Achillessehnenverletzungen, Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur)

Ein Achillessehnenriss trifft oft sportlich aktive Menschen. Häufig ist eine Operation nötig. Meistens gehen dem Riss Reizungen oder Entzündungen der Achillessehne voraus. Mehr zu Symptomen, Diagnose und Therapien

aktualisiert am 19.02.2018

Schnelle Sprints, abrupte Stopps: Sportarten wie Tennis verlangen belastbare Achillessehnen


Achillessehnenverletzung - kurz zusammengefasst

Eine schmerzende Achillessehne ist häufig auf eine Reizung oder Entzündung der Sehne oder des umgebenden Gleitgewebes zurückzuführen. Krankheiten wie Gicht, Diabetes oder Arthrose können diese begünstigen. Durch Schonung, Ruhigstellung und entzündungshemmende Medikamente kann die akute Sehnenreizung behandelt werden. Allerdings kann gerade eine vorgeschädigte (belastete) Sehne reißen. Je nach Stellung der Sehnenenden zueinander muss entweder operiert werden oder eine Ruhigstellung mittels Gips oder spezieller Orthesen erfolgen. Anschließend wird das Bein noch für mehrere Wochen mit Orthesen versorgt.

Überblick: Was sind Achillessehnenverletzungen?

Die Achillessehne (Tendo calcaneus) ist die stärkste Sehne des menschlichen Körpers. Sie verbindet den Fersenknochen –  das sogenannte Fersenbein –  mit der Wadenmuskulatur. Die Sehne ermöglicht es uns zum Beispiel, auf den Zehenspitzen zu stehen und uns beim Laufen und beim Springen abzustoßen.

Die häufigsten Achillessehnenverletzungen sind Reizungen und Entzündungen des umgebenden Gleitgewebes, kleine Verschleißdefekte in der Sehne oder komplette Risse der Sehne (medizinisch: Achillessehnenruptur).

Ein Riss entsteht selten durch Gewalteinwirkung von außen. Viel häufiger liegt die Ursache in einer chronischen, starken Überbelastung, beispielsweise beim Sport oder bei harter körperlicher Arbeit. Unterschieden werden die teilweise und die folgenschwerere komplette Ruptur der Achillessehne. Kompletter Riss bedeutet, dass die Sehne vollständig durchtrennt ist.

Nach einem Achillessehnenriss ist das betroffene obere Sprunggelenk nur noch sehr eingeschränkt funktionstüchtig. Wenn überhaupt, ist es nur unter starken Schmerzen möglich, den Fuß aufzusetzen und zu belasten. Es gelingt nicht mehr, auf den Zehenspitzen zu stehen.

Eine gesunde Sehne reißt fast nie. Meistens ist das Sehnengewebe bereits vorgeschädigt: durch eine anhaltende Reizung oder Entzündung durch Mikrotraumen (Kleinstrisse), welche die Widerstandsfähigkeit des Sehnengewebes herabgesetzt haben. Das kann sich im Vorfeld des Risses durch wiederkehrende Schmerzen (eine Achillodynie) bemerkbar machen.

Ursachen

Die häufigste Ursache für einen Achillessehnenriss ist nicht etwa die Gewalteinwirkung von außen, sondern eine plötzliche, starke Belastung bei vorgeschädigter Sehne – zum Beispiel durch Bewegungen, die das Sprunggelenk besonders beanspruchen.

Solche Bewegungen kommen vor allem bei Sportarten vor, die schnelle Sprints, jähe Stopps und Richtungswechsel erfordern, wie Tennis oder Fußball. Risse entstehen aber auch bei völlig untrainierten Personen, die ihre Sehnen plötzlich überfordern – die zum Beispiel bei "gelb" noch schnell über die Straße rennen wollen.

Sehnenschaden erhöht das Risiko für einen Riss

Risse an völlig gesunden Achillessehnen sind extrem selten. Ist die Sehne ohne jeden Vorschaden, bricht bei einem entsprechenden Unfall noch eher ein Teil des Fersenbeins am Sehnenansatz aus, als dass die Sehne selbst zerreißt. Viel häufiger kommen Risse bei geschwächten, vorgeschädigten Sehnen vor, die durch anhaltende Reizungen und Entzündungen überbelastet und schlecht durchblutet wurden.

Manche Krankheiten können solche Reizungen im Bereich der Achillessehne fördern, zum Beispiel Arthrose, Gicht oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).

Weitere Risikofaktoren

Daneben gibt es weitere Faktoren, die das Risiko einer Achillessehnenruptur erhöhen: Fußfehlstellungen, ungeeignete Schuhe (speziell mit hochgeführten drückenden Fersenkappen), verkürzte Wadenmuskeln, mangelhaftes Aufwärmen vor dem Sport, wiederholte Überlastung beim Sport und generell höheres Lebensalter.

Ein zurückliegender Teilriss erhöht die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Ruptur. Ein hohes Risiko gehen auch völlig Untrainierte ein, die sich plötzlich mit einer Sportart befassen, bei der sie sich abrupt abstoßen müssen (zum Beispiel Hoch- oder Weitsprung).

Symptome

Symptome der Sehnenreizung

Bei einer chronischen Achillessehnenreizung oder -entzündung kommt es wiederholt zu Schmerzen, wenn die Wadenmuskeln angespannt oder gedehnt werden, oder wenn das Fußgelenk längere Zeit belastet wird.

Typischerweise bereitet es auch starke Beschwerden, morgens aus dem Bett aufzustehen und barfuß die ersten Schritte zu tun. Der Grund ist, dass die Füße in der Nacht überwiegend in einer Spitzfußstellung gehalten werden – also Fußspitzen nach "unten" gestreckt, Fersen angezogen. Beim ersten morgendlichen Auftreten wird die Achillessehne aufgrund der verkürzten Wadenmuskulatur dann besonders angespannt. Dieser morgendlichen Schmerzen nach dem Aufstehen beim "warmlaufen" sind charakteristisch für eine Achillessehnenreizung.

Häufig ist die gereizte Achillessehne etwa fünf Zentimeter oberhalb des Fersenbeins spindelförmig verdickt zu tasten. Bei Druck auf die entsprechende verdickte Stelle des Umgebungsgleitgewebes verstärken sich die Beschwerden. Bei einer hochakuten Entzündung kann beim Bewegen des Fußes eventuell ein raues Reibungsgeräusch zu hören sein.

Bei wiederkehrenden Schmerzen im Bereich der Achillessehne sollte ein Arzt, üblicherweise ein Orthopäde oder Unfallchirurg, aufgesucht werden. Bei Verdacht auf einen Riss ist sofort ärztlicher Rat nötig.

Symptome des Achillessehnenrisses

Der Achillessehnenriss wird oft von einem deutlich vernehmbaren, peitschenartigen Geräusch begleitet. Er tritt fast immer bei einer sogenannten Schnellkraftbelastung (Sprint oder Sprung) auf. Die verletzte Person spürt beim Riss der Sehne oft einen schmerzhaften Stich oder Schlag im Bereich der Wade oder der Ferse. Beim Fußball glaubt der Verletzte dann oft, ein Gegner habe ihm in die Ferse getreten.

Als Folge des Risses kann die Fußspitze nicht mehr gesenkt (nach "unten" gebeugt) werden. Aufstehen oder Gehen sind zwar gelegentlich noch möglich, bereiten aber heftige Schmerzen. Das Stehen auf den Zehenballen gelingt nicht mehr, der Fuß kann nicht mehr abgerollt werden.

Diagnose

Anamnese: Der Arzt erkundigt sich nach aktuellen und früheren Beschwerden im Bereich der Achillessehne. Er möchte zum Beispiel wissen, welche Aktionen die aktuellen Schmerzen ausgelöst haben, er fragt nach begleitenden Krankheiten, nach Sport-, Berufs- und Bewegungsgewohnheiten.

Körperliche Untersuchung: Dann prüft der Arzt wie der Patient geht, ob er auf den Zehenspitzen gehen und auf einem Bein stehen kann. Das betroffene Sprunggelenk wird auf Funktion und Schmerzempfindlichkeit beurteilt. Außerdem tastet der Arzt den Bereich um die Sehne ab. Einige Zentimeter über der Ferse ist bei einem Riss eine Delle feststellbar.

Der "Wadenkneiftest" nach Thompson: Drückt der Arzt die Wadenmuskulatur zusammen, bewegt sich der Fuß normalerweise reflexartig in eine Spitzfußhaltung – also Fußspitze nach "unten". Funktioniert das nicht mehr eindeutig, ist der "Wadenkneiftest" positiv, also auffällig. Dann liegt aller Wahrscheinlichkeit nach ein Achillessehnenriss vor.

Weitere Untersuchungen: Zur Diagnosesicherung wird eine Ultraschall-Untersuchung (Sonografie) durchgeführt. Dabei sind die Strukturen der Achillessehne zu erkennen. Beim Riss sind die Enden der Sehne und die Lücke dazwischen gut darstellbar.

Eine selten notwendige Zusatzuntersuchung ist die Magnetresonanztomographie (MRT) zu Diagnosesicherung. Hiermit lässt sich aber zum Beispiel klären, ob kleine Gewebeanteile im Inneren der Sehne abgestorben sind, die für den Riss ursächlich waren. Bei einer direkten Verletzung, beispielsweise durch einen Stoß, kann auch eine Röntgen-Untersuchung der angrenzenden Knochen erforderlich sein.

Therapie

Was hilft bei einer Achillessehnenreizung?

Bei einer Achillessehnenreizung empfiehlt der Arzt üblicherweise, das Sprunggelenk in leichter Spitzfußstellung zu schonen – also Fußspitze nach "unten" gestreckt und Ferse erhöht. Hierbei helfen zum Beispiel entlastende und stützende Bandagen sowie erhöhte Schuhabsätze. Dieser Rat sollte auch beherzigt werden. Denn eine Reizung neigt dazu, chronisch zu werden und erhöht das Risiko für einen Riss. Die Spitzfußstellung nimmt Spannung von der strapazierten Sehne und der Wadenmuskulatur. Bis die Schmerzen abklingen, sollten Erkrankte auf Sportarten verzichten, die die Achillessehne und die Wadenmuskulatur stark belasten.

Unterstützend kann die schmerzende Stelle in den ersten Tagen gekühlt oder mit durchblutungsfördernden Salben eingerieben werden. Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen können deutliche Linderung verschaffen. Es muss dabei aber streng auf mögliche Nebenwirkungen im Magen-Darm – und Herz-Kreislaufbereich geachtet werden.

Der Arzt kann in den Bereich um die entzündete Stelle ein Gemisch aus entzündungshemmendem Kortison und einem örtlich wirksamen Betäubungsmittel spritzen und damit in der Regel schnell und wirksam helfen. Diese Infiltration muss aber fachgerecht erfolgen. Zu häufige Gaben oder Injektionen in die Sehne können das Risiko für einen Riss erhöhen.

Therapie bei einem Achillessehnenriss

Bei Verdacht auf einen Achillessehnenriss sollte möglichst rasch ein Arzt, üblicherweise ein Orthopäde oder Unfallchirurg, aufgesucht werden. Als Erste-Hilfe-Maßnahme wird das Bein entlastet und hochgelagert. Die schmerzende Stelle kann vorsichtig gekühlt werden. Achtung: Eis nicht direkt auf die Haut legen, sonst drohen Erfrierungen!

Prinzipiell gibt es zwei Behandlungsmethoden, die konservative beziehungsweise die operative Versorgung.

  • konservative Versorgung

Bei einer sogenannten konservativen Therapie des Achillessehnenrisses wird auf eine Operation verzichtet. Wenn sich die Sehnenenden bei der sonographischen Kontrolle in Spitzfußstellung gut aneinander legen, kann durchaus eine konservative Therpie erfolgen. Vorerkrankungen, welche einen chirurgischen Eingriff sehr risikoreich machen würden sowie ein hohes Alter können die Entscheidung für eine konservative Versorgung beeinflussen.

Die Versogung wird zunächst ein Unterschenkelgips in Spitzfußstellung für zwei Wochen getragen, anschließend erfolgt die Versorgung mittels Stiefel- oder Schuhorthesen für sechs Wochen. Während dieser Zeit erfolgt eine stufenweise Verringerung der Spitzfußstellung nach ärztlicher Vorgabe. In der Zeit, in der das Bein nur teilbelastet werden kann sollte eine Thromboseprophylaxe erfolgen.

Die konservative Therpie ist meist etwas langwieriger gegenüber der operativen Versorgung, denn die Sehne braucht Zeit und Ruhe, um heilen zu können. Physiotherapie und physikalische Anwendungen können den Prozess unterstützen.

  • operative Versorgung

Sind bei einem Riss sonographisch die beiden Sehenenden weit vonainander entfernt, ist eine Operation das Verfahren der Wahl (Achillessehnen-Rekonstruktion). Die Sehne und die Funktion des Fußgelenks können nur durch eine möglichst schnelle Versorgung wieder vollständig hergestellt werden. Ohne rechtzeitige Therapie kann es unter Umständen zu einer Rückbildung (Atrophie) der Wadenmuskulatur kommen. Bei der Achillessehnen-Rekonstruktion näht der Arzt die gerissene Sehne wieder zusammen. Bei schlechter Sehnenqualität erfolgen spezielle Nahttechniken oder es wird körpereigenes Sehnenmaterial mit eingearbeitet.

Nach der Operation erfolgt die Versorgung in einem Unterschenkelgips oder einer Orthese in Spitzfußstellung für vier bis sechs Wochen mit stufenweiser Verringerung der Spitzfußstellung nach ärztlicher Vorgabe. Während der Fuß nur teilbelastet werden kann sollte eine Thromboseprophylaxe erfolgen.

Im Anschluss hilft eine Physiotherapie, den verkürzten Wadenmuskel und die eingesteiften Gelenke des Beines wieder in Gang zu bekommen.

Welches Therapieverfahren im Einzelfall das geeignetere ist, und welche Komplikationen und Nachteile die jeweilige Behandlungsmethode mit sich bringen kann, sollte individuell mit dem Orthopäden oder Unfallchirurgen besprochen werden. Auch werden Faktoren wie ein hohes Alter, Begleiterkrankungen und die individuelle sportliche Anforderung des Betroffenen bei der Wahl der Therapie berücksichtigt.

Der Arzt wird eine Empfehlung abgeben, ab wann der Fuß wieder voll belastbar ist. Spätestens nach einem halben Jahr kann der Patient nach einer Achillessehnen-Operation üblicherweise wieder Sport treiben. Nach einer verheilten Achillessehnenruptur könne alle Belastungen wieder wie zuvor ausgeübt werden. Eine weitere Schonung aus Angst vor einem erneuten Riss ist nicht sinnvoll.

Achillessehnenriss: Wie kann man das Risiko senken?

Den normalen Verschleiß- und Abnutzungsprozessen der Achillessehne lässt sich nicht vorbeugen. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, das allgemeine Verletzungsrisiko zu senken:

  • Nicht überlasten, nach Sport oder Anstrengungen für Erholungsphasen sorgen
  • Regelmäßiger, moderater Sport ist günstiger als seltene Spitzenleistungen
  • Vor dem Training immer die Muskeln gut aufwärmen
  • Beim Sport die Belastung nur allmählich steigern
  • Auf gute, individuell passende Schuhe achten.

 

Beratender Experte

Dr. med. Martin Talke ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Rheumatologie mit Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Physikalische Therapie. Von 1980 bis 2012 war er in eigener orthopädischer Praxis in Berlin tätig. Seit 2013 arbeitet er in einem Medizinischen Versorgungszentrum in Berlin.

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie: Achillessehnenruptur (=Achillessehnenriss). Online: http://www.dgu-online.de/index.php?id=280 (Abgerufen am 19.02.2018)

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.