Was bringen Körperfettwaagen?

Viele Waagen können mehr, als bloß das Gewicht anzuzeigen. Sie berechnen zum Beispiel auch den Körperfettanteil. Die Messung hat aber Tücken
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 18.07.2016

Gewicht, Fettanteil, Muskelmasse: Körperanalysewaagen können angeblich einiges

Imago Stock & People/Blickwinkel

Haben Sie im Bad eine Waage stehen? Möglicherweise kann sie auch den Körperfettanteil messen und Sie haben das bereits ausprobiert. Vielleicht haben Sie sich auch gezielt eine Körperanalyse-Waage gekauft, weil Sie wissen möchten, aus wie viel Fett und Muskeln sich Ihr Organismus zusammensetzt.

Die Körperzusammensetzung zu bestimmen, ist nicht nur für Sportler und Gesundheitsbewusste interessant. Auch wer abnehmen möchte, dem kann die Messung helfen. Bleibt das Gewicht zum Beispiel trotz Sport und Ernährungsumstellung gleich, kann eine Körperfettwaage zeigen, ob dies eventuell an neu aufgebauter Muskelmasse liegt.

"Umgekehrt lässt sich auch erkennen, ob Sie nach einer Diät wirklich Fett oder nur Muskelmasse verloren haben", erklärt Michael Tuttor, Sportwissenschaftler und -therapeut am Institut für Sportmedizin des Klinikums Nürnberg. Letzteres sei gerade bei sogenannten Crash-Diäten häufig der Fall.

Wie funktionieren Körperfettwaagen?

Den Waagen liegt das sogenannte Bioimpedanz-Verfahren zugrunde: Dabei fließt ein schwacher, nicht spürbarer Strom durch den Körper. Da Fett schlechter leitet als Muskelmasse, ergeben sich unterschiedliche Widerstände, die das Gerät erfasst. Zusammen mit den Eingaben, die Sie zu Körpergewicht, Größe, Geschlecht und Alter gemacht haben, errechnet die Waage anhand einer Formel den Fettanteil im Körper.

Preiswerte Körperanalysewaagen haben jedoch meistens den Nachteil, dass sich die Messelektroden nur in der Waage befinden und deshalb lediglich mit den Füßen in Kontakt kommen. Der Strom fließt so durch die Beine und die Leistenregion. Aber das Fett, dass sich oberhalb der Beine befindet – etwa am Bauch – wird nicht erfasst. "Sie können damit keine genaue Aussage über die Körperzusammensetzung treffen", sagt Tuttor. Auch Stiftung Warentest bemängelte in einem Test zu Personenwaagen, dass diese bei der Körperfettanalyse teils große Messfehler aufwiesen.

Exaktere Angaben liefern Körperfettwaagen, wenn sie mit mehr Elektroden ausgestattet sind. Befinden sich Sensoren an den Füßen und an den Händen, wird das Fett an den Beinen, aber auch am Oberkörper erfasst. Doch auch hier kann es zu Ungenauigkeiten kommen, wenn beispielsweise das Bauchfett unzureichend einberechnet wird.

Das verfälscht die Ergebnisse

Zudem beeinflussen verschiedenste Faktoren die Genauigkeit des Messergebnisses beziehungsweise verfälschen es. So können nasse Füße, eine volle Blase, das unverdaute Müsli im Magen, Feuchtigkeitscremes die Werte verändern. Eine weitere Tücke: "Je nachdem, mit welcher Formel das Gerät die Körperzusammensetzung errechnet, kann der ermittelte Fettanteil vom tatsächlichen Fettgehalt im Organismus abweichen", meint Experte Tuttor. Dies kann der Fall sein, wenn Ihre Körperproportionen nicht mit der Sollfigur der Formel übereinstimmen. Eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt darüber hinaus: Bei schlanken Menschen wird die Fettmasse im Körper eher unterschätzt, bei Übergewichtigen zeigt die Waage eher zuviel Fett an.

Untersuchung beim Sportmediziner ist genauer

Wenn Sie genau wissen möchten, wie viel Fett und Muskeln im Körper prozentual vorkommen, sollten Sie sich an einen Sportmediziner wenden. Zwar nutzen auch Sportarztpraxen häufig die Bioimpedanzanalyse. Das geschulte Personal weiß jedoch, wie sich störende Einflüsse minimieren lassen und messen oft mit acht Elektroden, die sie an verschiedenen Körperstellen anbringen. Wichtig: Zum Teil kommt auch die sogenannte DXA-Methode zum Einsatz. Sie liefert genaue Ergebnisse, ist aber eine Röntgenuntersuchung und geht daher mit einer kleinen Strahlenbelastung einher. Für Kinder, Jugendliche und schwangere Frauen kommt sie nicht infrage.

Lassen Sie sich deshalb im Vorfeld auf jeden Fall vom Arzt beraten, welches Verfahren er einsetzt, welche Kosten auf Sie zukommen und welche Nachteile es eventuell gibt. Nach der Messung sollte ein Gespräch stattfinden, in dem geklärt wird, was die Werte für Sie bedeuten. Möchten Sie den Körperfettanteil auf Dauer im Blick haben, müssen Sie entweder in regelmäßigen Abständen den Sportmediziner aufsuchen. Oder Sie legen sich eine hochwertige Körperanalysewaage mit Hand- und Fußelektroden zu, die aber schnell mehrere hundert Euro kosten kann. Suchen Sie dafür am besten ein Sanitätshaus oder Sportfachgeschäft auf.

Hinweis: Wer einen Herzschrittmacher trägt, Metallplatten im Körper hat, schwanger ist oder künstliche Gelenke hat, sollte vorher mit dem Arzt klären, ob die Körperfettwaage benutzt werden darf.

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