{{suggest}}


Schielen: Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der Schielform. Als erstes korrigiert der Augenarzt eine eventuell vorhandene Fehlsichtigkeit mit einer Brille

aktualisiert am 29.10.2013
Junge bekommt beim Optiker eine Brille angepasst

Hilfreiche Maßnahme bei Schielen: eine gut angepasste Brille


Die Schielform, die in Deutschland im Kindesalter am häufigsten vorkommt, ist das frühkindliche Innenschielen. Die wichtigsten Behandlungsziele dabei: Eine Sehschwäche vermeiden beziehungsweise diese behandeln. Zweitens: Den Schielwinkel minimieren und damit das beidäugige Sehen soweit wie möglich herstellen. Außerdem die Augenstellung verbessern, sodass die Augen weitgehend parallel blicken.

Eine mögliche Schwachsichtigkeit behandelt der Augenarzt, indem er als erstes eine eventuell erforderliche Brille anpasst. Grundsätzlich kann – wenn nötig – schon ab dem vierten Lebensmonat eine Brillenverordnung erforderlich sein.

Äußerst wichtig ist außerdem, dass rechtes und linkes Auge in etwa gleich häufig aktiv sehen. Schielt ein Auge permanent und das andere übernimmt die Führung, kann sich eine Schwachsichtigkeit entwickeln. In diesem Fall muss der Arzt das bessere Auge abkleben um das schielende zum Sehen zu animieren.

Wann ist eine Operation nötig?

Verbessert die Brille das Schielen nicht ausreichend und ist auch mit Brille ein deutlicher Schielwinkel vorhanden, kommt eine Operation der Augenmuskeln infrage. Damit lässt sich der Schielwinkel verkleinern und die Fehlstellung der Augen verbessern. Im Idealfall bewirkt der Eingriff bei einem frühkindlichen Innenschielen, dass die Augen wieder annähernd in die gleiche Richtung blicken. Dass ein Kind nach einer Operation der Augenmuskeln wieder normal dreidimensional sieht, stellt jedoch eine Ausnahme dar. Die Operation erfolgt – je nach Ausprägung des Schielens und der Gesamtsituation des Kindes– zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr. Sie kann aber auch später stattfinden. Einige Experten gehen davon aus, dass sich ein früherer OP-Zeitpunkt etwas günstiger auf das 3-D-Sehen auswirkt. Allerdings steigt bei einem sehr frühen Operationszeitpunkt das Risiko, dass ein erneuter Eingriff nötig wird.

Manchmal wird eine Operation auch aus ästhetischen Gesichtspunkten vorgenommen. Schielt jemand, kann ihn das zum Teil stark belasten. Besonders Kinder werden oft von Mitschülern gehänselt und leiden unter dem Schielen. Doch auch Erwachsene werden häufig benachteiligt, beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt.

Liegt ein Lähmungsschielen vor, muss der Arzt zunächst die mögliche Ursache abklären und sie behandeln. Diese Schielform bildet sich manchmal innerhalb eines Jahres von alleine wieder zurück. Insbesondere dann, wenn keine Ursache gefunden wird. Verschwindet das Schielen nicht von selbst, kommt auch hier eine Augenmuskeloperation in Betracht. Oft gelingt es dadurch, das normale beidäugige Sehen zumindest in einem Teil des Blickfeldes wiederherzustellen.

Sind die Schielwinkel beim Lähmungsschielen relativ klein, können sie mit Hilfe von Prismen ausgeglichen werden. Solche Prismen kommen entweder vorübergehend oder auch als Dauerbehandlung zum Einsatz. Wird der Patient massiv durch Doppelbilder gestört und kann der Schielwinkel nicht ausgeglichen werden, muss der Augenarzt das schielende Auge abkleben.

Latentes Schielen durch Brille behandeln

Schielt ein Mensch latent, passt der Augenarzt auch hier als erstes eine Brille an. Alleine durch diese Maßnahme verbessert sich das latente Schielen bei zirka zwei Drittel aller Patienten deutlich. Des weiteren kommen – je nach Ausprägung des Schielens und der Gesamtsituation des Patienten – zusätzlich Prismen oder auch eine Augenmuskeloperation infrage.

Neben den erwähnten Schielformen gibt es noch zahlreiche weitere Ursachen, die einem Schielen zugrunde liegen können. So gibt es Erkrankungen, die die Augenmuskeln selbst verändern können, wie zum Beispiel ein Morbus Basedow. Dabei lösen entzündliche Veränderungen an den Augenmuskeln das Schielen aus und können zur Wahrnehmung von Doppelbildern führen. Darüber hinaus kommen  unter anderem degenerative Allgemeinerkrankungen und Muskelerkrankungen, die die Augenmuskeln betreffen, als Auslöser in Betracht.  Außerdem gibt es Erkrankungen, bei denen ein Nervenimpuls nicht richtig auf den Augenmuskel übertragen wird.

Wichtig: Schielt jemand, ob Kind oder Erwachsener, sollte er unbedingt und umgehend den Augenarzt aufsuchen. Dies gilt insbesondere für ein neu aufgetretenes Schielen. Denn, nur wenn der Arzt rechtzeitig die Augenfehlstellung untersucht, kann er Krankheiten ausschließen oder erkennen, die das Schielen auslösen und potenziell das Augenlicht oder die Gesundheit des Patienten bedrohen.

Plötzlich entstehende Doppelbilder können auch Anzeichen eines Schlaganfalls sein. Kommen weitere typische Beschwerden hinzu, muss sofort der Notarzt verständigt werden.