Hände waschen. Spülen Sie die Schälchen dann mit etwas steriler Kochsalzlösung ab, die es speziell für Kontaktlinsen gibt. So entfernen Sie Rückstände des Pflegemittels und vermeiden, dass Ihre Augen gereizt werden.

Enzymreiniger nötig?

Die Hersteller empfehlen darüber hinaus, einmal die Woche sogenannte Enzymreiniger, auch als Proteinentferner bezeichnet, zu benutzen. Diese Mittel spalten Eiweiße, die sich auf den Linsen ablagern, und bauen sie ab. Klebt zuviel Protein auf der Oberfläche der Schälchen, kann das erstens die Sicht beeinträchtigen und zweitens die Linsenverträglichkeit herabsetzen. Drittens sind die Eiweiße Bestandteil des ungewünschten Biofilms. Kontaktlinsenspezialist Böhme meint jedoch, dass sich die Enzymtabletten nicht pauschal für jeden eignen. Klären Sie dies deshalb mit dem Augenarzt oder Optiker ab, der die Linsen angepasst hat.

Auch, welche Pflegemittel für Sie infrage kommen, besprechen Sie am besten mit Ihrem Augenarzt oder Optiker. Der kann entscheiden, ob beispielsweise ein "All-in-one"-Präparat zu Ihren Linsen passt, in dem Reinigungs-, Desinfektions- und Spüllösung kombiniert sind. Oder eine Peroxidlösung beziehungsweise Einzelpräparate.

Beachten Sie diese Tipps, dann "stellen Kontaktlinsen eine sehr gute und komfortable Möglichkeit dar, um eine Fehlsichtigkeit zu korrigieren", sagt Böhme.


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