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Einwärtsgedrehtes Lid (Entropium): Ursachen

Ein Entropium kann mehrere Ursachen haben. Am häufigsten wendet sich altersbedingt das untere Lid nach innen

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 01.07.2015
Senioren

Mit dem Älterwerden kommt es auch häufiger zu einem Entropium


Warum ist die normale Stellung der Augenlider so wichtig?

Die Ober- und Unterlider stellen die wichtigsten Schutzorgane des Auges dar. Vereinfacht gesagt, sind die Lider durch Bindegewebe verstärkte und mit feinen Muskeln ausgestattete Hautfalten. Der Lidschlussreflex schützt die Augen vor Fremdkörpern und starkem Licht.

Und: Mit jedem Lidschlag (Blinzeln) verteilen die Augenlider die Tränenflüssigkeit gleichmäßig über dem Auge, sodass sich ein Schutzfilm auf der Oberfläche bildet. Er bewahrt das Auge vor Schäden durch Austrocknung und Infektionen. Dass unsere Augen mehrmals pro Minute blinzeln, wird uns übrigens kaum bewusst.

Im Inneren der Lider, nahe am inneren Lidrand, liegen die Meibom-Drüsen. Sie bilden ein fetthaltiges Sekret (Talg), das Lider und Wimpern pflegt und für die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit wichtig ist.

Bei einem Entropium verändert sich die normale Form der Lidspalte. Dadurch werden die verschiedenen Schutzfunktionen beeinträchtigt. Anders gesagt: Guter Lidschluss setzt eine normale Lidstellung voraus. Abweichungen stören nicht nur das Aussehen, also kosmetisch, sondern auch das Sehen. Mitunter gefährden sie sogar das Auge.

Entropium: Es gibt vier Formen

  • Altersbedingtes Entropium (seniles oder involutives Entropium; involutiv bedeutet Rückbildung)
  • Spastisches Entropium durch eine Lidverkrampfung (Entropium spasticum), zum Beispiel nach einer Operation oder bei einer Augenentzündung
  • Narbenentropium: durch Narben am inneren Augenlid (Entropium cicatriceum)
  • Angeborenes Entropium (Entropium congenitum)

Altersbedingtes Entropium

Mit Abstand am häufigsten tritt das Entropium im höheren Lebensalter auf, ab etwa 70 Jahren zunehmend. Dabei ist so gut wie immer das untere Augenlid an einem oder beiden Augen betroffen. In jungen Jahren ist der "Aufhängeapparat" der Lider straff. Dadurch hält er sie in Form und Stellung. Eine wichtige Rolle spielen hier stützende Strukturen wie die Bindegewebsplatte in den Lidern namens Tarsus und die beiden Lidbändchen im inneren und äußeren Augenwinkel. Sie verbinden dort die Lider mit der Knochenhaut. Hinzukommen der Orbicularis-Muskel und weitere Muskeln, die sogenannten Retraktoren. Der Orbicularis-Muskel ist der ringförmige Lidschlussmuskel, kurz Ringmuskel genannt. Die Retraktoren sind kleine, am Lidknorpel verankerte Muskeln.

Mit dem Älterwerden können sich diese Strukturen verändern. Vereinfacht gesagt, erschlafft die Aufhängung des Lides, und es wird instabil. Zum einen liegt das am Bindegewebe. Zum anderen verändern sich auch die Lidmuskeln. Wenn die Spannung der Retraktoren am Unterlid nachlässt, kann der Ringmuskel das Übergewicht bekommen. Seine Fasern verschieben sich nach oben in Richtung Lidkante mit der Folge, dass das Lid nach innen kippt. Gefördert wird dies dadurch, dass die Augen im höheren Lebensalter tiefer in die Augenhöhlen eintreten.

Spastisches Entropium

Ein spastisches Entropium entsteht durch Verkrampfungen der Lider (krampfhafter Lidschluss oder Blepharospasmus). Mögliche Ursachen sind beispielsweise eine schmerzhafte Entzündung, Lidschwellung oder Verletzung des Auges. Auch nach einer Augenoperation tritt manchmal ein spastisches Entropium auf.

Der Ringmuskel ist dabei krampfhaft zusammengezogen. Die damit verbundene Einwärtsdrehung des Lides bildet sich zurück, wenn der Auslöser entfällt. Das bedeutet, dass die Lidaufhängung selbst grundsätzlich intakt ist. Häufiger sind junge Menschen betroffen. Allerdings liegt auch beim altersbedingten Entropium (siehe oben) häufig eine zusätzliche spastische Komponente durch einen begleitenden Lidkrampf vor. Aus diesem Grund wird es manchmal auch als spastisches Entropium eingestuft, was jedoch nicht korrekt ist.

Außer Ursachen an den Augen kommen manchmal auch neurologische Störungen, zum Beispiel eine sogenannte fokale Dystonie, in Betracht. Kennzeichend sind unwillkürliche Fehlhaltungen oder unkontrollierte Bewegungen in einem bestimmten Körperbereich.

Narbenentropium (Entropium cicatriceum)

Nach Verletzungen, zum Beispiel Verätzung, Verbrennung oder mechanischer Schädigung des Auges, oder bei entzündlichen Erkrankungen der Bindehäute und Lider (Ärzte sprechen hier von einer Blepharokonjunktivitis) verhärten Narben das elastische Lidbindegewebe. In der Folge schrumpft es, und es kann ein Narbenentropium entstehen. Das ist sowohl am Unterlid als auch am Oberlid möglich. Manchmal beruht ein Narbenentropium auf Verwachsungen. So kann die Lidbindehaut mit der Augapfelbindehaut verwachsen sein oder, vereinfacht gesagt, das Lid mit dem Auge (Fachbegriff: Symblepharon).

Die häufigste Form des Narbenentropiums beruht auf einem Trachom. Das ist eine Augeninfektion mit Bakterien namens Chlamydia trachomatis, die vor allem in tropischen Ländern vorkommt. Sie betrifft häufig das Oberlid. Weltweit erkranken etwa acht Millionen Menschen, vor allem in Entwicklungsländern. Dort ist die Infektion noch eine der häufigsten Ursachen von Erblindung, insbesondere bei Kindern.

Bei uns spielen andere Krankheiten eine Rolle. Mit einem erhöhten Risiko für narbenbedingte Lidfehlstellungen verbunden sind unter anderem Herpes-zoster-Virus-Infektionen am Auge, allergisch-entzündliche Reaktionen der Haut, Schleimhäute, Bindehäute und Lider, sowie sogenannte Autoimmunerkrankungen.

Ein Beispiel für eine schwere allergische Reaktion der Schleimhaut, Haut und Bindehaut ist das Stevens-Johnson-Syndrom. Auslöser sind hauptsächlich Medikamente, seltener bestimmte Infektionskrankheiten oder Erkrankungen des Lymphsystems. Dabei entwickeln sich ausgeprägte, kokardenförmige, gerötete Hautblasen sowie Blasen und Geschwüre auf den Schleimhäuten. Am Auge reagieren die Bindehäute entsprechend. Kurz gesagt, kann es in der Folge zu Gewebeschrumpfungen kommen.

Bei einer Autoimmunerkrankung greift das Immunsystem Strukturen des eigenen Körpers an, die sich in der Foge entzünden. Ein Krankheitsbild aus dieser Gruppe, das zu Vernarbungen im Bindehautgewölbe des Auges führen kann, ist das bullöse Pemphigoid (bullös bedeutet blasenbildend). Es gehört dementsprechend zu den blasenbildenden Hauterkrankungen. Betroffen sind häufiger ältere Frauen. An den Augen zielen die Entzündungsvorgänge auf die Bindehaut. Die Lidbindehaut kann schließlich auf die Hornhaut überwachsen (siehe oben: Symblepharon). Auslösend für ein bullöses Pemphigoid sind mitunter auch bestimmte Augenmedikamente. Ist der Zusammenhang eindeutig klar, wird der Augenarzt entscheiden, wie die Behandlung umgestellt werden kann. Eingriffe am Auge können das Krankheitsbild ebenfalls beeinflussen.

Angeborenes Entropium

Selten ist ein Entropium angeboren. Hier kann ebenfalls sowohl das Oberlid als auch das Unterlid betroffen sein. Häufig ist die "Lidaufhängung" unzureichend entwickelt. Manchmal funktioniert auch das Zusammenspiel der Lidmuskeln und Nerven noch nicht richtig. In der Regel ist die Veränderung harmlos, da die weichen Wimpern des Säuglings das Auge kaum irritieren. Die Fehlstellung normalisiert sich meistens im ersten Lebensjahr. Wenn das nicht der Fall ist oder wenn es doch zu Beschwerden kommt, ist eine Korrektur nötig.