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Auswärtsgedrehtes Lid (Ektropium): Therapie

Augenmittel können die Beschwerden eines Ektropiums lindern. Beheben lässt sich das auswärtsgedrehte Lid aber nur durch eine Operation

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 01.07.2015
Senior nimmt Augentropfen

Augentropfen helfen gegen Reizungen und Trockenheit des Auges


Konservative Therapie

Benetzende Augentropfen und Gels tagsüber sowie Augensalben nachts halten die Augenoberfläche feucht und können die örtlichen Beschwerden bei Ektropium (siehe Kapitel "Symptome") lindern. Im Vordergrund steht jedoch die Behandlung der Ursachen. Das bedeutet häufig eine Operation, entsprechend den individuellen Bedürfnissen.

Operationen bei Ektropium

Korrekturen von Lidfehlstellungen wie Ektropium oder Entropium führen Augenärzte heute überwiegend ambulant und in örtlicher Betäubung durch.

Ektropium im höheren Lebensalter

Hier geht es häufig darum, die (in der Waagrechten) verminderte Lidspannung zu erhöhen, damit sich das Unterlid wieder dem Augapfel anlegt. Das lässt sich zum Beispiel durch Eingriffe wie die sogenannte laterale Zügelplastik beziehungsweise Tarsalzungenplastik erreichen.

Dabei wird der äußere Anteil des Lidbändchens und des Lidknorpels (der Operateur formt ein zungenförmiges Teilstück) seitlich in der Knochenhaut der knöchernen Augenhöhlenwand "versenkt" und befestigt. Die Lidaufhängung wird dabei im nötigen Maß verkürzt, das Unterlid dadurch gestrafft und gleichzeitig angehoben.

Wenn sich mit dem Unterlid auch das Tränenpünktchen am inneren Augenwinkel nach außen und zudem mehr zur Lidmitte hin verlagert hat, kommen Eingriffe in Betracht, die die Lidstellung im inneren Lidwinkel verbessern. Das sind beispielsweise das Ausschneiden eines Keils (Keilexzision) im auswärtsgedrehten Bereich, die Entnahme eines rautenförmigen Stückchens aus dem Lidknorpel und der Lidbindehaut (tarsokonjunktivale Rautenexzision, Lazy-T-Operation) oder die Faltung des inneren, zur Nase hin gelegenen Lidbändchens. Dadurch wendet sich der Lidrand nach innen.

Bei einem ausgeprägten Ektropium ist es häufig notwendig, an mehreren Punkten, also im inneren und im äußeren Lidwinkel gleichzeitig anzusetzen. Das macht die Operation komplexer, da der Arzt verschiedene Verfahren in einem Eingriff miteinander kombinieren muss.

Ektropium bei Lähmung des Gesichtsnervs

Bei einer Gesichtslähmung (idiopathische periphere Fazialisparese, siehe Kapitel "Ursachen") verbessern sich die häufig Beweglichkeit und Stellung des Lides häufig im Verlauf von einigen Wochen oder Monaten von alleine. Vorsichtige Übungsbehandlung kann die Genesung unterstützen.

Das Auge wird tagsüber mit benetzenden Augentropfen und -gel, nachts mit einer Augensalbe behandelt. Eine frühzeitige Rückbildung der Lähmung (ab sechs Wochen bis sechs Monaten) lässt weitgehende Heilung erwarten. Teilweise kommt es auch noch danach zu Verbesserungen, jedoch nicht immer vollständig.

Wenn der Lidschluss nicht funktioniert, die Benetzung der Hornhaut unzureichend oder ihre Sensibilität gestört ist, wird nachts ein Uhrglasverband getragen – eine durchsichtige Plastikkappe, die mit einem Pflaster fixiert wird. Tagsüber schirmt eine dicht schließende Seitenschutzbrille das Auge ab.

Bei akuten Beschwerden durch eine Hornhautschädigung ist immer der Augenarzt gefragt. Eventuell wird er einen Salbenverband verordnen oder ein Zügelpflaster, welches das Lid hochzieht, empfehlen. Dazu verwendet man einen etwa vier bis fünf Zentimeter langen Streifen eines möglichst hautschonenden Pflasters, das es in einer Breite von zweieinhalb Zentimetern handelsüblich auf Rollen zu kaufen gibt. Pflaster mit einem weißen Stoffgewebe als Grundgerüst haben sich gut bewährt, da sie nicht elastisch sind. Das Pflaster klebt man, beginnend vom seitlichen Unterlid etwas unterhalb der Wimpernreihe, mit leichtem bis mäßigem Zug zur Seite beziehungsweise nach oben in Richtung Schläfe bis unterhalb des Augenbrauenendes. Das Unterlid wird damit horizontal gestrafft und zudem seitlich gehoben.

Manchmal ist notfallmäßig eine Lidvernähung (Verengung der Lidspalte, Tarsoraphie) im äußeren Lidwinkel notwendig. Wenn der Lidschluss nach einigen Wochen oder Monaten besser funktioniert, kann der Augenarzt die Naht wieder öffnen.

Ist das Ektropium am inneren Lidrand besonders ausgeprägt, verbindet er das Ober- und Unterlid mit kleinem Abstand zu den Tränenpünktchen durch Nähte miteinander (Lidwinkel- oder Kanthoplastik). Beide Maßnahmen dienen dazu, die Lidspalte zu verkleinern und so die Hornhaut besser zu schützen.

Mitunter setzt der Augenarzt ein Gold- oder Platinimplantat in das Oberlid ein. Das Gewicht erleichtert den Lidschluss.

Bei anhaltender Lähmung fließen mitunter die Tränen ständig über die Wange. Möglicherweise kann bei ausgeprägter Fazialisparese eine zufriedenstellende Wiederherstellung der motorischen Funktion des Gesichtsnerven durch bestimmte mikrochirurgische Naht- und Muskeltransplantat-Techniken helfen.

Ektropium durch Narben und Hauterkrankungen

Narben oder Gewebeveränderungen durch bestimmte entzündliche Hauterkrankungen (Ekzeme) können die Lidhaut verkürzen. Die Spannung auf die Lidkante nimmt dadurch zu, das Lid wird nach außen und unten gezogen. Dies lässt sich zum Beispiel durch eine bestimmte Narbenoperation namens Z-Plastik beheben. Dabei werden zwei kleine "Hautlappen" in einem bestimmten Winkel zur Narbenzugrichtung verschoben. So entsteht ein Gegenzug und gleichzeitig eine Entlastung.

Alternativ kann auch ein Hauttransplantat die erhöhte Gewebespannung mindern. Das Transplantat entnimmt der Arzt an einer anderen Körperstelle, zum Beispiel am Oberlid oder hinter dem Ohr. Falls das Lid zugleich in der Waagrechten (horizontal) erschlafft ist, ist zusätzlich eine seitliche Zügel- oder Tarsalzungenplastik (siehe oben: Ektropium im höheren Alter) notwendig.

Hauterkrankungen bedürfen außerdem einer gezielten medikamentösen Behandlung.

Mechanisch oder durch einen Lidtumor bedingtes Ektropium

Die Behandung richtet sich danach, welche Faktoren im Einzelnen am Unterlid einen Zug ausüben und so ein Ektropium verursachen. Manchmal ist eine Lidschwellung der Grund. Sie kann viele Ursachen haben und wird entsprechend therapiert. Ein Tumor wird nach den jeweils bestehenden chirurgischen Maßgaben entfernt. Anschließend wird die Lidspannung mit einem geeigneten Verfahren wiederhergestellt.

Angeborenes Ektropium

Die Behandlung richtet sich hier nach der zugrunde liegenden Fehlentwicklung. Manchmal kann sich die Auswärtsdrehung des Lides von selbst normalisieren, manchmal werden einwärtsziehende Nähte notwendig. Wenn die Lidhaut verkürzt ist, kann ein Transplantat das Gewebedefizit ausgleichen.

Ektropium nach einem Eingriff am Auge

Gelegentlich kommt es nach Lidoperationen, beispielsweise nach Entfernung eines Tumors, zum Ektropium. Auch nach kosmetischen Eingriffen wie einer "Schlupflid"- oder "Tränensack"-Operation kann als unerwünschte Folgeerscheinung ein Ektropium auftreten. Die operative Korrektur erfolgt in der Regel durch eine horizontale Lidverkürzung und Einsetzen eines Hauttransplantates.

Nachbehandlung

Nach der Operation wird das Auge für 24 Stunden mit einem Verband abgedeckt und anschließend mit einer Augensalbe behandelt. Nach etwa zehn Tagen zieht der Arzt die Wundfäden. In der ersten Zeit nach der Operation sollte man nicht am Auge reiben. Anfangs kann es sinnvoll sein, nachts eine leichte schützende Auflage zu tragen.

Wegen der Gefahr der Schwellung und Nachblutung sollten die Betroffenen in der ersten Zeit nach dem Eingriff größere körperliche Anstrengungen vermeiden.