Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck (Hypertensive Retinopathie): Therapie

Ursache einer hypertensiven Retinopathie ist ein Bluthochdruck. Die Therapie besteht darin, den erhöhten Blutdruck konsequent zu senken

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 27.06.2018
Nordic Walking

Regelmäßige Bewegung hilft den Blutdruck zu senken


Bei einem erhöhten Blutdruck ohne andere Krankheitsursachen (essenzielle Hypertonie) gibt es folgende therapeutische Maßnahmen: die Umstellung des Lebensstils, die Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten sowie gegebenenfalls eine spezielle Katheter-Behandlung (siehe unten).

Was sind die derzeitigen Blutdruck-Zielwerte?

Hat ein Patient kein erhöhtes Risiko für eine Herz-Kreislaufkrankheit und ist jünger als 75 Jahre alt, sollte sein Blutdruck nach derzeitigen Empfehlungen (siehe Kapitel "Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck: Fachliteratur") auf Werte unter 140/90 mmHg gesenkt werden (Messung in der Arztpraxis). Entsprechende Zielwerte bei Selbstmessungen: unter 135/85 mmHg. Neue europäische Richtwerte setzen die Grenzen etwas tiefer an, bei unter 130/80 mmHg.

Patienten mit maßgeblichem Herz-Kreislauf-Risiko, zum Beispiel mit einem deutlich erhöhten Risiko für einen Herzinfarkt, sollten ihren Blutdruck nach bisherigem Stand möglichst auf Werte unter 135 mmHg systolisch senken. Dabei erscheint ein Bereich von 125 bis 134 mmHg akzeptabel. Der diastolische Blutdruck sollte hier Werte unter 85 mmHg erreichen (gilt für Patienten ohne erlittenen Schlaganfall).

Salat

So leben Sie gesünder

Die Änderung der Lebensgewohnheiten steht auf jeden Fall an erster Stelle. Meist tut man sich so auch leichter, falls der Bluthochdruck zusätzlich mit Medikamenten behandelt werden muss.

  • Auf eine gesunde, salz- und fettarme Ernährung mit wenig Fleisch / Fleischprodukten und mehr Fisch (Meeresfisch) achten
  • Viel Obst und Gemüse essen
  • Wenig Alkohol trinken
  • Sich regelmäßig bewegen: Die allgemeine Empfehlung lautet fünfmal 30 Minuten pro Woche (lassen Sie sich Sie dazu von Ihrem Arzt beraten)
Frau nimmt Medikament mit Milch ein

Ein gesunder Lebensstil hilft auch, der Arteriosklerose vorzubeugen oder dagegen zu halten.

Wann Medikamente bei Bluthochdruck? Was hilft noch?

Eine hypertensive Retinopathie ist ein Zeichen dafür, dass der Bluthochdruck längere Zeit besteht und an der Netzhaut Spuren hinterlassen hat. Daher ist die konsequente Blutdrucksenkung unerlässlich. Häufig sind dazu Medikamente nötig. Möglicherweise stellt der Arzt eine schon eingeleitete medikamentöse Therapie um oder intensiviert sie, weil die Blutdruckwerte noch zu hoch sind.

Standardmäßig heute eingesetzte, den Blutdruck senkende Medikamente sind Diuretika (entwässernde Mittel), ACE-Hemmer, Angiotensin-1-Rezeptor-Antagonisten (kürzer: AT-1-Antagonisten), Kalzium-Antagonisten und Beta-Blocker. Der Arzt entscheidet, welches Präparat (Start mit einer Kombination aus zwei Arzneistoffen) sich für den Patienten am besten eignet.

Spricht ein Bluthochdruck auch auf eine höchstmöglich dosierte Kombination von drei Arzneistoffen nicht an, ist von einer therapieresistenten Hypertonie auszugehen. Diese sollte ein Bluthochdruck- oder Nierenspezialist genauer abklären. Gegebenenfalls kann die Medikamentenbehandlung noch weiter intensiviert und dabei auf Reservemedikamente zurückgegriffen werden. Schließlich besteht teilweise die Möglichkeit, ein invasives Verfahren wie die sogenannte renale Denervation oder eine Baroreflexstimulation vorzunehmen. Beide Maßnahmen sind jedoch noch nicht abschließend bewertet und derzeit nur bei wenigen ausgewählten Patienten in speziell erfahrenen Zentren möglich. Unerlässlich, dass der Arzt zuvor eine gezielt behandelbare Grunderkrankung ausgeschlossen hat. Dann sollte sich nämlich auch der erhöhte Blutdruck, in diesem Fall eine sekundäre Hypertonie, regulieren lassen.

Frau beim Arzt

Was tun bei sekundärem Bluthochdruck?

Hier kommen neben Medikamenten teilweise auch operative Eingriffe oder eine Operation als Behandlung infrage. Ein verengtes Nierengefäß zum Beispiel kann durch einen Kathetereingriff aufgedehnt werden. Dabei wird das Gefäß mit einem Ballonkatheter erweitert; gegebenenfalls wird zusätzlich eine Gefäßstütze (Stent) eingelegt. Andere Betroffene mit Nierenhochdruck werden medikamentös behandelt. Diese Option gibt es auch für einige Hochdruckformen, die von Veränderungen der Nebennieren ausgehen.

Hochdruckkrise: Notfallbehandlung

Patienten mit starker Blutdruckerhöhung und kritischen Symptomen werden in der Regel in der Klinik behandelt. Die weiteren Therapiemaßnahmen richten sich nach der Ursache. (siehe auch Kapitel "Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck: Überblick" und Kapitel "Ursachen").

Therapie bei Bluthochdruck in der Schwangerschaft

Bei schon vor der Schwangerschaft bestehendem Bluthochdruck wird die Behandlung in der Schwangerschaft auf ein geeignetes Medikament umgestellt. Das Medikament alpha-Methyldopa ist die erste Wahl, in zweiter Linie kann auch ein bestimmter Betarezeptorenblocker (Metoprolol) eingesetzt werden. Die Schwangere wird sorgfältig vom betreuenden Frauenarzt kontrolliert.

Bei Schwangerschaftshochdruck – er tritt in der Regel nach der 20. Schwangerschaftswoche auf – ist die Aufnahme in einer Klinik nötig, wenn der Blutdruck zu hohe Werte erreicht (ab 150-160/100-110 mmHg) oder andere Komplikationen, etwa eine Präeklampsie, auftreten. Die Einstellung auf ein blutdrucksenkendes Medikament lässt sich in der Klinik besser kontrollieren. Gleichzeitig wird der Schwangerschaftsverlauf engmaschig überwacht. Ist der Bluthochdruck aber nur leicht ausgeprägt und der Gesundheitszustand der Patientin stabil, kann sie auch ambulant betreut werden, wenn dies lückenlos gewährleistet ist. Auch wie viel Bewegung erlaubt ist – maßvolle Aktivität oder eher körperliche Schonung – hängt vom Gesundheitszustand der Patientin ab. Ebenfalls empfehlenswert: Ausschaltung von Stressfaktoren (eventuell Arbeitsunfähigkeit oder individuelles "Arbeitsverbot") sowie eine gesunde, ausgewogene, nicht salzarme Ernährung. Im Allgemeinen wird eine vorzeitige Entbindung angestrebt (mehr dazu ebenfalls im Kapitel "Überblick" und im Ratgeber "Bluthochdruck", siehe nachfolgend).