Traditionelle chinesische Medizin (3):
Individuelle Behandlungsweisen

Neben der Akupunktur und den alten chinesischen Bewegungstechniken Qigong und Tai-Chi ist auch die Tuina-Massagetechnik ein Bestandteil der TCM

von Apotheken Umschau, 26.06.2010

Die antiken Traditionen aus Fernost gewinnen in westlichen Ländern an Beliebtheit, weil auch hier die Erkenntnis wächst, dass nicht nur die Krankheit, sondern der Mensch als Ganzes behandelt werden muss. "Die Individualität des Patienten spielt in der traditionellen Medizin eine zentrale Rolle", sagt der Arzt Zheng Chen, ein in München lebender Tuina-Therapeut. Dazu gehört, dass der Behandler versucht, den Patienten mit allen Sinnen zu erfassen: Sein Geruch und der Klang seiner Stimme werden ebenso aufmerksam wahrgenommen wie seine Gefühle und schließlich seine Beschwerden.

 
"Die chinesische Medizin kennt nicht den Kopfschmerzpatienten schlechthin, sondern je nach Ursache des Leidens erhält jeder eine präzise auf ihn zugeschnittene Therapie", sagt Chen.

Während es bei Qigong und Tai-Chi darum geht, sich zu bewegen, bleibt der Patient bei der Tuina-Therapie passiv – er wird bewegt. Die Behandlung vereint Elemente der Bindegewebsmassage, der Reflexzonenmassage und der Akupressur. Genau wie Akupunkteure orientieren sich Tuina-Therapeuten am Chi-Fluss und an den Meridianen. Durch die Stimulation verschiedener Punkte wollen sie Einfluss auf Funktionsstörungen im Inneren des Körpers nehmen. Mit sogenannten Impulstechniken werden auch Gelenke manipuliert – sie sollten nur von erfahrenen Tuina-Ärzten und nach einer Aufklärung über die Risiken durchgeführt werden.

 
Es gibt jedoch einen Unterschied zur Nadel-Therapie. "Während Akupunktur das Nervensystem anregt, wirkt Tuina eher auf die Muskulatur", erklärt Chen. Die Methode kann auch eine Alternative für Patienten sein, die Angst vor den Akupunkturnadeln haben. Chen erzielt besonders gute Erfolge bei Störungen des Verdauungs- und des Bewegungsapparats.

 
Der chinesische Arzt kennt indes auch seine Grenzen. Im alten China war es verboten, Patienten zu operieren. Auch die Körper von Toten durften nicht geöffnet werden. Daher blieben die anatomischen Kenntnisse lange lückenhaft. Gegen einen Blinddarmdurchbruch etwa, bei dem in west lichen Operationssälen zum Skalpell gegriffen wird, ist die östliche Medizin machtlos.