Phobien: Was ist eine soziale Phobie?

Wer an sozialer Phobie leidet, hat große Angst davor, von anderen Menschen negativ beurteilt oder kritisch beobachtet zu werden

aktualisiert am 26.02.2015
Frau mit sozialer Phobie

Sozialphobie: Mehr als nur schüchtern


Die soziale Phobie – auch als soziale Angststörung bezeichnet – entsteht oft im Jugendalter. Charakteristisches Symptom ist eine übertrieben starke Furcht davor, beurteilt, kritisiert oder abgelehnt zu werden, negativ aufzufallen, sich irgendwie peinlich zu verhalten und ungewollt im Mittelpunkt zu stehen.

Manche haben zum Beispiel starkes Lampenfieber, wenn sie vor anderen sprechen müssen, wenn sie etwa einen Vortrag halten. Andere fürchten sich, wenn sie auf einer Veranstaltung mit Leuten ins Gespräch kommen sollen, die sie nicht kennen.

Wieder andere trauen sich noch nicht einmal, im Beisein anderer zu essen, zu schreiben oder zu reden – aus Angst, sie könnten sich in irgendeiner Form lächerlich machen, etwas fallen lassen oder etwas Dummes von sich geben.

Angst vor einer Blöße

Viele befürchten obendrein, dass ihre Angst für andere erkennbar wird: dass ihre Backen vor Aufregung rot glühen wie eine Laterne, dass ihre Hände zittern, dass sich Schweißperlen auf der Stirn zeigen – und dass andere das als Schwäche auslegen.

Patienten mit sozialer Phobie versuchen meistens, Vorkehrungen zu treffen, um möglichst unauffällig und "normal" zu erscheinen. Sie kontrollieren ihr Verhalten sehr genau: Sie setzen sich beispielsweise in die letzte Reihe, sie meiden Blickkontakte, sprechen nur, wenn es unausweichlich ist. Manche trinken Alkohol, um "locker" zu werden. Andere versuchen, ihre roten Wangen unter dickem Make-up zu verstecken.

Verzerrte Selbstwahrnehmung

Die Selbstwahrnehmung der Patienten ist üblicherweise stark verzerrt. Ihre vermeintlichen schlimmen Fehler bemerken andere oft gar nicht. Auch die übergroße Furcht ist für die Umgebung meist nicht erkennbar.

Soziale Phobie ist auch nicht gleichbedeutend mit Schüchternheit. Die Betroffenen müssen auf ihre Umgebung nicht übermäßig zurückhaltend wirken – während sie innerlich unter großem Stress stehen können.

Die Angststörung wird in schlimmen Fällen so ausgeprägt, dass sie ein normales Miteinander unmöglich macht und zu Einsamkeit und zum völligen Rückzug führt. Die soziale Phobie ist oft mit weiteren psychischen Problemen verknüpft, zum Beispiel einer Depression. Beide Krankheiten verstärken sich unter Umständen auch gegenseitig.