Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) – Diagnose

Der Augenarzt kann bei Sehstörungen und anderen Augenbeschwerden durch gezielte Untersuchungen eine präzise Diagnose stellen

aktualisiert am 30.08.2017
Augenuntesuchung

Untersuchung an der Spaltlampe


Erstuntersuchung

Die empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen beim Augenarzt dienen zum einen dazu, die Sehschärfe zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. Außerdem lassen sich eventuelle Augenbeschwerden oder Sehstörungen richtig einordnen. Natürlich sollten auch bislang unentdeckte Augenerkrankungen – wie die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) – erkannt werden. Dann wird der Augenarzt prüfen, welche Therapie geeignet ist, um das Sehvermögen bestmöglich zu erhalten oder zu verbessern, und diese zügig starten.

Bei der ersten Untersuchung erhebt der Augenarzt normalerweise auch die Krankengeschichte (Anamnese), soweit sie für die Augen wichtig ist. Klagt der Patient über Verzerrtsehen (Metamorphopsie), wird der Amsler-Gitterlinien-Test (siehe nachfolgendes Bild und Vorlage für den Selbsttest im Kapitel "Makuladegeneration – Früherkennung") durchgeführt.

Amsler-Test bei Makulaerkrankung

Sehkraft-Check

Ist der Test unauffällig, wird der Augenarzt eine gründliche Prüfung der Sehschärfe vornehmen. Mithilfe von Sehproben-Tafeln geht das recht schnell. Dabei muss man – Auge für Auge separat – schwarze Zahlen oder Buchstaben ablesen, die in verschiedenen Größen auf einem weißen Hintergrund abgebildet sind. Um jedoch die Sehschärfe für die Ferne und die Nähe genau zu ermitteln und die richtigen Korrekturgläser zu bestimmen, setzt der Augenarzt ein spezielles Gerät ein, den Phoropter. Der Patient schaut durch die Okulare des Gerätes und liest Zeichen (Buchstaben oder Zahlen) vor. Sind Zeichen ab einer bestimmten Größe nicht mehr erkennbar, kann der Arzt verschieden starke Korrekturgläser einschwenken, sodass der Patient die Zeichen wieder gut lesen kann. Die Brechwerte dieser Gläser entsprechen dem Korrekturbedarf der Augen. Eine Alternative zum Phoropter ist die Messbrille, mit der der Arzt ebenfalls unterschiedlich starke Gläser im Hinblick auf eine Verbesserung der Sehschärfe testen kann.

Ganz anders funktioniert das Refraktometer. Refraktometrie bedeutet Bestimmung der Brechkraft optischer Medien. Dabei kommt das Prinzip der Totalreflexion zum Tragen. Das Refraktometer sendet Lichtstrahlen ins Auge, die, von der Hornhaut und der Linse gebündelt, auf die Netzhaut treffen. Das Refraktometer registriert die Lichtbrechung und gibt an, welche Brillenstärke optimal ist, um im Fern- und Nahbereich wieder gut sehen zu können. Die Lichtbrechung im Auge kann hier ohne Zutun des Patienten gemessen werden. Er oder sie schaut dabei lediglich durch die Optik des Gerätes.

Wie auch immer: Mit dem passenden Glas erreicht man für die Nähe und Ferne die bestmögliche Sehschärfe, sofern die Sehstörung durch einen Brechungsfehler bedingt ist. Dementspechend resultieren die Werte (in Dioptrien) für die verordnete Brille. Nur zur Information: Sehschärfe "1,0" entspricht einem Sehvermögen von 100 Prozent.

Auge im Fokus

Vordere und mittlere Augenabschnitte

Untersuchung mit der Spaltlampe: Hierbei untersucht der Augenarzt die vorderen und mittleren Augenabschnitte des Patienten, also seine Augenlider, Bindehaut, Lederhaut, Hornhaut, Iris und Augenlinse: Alle diese Strukturen kann er wie durch ein Mikroskop vergrößert, also sehr genau, betrachten. Das Gerät – es befindet sich zwischen Arzt und Patient – entspricht einem Tischmikroskop, das mit einer starken Lichtquelle ausgestattet ist. Das Licht wird zu einem feinen Strahl gebündelt (orientierend: siehe Bild zu diesem Kapitel ganz oben).

Augenhintergrund

Netzhaut am Augenhintergrund

Nun zu den Untersuchungen, die dem Augenarzt ein genaues Bild von der Netzhaut liefern und damit im Hinblick auf eine mögliche Makuladegeneration von großer Bedeutung sind:

Spiegelung des Augenhintergrunds: Schon vor einer Seheinschränkung lassen sich Veränderungen in der Netzhaut einschließlich Makula und Sehnervenkopf durch die Spiegelung des Augenhintergrunds erkennen. Die Spiegelung ist zum Beispiel als sogenannte indirekte Ophthalmoskopie an der Spaltlampe möglich (zur Spaltlampe siehe oben). Die Pupillen werden vorher mit Augentropfen erweitert.

Fluoresceinangiografie: Ein Farbstoff (Fluorescein) wird in eine Armvene in der Ellenbeuge gespritzt. Der Farbstoff gelangt innerhalb von etwa 20 Sekunden in die Gefäße am Augenhintergrund. Unter blauem Licht leuchtet der Farbstoff. Gerade auch undichte oder krankhaft neu gebildete Blutgefäße lassen sich so erkennen. Die Füllung der Gefäße mit Farbstoff wird mit einer Kamera fotografiert, ebenso die Netzhaut. Die Pupille muss hierzu ebenfalls mit Augentropfen erweitert werden (dadurch kann das Sehen bis zu zwölf Stunden lang beeinträchtigt sein). Die Untersuchung dauert etwa 20 Minuten. Vorher befragt der Arzt den Patienten zu möglichen Allergien, unter anderem auf Jod.

Optische Kohärenz-Tomografie (OCT): Mit dem OCT-Gerät lässt sich die Dicke der Netzhaut bestimmen. Bei trockener AMD kann sie dünner, bei feuchter AMD dicker als normal sein. Der Arzt kann die Netzhaut in einzelnen Schnittbildern betrachten und dokumentieren. Die OCT ist schmerzfrei, berührungslos und dauert nur wenige Sekunden. Die Pupillen müssen allerdings auch hier durch Augentropfen erweitert werden. In der Regel sitzt der Patient vor dem Gerät und fixiert einen bestimmten Leuchtpunkt, während ein ungefährlicher Lichtstrahl die nötigen Messungen vornimmt. Da die Auflösung hoch ist (bis zu ein Mikrometer, ein Mikrometer entspricht einem Tausendstel Millimeter), kann der Arzt auch kleinste Veränderungen wie etwa Drusen im Rahmen der AMD sehen. Zum Vergleich: Die Dicke der Netzhaut beträgt etwa 250 bis 300 Mikrometer.

Ergänzende Techniken

Bei weiteren Auffälligkeiten wird der Augenarzt ergänzende Untersuchungen vorschlagen, etwa eine Gesichtsfeldmessung (Perimetrie), eine Fotografie der Papille (beziehungsweise des Sehnervs; herkömmlich mit einer Funduskamera) und eine Retina-Tomografie (HRT), bei der speziell der Sehnervenkopf mitttels unschädlichen Laserlichtes dreidimensional vermessen wird. Weil eine dickere oder dünnere Hornhaut die Messung des Augeninnendrucks verfälschen kann, schließt sich meist auch eine Ermittlung der Hornhautdicke (Pachymetrie) an. Der Augeninndruck wird je nach resultierender Hornhautdicke rechnerisch korrigiert. Der Augenarzt protokolliert beide Werte (den gemessenen wie den korrigierten Wert). 

Mit einem neuen Bildgebungssystem lässt sich die Netzhaut in einem weiten Bereich anhand eines hochauflösenden Bildes darstellen (Panoramafotografie). Zwei Laser scannen hier berührungsfrei die Netzhaut und erstellen ein digitales Weitwinkelbild. Die Pupillen müssen dazu nicht (bei der herkömmlichen Papillenfotografie allerdings auch nicht) mit Augentropfen erweitert werden. Abgesehen von der (medizinisch angezeigten) Gesichtsfelduntersuchung sind die hier genannten Untersuchungen einschließlich der inzwischen häufig eingesetzten OCT derzeit keine Kassenleistungen.

Merkmale der trockenen Makuladegeneration

Die trockene Makuladegeneration, häufigste Form der AMD, wird in drei Stadien eingeteilt:

  • Frühes Stadium:

Symptome fehlen. Der Arzt stellt mehrere kleine oder wenige mittelgroße Drusen am Augenhintergrund fest. Oder: Der Arzt findet bei einem Patienten mehrere mittelgroße oder einzelne große Drusen und auch Pigmentveränderungen am Augenhintergrund. Der Betroffene könnte darüber klagen, dass das, was er direkt anschaut, also die Mitte des Gesichtsfeldes, seit einiger Zeit unscharf ist, sodass ihm das Lesen schwerer fällt.

  • Mittleres und fortgeschrittenes Stadium:

Am Augenhintergrund zeigen sich viele, auch größere Drusen. Die Pigmentschicht und die darunter liegende Gefäßschicht der Netzhaut sind stellenweise ausgedünnt. Das Zentrum des Gesichtsfeldes ist teilweise ausgefallen beziehungsweise durch einen unterschiedlich großen Fleck überlagert, der die Sicht völlig behindern kann.

Makula-Degeneration

Kennzeichen der feuchten Makuladegeneration

Zwei Drittel der von fortgeschrittener Makuladegeneration Betroffenen haben die feuchte Form. Sie wird nicht in weitere Stadien eingeteilt, obwohl immer wieder auch hier von frühen Stadien gesprochen wird, in denen bestimmte Therapieverfahren noch sinnvoll eingesetzt werden können (siehe Kapitel "Makuladegeneration: Therapie"). Letztlich muss die feuchte Makuladegeneration aber immer als fortgeschritten eingestuft werden – einfach deshalb, weil sich der Schaden sehr schnell entwickelt. Bei der augenärztlichen Untersuchung zeigen sich im Makulabereich neu gebildete Gefäße, Blutungen, eine abgehobene (verdickte) oder eingerissene Pigment- oder Sinneszellschicht. Schließlich können auch Narben entstanden sein.