Alterssichtigkeit: Behandlung – Kontaktlinsen

Das Problem der Alterssichtigkeit (Presbyopie) wird meist mit Lesebrillen gelöst. Aber auch mit Hilfe von Kontaktlinsen können Sie in der Nähe wieder besser sehen
aktualisiert am 01.04.2015

Verschieden Arten von Kontaktlinsen können die Augen unterstützen. Wichtig: Sie müssen richtig passen

PhotoDisc/ RYF

Sie können sich für harte oder weiche Kontaktlinsen entscheiden – hinzu kommt, dass es drei verschiedene Prinzipien gibt, um die Sicht im Nahbereich zu verbessern:

1. Prinzip der Monovision

Die meisten Menschen haben ein dominantes Auge. Auf dieses sogenannte Führungsauge setzt man eine Kontaktlinse für die Fernsicht, auf das andere Auge eine Linse für die Nahsicht. Das Gehirn verarbeitet dann beide Seheindrücke so, dass mit einem Auge Bilder in der Ferne und mit dem anderen Auge Bilder in der Nähe scharf sind. Übrigens: Der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe hatte von Kindheit an ein kurzsichtiges und ein normalsichtiges Auge – sein Gehirn war von klein auf an die Monovision gewöhnt. In Erinnerung daran spricht man auch vom "Goethe-Blick".

Nachteil: Bei der Monovision ist nur ein reduziertes räumliches Sehen (Stereosehen) möglich. Sie können Abstände beispielsweise beim Eingießen des Kaffees oder beim Treppensteigen nicht mehr so präzise wahrnehmen, auch beim Autofahren kann es Probleme geben. Für junge Menschen und für Personen, die berufsbedingt hohe Anforderungen an ihr räumliches Sehen stellen müssen, sind diese Verfahren deshalb eher nicht geeignet.

2. Bifokale Kontaktlinsen

Beim Geradeaus-Schauen blicken Sie durch den oberen Teil der Kontaktlinse und können in der Ferne gut sehen. Bei gesenktem Blick beispielsweise fürs Lesen schauen Sie durch den unteren Teil für die Nahsicht. Damit sich solche bifokalen Linsen im Auge nicht drehen, wenn sich die Lider bewegen, sind sie unten etwas schwerer als oben – damit dieser "Trick" funktioniert, muss der Arzt die Linsen aber sehr gut anpassen. Es gibt auch formstabile, also harte Kontaktlinsen, die einen unteren Nahsichtbereich haben, der wie ein Tortenstück aussieht, wobei der mittlere Bereich vor der Pupille ausgespart bleibt.

3. Simultanes Prinzip

Beim simultanen Prinzip haben die Kontaktlinsen um den Mittelpunkt angeordnete konzentrische Ringe, deren Zonen die unterschiedlichen Seh-Entfernungen scharf abbilden. Das Gehirn braucht eine Weile, um sich an das simultane Prinzip zu gewöhnen, denn es muss lernen, das gewünschte Bild – sei es in der Ferne oder in der Nähe – auszuwählen und das zweite ebenfalls scharfe Bild zu unterdrücken. Für den korrekten Sitz der Kontaktlinsen ist es wichtig, dass sich der zentrale Bereich nur minimal verschieben darf.

4. Mischformen

Da das Gehirn lernen kann, Bilder vom rechten Augen mit denen des linken Auges zusammenzusetzen, lässt sich das Prinzip der Monovision auch mit dem simultanen Prinzip kombinieren. Eine Variante ist dann, auf das führende Auge eine Linse mit einem inneren Nahsichtbereich zu setzen, und für das andere Auge eine "normale" Linse für die Fernsicht zu nehmen. Die Alternative dazu: Die Linsen für beide Augen haben in der mittleren Zone den Nahsichtbereich, beim Führungsauge ist der Kreis jedoch größer. Möglich ist es aber auch, Kontaktlinsen für den Fernbereich zu tragen und zum Lesen eine Brille für den Nahbereich aufzusetzen.

Wichtig: Der Arzt muss die Augen genau ausmessen, damit die Kontaktlinsen richtig sitzen. Der Durchmesser und der Krümmungsradius sind dabei ebenso entscheidend wie der Kunststoff, aus dem sie gefertigt sind – das Material kann hart oder weich sein. Sprechen Sie mit Ihrem Augenarzt oder Ihrem Optiker über die Pflege der Kontaktlinsen und tragen Sie sie nicht länger als empfohlen, denn die Hornhaut braucht auch am Tage einige Stunden Zeit, um optimal mit Sauerstoff versorgt werden zu können.


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