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Fit für die OP: So machen Sie sich bereit

Ein geplanter Eingriff steht an? Mit diesen Tipps bereiten Sie sich optimal vor auf die Operation und den Aufenthalt im Krankenhaus

von Konstanze Faßbinder, 09.10.2019
Sich für die OP vorbereiten

Eine Operation ist ein Ausnahmezustand. Wem dies bevorsteht, der sollte sich im Vorfeld ausruhen, Stress vermeiden und bestenfalls auch auf das Rauchen verzichten


1. Vor dem Klinikaufenthalt

In Bewegung bleiben

"Je besser der körper­liche Zustand ist, desto besser kommt der Patient durch die OP", sagt Professor Wilhelm Bloch. Er forscht an der Deutschen Sporthochschule Köln zum Thema Prehabilitation. Damit sind Trainingsmaßnahmen gemeint, die Herz-Kreislauf- und Immunsystem vor dem Eingriff fit machen.

Ziel: weniger Komplikationen und eine schnellere Genesung. Wer regelmäßig Sport treibe oder sich bewege, sollte dies im Rahmen seiner Möglichkeiten auch weiterhin tun, rät Bloch. "Nicht schonen – es sei denn, der behandelnde Arzt weist ausdrücklich dazu an."

Arzneien überprüfen

Eine gute medikamen­töse Einstellung chronisch kranker Patienten ist wichtig für den OP-Erfolg. Stimmt die Dosierung der Blutzuckersenker bei Diabetikern? Müssen Medikamente wie Gerinnungshemmer oder Antidiabetika abgesetzt werden?

Zum Vorgespräch mit dem Narkosearzt sollten Patienten eine Liste der Medikamente mitbringen, die sie derzeit einnehmen. Am besten von der Stamm­apotheke ausstellen lassen, weil auch rezeptfreie Mittel Probleme bereiten können. Erwähnen Sie Nahrungsergänzungsmittel. "Und informieren Sie ehrlich über Tabak-, Alkohol- oder Drogenkonsum", sagt Narkosearzt Dr. Rolf Glätzer vom Berufsverband Deutscher Anästhesisten.

Den Sozialdienst kontaktieren

Die Ansprechpartner im jeweiligen Krankenhaus informieren, worauf der Patient Anspruch hat, stellen Anträge und organisieren die Nachversorgung. Wer nach der OP Unterstützung braucht oder zur Reha muss, sollte deshalb frühzeitig Kontakt aufnehmen. Sibylle Kraus leitet den Sozialdienst des Alexianer St.-Hedwig-Krankenhauses in Berlin: "Erkundigen Sie sich vorab, in welchem Zustand Sie die Klinik verlassen werden. Wird sich der Eingriff auf Ihre Selbstständigkeit auswirken?"

Nicht mehr rauchen

Idealerweise vier Wochen vor einem geplanten Eingriff aufhören. "Dadurch gibt es während der Narkose weniger Kompli­kationen, und die Heilung verläuft besser", sagt Glätzer. Auch nach der OP wäre eine Pause gut.

An den Papierkram denken

Was Patienten ins Krankenhaus mitbringen sollen, steht meist auf einer vorher ausgehändigten Checkliste. Neben der Versicherungskarte sind das Kontaktadressen ihrer Vertrauenspersonen, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht sowie Unterlagen für private Zusatzversicherungen, eventuell auch die Renten­versicherungsnummer.

2. Kurz vor der Operation

Ausruhen

Anästhesist Glätzer rät zur Schonung am Tag vor dem Eingriff. "Kommen Sie ausgeschlafen." Auch psychische Belastungen sollten Patienten dann vermeiden, etwa Streit in der ­Familie. "OPs sind ein Ausnahmezustand. Darauf sollte auch das Umfeld Rücksicht nehmen."

Ehrlich sein

Wer kurz vor dem Eingriff akut krank wird, sollte der Klinik Bescheid sagen. Die Operation muss dann gegebenenfalls verschoben werden. Auch große Ängste nicht verschweigen und beim Arzt ansprechen.

Den Körper vorbereiten

Direkt vor der OP Brille und Schmuck ablegen, lockere Zahn­prothesen und Kontaktlinsen herausnehmen. Zudem duschen, frische Unterwäsche anziehen sowie Zehen- und Fingernägel schneiden. So gelangen möglichst wenige Keime in den ­OP-Saal. Auf Cremes, Haarspray und Nagellack besser verzichten.

Nüchtern bleiben

In der Regel gilt: Sechs Stunden vor einer OP nichts mehr essen, keine trüben Flüssigkeiten mehr trinken. Alkohol ist tabu. Zwei Stunden vorher ist auch mit dem Wassertrinken Schluss.   

Spezialfall Krebs

"Besonders Tumorpatienten müssen vor der Operation da­rauf achten, dass sie ihr Gewicht halten und ­möglichst fit bleiben, denn ihr Körper ist bereits geschwächt", sagt Professor Arved Weimann. Er leitet die ­Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Onko­logische Chirurgie am Leipziger Klinikum St. Georg.

"Zehn Prozent Gewichtsabnahme über ein halbes Jahr sind aus chirurgischer Sicht ein Risiko", so der ­Experte. Bereits bei fünf Prozent ­sollten Patienten sensibilisiert sein: "Sonst fehlt Energie für die Heilung."

Sein Tipp: ausreichend essen, sich maßvoll bewegen, genug schlafen, mit dem Arzt sprechen. Eventuell ist eine Nahrungsergänzung mit hoch­­kalorischer Trinknahrung hilfreich.

3. Ehe Sie nach Hause dürfen

Sich gut versorgt wissen

Operation und Narkose können körperlich und psychisch ein gigantischer Stress sein, so Anästhesist Rolf Glätzer. Umso wichtiger, dass Patienten sich ­­danach gut umsorgt fühlen. "Das fördert auch die Genesung", sagt der Mediziner.

Er empfiehlt eine möglichst nahtlose Organisation und die ­­Einbindung eines Angehörigen, der besonders nach dem Eingriff für einen da sein kann. "Nicht weil die Menschen im Gesundheitswesen so faul sind, ­­sondern weil es hilfreich ist, vertraute Personen um sich zu haben."

Unterstützung anfordern

Wenn ein Patient Unterstützung braucht, organisiert der Sozialdienst des Krankenhauses Haushaltshilfe, Pflege wie auch Hilfsmittel für die unmittelbare Versorgung nach dem Klinikaufenthalt. "Formal hat jedes Krankenhaus diesen Dienst", betont Kraus.

Die Reha vorbereiten

Wer etwa nach einer Herz-OP Anspruch auf eine sogenannte Anschlussheilbehandlung hat, muss innerhalb von 14 Tagen in einer entsprechenden Einrichtung untergebracht werden. Entfernung: höchstens 200 Kilometer. "Falls Sie inzwischen zu Hause den Alltag nicht alleine bewältigen, kommt eine Kurzzeitpflege oder Direktverlegung infrage", erklärt Kraus.

Es hänge auch vom OP-Verlauf ab, das letzte Wort habe immer der behandelnde Arzt. Viele Kostenträger – also Kranken- oder Rentenversicherung – haben Verträge mit Reha-Einrichtungen. Der Sozialdienst berät idealerweise vorab, in welchen Häusern eine Behandlung möglich ist. "Manchmal können Patienten wählen oder einen Wunsch angeben – und der Kostenträger entscheidet dann", sagt Kraus.

Den Übergang meistern

Im Zuge des gesetzlich vorgegebenen sogenannten Entlassmanagements organisiert das Krankenhaus auch alles, was der operierte Patient sonst noch benötigt.

Ist der Hausarzt erreichbar? Falls nicht: Braucht der Patient sofort Medikamente zur Überbrückung? Soll eine Krankschreibung für die Arbeit ausgestellt werden? Im Entlassbrief informiert die Klinik den behandelnden Arzt über die vorgenommene und weitere Behandlung. Für eventuell bei Nacht oder am Wochenende auftretende Komplikationen sollten Patienten um eine Notfallnummer bitten.

Hier finden Sie Hilfe für die Seele

Manche Krankheiten und damit verbundene Eingriffe ­können schwerwiegende psychische Belastungen verursachen – unter anderem, weil sie den ­Alltag der Betroffenen und ihrer Familie auf den Kopf stellen.

"Bei spezialisierten, zertifizierten Einrichtungen wie zum Beispiel onkologischen Zentren arbeiten Psychologen oder Psychoonkologen, die Patienten während der kompletten Therapie bei Bedarf unterstützen", sagt Kraus. Eventuell gibt es auch Anlaufstellen für Angehörige.

Zudem habe jedes Krankenhaus in der Regel einen Seelsorger für Patienten. Er sei überkonfessionell ansprechbar und unterliege – wie übrigens auch der Sozialdienst – der Schweigepflicht. Im Akutfall einfach bei einer ­Pflegekraft nachfragen.

In Selbsthilfegruppen können Patienten und Angehörige sich informieren, austauschen, Halt finden und geben. Das Internet bietet Informationen und Kontaktmöglichkeiten.