Abnehmen: Nahrungsmittel als Fatburner?

Ananas, grüner Tee, Chili: Solche Lebensmittel regen angeblich die Fettverbrennung an. Unsere Experten bezweifeln dies und sagen, was wirklich hilft
von Dr. Martina Melzer, aktualisiert am 06.06.2017

Mit Ananas Fett verbrennen? Davon halten Experten wenig

iStock/ariwasabi

Essen und dabei Fett verbrennen? Das klingt nach einem Wunschtraum. Sogenannte Fatburner sollen es können: Bestimmte Lebensmittel, die mit ihren Inhaltsstoffen angeblich Stoffwechsel und Fettverbrennung ankurbeln und dadurch das Abnehmen erleichtern. Angepriesen werden unter anderem Enzyme im Obst sowie Tee, Kaffee, scharfe Gewürze und das in Fleisch und Milchprodukten enthaltene L-Carnitin.

Ananas, Papaya, Kiwi: Fruchtige Fatburner durch Enzyme?

Enzyme, die in Früchten wie Ananas, Papaya und Kiwi vorkommen, sollen den Fettabbau anregen. Sie kamen in den 1920er-Jahren in Mode, als Hollywood-Schauspielerinnen damit in kürzester Zeit stark abnehmen wollten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hält die Enzyme für unwirksam. Dr. Matthias Riedl, Ernährungsmediziner und Diabetologe aus Hamburg, erklärt: "Enzyme sind Eiweiße, die im Magen gespalten werden." Das heißt, bevor sie theoretisch in die Fettverbrennung eingreifen können, werden die Enzyme aus dem Obst inaktiviert. Der Experte ergänzt: "In Früchten wie Ananas und Kiwi kommen schnell verdauliche Kohlenhydrate vor." Sie lassen den Blutzuckerspiegel relativ rasch in die Höhe schnellen und sättigen nur kurze Zeit. Zusätzlich zur normalen Kost genossen, liefern die Früchte also weitere Kalorien. Wer das Obst in großen Mengen zu sich nimmt, könne seinem Gewicht daher eher schaden, meint Riedl.

Tee und Kaffee: Wachmacher und Schlankmacher?

Grüner Tee, Mate-, Lapacho- und Pu-Erh-Tee werden hin und wieder als "Fettkiller" beworben – ebenso wie Kaffee. Angeblich regen die Inhaltsstoffe die Wärmebildung im Körper an, erhöhen den Energieverbrauch und beschleunigen den Fettabbau. Diverse Forscher haben sich des Themas angenommen: Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass Stoffe wie Koffein und Gerbstoffe aus grünem Tee die Fettverbrennung beeinflussen.

"Aber es sind nur Hinweise, wissenschaftliche Belege am Mensch fehlen bislang", erläutert Professor Andreas Pfeiffer, Internist an der Charité Berlin und Leiter der Abteilung Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. Die meisten Erkenntnisse stammen aus Laborexperimenten, Wissenschaftler haben zudem häufig Pflanzenextrakte oder isolierte Inhaltsstoffe in hoher Konzentration eingesetzt. Auch Ernährungsmediziner Riedl meint, dass "die Effekte minimal sind und man dafür sehr viel Kaffee oder Tee trinken müsste". Das wiederum ist nicht unbedingt gesund, denn Koffein kann ab einer bestimmten Menge zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Herzrasen und Zittern führen.

Scharfe Gewürze: Chili gegen Fettpolster?

Wer Chili isst, bekommt die Schärfe manchmal sofort zu spüren: Der Gaumen brennt, die Augen tränen, ein Hitzegefühl durchdringt den Körper. Verantwortlich dafür sind Scharfstoffe, vor allem Capsaicin. Durch den wärmenden Effekt soll die Substanz den Energieverbrauch steigern und den Fettabbau befördern. Riedl macht wenig Hoffnung: "Scharfe Gewürze regen die Verdauung an, nicht jedoch die Fettverbrennung." Auch Pfeiffer meint, dass "die kurze Wärmewirkung praktisch keinen Einfluss auf den Energieverbrauch" hat.

L-Carnitin: Mehr Muskeln, weniger Fett?

L-Carnitin besteht aus Aminosäuren und findet sich in Lebensmitteln wie Fleisch und Milchprodukten. Allerdings bildet der Körper die Substanz auch selbst und speichert sie unter anderem in Muskelgewebe. L-Carnitin spielt beim Abbau von Fetten eine Rolle. Daher stammt wohl die Annahme: Wer zusätzlich viel L-Carnitin mit dem Essen aufnimmt, regt die Fettverbrennung stärker an. "Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Beweise", sagt Riedl. Wie Untersuchungen zeigen, scheidet der Körper überschüssiges Carnitin wieder aus, anstatt es vermehrt einzulagern – daher bleibt die erhoffte Wirkung wohl aus.

Was regt wirklich die Fettverbrennung an?

Sport! Wer regelmäßig Sport treibt, verbrennt Kalorien, die sich der Körper aus Fett und Kohlenhydraten holt. "Insbesondere moderater Ausdauersport unterstützt den Fettabbau", rät Pfeiffer. Unter "moderat" verstehen Experten eine Belastungsintensität, die der Aktive als anstrengend empfindet, bei der er sich aber beispielsweise noch unterhalten kann. Außerdem bauen aktive Menschen mehr Muskelmasse auf und verbrauchen damit auch in Ruhe mehr Energie. Wer abnehmen will, muss gleichzeitig auf eine ausgewogene Ernährung achten.

Wichtig: Wer an chronischen Krankheiten leidet, neu oder nach längerer Zeit wieder mit Sport beginnt, sollte sich vor dem ersten Training vom Arzt durchchecken lassen.

Unsere Experten:

Professor Andreas Pfeiffer

W&B/Charité/CBF

 

Professor Andreas Pfeiffer, Direktor der Medizinischen Klinik für Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin an der Charité Berlin

Dr. Matthias Riedl, Diabetologe, Ernährungsmediziner und Internist

Dr. Matthias Riedl

W&B/Privat

 

Dr. Matthias Riedl, Ernährungsmediziner, Leiter einer Praxis mit Schwerpunkt Diabetes und Ernährungsmedizin in Hamburg


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