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IGeL: Augeninnendruck-Messung

Die verbreitete Erkrankung Grüner Star, die mit einem erhöhten Augeninnendruck einher geht, kann zu schweren Sehstörungen bis hin zur Erblindung führen. Senkt die Früherkennung dieses Risiko?

von Dr. Reinhard Door, aktualisiert am 03.08.2020
IGEL Augeninnendruck Illustration

Schleichende Erblindung: Ein Glaukom bereitet keine Schmerzen, Betroffene glauben lange Zeit, normal sehen zu können


Was wird da gemacht?

Rund 800 000 Menschen in Deutschland haben ein Glaukom, meist als grüner Star bezeichnet. Die Erkrankung zählt in Deutschland zu den häufigsten Gründen für eine Erblindung. Ursache ist das allmähliche Absterben des Sehnervs. Viele Patienten leiden unter Ausfällen des Gesichtsfelds; sie sehen bestimmte Bereiche nur verschwommen oder gar nicht.

Nur wenn bereits solche Symptome vorliegen (und in bestimmten Ausnahmefällen), bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen eine Untersuchung. Augenärzte allerdings empfehlen ab einem Alter von 40 Jahren eine regelmäßige Vorsorge für alle. Diese besteht aus einer Beurteilung der sogenannten Sehnerv-Papille und einer Messung des Augeninnendrucks.

Ein erhöhter Druck ist – neben dem Alter – der wichtigste Risikofaktor für ein Glaukom. Meist untersuchen die Ärzte zudem gleich den vorderen Teil des Auges mit. Die zahlreichen weiteren Leistungen, die ­Augenärzte ihren Patienten zur Glaukom-Vorsorge anbieten, werden hier nicht behandelt.

 

Pro

  • Die häufigsten Formen eines Glaukoms bereiten in der Regel keine Schmerzen. Das andere Auge und das Gehirn täuschen lange Zeit normales Sehen vor. Deshalb bemerken Betroffene oft erst eindeutige Symptome, wenn der Sehnerv schon deutlich geschädigt ist. Davon erholt sich dieser dann nicht mehr. Daher ist eine frühe Behandlung nötig. Vor allem bei einem schnellen Verlauf der Erkrankung zahle sich frühes Eingreifen aus, betont Professor Carl Erb, Augenarzt in Berlin.
  • "Im Alter verliert der Sehnerv natürlicherweise jährlich ein paar Tausend Fasern", sagt  Professor Thomas Dietlein, leitender Oberarzt für allgemeine Augenheilkunde an der Uni­klinik Köln. Fatal, wenn dann aufgrund des Glaukoms keine Reserve mehr vorhanden ist.
  • Der Augeninnendruck lässt sich vor allem bei hohen Werten effektiv senken. Dadurch können bei vielen Patienten Sehnervschäden und Gesichtsfeldverluste verhindert werden. Einer großen Studie zufolge profitiert mindestens die Hälfte der Betroffenen. ­Eine Absenkung der Werte nutzt sogar Menschen, deren Augeninnendruck sich aktuell noch im Normbereich bewegt.

Contra

  • Es fehlt ein direkter Nachweis, dass die Früherkennung hilft. Patienten mit oder ohne Untersuchung wurden nie in einer guten Studie direkt miteinander verglichen.
  • Nur etwa jeder zehnte Mensch mit erhöhtem Augeninnendruck entwickelt irgendwann ein Glaukom. Alle anderen machen sich aufgrund erhöhter Werte womöglich unnötig Sorgen.
  • Manche Patienten hätten zeitlebens nie etwas von ihrer Augenerkrankung bemerkt. Sie müssen Nebenwirkungen der Therapie wie Augenbrennen in Kauf nehmen, ohne einen Nutzen daraus zu ziehen.
  • Manche Glaukome sind aus unterschied­lichen Gründen trotz Früherkennung nicht aufzuhalten. Das Wissen um die Erkrankung ohne effektive Therapie belastet dann nur.

Durch eine operative Behandlung kann der Augen­innendruck so stark sinken, dass sich das Sehen sogar verschlechtert. Bei der häufigsten OP-Methode beziffert Carl Erb diesen Anteil auf 15 bis 20 Prozent. Meist steigt der Druck anschließend von selbst wieder oder kann durch einen erneuten Eingriff korrigiert werden. "In ganz seltenen Fällen gelingt es jedoch leider nicht", sagt der Augenarzt.

Kosten

Für Augenuntersuchung, Sehnervbetrachtung und Druckmessung müssen Patienten laut Gebührenordnung der Ärzte 13 bis 31 Euro bezahlen – ohne ausführliche Beratung.

Fazit

Es gibt zwar keinen formalen Nachweis, dass die Früherkennung nützt – daher stellt sie ­eine Selbstzahlerleistung dar. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass ein früh erkanntes Glaukom effektiv behandelt werden kann, bevor es zu Gesichtsfeldausfällen kommt.

Besonders profitieren können Menschen mit starker Kurz- oder Weitsichtigkeit, mit Glaukom-Fällen in der Familie oder mit einer sehr dünnen Hornhaut. Allerdings lässt sich das Fortschreiten eines Glaukoms nicht in jedem Fall aufhalten.