Weshalb manche Verletzung langsamer heilt

Kleinere Sportverletzungen plagen manche Menschen länger als andere. Dabei spielt das Alter eine Rolle, aber auch die Fitness. Die wichtigsten Tipps

von Barbara Erbe, 27.04.2016
Verletzte Sportlerin

Beim Sport verletzt? Bei älteren Menschen heilt es oft langsamer als bei jungen


Beim Tennisspielen umgeknickt und ein Band gedehnt? Richtig versorgt heilen solche Sportverletzungen bei jungen Menchen fast immer schnell. Aber fragt man mal einen Ü-40-Freizeitsportler, wie lange sein Knöchel nach einem Fehltritt geschwollen war, bekommt man anderes zu hören: monatelange Probleme sind keine Seltenheit.

"Wer jung ist, ist klar im Vorteil", sagt Dr. Folker Boldt geradeheraus. "Das fängt schon damit an, dass sich die Haut- und Gewebezellen dann schneller teilen und verletztes Gewebe zügig durch neue Zellen ersetzt wird", erklärt der ärztliche Leiter des Zentrums für Sportmedizin Berlin. Auch das Immunsystem erkennt mögliche Krankheitserreger in einer Wunde in jüngeren Jahren schneller und geht kraftvoller gegen sie vor. Der gesamte Stoffwechsel läuft auf einem höheren Tempo, deshalb kann er auch Störungen schneller beheben.

Ab 30 regenerieren sich Zellen langsamer

Ab einem Alter von 30 Jahren sinkt in der Regel die Zellteilungsrate und wird störanfälliger. Die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit, das heißt die Belastbarkeit des Herz-Kreislauf-Systems, und die Durchblutung nehmen ab. Sehnen und Bänder verlieren an Elastizität. Sie reißen schneller einmal ein und brauchen länger, um wieder zu heilen. Die Muskelmasse wiederum schwindet beziehungsweise verwandelt sich zunehmend in Fett- und Bindegewebe, wenn sie nicht genügend beansprucht wird. Das macht die Muskulatur anfälliger für Verletzungen. Schließlich fallen Einblutungen und Schwellungen im Alter oft umfangreicher aus, weil die Haut weniger fest ist und deshalb Blut und Lymphe schlechter abführen kann.

Die Lebensführung macht's

Das klingt ernüchternd. Doch die gute Nachricht ist: Der individuelle Spielraum ist bei diesen Alterungsprozessen enorm. "Wie Stoffwechsel, Muskulatur, Herz-Kreislauf-System und Bindegewebe sich nach dem 30. Geburtstag entwickeln, hängt sehr von der persönlichen Lebensführung ab", erklärt Professor Dieter Leyk von der Deutschen Sporthochschule Köln. So kann eine 55-Jährige, die sich regelmäßig bewegt, gesund ernährt und nicht raucht, einen deutlich besseren Stoffwechsel, kräftigere Muskeln und ein stabileres Herz-Kreislauf-System haben als ein 29-Jähriger mit Übergewicht, der möglicherweise auch noch raucht. "Ein Körper, der gut in Form ist, verfügt außerdem über ein stärkeres Immunsystem und bessere Selbstheilungskräfte", sagt Leyk.

Vorsicht bei Vorschädigungen

Wer sich beispielsweise schon einmal einen Bänderriss am Sprunggelenk oder eine Kapselprellung am Finger zugezogen hat, trägt ein höheres Risiko, dass es hier erneut zu einer Verletzung kommt. "Unabhängig vom Alter dauert es dann länger, bis Schwellungen und Gewebseinrisse ausgeheilt sind", betont Leyk. Die Ursache sind verletzungsbedingte Veränderungen am Bindegewebe. "Sie machen die beteiligten Strukturen weniger belastungsfähig und führen dazu, dass Ödeme größer ausfallen und länger bestehen bleiben", berichtet der Sportmediziner.

Möglichkeiten, dem vorzubeugen, bestehen darin, die jeweilige Stelle zu tapen oder auch mit einer Sportbandage zu umhüllen. "Verletzt man sich trotzdem, ist es wichtig, schnell zu reagieren, um im Idealfall eine Schwellung zu verhindern", empfiehlt Leyk. Wirksam sind: hochlagern, kühlen, eventuell ein Druckverband. Schwellungen gering zu halten, ist wichtig, denn sie können die Heilung erheblich verzögern.

Verletzungsrisiko sinkt im Alter

Gut zu wissen: Die Häufigkeit von Sportverletzungen nimmt laut Deutschem Olympischem Sportbund (DOSB) mit dem Alter kontinuierlich ab. Das liegt zum Teil daran, dass  ältere Menschen weniger Sport treiben als jüngere und deshalb seltener in verletzungsträchtige Situationen geraten. Doch auch die aktiven Älteren verletzten sich weniger. "Im Idealfall deshalb, weil sie ihren Körper kennen und sich nicht überfordern, meint Boldt. "Wer übertreibt, setzt sich unter Stress und schwächt sein Immunsystem. Zum Sport gehört aber immer auch die Erholung – man soll sich ja wohlfühlen. "