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Auswärtsgedrehtes Lid (Ektropium): Ursachen

Die Ursachen des Ektropiums reichen von einer Schwächung der Lider über Lähmungen bis zu Narben und Operationsfolgen

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 01.07.2015
Senioren gehen spazieren

Hauptursache des Ektropiums ist eine altersbedingte Gewebeschwäche


Beim Ektropium unterscheiden Augenärzte verschiedene Formen (siehe auch Kapitel "Überblick"). Zu den wichtigsten nachfolgend noch einige Informationen.

Weit verbreitet: Ektropium im höheren Lebensalter

In jungen Jahren sind die Strukturen (der "Aufhängeapparat") der Lider fest und straff. Dadurch bleiben sie in Form und halten die Stellung. Eine wichtige Rolle spielen dabei stützende Elemente wie die Bindegewebsplatte namens Tarsus in den Lidern und die beiden Lidbändchen im inneren und äußeren Augenwinkel. Sie verbinden die Lider mit der Knochenhaut.

Auch der ringförmige Lidschlussmuskel (Ringmuskel oder Orbicularis-Muskel) beeinflusst die Lidstellung. Darüber hinaus helfen kleine, an der Bindegewebsplatte verankerte Muskeln namens Retraktoren mit, die Lider in der richtigen Position zu halten, vor allem am Unterlid.

Altersbedingt können sich diese Strukturen verändern. Im höheren Lebensalter ist vor allem die Aufhängung des Unterlides im inneren und äußeren Augenwinkel geschwächt. Ärzte sprechen hier von einer horizontalen (waagrechten) Erschlaffung der Lidbändchen. Auch die Lidhaut gibt nach.

Hinzu kommt ein Spannungsverlust der kleinen Lidmuskeln, der Unterlidretraktoren. Der ringförmige Augenmuskel erhält dann ein Übergewicht. Er verlagert sich nach unten, dabei schiebt er die Unterkante der Bindegewebsplatte nach oben zum Lidrand hin, sie kippt nach außen. Als Folge liegt das Unterlid nicht mehr vollständig dem Augapfel an.

Gesichtsmuskeln (Schematische Darstellung)

Ektropium bei Gesichtslähmung

Der Gesichtsnerv oder Fazialisnerv versorgt mit seinem motorischen Anteil alle mimischen Muskeln und den Ringmuskel am Auge. Die mimischen Muskeln setzen wir zum Beispiel ein, wenn wir die Stirn runzeln, die Backen aufblasen, die Lippen schürzen oder ein Lied pfeifen.

Der Ringmuskel bewirkt den Lidschluss, und wir können mit seiner Hilfe das Auge auch fest zukneifen. Bei einer peripheren Lähmung des Gesichtsnervs, einer peripheren Fazialisparese, ist eine Gesichtshälfte erschlafft.

Typisches Zeichen ist ein auf der betroffenen Seite herabhängender Mundwinkel. Lidschluss und Stirnrunzeln gelingen nicht. Der Augapfel wendet sich beim Versuch, das Auge zu schließen, nach oben und bleibt teilweise sichtbar (Bell-Phänomen). Außerdem bildet sich ein Ektropium (Lähmungsektropium) des Unterlides. Auch die "Tränenpumpe", also Muskelfasern, die für den geordneten Abfluss der Tränen sorgen, arbeitet unter Umständen nicht mehr.

Der Gesichtsnerv vermittelt aber nicht nur Muskelaktionen, sondern auch Sinneswahrnehmungen und vegetative Funktionen. Begleitend kommt es häufig zu Schmerzen hinter dem Ohr auf der betroffenen Seite, vermehrter Geräuschempfindlichkeit und Missempfindungen an der gleichseitigen Wange.

Zudem ist bei peripherer Fazialislähmung der Geschmackssinn teilweise aufgehoben, und die Bildung der Tränen- sowie Speichelflüssigkeit kann vermindert sein. Möglicherweise ist durch die Schwäche der Wangen- und Lippenmuskulatur auch das Sprechen beeinträchtigt. Allerdings liegt nicht immer eine vollständige Lähmung vor. Die Krankheitszeichen hängen auch davon ab, wo der Nerv in seinem Verlauf geschädigt worden ist.

Die Ursache der peripheren Fazialislähmung ist vielfach unbekannt. Dann sprechen Ärzte von einer idiopathischen Fazialislähmung. Die Häufigkeit nimmt mit dem Lebensalter zu. Teilweise gehen offenbar symptomlos verlaufene Virusinfekte voraus. Tatsächlich wird derzeit eine Entzündung mit erneut aktivem Herpes-simplex-Virus (es bleibt nach der Erstinfektion im Körper) als wichtige Ursache der idiopathischen Form angenommen.

Darüber hinaus gibt es periphere Gesichtsnervlähmungen, die nicht zur idiopathischen Gruppe gehören. Sie treten vor allem bei Herpes-zoster-Infektionen des Ohres, bei anderen Virusinfektionen, die zum Beispiel zu einer Mitttelohr- oder Hirnhautentzündung geführt haben, oder im Rahmen einer Borrelieninfektion auf.

Seltener sind sie Folge eines Tumors der Ohrspeicheldrüse. Manchmal liegt ein Schädelbruch (sogenannte Felsenbeinfraktur) zugrunde. Sehr selten kommt eine periphere Gesichtslähmung bei immunologischen Erkrankungen wie zum Beispiel Sjögren-Syndrom oder Sarkoidose vor.

Durchblutungsstörungen können mitunter ebenfalls eine Rolle spielen. Daneben gibt es weitere Ursachen wie etwa ein sogenanntes Cholesteatom (chronisch-eitrige Mittelohrentzündung mit Knochenzerstörung).

Ein Teil der Betroffenen hat einen Bluthochdruck oder Diabetes.

Die Folgen für das betroffene Auge: Durch das herabhängende Unterlid und den unvollständigen Lidschluss entwickelt sich schnell ein trockenes Auge. Verschiedene Schutzmaßnahmen können mögliche Komplikationen wie Entzündungen der Bindehaut und Hornhaut vermeiden helfen.

Keineswegs selten: Ektropium durch Narben

Auch Gesichts- und Lidverletzungen führen manchmal zu einem Ektropium. Es entsteht dann durch eine vermehrte Spannung des Gewebes, ausgehend von Narben oder Hautverdickungen.

Mechanisch, entzündlich oder durch einen Lidtumor bedingtes Ektropium

Als mechanische Ursachen eines Ektropiums kommen Lidschwellungen oder entzündliche Hauterkrankungen (Dermatosen) in Betracht, die das Lid mit einbeziehen. In erster Linie spielen hier Dermatosen eine Rolle, die mit Verhornungsstörungen einhergehen oder zu den entzündlichen Ekzemen gehören. Manchmal verlagern schlecht sitzende Brillengläser das Lid nach unten und außen. Gelegentlich kann eine Geschwulst (ein Tumor) zu einem Ektropium führen.

Unterschiedlich häufig: Ektropium nach Lidoperation

Mit der Größe eines Eingriffs am Lid nimmt das Risiko zu, dass das Lid anschließend in eine Auswärtsdrehung gerät. So kommt ein postoperatives Ektropium häufiger nach ausgedehnten Operationen am Lid vor, zum Beispiel wegen eines Tumors.

Sehr viel seltener tritt es nach Korrekturen anderer Lidfehlstellungen auf, etwa eines einwärtsgedrehten Lides (Entropium).

Selten: Angeborenes Ektropium

In sehr seltenen Fällen ist diese Fehlstellung des Lides angeboren. Die Auswärtsdrehung des Unterlides kann sich spontan zurückbilden. Teilweise sind aber noch weitere Fehlbildungen des Lides, des Gesichts oder der Haut vorhanden.