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Sport bei Asthma: So trainieren Sie richtig

Regelmäßiger Sport stärkt die Atemmuskulatur und beugt Asthmaanfällen vor. Welche Sportarten für Asthmatiker geeignet sind, worauf sie beim Training achten müssen

von Dr. Julian Hörner, 06.09.2019

Nicht nur für Gesunde, sondern auch für Asthmapatienten ist Sport sinnvoll. Denn regelmäßiger Sport hat viele positive Effekte. Einige davon lindern speziell die Beschwerden von Menschen mit Atemwegserkrankungen, denn

  • Sport trainiert die Atemmuskulatur.
  • Sport stärkt die Lungenfunktion.
  • Sport verbessert die Ausdauer.
  • Sport wirkt depressiven Stimmungen entgegen.
  • Sport hilft zu entspannen.

Asthmatiker, die regelmäßig Sport treiben, haben oft eine bessere Lebensqualität und weniger Atemnot. Dr. Gerd Schauerte ist Leiter des Asthmazentrums des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland (CJD) in Berchtesgaden und Erster Vorsitzender der AG Asthmaschulung im Kindes- und Jugendalter. Er erklärt: "Sport verschiebt die Schwelle, ab wann Atemnot einsetzt."

Lungensport – eine wichtige Therapie

Auch Menschen mit schwerem Asthma profitieren von Sport. Für sie und andere Patienten mit chronischen Atemwegs- und Lungenkrankheiten gibt es eine gezielte Sport- und Bewegungstherapie: Lungensport. In Lungensportgruppen gehen speziell ausgebildete Therapeuten auf die Bedürfnisse und auf die Leistungsfähigkeit der einzelnen Patienten ein.

Lungensport ist eine wichtige Therapieoption neben der Behandlung mit Medikamenten. Bei entsprechend schwer ausgeprägtem Asthma werden die Kurse zumindest teilweise von den Krankenkassen bezahlt.

Experte Dr. med. Gerd Schauerte

Welcher Sport mit Asthma?

Für Asthma-Patienten eignen sich besonders Ausdauersportarten wie Radfahren, Schwimmen oder Wandern. Die stetig gleichbleibende Belastung bei diesen Sportarten vertragen Asthmatiker in der Regel sehr gut. Sportarten mit kurzen, heftigen Belastungsphasen können für Manche schwierig sein. Dazu zählen beispielsweise Squash oder Basketball. Bei Teamsportarten kann man sich allerdings auch immer auswechseln lassen, sollte es zu anstrengend werden.

Welchen Sport man macht, sollte von den persönlichen Vorlieben abhängen, meint der Lungenspezialist Dr. Schauerte.

Beschwerdefrei durch Medikamente

Wichtig ist: Um Husten, Atemnot oder akuten Asthmaanfällen vorzubeugen, sollten Ihre Medikamente im Rahmen einer Langzeittherapie gut eingestellt sein. Lassen Sie daher von Ihrem Lungenarzt oder Ihrer Lungenärztin regelmäßig überprüfen, ob Sie eine höhere Dosis oder möglicherweise ein anderes Medikament benötigen.

Ziel der Therapie ist immer, ein gut kontrolliertes Asthma zu erreichen. Das ist auch bei fast allen Betroffenen möglich, erläutert Klinikleiter Dr. Schauerte. Sie sollten dann auch beim Sport keine Asthmabeschwerden mehr haben.

Worauf achten beim Sport?

Asthmapatienten sollten ihre persönliche Belastungsgrenze kennen und beim Sport ihre Bedarfsmedikamente stets griffbereit haben, damit eventuell auftretende Asthmaanfälle rasch bekämpft werden können. Manche benötigen auch vor dem Sport eine Medikamentendosis. Eigentlich gut eingestellte Patienten, die wissen, dass sie beim Joggen eine leichte Atemnot bekommen, empfiehlt Dr. Schauerte daher: "Nehmen Sie zwei Hübe vom Asthmaspray etwa fünf bis zehn Minuten, bevor Sie mit dem Training beginnen." Das individuelle Vorgehen sollte ebenso wie die Auswahl geeigneter Sportarten mit dem Arzt besprochen werden.

Vor, während und nach dem Training

Weitere Tipps für ein erfolgreiches Training gibt Patientenberaterin Anja Schwalfenberg. Sie berät Menschen mit Atemwegserkrankungen beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB):

  • Generell sollten Sie das Training langsam beginnen und sich aufwärmen.
  • Zwischen den Belastungsphasen sollten Sie immer Entspannungsphasen einbauen, damit Sie sich nicht überanstrengen.
  • Das Training sollte immer mit einer Entspannungsphase ausklingen, damit sich die Atmung wieder beruhigen kann.

Auslöser des Asthmas beachten

Gerade wenn Sie im Freien Sport treiben und an allergischem Asthma leiden, setzen Sie sich stärker Ihren jeweiligen Allergieauslösern aus. Für Pollenallergiker macht es beispielsweise Sinn, den Pollenflug zu beachten. Neben der Saison für die jeweiligen Pflanzen hat auch das Wetter darauf Einfluss. Die Atemwegsexpertin Schwalfenberg weiß: "Besonders bei schönem, windigem Wetter konnen die Pollen weit verbreitet werden. Nach ausgedehnten Regenschauern kann der Sport fur Pollenallergiker angenehmer sein, da dann die Pollen aus der Luft gewaschen sind. Nach starken Gewittern können Pollen hingegen verstärkt in Bodennahe gedrückt und die allergieauslösenden Bestandteile sogar aus den Pollen herausgeschlagen werden, was die Beschwerden verstärkt."

Der Lungenarzt Dr. Schauerte rät Menschen mit allergischem Asthma, während des Pollenflugs die Dauertherapie in Absprache mit dem Arzt gegebenenfalls zu intensivieren. Wer gut eingestellt ist, sollte dann seiner Ansicht nach auch kein Problem damit haben. Auch Sport bei Minusgraden kann ein Auslöser von Asthmabeschwerden sein. Doch auch das ist für Dr. Schauerte kein Grund, vom Wintersport generell abzuraten. Hier müsse jeder Asthma-Patient zusammen mit seinem Arzt festlegen, wie sehr er sich belasten kann und ob und in welcher Intensität Sport auch bei Kälte möglich ist.

Asthmaanfall beim Sport: Was tun?

Anja Schwalfenberg vom DAAB empfiehlt Ratsuchenden, zum Sport immer ein Notfallspray zur schnellen Erweiterung der Bronchien mitzunehmen. Wenn Sie mit anderen in der Gruppe aktiv sind – beispielsweise beim Schulsport oder im Sportverein – sollten Sie die übrigen Teilnehmer darüber informieren, wo Ihr Notfallspray zu finden ist.

Auch einen Notfallplan unter ärztlicher Anleitung zu erstellen, sei sinnvoll. Darin ist geregelt, wie man sich im Notfall verhält. Das hilft, in der akuten Situation die Ruhe zu bewahren.

Asthma

Sollte sich ein Asthmaanfall anbahnen, rät Anja Schwalfenberg:

  • Bewahren Sie die Ruhe! Aufregung und Panik verstärken die Luftnot.
  • Inhalieren Sie Ihr bronchienerweiterndes Notfallspray entsprechend Ihres Notfallplans.
  • Nehmen Sie eine Körperstellung ein, die Ihnen das Atmen erleichtert. Beispiele sehen Sie in den abgebildeten Zeichnungen.
  • Wenden Sie atemerleichternde Techniken wie die Lippenbremse an. Atmen Sie hierfür gegen den Widerstand der halb geschlossenen Lippen aus.
  • Wenn es nach zehn Minuten nicht besser wird, folgen Sie Ihrem Notfallplan – inhalieren Sie gegebenenfalls erneut und rufen Sie den Notarzt.
  • Bei Kindern sollte man den Notarzt besser gleich rufen. Insbesondere, wenn sie noch keinen Notfallplan haben und nicht wissen, was zu tun ist.

Generell gilt: Bei einem schweren Asthmaanfall sofort den Notarzt rufen!

Asthma einfach wegtrainieren?

Viele fragen sich: Kann ich mein Asthma durch Sport wegtrainieren? Das ist laut Klinikleiter Schauerte leider nicht möglich. Zwar schwankt der natürliche Verlauf des Asthmas: Mal brauchen Patienten weniger Medikamente, mal verschlechtert sich die Situation und sie brauchen mehr. Doch heilen lässt sich Asthma bis heute nicht.

Quellen

Bundesärztekammer (BÄK) Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ärztekammern, Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, 09/2018. Online: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/nvl-002.html (Abgerufen am 12.08.2019)

Lungeninformationsdienst: Bewegung und Sport. Online: www.lungeninformationsdienst.de/praevention/bewegung-und-sport/index.html (Abgerufen am 12.08.2019)