Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) – Therapie

Bei einer schnell fortschreitenden feuchten Makuladegeneration kann eine Anti-VEGF-Therapie die Krankheit aufhalten und das Sehvermögen verbessern

aktualisiert am 30.08.2017

Leider lässt sich die Makuladegeneration bis heute noch nicht heilen, häufig aber aufhalten


Trockene Makuladegeneration: Vor allem gesund leben

Bei der trockenen AMD geht es mangels wirkungsvoller Behandlungsmöglichkeiten vor allem darum, beeinflussbare Risikofaktoren auszuschalten, also gesund zu leben. Dazu gehört zum einen, sich regelmäßig zu bewegen. Das aktiviert nicht nur den Kreislauf, sondern hilft auch, den Blutdruck, die Blutfettwerte und das Gewicht möglichst im Normalbereich zu halten.

Zum anderen geht es um eine gesunde Ernährung. Dabei soll vitaminreiche Frischkost im Vordergrund stehen (siehe auch Kapitel "Tipps für gesunde Augen"). Präparate mit Vitamin C (500 mg), Vitamin E (400 IU; IU = Internationale Einheiten), Zinkoxid (80 mg), Kupferoxid (2 mg) und Beta-Carotin (15 mg) können einer Studie zufolge (AREDS) dazu beitragen, das Risiko für das Fortschreiten einer AMD zu senken. Die hohen Dosierungen sind über die Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel nicht zu erzielen.

Die "AREDS-Kombination" kann für Patienten infrage kommen, die ein besonders hohes Risiko für das Fortschreiten einer trockenen Makuladegeneration haben. Zum Beispiel dann, wenn jemand bereits an beiden Augen an mittelschwerer trockener AMD erkrankt ist oder wenn er eine fortgeschrittene trockene oder feuchte AMD eines Auges hat. Regelmäßige Überprüfung des zentralen Sehens mit dem Amsler-Gitter-Test (siehe Kapitel "Makuladegeneration – Früherkennung") und Kontrollen beim Augenarzt können zu erkennen geben, ob Gefahr des Fortschreitens besteht und eine Therapie notwendig erscheint. Ihr Augenarzt wird Sie dazu und zu geeigneten Präparaten beraten.

Raucher und Ex-Raucher sollen allerdings Präparate mit Beta-Carotin nicht einnehmen, da es das Risiko für Lungenkrebs bei ihnen erhöhen kann. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt Nichtrauchern im Übrigen, eine Supplementierung mit Beta-Carotin auf 2 Milligramm täglich zu begrenzen. Bei Rauchern kann Beta-Carotin zum Beispiel gegen Lutein ausgetauscht werden. Ohnehin ist Rauchen bei AMD eigentlich tabu, insbesondere natürlich dann, wenn das Risiko für eine altersbedingte Makuladegeneration in der Familie erhöht ist.

In einer Folgestudie (AREDS 2) wurde geprüft, ob Omega-3-Fettsäuren (Docosahexaensäure (DHA) plus Eicosapentaensäure (EPA)) und / oder Lutein plus Zeaxanthin zusätzlich zur Einnahme der oben genannten "AREDS-Kombination" die Entwicklung einer fortgeschrittenen AMD günstig beeinflussen können. Im Ergebnis ließen sich keine Unterschiede feststellen; für Lutein und Zeaxanthin bestätigte sich, dass sie als geeignete Alternativen zu Beta-Carotin infrage kommen.

Feuchte Makuladegeneration: Anti-VEGF-Therapie kann helfen

Spezielle Behandlungswege können, rechtzeitig angewandt, die Augenerkrankung aufhalten oder verlangsamen. Eine Heilung ist leider noch nicht möglich. An erster Stelle steht heute die Hemmung der Gefäßneubildung, die sogenannte Anti-VEGF-Therapie.

Hemmung der Gefäßneubildung: Der Botenstoff VEGF (Abkürzung für engl. vascular endothelial growth factor, auf Deutsch: Gefäßendothel-Wachstumsfaktor) lässt Blutgefäße wachsen. Bei der feuchten AMD ist der Wachstumsfaktor dafür verantwortlich, dass neue Gefäße bis zur Netzhautmitte vordringen. Durch Einrisse in diesen neuen, weniger stabilen Gefäßen entstehen Blutungen, welche die Makula schädigen. VEGF-Hemmstoffe  können das Gefäßwachstum stoppen und eine Vernarbung der Gefäße herbeiführen. Die Schwellungen trocknen aus. Die Medikamente werden wiederholt direkt in den Glaskörperraum gespritzt. Zunächst erfolgen drei Injektionen in jeweils monatlichen Abständen. Einen Monat danach beurteilt der Augenarzt anhand von monatlichen Kontrolluntersuchungen, ob die Maßnahme erfolgreich ist und die Therapie zeitweise ausgesetzt werden kann oder wiederaufgenommen werden sollte. Der Augenarzt wird entscheiden, welcher Arzneistoff sich individuell zur Behandlung am besten eignet.

Weitere Optionen begrenzt

Operation: Eine chirurgische Behandlung kommt zum Beispiel bei größeren Blutungen unter der Netzhaut in Betracht. Dabei wird eine Netzhaut-Glaskörperoperation (eine sogenannte pars plana Vitrektomie) durchgeführt. Zunächst entfernt der Operateur den Glaskörper. Dann schneidet er die Netzhaut in der Nähe der Blutung ein (Retinotomie) und saugt das Blut mit einem speziellen Instrument ab. Ist die Blutung nur wenige Tage alt, lässt sich das Blut einerseits gut absaugen. Andererseits besteht jedoch eine große Gefahr der massiven Blutung während der Operation. Ist bereits ein fester Blutpfropf entstanden, so wird dieser mitsamt der neu gebildeten Gefäße durch den Einschnitt in der Netzhaut entfernt. Dabei kann es ebenfalls zu starken Blutungen kommen. Schließlich wird das Auge mit einem künstlichen Glaskörper (Silikonöl) gefüllt. Die Operation ist außerordentlich komplex und vor allem wegen der möglichen Blutung während oder nach dem Eingriff mit großen Risiken verbunden. Blutverdünnende Medikamente müssen vorher unbedingt – und in Absprache mit dem behandelnden Arzt – abgesetzt werden. Die Aussichten auf eine Verbesserung der Sehschärfe sind sehr begrenzt.

Experimentelle Verfahren: Neue Therapieansätze wie Bestrahlungsbehandlungen, Implantate mit speziellen Wirkstoffen oder die Transplantation von Pigmentepithel- oder Netzhautzellen sind noch als experimentell anzusehen.

Nützliche Lesehilfen

Professionell angepasste Lesehilfen, die eine deutliche Vergrößerung des Bildes auf der Netzhaut ermöglichen, können Betroffenen mit trockener oder feuchter AMD wieder zum Sehen im Nahbereich und damit zum Lesen, Schreiben oder Verrichten von Arbeiten verhelfen. Dabei macht man sich die noch intakten Bereiche um die Netzhautmitte herum und zum Rand hin – also das äußere Gesichtsfeld – zunutze. Je stärker die Vergrößerung ist, desto kleiner wird allerdings der Bildausschnitt. Daher bedarf es beim Umgang mit solchen Mitteln einer gewissen Übungsphase, Geduld und auch Geschick.

Infrage kommen verstärkte Lesebrillen, spezielle Brillen (Lupenbrillen beziehungsweise Fernrohr-Lupenbrillen), Vergrößerungslupen (auch mobile Taschenleuchtlupen mit Batterie oder Akku), Fernrohre (Monokulare zum besseren Erkennen entfernter Objekte im Innenraumbereich, zum Beispiel im Fernsehen) oder auch elektronische Hilfsmittel wie Sprachcomputer und Bildschirm-Lesegeräte. Lesegeräte sind relativ große Apparate und technisch (auch lesetechnisch!) gewöhnungsbedürftig. Ausgesprochenen Leseratten, die anders wirklich keine Lebensfreude mehr haben, ist damit natürlich viel geholfen.