Augenschmerzen: Ursachen in der Umgebung des Auges

Auch krankhafte Vorgänge im Umfeld können Augenschmerzen auslösen. Weitere Symptome und Warnzeichen sind möglich. Manchmal liegt ein Notfall vor

von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 25.10.2017

Schmerzt das Auge, die Stirn oder der Kopf? Falls noch keine Diagnose gestellt wurde, unbedingt zum Arzt


Die überwiegend akute Beschwerden in der Augengegend auslösenden Krankheitsbilder, um die es hier geht, sind in erster Linie:

  • Spezielle Kopfschmerzarten: sogenannte trigeminoautonome Kopfschmerzen wie Clusterkopfschmerz und episodische / chronische paroxysmale Hemikranie (CPH)
  • Seltene Form des Schlaganfalls: Wandeinriss der Halsschlagader (Karotisdissektion)
  • Nasennebenhöhlenerkrankungen: Entzündungen und Geschwülste

Letztlich sind das alles aber nur seltene Ursachen von Augenschmerzen. Das gilt auch für Komplikationen bei den als solches durchaus häufigen Entzündungen etwa der Nasennebenhöhlen. Dass "Augenschmerzen" hier nicht die einzigen Beschwerden sind, versteht sich eigentlich von selbst.

Trigeminoautonome Kopfschmerzen: Gesichtsschmerzen, Augentränen & Co.

Krankheitsbilder aus dieser speziellen Kopfschmerzgruppe, die zu Schmerzen im Bereich der Augen führen, sind vor allem der Clusterkopfschmerz und die episodische oder chronische paroxysmale Hemikranie (CPH).

  • Clusterkopfschmerz: Cluster, engl. bedeutet Haufen, Gruppe. Daher der Name: Ein Clusterkopfschmerz tritt überwiegend periodisch (episodisch) gehäuft auf. Am stärksten sind die Schmerzattacken hinter dem Auge, manchmal auch im Gesicht, an der Schläfe oder Kieferbereich. Der Clusterkopfschmerz tritt streng einseitig auf.

    Das Krankheitsbild ist selten. Es gibt eine familiäre Veranlagung. Betroffen sind dreimal so viele Männer wie Frauen. Alkohol kann, teilweise jedenfalls, mit auslösend sein. Inwieweit Rauchen eine Rolle spielt, ist unklar. Der Kopfschmerz ist mitunter so unerträglich, dass er Betroffene zur Verzweiflung treibt und sogar an Selbstmord denken lässt. Die Ursache ist unklar. Offenbar bestehen Regulationsstörungen in einem übergeordneten Hirnbereich, dem Hypothalamus. In der Folge werden bestimmte Gebiete im Gehirn überaktiv.

    ! Wichtig zu wissen
    : Es gibt wirksame Therapien (siehe unten).

    Symptome:
    Clusterkopfschmerzen gehören zu den trigeminoautonomen Kopfschmerzen. Das bedeutet: Neben den von sensiblen Ästen des Drillingsnervs (Trigeminus) vermittelten Gesichtsschmerzen kommt es zu typischen Begleitsymptomen des autonomen oder vegetativen Nervensystems wie Augentränen, Augenrötung, Lidschwellung oder herabhängendes Oberlid, verstopfte oder laufende Nase, vermehrtes Schwitzen an Stirn und Gesicht, enge Pupille. Häufig plagt die Betroffenen während der Anfälle außerdem eine auffallende Bewegungsunruhe: Sie laufen rastlos hin und her, wippen mit dem Kopf oder Oberkörper.

    Kennzeichnend für die episodische Form sind ein Tages- und ein Jahresrhythmus: Mindestens eine Attacke jeden zweiten Tag oder bis zu achtmal proTag heftige, stechende Schmerzattacken, vor allem nachts, hinter dem Auge oder um das Auge herum. Die Attacken treten in Perioden von wenigen Wochen bis Monaten auf, um dann für gewisse Zeit – Monate bis Jahre – wieder zu verschwinden. Die einzelne Attacke dauert zwischen 15 Minuten und drei Stunden, im Mittel 90 Minuten. Im Frühjahr und Herbst ist eine gewisse Häufung zu beobachten. Bei einem Teil der Betroffenen wechselt das Krankheitsbild im Laufe der Zeit die Seite. Manchmal hält die Schmerzphase über ein Jahr an. Pausieren die Symptome dabei kürzer als einen Monat oder sind die Beschwerden von Anfang an dauerhaft vorhanden, handelt es sich um einen chronischen Clusterkopfschmerz. Diese Form des insgesamt seltenen Krankheitsbildes ist nochmals deutlich seltener.


    Diagnose:
    Für die Diagnose ist eine sorgfältige Dokumentation der Beschwerden und der Krankengeschichte (nebst gesundheitsbezogener Familiengeschichte) richtungweisend. Die zweite Säule besteht in einer ausführlichen neurologischen Untersuchung. Dabei geht es auch darum, andere Erkrankungen, insbesondere ähnliche (siehe weiter unten: CPH) oder andersartige Kopfschmerzformen auszuschließen. Mitunter greift der Neurologe auch auf technische Untersuchungsverfahren zurück.

    Therapie:
    Mehrheitlich lässt sich ein episodischer Clusterkopfschmerz mit konservativen Maßnahmen in den Griff bekommen. Zur Attackenbehandlung kommt die Inhalation von reinem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske (Kassenleistung) infrage. Alternativ bietet sich ein Medikament, ein sogenanntes Triptan (Sumatriptan, Zolmitriptan), an: unter die Haut (subkutan) gespritzt oder als Nasenspray. Zur weiteren Vorbeugung dient der Arzneistoff Verapamil (er kann allerdings den Puls verlangsamen, daher sind von Zeit zu Zeit EKG-Kontrollen wichtig). Eventuell eignen sich zeitlich befristet auch ein Kortisonpräparat, in zweiter Linie Substanzen wie Lithium (Blutspiegel-Kontrollen) oder Topiramat, ein Antiepileptikum und Migränemittel.

    Falls ein episodischer Clusterkopfschmerz nicht auf die Therapie anspricht oder ein chronischer Clusterkopfschmerz sich nicht beeinflussen lässt, gibt es bei sicherer Diagnose und sorgfältiger Abwägung weitere Optionen: ein Eingriff in einem spezialisierten neurologischen Zentrum. Dabei geht es einmal um die unspezifische Nervenblockade des großen Hinterhauptsnervs (Nervus occipitalis major) mit einem Betäubungsmittel. Zum anderen kann die beidseitige elektrische Stimulation desselben Nervs (Okzipitalis-Stimulation, eine Art Schrittmacherverfahren) in Betracht kommen. Das zweite Verfahren beinhaltet, dass Elektroden und ein Impulsgenerator in zwei operativen Eingriffen eingesetzt werden müssen. Schließlich kann im Einzelfall noch ein neurochirurgisches Verfahren namens Tiefenhirnstimulation erwogen werden.
  • Episodische und chronische paroxysmale Hemikranie (CPH): Im Unterschied zum episodischen Clusterkopfschmerz sind die Attacken hier deutlich kürzer (zwei bis 45 Minuten), zugleich aber viel häufiger (fünf bis 40, im Schnitt zehn) täglich. Außerdem sind Frauen hier dreimal so häufig wie Männer betroffen. Tendenziell weniger stark sind die vegetativen Begleitsymptome: Vor allem tränen und röten sich die Augen. Mitunter lassen sich die Attacken durch Drehen des Kopfes oder Druck oben am Hals auslösen. Es kommen auch chronische Verläufe vor.

    Ein wichtiges Merkmal ist hier, dass die Beschwerden meist sehr gut auf das Medikament Indometacin ansprechen. Patienten nehmen unter der Therapie zusätzlich einen sogenannten Protonenpumpenhemmer als Magenschutzpäparat ein. Als zweite Wahl kommen andere nicht steroidale Antirheumatika wie etwa Celecoxib oder ein Medikament namens Gabapentin infrage.

Wandeinriss der Halsschlagader (Karotisdissektion): Schlaganfall unter 50?

Wandeinrisse in der Halsschlagader können plötzliche Schmerzen am Hals, Auge oder Kopf verursachen, vor allem aber Durchblutungsstörungen im Kopfbereich.

Tatsächlich lässt sich ein Schlaganfall gelegentlich auch auf dieses seltene Geschehen zurückführen, tendenziell eher bei Menschen unter 50 Jahren

  • Ein Wandeinriss in der Halsschlagader kann mitunter durch Gewalteinwirkung bei einer Verletzung entstehen oder wenn der Hals abrupt nach hinten gebogen wird, zum Beispiel beim Sport. Meistens gibt die Gefäßwand aber wegen Gewebeschwäche nach, etwa bei einer zugrundeliegenden fibromuskulären Dysplasie oder einer anderen Bindegewebserkrankung. Der Einriss verursacht einen Bluterguss in der Gefäßwand, oder es bildet sich ein Blutpfropf. Dann wird der Blutfluss behindert oder unterbrochen, mit der Folge eines Schlaganfalls.
    Symptome:
    Auf der betroffenen Seite kommt es plötzlich zu einseitigen Schmerzen entlang des Gefäßverlaufes am Hals oder zu Kopfschmerzen. Auch plötzliche isolierte Schmerzen am Auge können ein Hinweis sein. Die Augen- und Zungenbeweglichkeit können gestört, die Lidspalte und Pupille verengt sein, das Oberlid herabhängen. Selten werden plötzliche Geschmacksstörungen in einem bestimmten Bereich der Zunge bemerkt. Manchmal tritt ein pulssynchrones Ohrgeräusch auf.

! Achtung: Schlaganfälle sind Notfälle! "Klassische" Warnzeichen wie etwa Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungen, Muskelschwächen oder Taubheitsgefühle auf einer Körperseite oder eher ungewöhnliche akute Symptome wie hier beschrieben sind schnellstmöglich von einem Neurologen zu begutachten, auch dann, wenn sie sich eventuell kurzfristig wieder zurückgebildet haben. Den Betroffenen umgehend in einer neurologischen Klinik, idealerweise mit einer Spezialabteilung ("Stroke Unit"), untersuchen lassen.

Wissenswertes über den Schlaganfall zum Nachlesen im Ratgeber "Schlaganfall (Apoplex)".

Nasennebenhöhlenerkrankungen: Entzündungen, Geschwülste

Eine akute Nebenhöhlenentzündung führt unter anderem zu einem Druckgefühl und Schmerzen im Gesicht. Je nachdem, welche Nebenhöhle betroffen ist, werden die Schmerzen mehr an der Wange, am Oberkiefer oder an der Stirn empfunden, auch direkt oberhalb des Auges (oder aber als Schmerzen am Hinterkopf).

  • Akute Nebenhöhlenentzündung (beispielsweise Entzündung der Siebbeinzellen) mit Komplikationen: Was von HNO-Spezialisten als mögliches Krankheitsgeschehen beschrieben wird, bei Erwachsenen im Allgemeinen jedoch als Rarität gilt (bei Säuglingen früher etwas häufiger beobachtet), ist der Umstand, dass eine durch Bakterien bedingte eitrige Infektion einer Nasennebenhöhle wie den Siebbeinzellen auf das Auge übergreift. Entwickelt sich dann beispielsweise eine Knochenhautentzündung im Bereich der Augenhöhlenwand, führt das neben hohem Fieber zu Schmerzen im inneren Augenwinkel, Lidschwellungen und heftigen Schmerzen im Stirnbereich. Das Kind wirkt sehr krank und apathisch.

    Bildet sich – eine weitere Seltenheit – ein eitriger Abszess zwischen dem Boden der Stirnhöhle und der Augenkapsel, schwillt das Lid massiv an, das Auge schmerzt, der Augapfel ist vorgewölbt und meistens auch schlechter beweglich, und es kommt zu Doppelbildern. In der Regel treten auch auch Fieber und erhebliches Krankheitsgefühl auf – ein Notfall, der der intensiven Behandlung durch einen Chirurgen (HNO- oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurg) und einen Augenspezialisten in einer entsprechend ausgestatteten Klinik bedarf.

    Über die Entzündung der Nasennebenhöhlen informiert der Ratgeber "Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)".
  • Polypen oder höchst selten auftretende, gut- wie bösartige Tumoren der Nasennebenhöhlen können ebenfalls zu Kopfschmerzen beziehungsweise Schmerzen im Augenbereich führen. Falls sich eine bösartige Geschwulst in die Augenhöhle ausdehnt (Rarität im Rahmen des Seltenen), sind eine Vorwölbung des Augapfels, Schmerzen und Störungen der Augenbewegungen mit Doppelbildern möglich (siehe Kapitel "Ursachen in der Augenhöhle").