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Phobien: Ursachen

Was eine Phobie im Einzelfall genau auslöst, ist schwer zu klären. Experten gehen davon aus, dass so gut wie immer verschiedene Ursachen zusammenwirken

aktualisiert am 26.02.2015
Mutter tröstet Kind

Behütet und umsorgt – die Erziehung kann einen Einfluss darauf haben, wie wir später im Leben mit Ängsten umgehen


Eine Phobie entsteht meist nicht durch eine einzelne Ursache. Verschiedene Auslöser wirken in unterschiedlicher Gewichtung zusammen.

Manche Auslöser bereiten den Weg, machen generell anfälliger für Angststörungen – wie eine bestimmte Erziehung, die persönliche Veranlagung, die individuelle "Hirnchemie". Schlechte Erfahrungen können eine Rolle spielen, bestimmte Umstände die Angst verfestigen – etwa übermäßig besorgte Angehörige.

Erfahrungen

Angst kann bis zu einem gewissen Grad erlernt sein. Ein Beispiel: Ein kleines Kind fürchtet sich. Zufällig befindet sich in diesem Moment ein Hund in der Nähe. Obwohl das Tier gar nichts mit der Angst des Kindes zu tun hat, verknüpft das Kind das Tier aber unbewusst mit seinen Angstgefühlen. Von nun an löst plötzlich jeder Hund Angstgefühle aus, ohne dass es einen nachvollziehbaren Grund dafür gäbe.

Erziehung

Eltern und andere Bezugspersonen leben bestimmte Verhaltensweisen vor. Reagieren sie zum Beispiel übertrieben aufgeregt beim Anblick einer Spinne, können die Kinder das Verhalten übernehmen. Vor allem bei spezifischen Phobien – wie einer Spinnenphobie – scheint dieser Mechanismus wichtig zu sein.

Menschheitsgeschichte

Wissenschaftler beobachten außerdem, dass manche Objekte leichter Phobien auslösen als andere. So fürchten sich deutlich mehr Menschen vor einer Schlange als vor einem Fernseher – wahrscheinlich, weil die Furcht vor Schlangen im Laufe der Menschheitsgeschichte über Generationen erlernt wurde – also Warnung vor einer realen Gefahr.

Erlebnisse

Ganz bestimmte Situationen können unter ungünstigen Umständen zum Ausgangspunkt einer phobischen Störung werden.

Ein Beispiel:

An ihren ersten Flug in den Urlaub erinnert sich Frau X nur ungern. Vor lauter Stress im Büro hatte sie kaum Zeit, die Koffer zu packen, geriet auf der Fahrt zum Flughafen in einen Stau, erreichte den Flieger mit knapper Not. Der Start verzögerte sich durch ein Gewitter. Auf dem Flug geriet die Maschine in Turbulenzen und wurde kräftig durchgeschüttelt – Stress pur. Den ganzen Tag erlebte Frau X als Wechselbad negativer Gefühle, von Anspannung über Ärger bis hin zur blanken Angst.

Als Frau X ein Jahr später eine Busreise bucht, stellen sich schon beim Gedanken an die Fahrt und das beengte Sitzen im Verkehrsmittel Angstgefühle ein. Sie steigern sich bis zum Abreisetag. Schließlich sagt Frau X den Urlaub ab. Das verstärkt die Angst vor dem nächsten ähnlichen Ereignis. Schließlich meidet sie sogar Ausflüge mit dem Auto.

Veranlagung

Angsterkrankungen treten manchmal in Familien gehäuft auf. Es scheint wohl eine gewisse Bereitschaft dafür zu geben, die sozusagen vererbt wird. Das bedeutet aber nicht, dass Angehörige von Angstpatienten in jedem Fall erkranken.

Hirnstoffwechsel

Unsere Hirnzellen kommunizieren über Botenstoffe. Geraten sie aus dem Gleichgewicht,  könnte das Phobien den Weg ebnen, glauben Wissenschaftler. Ärzte verschreiben zur Therapie von schweren Angsstörungen manchmal Medikamente, die den Hirnstoffwechsel beeinflussen und die Symptome auf diese Weise lindern können.

Innere Konflikte

Die Tiefenpsychologie deutet krankhafte Furcht als Ausdruck eines inneren, nicht lösbaren Konfliktes. Hinter dem Symptom Angst stehen in Wirklichkeit unbewusste, verdrängte Gefühle, so die Theorie.

Ein Beispiel:

XY`s Eltern trennen sich, als sie noch klein ist. Das Mädchen wächst bei der Mutter auf, zum Vater fehlt jeder Kontakt. XY lebt in der starken Angst, dass auch die Mutter plötzlich verschwinden könnte.

 

Mit dieser Angst ist das Kind überfordert. Die tiefen Ängste dringen gar nicht in XY`s Bewusstsein, sondern werden verdrängt und umgeleitet. Die Angst sucht sich ein "einfacheres" Ziel: XY fürchtet sich plötzlich vor Menschenmengen.

 

Mit dieser Angst kann XY umgehen, kann gefürchteten Situationen aus dem Weg gehen. Die Angst vor der Menschenmenge dient als Platzhalter für eine tiefer liegende Furcht. Die Angst könnte zudem eine weitere Funktion erfüllen: XY bindet ihre Mutter durch die Angst unbewusst an sich. Denn die Mutter muss ihre überängstliche Tochter zu vielen Gelegenheiten begleiten. Das Risiko des Verlassenwerdens sinkt.