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Phobien: Therapie

Bei Phobien hat sich die Psychotherapie, vor allem die Verhaltenstherapie, als hilfreich erwiesen. Medikamente kommen ebenfalls zum Einsatz

aktualisiert am 26.02.2015
Psychotherapie

Gespräch mit der Therapeutin. Bei vielen Phobien hilft eine Psychotherapie


Es gibt verschiedene Wege, eine Phobie zu behandeln: Psychotherapeutische Methoden, vor allem die Verhaltenstherapie, haben sich bewährt. Auch Medikamente können sinnvoll sein. Eine Kombination verschiedener Methoden ist ebenfalls denkbar. Die Therapie kann einzeln oder in Gruppen, ambulant oder in einer Klinik stattfinden.

Welche Therapie im Einzelfall die beste ist, müssen Patienten individuell mit ihrem behandelnden Spezialisten besprechen. Üblicherweise sind Phobien gut behandelbar. Ohne Therapie bessern sich Angsterkrankungen nur selten.

Psychotherapie

Eine kognitive Verhaltenstherapie konzentriert sich nicht etwa nur auf eine reine Verhaltensänderung, wie viele glauben. Am Beginn stehen ausführliche Gespräche. Patient und Therapeut versuchen zu klären, in welchen Situationen die Angst entsteht, welche Funktion sie im Leben des Patienten hat, und welche Faktoren sie aufrechterhalten. Ziel ist es, ein Stück weit zugrundeliegenden Problemen auf den Grund zu gehen.

Der Spezialist erklärt dem Patienten dann genau, welche Therapieschritte folgen werden. Er soll sich keinesfalls "überrumpelt" fühlen, sondern genau wissen, was ihn bei der Behandlung erwartet. Nichts geschieht ohne das Einverständnis oder gar gegen den Willen des Betroffenen.

Bei spezifischen Phobien helfen oft Konfrontationsübungen. Der Patient setzt sich dabei ganz bewusst seinen Angstauslösern und seiner Angst aus (Exposition), die sich in diesen Momenten einstellt. Hier gibt es zwei Varianten:

  • Bei der systematischen Desensibilisierung stellt sich der Patient seinen Ängsten in langsam ansteigender "Dosis" unter einem entspannten Grundzustand, den er vorher mit dem Therapeuten übt. Zunächst kann es beispielsweise reichen, sich das angstbesetzte Objekt vorzustellen – etwa an eine Spinne zu denken. Im nächsten Schritt betrachtet der Patient das Bild einer Spinne. Dann sieht er sich eine lebendige Spinne an, schließlich berührt er sie. Bei jeder Übung steigt die "Angstdosis" ein wenig an.
  • Bei der Reizkonfrontation geschieht die Begegnung mit dem Angstauslöser entweder langsam oder direkt in einem Schritt (Fachbegriff: Flooding).

Während der Konfrontation schildert der Patient dem Therapeuten, wie sich die Angst anfühlt, ob sie wächst oder abflaut, welche körperlichen Symptome sich einstellen. Sinn der Übung ist, dass der Patient erlebt, wie sich die Angst zunächst steigert, dann aber nicht mehr weiter anwächst und nach einer Weile sogar von selbst verschwindet.

Der Betroffene spürt, dass er seine Furcht aushalten kann, ohne dass etwas Schreckliches passiert. Seine Symptome bessern sich von alleine wieder, um schließlich komplett abzuflauen. Das ermöglichst einen realistischeren Umgang mit der angstbesetzten Situation. Der Patient erhält die Kontrolle zurück. Die Übungen können nach Anleitung auch selbstständig im Alltag praktiziert werden.

Gruppentherapie bei Sozialphobie

Bei der sozialen Phobie kommt oft eine Gruppentherapie infrage. So haben Patienten Gelegenheit, ihre tatsächliche Wirkung auf andere in einem geschützten Rahmen zu überprüfen und Situationen in Rollenspielen zu testen. Als weitere Übung könnten sie zum Beispiel fremde Personen auf der Straße nach etwas Bestimmtem fragen.

Ziel ist auch hier, Betroffenen bewusst zu machen, dass die Angst nur bis zu einem bestimmten Grad anwächst. Oft liegt dieser Punkt deutlich unter dem Grad an Angst, den sich die Patienten zuvor ausgemalt haben. Und die Angst ebbt von alleine wieder ab.

Weitere Verfahren

Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder autogenes Training können die Therapie unterstützen.

Tiefepsychologische Verfahren gehen den tiefer liegenden Ursachen einer Angststörung intensiver auf den Grund. Ihr Ziel ist es, die inneren Konflikte aufzudecken, die der eigentliche Grund der Phobie sein könnten (siehe Kapitel Ursachen). In ausführlichen Gesprächen suchen Patient und Spezialist nach Lösungsmöglichkeiten. Solche Therapien dauern oft mehrere Monate bis Jahre.

In jüngster Zeit werden bei Angsterkrankungen auch sogenannte achtsamkeitsbasierte Therapieverfahren eingesetzt. Bei der MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) lernen die Betroffenen unter anderem eine achtsame Grundhaltung einzunehmen, Gedanken und Ereignisse zu akzeptieren, ohne sie zu bewerten. Dies kann – vereinfacht gesagt - hilfreich sein, Vermeidungsverhalten abzubauen und Ängste zu bewältigen.

Medikamente

Wenn die Phobie das Leben des Betroffenen sehr stark einschränkt und die Therapie behindert oder wenn eine weitere psychische Erkrankung vorliegt, kann der Spezialist unter Umständen Medikamente verschreiben. Zum Einsatz kommen vor allem Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI). Diese Substanzen beeinflussen den Stoffwechsel der Hirnbotenstoffe Serotonin oder Serotonin und Noradrenalin. In manchen Fällen können auch trizyklische Antidepressiva oder MAO-Hemmer hilfreich sein. Allerdings vergehen meistens ein paar Wochen, bis die genannten Medikamente ihre volle Wirkung entfalten.

Im Ausnahmefall kann der Arzt auch beruhigende Medikamente verordnen. Dabei ist zu beachten, dass die immer noch am häufigsten verwendeten Medikamente – die sogenannten Benzodiazepine – abhängig machen können. Sie sollten wirklich nur im Notfall verordnet werden. Es gibt auch beruhigende Medikamente, die kein Abhängigkeitsrisiko aufweisen.

Auch bestimmte sogenannte atypische Neuroleptika können sich bei Betroffenen mit Angststörungen positiv auswirken, ohne dass ein Abhängigkeitsrisiko besteht.

Patienten sollten sich bei ihrem Arzt zu den Medikamenten ausführlich beraten lassen – über mögliche Nebenwirkungen und Vorteile.