Schmerzen beim Sex – Ursachen bei Männern

Schmerzen beim Sex sind entmutigend. Wichtige Ursachen bei Männern: Vorhautverengung, Harnwegsinfekt, Probleme mit der Prostata. Was sonst noch eine Rolle spielt und was hilft
von Dr. med. Claudia Osthoff, aktualisiert am 26.05.2015

Schmerzen in innigsten Momenten: Das kennen auch Männer

Panthermedia/wavebrakemediamicro

Schmerzen beim Sex: Das betrifft auch Männer

Sexualität – die Begegnung zweier Partner auf intimste Weise – eint und trennt. Distanz entsteht zum Beispiel schnell, wenn bei einem von ihnen Orgasmusstörungen, Potenzprobleme oder auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr aufkommen. Das nennen Ärzte Dyspareunie.

Bei Frauen ist Dyspareunie zwar verbreiteter als bei Männern. Aber einigen von ihnen macht das Problem doch zu schaffen. Belastend sind nicht nur die Schmerzen selbst, sondern auch negative Auswirkungen auf die Potenz. In der Folge entstehen Versagensängste oder gar Depressionen, die wiederum das Sexualleben dämpfen können. Mit dem Arzt darüber zu sprechen, fällt Betroffenen häufig schwer. Ändert sich nichts, ist auch die Partnerin oder der Partner enttäuscht und frustriert. Das stört die Beziehung oft nachhaltig. Nur professioneller Rat kann jetzt helfen.

Schmerzen beim Sex frustriert oft beide Partner

Stockbyte/NIgel Riches

nach obenWann, wo und in welcher Form treten die Schmerzen auf?

Mit dem Intimverkehr verbundene Schmerzen zeigen sich in unterschiedlicher Form. Es gibt kleinere Störungen währenddessen oder danach, die bald wieder abklingen. Andere Beschwerden in der sensiblen Zone sind mehr oder weniger ständig vorhanden, also auch ohne Sex. Das heißt: Die Schmerzen sind mitunter nur ein Symptom von mehreren (siehe Abschnitt "Vielfältige Begleitsymptome" weiter unten).

Manche Schmerzsituationen können sogar zum Notfall werden, etwa wenn die Eichel von der zuvor zurückgestreiften engen Vorhaut abgeschnürt wird (Paraphimose), oder wenn es zum so genannten Penisbruch kommt.

Dass die Hoden hochempfindlich sind, ist völlig normal: Versehentlich unsanfte Berührungen, abrupter Druck oder gar eine Quetschung lösen sofort unerträgliche Schmerzen aus.

Kam ein Mann beim Sex nicht zum Orgasmus, kann es sein, dass er noch längere Zeit ein drückendes oder schmerzähnliches Gefühl in der Hodengegend verspürt, bis ein späterer Samenerguss Erleichterung bringt. Unmittelbar nach dem Orgasmus werden manchmal Missempfindungen im Intimbereich, ein Ziehen oder Kribbeln, verspürt. Manche Männer empfinden leichte Schmerzen im Kreuz. Das sind alles meist vorübergehende, harmlose Störungen.

Zu den wichtigen krankhaften Veränderungen, die den Sex schmerzhaft behindern und dem Sexualleben häufig einen Dämpfer versetzen, zählen zum Beispiel Entzündungen der Vorhaut und Vorhautverengungen. Wird die sensible Vorhaut mechanisch beansprucht, gezerrt, gedehnt, verursacht das prompt heftige, ziehende Schmerzen – umso mehr natürlich, wenn sie verengt oder entzündet ist.

Schmerzen im Dammbereich, also zwischen Hoden und Analgegend, erscheinen oft als dumpf, drückend oder bohrend. Dahinter kann zum Beispiel eine chronische Entzündung der Prostata stecken. Für eine Blasenentzündung sind neben Schmerzen beim Wasserlassen krampfartige Schmerzempfindungen vorne im Unterleib recht typisch. Wenn Männer wiederholt zu Blasenentzündungen neigen, kann das auch mit einer chronischen Entzündung der Prostata zusammenhängen. All diese Beschwerden verstärken sich häufig beim Intimverkehr.

Probleme an Gelenken, Hüft- oder Rückenschmerzen können natürlich ebenfalls die Sexualität belasten.

Mitunter liegt die Ursache von Sexualschmerzen auf der psychischen Ebene. So erkennen Ärzte bei einem Krankheitsbild wie dem chronischen männlichen Beckenschmerzsyndrom nicht selten einen seelischen Hintergrund. Die Beschwerden entsprechen oft Symptomen, wie sie bei bestimmten Formen der chronischen Prostataentzündung vorkommen (siehe dort).

Manche Männer leiden unter einer sogenannten Eichelphobie. Diese ist stark angstgeprägt. Mehr zu beiden Problemkreisen auch weiter unten im Abschnitt "Psyche".

Studie: Die Frage, ob sie beim Geschlechtsverkehr öfter Schmerzen haben, bejahen 3,4 Prozent der interviewten Personen. Insgesamt sind es 1,6 Prozent der Männer und 5,2 Prozent der Frauen.

Quelle: Eine repräsentative Umfrage des Gesundheitsmagazins "Apotheken Umschau", durchgeführt im Jahr 2012 von der GfK Marktforschung Nürnberg bei insgesamt 2112 Personen ab 16 Jahren



Vielfältige Begleitsymptome

Nicht immer sind Schmerzen beim Sex die einzigen Beschwerden, die den Betroffenen zu schaffen machen. Je nach Ursache der Problamatik können verschiedene Begleitsymptome dazukommen. Eine Infektion im Bereich der Harnwege oder Geschlechtsorgane beispielsweise macht sich häufig mit Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, Ausfluss, gelegentlich mit schmerzhaften Schwellungen im Hoden oder in der Leiste, manchmal auch mit Hautveränderungen bemerkbar. Im Urin tritt mitunter Blut auf. Hier kommen wiederum verschiedene Ursachen infrage, nachzulesen im Beitrag "Blut im Urin".

Scheuen Sie sich nicht, zum Arzt zu gehen

Thinkstock/Stockbyte

nach obenSchmerzen beim Sex: Wann sollte der Betroffene zum Arzt?

Die Regel lautet: Bei Schmerzen, welchen auch immer, Beschwerden beim Wasserlassen, Ausfluss, Blut im Urin oder Sperma, Fieber, Schüttelfrost, Hautveränderungen oder anderen Krankheitszeichen immer zum Arzt gehen.

Sie können sich zunächst an Ihren Hausarzt wenden. Fassen Sie Mut: Auch eine Störung wie Schmerzen "nur" beim Sex ist keine Lappalie, sondern ein Gespräch beim Arzt wert. Und wenn Sie den Eindruck haben, dass bei Ihnen seelisch etwas nicht stimmt, kann Ihr Arzt Ihnen ebenfalls wichtige Ratschläge geben.

Üblicherweise ist ein Urologe der richtige Ansprechpartner. Er kann eine Diagnose stellen und Sie meist behandeln. Oder er leitet Sie an einen anderen Arzt weiter, etwa einen Hautarzt (Dermatologe), eventuell auch einen Sexualmediziner. Leider gibt es diesbezüglich in Deutschland Versorgungslücken. Doch bieten manche Urologen mittlerweile psychosomatische Betreuung als zusätzliche Qualifikation an.

Labortests stützen die Diagnose

Stockbyte, PhotoDisc/ RYF

nach obenSchmerzen beim Sex: Diagnose bei Männern

Der Arzt macht sich zunächst ein genaues Bild vom Problem des Patienten. Dabei geht es um Fragen wie diese: In welchem zeitlichen Zusammenhang stehen die Schmerzen mit dem Sex? Wie äußern sie sich? Welche Beschwerden gibt es sonst noch? Sind frühere Erkrankungen, Operationen oder aktuelle Erkrankungen zu berücksichtigen? Hat die Partnerin Beschwerden im Intimbereich? Besteht eine Neigung zu Allergien?

Aus den Antworten leitet sich häufig schon eine erste Diagnose ab, die die weiteren Schritte vorgibt.

Nach einer orientierenden körperlichen Untersuchung des Patienten begutachtet der Arzt die äußeren Geschlechtsorgane, die Leistenregion und den Unterbauch. In der Regel tastet er auch die Prostata mit dem Finger über den Enddarm ab. Das ist die sogenannte rektal-digitale Untersuchung. Je nach vermuteter Diagnose schließen sich Laboranalysen des Urins, des Blutes, gegebenenfalls auch des Prostatasekretes und Spermas sowie ein Genitalabstrich an. Dabei geht es um den Nachweis von Entzündungszeichen und Erregern. Spezielle Analysen in dieser Richtung erfolgen im Labor.

Auf der nächsten Stufe stehen bestimmte Funktionstests und bildgebende Untersuchungen. Dabei geht es einmal um die Ausscheidungsfunktion der Harnorgane. Zum anderen gibt es spezielle Untersuchungen, um beispielsweise die Funktion der Schwellkörper zu überprüfen. Auskunft über die Gewebebeschaffenheit des Penis, der Prostata und Blase sowie von Hoden und Nieren geben Ultraschall-Untersuchungen. Eine Computertomografie oder Magnetresonanztomografie liefert detaillierte Einblicke in die Organe im unteren Becken, bleibt aber besonderen Fragen vorbehalten. Hautveränderungen beurteilt ein Dermatologe.

Psychotherapeuten arbeiten unter anderem mit psychologischen Tests und professionellen Gesprächstechniken.

nach obenÜberblick: Ursachen von Schmerzen beim Sex (Männer)

Viele Krankheitsentwicklungen können die Sexualität bei Männern schmerzhaft beeinträchtigen. Hier eine Übersicht über die wichtigsten Ursachen:

Äußere Geschlechtsorgane

Penis

  • Vorhautverengung (Phimose)
  • Zu kurzes Vorhautbändchen (Frenulum breve)
  • Entzündung der Vorhaut (Posthitis) / der Eichel (Balanitis) oder beides (Balanoposthitis)
  • Penis"bruch": Einriss des Schwellkörpers beim Sex oder Masturbieren
  • Penisverkrümmung
  • Verhärtung des Schwellkörpers (Induratio penis plastica (Ipp), Peyronie-Krankheit)
  • Sonderfall: Dauererektion (Priapismus)

Hauterkrankungen an den äußeren Geschlechtsorganen (siehe auch Posthitis, Balanitis)

  • Unverträglichkeits- und allergische Reaktionen
  • Lichen-Erkrankungen
  • Herpes genitalis (Infektion mit Herpes-simplex-Viren)

Harnwege

  • Entzündungen der Harnröhre (Urethritis)

Prostata

  • Chronische Entzündung der Prostata (Chronische Prostatitis; Sex kann bestehende Schmerzen verstärken)
  • Chronisches männliches Beckenschmerzsyndrom (siehe auch "Psyche")

Psyche

  • Eichelphobie
  • Chronische Beckenschmerzen und Psyche

Vorhautverengung (Phimose) beim Kleinkind (Schemazeichnung)

W&B/Jörg Neisel

nach obenPhimose: Wenn die Vorhaut klemmt

Lässt sich die Vorhaut nicht über die Eichel zurückschieben, liegt eine Phimose vor. Diese ist unvollständig, wenn das Zurückziehen nur beim versteiften Penis nicht geht, und vollständig, wenn es auch bei erschlafftem Glied unmöglich ist. Säuglinge haben oft eine natürliche, angeborene "Phimose": eine Verklebung zwischen Vorhaut und Eichel. Bis zum Alter von drei bis fünf Jahren, manchmal auch noch etwas später, löst sie sich meistens. Andernfalls ist eine echte (krankhafte) Phimose entstanden. Falls es infolge eines Urinstaus – sei es bei natürlicher, sei es bei krankhafter Phimose – zu Komplikationen wie fieberhaften Harnwegsinfektionen kommt, wird das Kind akut operiert, ansonsten ab drei Jahren oder spätestens vor Eintritt der Pubertät.

Vorhautverengungen bei Erwachsenen bestehen entweder ausnahmsweise noch aus den Kindertagen fort, oder sie sind eine krankhafte Neuentwicklung. In diesem Fall wird der Arzt unter anderem eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) ausschließen. Der Diabetes begünstigt eine Abwehrschwäche und somit Infektionen – auch im Bereich der Vorhaut und Eichel (Balanoposthitis, siehe unten). So kann es mit der Zeit zu einer Vorhautverengung kommen.

Eine zu enge Vorhaut behindert die Genitalhygiene. So entsteht ein Teufelskreis: Verklebungen und Narben durch Entzündungen lassen die Vorhaut schrumpfen. Auch die die Harnröhrenöffnung kann sich verformen. In den Schlupfwinkeln setzen sich wieder Bakterien fest, was erneut Infektionen und Entzündungen nach sich zieht und die Verengung verstärkt. Die Entzündungen können sich zudem ausdehnen: Das nächste Ziel sind Harnwege und Prostata. Schließlich kann eine chronische Entzündung am Penis auch krebsfördernd sein.

Verletzungen oder seltene Hautkrankheiten wie Lichen sclerosus (siehe Abschnitt "Hauterkrankungen an den äußeren Geschlechtsorganen") begünstigen in ähnlicher Weise eine Phimose.

Symptome: Die Beschwerden resultieren aus dem Grad der Verengung wie auch aus den Folgen, nämlich wiederholten Entzündungen sowie Behinderungen beim Wasserlassen und beim Sex. Oft ist bereits die Erektion des Gliedes mit Schmerzen verbunden. Geschlechtsverkehr ist dadurch nur eingeschränkt oder gar nicht möglich, denn die verengte Vorhaut lässt sich nicht oder nur unter Schmerzen zurückstreifen. Bei einer vollständigen Phimose ist die Harnröhrenöffnung verdeckt. Die Vorhaut bläht sich bei der Blasenentleerung auf, und der Urinstrahl ist dünn oder weicht zur Seite hin ab. Im Extremfall fließt der Urin nicht im Strahl, sondern kann nur tröpfchenweise austreten. Ein behinderter Urinabfluss führt häufig zu Entzündungen im Harntrakt und Genitalbereich: Es kommt leicht zu Entzündungen an der Penisspitze und Vorhaut. Dabei ist der Bereich um die Eichel gerötet, geschwollen und schmerzt. Außerdem treten Harnwegsinfektionen mit brennenden Schmerzen beim Wasserlassen auf.

Die Therapie richtet sich prinzipiell nach der Ursache und Ausprägung. Oft, etwa bei starker Verengung und Komplikationen, ist zusätzlich eine Beschneidung (Zirkumzision) oder ein plastisch-chirurgischer Eingriff notwendig. Hat ein kleiner Junge eine leichte Phimose, kann es den Versuch wert sein, die zurückgeschobene Vorhaut mit einer Kortisonsalbe zu behandeln. In etwa der Hälfte der Fälle haben die behandelnden Kinderurologen damit Erfolg. Nur sie können entscheiden, ob der Therapieversuch gerechtfertigt ist. Eine ausgeprägte Vorhautverengung bei

Ein Notfall namens Paraphimose ist eingetreten, wenn die verengte Vorhaut gewaltsam zurückgeschoben wird und sich nicht mehr nach vorne verlagern lässt. Sie schnürt die Eichel ab, diese schwillt durch den venösen Blutstau stark an und verfärbt sich bläulich rot – eine äußerst schmerzhafte und ernste Situation. Um schwere Gewebeschäden zu vermeiden, muss der Betroffene umgehend von einem Urologen behandelt werden.  Versagen konservative Handgriffe, ist ein kleiner Schnitt erforderlich, um die Vorhaut wieder vorzuschieben. Manchmal folgt noch eine Beschneidung.

Nicht immer lässt sich jedoch vermeiden, dass eine Phimose nach Beschneidung wieder neu auftritt, etwa durch Narben.

Über Ursachen, Diagnose und Therapien informiert Sie der Beitrag "Vorhautverengung (Phimose)" auf www.baby-und-familie.de genauer.

Wichtig: Eine Phimose erhöht das Risiko für Peniskrebs. Insbesondere sexuell aktiven Männen mit Vorhautverengung wird geraten, diese behandeln zu lassen. Der Krebs kann sich längere Zeit unter der Vorhaut verbergen und muss anfangs keine Schmerzen bereiten. Hautveränderungen, die leicht bluten und nicht abheilen, kleine Geschwüre, Knötchen oder Verhärtungen im Bereich der Eichel und Vorhaut oder auffallende Sekretabsonderungen sollten Sie immer vom Urologen oder Hautarzt abklären lassen.

Die gute Nachricht: Sorgfältige, aber nicht übertriebene Intimhygiene kann bestimmten Formen von Peniskrebs vorbeugen – vermutlich, indem weniger Infektionen auftreten. Das Smegma an sich spielt wohl keine direkte Rolle. Viel bedeutsamer sind Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV). In den USA zum Beispiel werden nicht nur Mädchen, wie derzeit bei uns, sondern auch Jungen dagegen geimpft.

Wie auch immer: Talg und Sekret – das Smegma – welches sich zwischen Eichel und Vorhaut ansammelt, immer sorgfältig entfernen. Dazu Penis und Eichel täglich und auch vor dem Sex gründlich mit warmem Wasser, nicht aber Seife, reinigen. Vorhaut dabei zurückschieben.
Mehr dazu unter: "Intimpflege für Sie und Ihn".

Kurzes Vorhautbändchen (Frenulum breve)

Das Vorhautbändchen befindet sich vorne unten am Penis, zwischen der inneren Penisvorhaut (dem inneren Vorhautblatt) und der Eichelunterseite: eine wichtige erogene Zone.
Ursachen: Das Bändchen kann von Geburt an zu kurz angelegt sein – eventuell zusammen mit einer Vorhautverengung. Daneben gibt es noch umfassendere anlagebedingte Störungen. Auch durch wiederholte Entzündungen kann sich das Bändchen verkürzt haben, insofern auch Folge der Verengung sein.
Symptome: Die Vorhaut lässt sich nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten zurückziehen. Möglicherweise knickt die Eichel im Zustand der Erektion nach unten ab, der Penis verkrümmt sich also deutlich. Masturbieren oder Sex verursachen häufig Schmerzen. Bei zu starker Beanspruchung kann das Bändchen einreißen und bluten.
Therapie: Der Urologe kann das Bändchen in einem kleinen Eingriff durchtrennen, es entfernen oder mittels Hautplastik (Eigenhaut) verlängern. Bei gleichzeitiger Phimose löst eine Beschneidung, also eine Zirkumzision, beide Probleme im selben Schritt.

nach obenEntzündung von Vorhaut und Eichel: Posthitis und Balanitis

Eine Vorhautentzündung betrifft die innere Penisvorhaut und meist auch die Eichel. Dann heißt die Erkrankung Balanoposthitis.
Ursachen: Zum einen sind Vorhautentzündungen bei kleinen Jungen mit natürlicher Phimose keine Seltenheit, wobei Phimosen – dann als krankhafte Form – auch im Erwachsenenalter Probleme bereiten können (siehe oben). Zum anderen sind sexuell aktive Männer betroffen, denn Vorhautentzündungen entstehen häufig durch sexuell übertragene Infektionen, etwa mit Bakterien wie Chlamydien, Gonokokken und bestimmten Herpesviren (Herpes simplex; mehr dazu in einem eigenen Abschnitt weiter unten). Dabei kann es auch zu gegenseitigen Infektionen der Sexualpartner kommen, dem sogenannten Ping-Pong-Effekt.
Eine große Rolle spielen unzureichende oder übertriebene Reinigungsprozeduren. Auch eine geschwächte Widerstandskraft der Haut oder mechanischer Stress beim Sex sind Risikofaktoren. In all diesen Fällen können nicht infektionsbedingte Entzündungen vorne am Glied auftreten (Ekzem-Balanitis). Dazu gehören außerdem seborrhoische und allergische Reaktionen an der Eichelhaut.
Eine besondere Form der Eichelentzündung kommt im Rahmen des sogenannten Reiter-Syndroms vor (Balanitis circinata, siehe auch weiter unten unter "Harnröhrenentzündung").
Häufiger mit einer Balanitis zu tun haben Diabetiker, meistens in Form einer Pilzinfektion (Candida). Auch Infektionen mit Bakterien spielen eine Rolle (infektionsbedingte Balanitis).
Sodann begünstigen verschiedene Hautkrankheiten Vorhautentzündungen, darunter sogenannte Lichen-Erkrankungen (Lichen planus und Lichen sclerosus, zu Letzterem noch weitere Informationen weiter unten).
Manchmal steckt eine Arzneimittelreaktion dahinter.
Eine spezielle Form der Balanitis ist die Zoon-Krankheit (Plasmazell-Balanitis) bei älteren Männern.
Auch gibt es Entzündungen unbekannter Ursache (unspezifische Balanitis) und schließlich entzündliche Veränderungen, die als Krebsvorstufen gelten.

Symptome: Typische Anzeichen einer Vorhaut- oder Eichelentzündung sind Rötungen im jeweiligen Bereich sowie Schmerzen oder Jucken vorne am Penis. Die entzündete Zone kann auch anschwellen, und es kann unmöglich sein, die Vorhaut zurückzuziehen. Manche Betroffenen empfinden zudem in der Harnröhre brennende Schmerzen. Die Beschwerden können sich beim Sex verstärken oder ihn verhindern, besonders wenn auch Ausfluss auftritt. Je nach Ursache ist dieser sehr unterschiedlich beschaffen, manchmal übel riechend.
Bei der Reiter-Krankheit (der Name gilt inzwischen als veraltet, ist aber noch in Umlauf) können neben krankhaften Veränderungen an anderen Körperstellen im Bereich der Vorhaut und Eichel fleckartige, etwas zerlappte, weißlich-rötliche Hautveränderungen, ähnlich einer Schuppenflechte, auftreten. Auch die Schuppenflechte selbst kann sich als Balanitis zeigen.

Diagnose: Krankengeschichte und Krankheitsbild geben schon wichtige Hinweise, ein Erregernachweis in einem Abstrich festigt die Diagnose. So lassen sich Bakterien, Pilze oder Viren als Auslöser akuter Eichel- und Vorhautentzündungen durch spezielle labormedizinische Methoden identifizieren.
Manchmal sind spezielle Haut-, Blut- und Urintests angezeigt.
Hautveränderungen, etwa Flecken, Schrumpfungen oder schlecht abheilende Wunden sollte immer ein Hautarzt beurteilen.
Bei entsprechendem Verdacht sollte ein Diabetes ausgeschlossen werden.
Die Untersuchung einer kleinen Gewebeprobe aus der Haut findet statt, wenn es auf die feingewebliche Diagnose ankommt.

Therapie: Begünstigende Grunderkrankungen, etwa ein Diabetes oder eine Hauterkrankung, behandelt der zuständige Facharzt. Eine überlagernde Infektion, etwa mit Pilzen, kann sich so schon bessern. Ein Übriges tun örtlich aufgetragene Salben mit bakterien- oder pilztötenden Stoffen. Bei ausgeprägten Befunden verordnet der Arzt sie auch als Tabletten zum Einnehmen.
Nicht infektiöse Entzündungen lassen sich häufig mit Kortisonsalben unterschiedlicher Wirkstärken in den Griff bekommen. Wiederholte Entzündungen bedürfen der genaueren Kontrolle; sie zählen auch zu den möglichen Indikationen für eine Beschneidung und / oder einen korrigierenden Eingriff an der Harnröhre.
Bei Krebsvorstufen wird das Gewebe meist mittels Laser oder chirurgisch entfernt.

Wichtig: Um bei einer Genitalinfektion Ping-Pong-Effekte (siehe oben) auszuschalten, sollte sich der / die Geschlechtspartner/in, auch wenn er /sie beschwerdefrei ist, ebenfalls vom Facharzt untersuchen und bei Bedarf behandeln lassen.

Weitere Informationen im Ratgeber "Balanitis: Entzündung der Eichel".

Vorsicht: Einrissgefahr am Penis (Penisbruch, Penisruptur, Penisfraktur)

Wird der erigierte Penis zu sehr strapaziert, kann die Bindegewebshülle des Schwellkörpers reißen. Die Bezeichnung Bruch ist da eigentlich irreführend, aber durchaus üblich. Krankengeschichten lassen erkennen, dass diese Verletzung des Gliedes mitunter die Folge von Versuchen ist, eine Erektion durch Manipulationen wie beispielsweise starkes Verbiegen zu unterbrechen.
Symptome: Das Ereignis ist von einem auffallenden Geräusch, fast wie ein Knall, und starken Schmerzen begleitet. Durch den Riss weist der Penis einen deutlich sichtbaren Knick auf. Meist entwickelt sich rasch ein starker Bluterguss.
Die Verletzung muss zügig operiert werden. Sonst droht eine Erektionsstörung.

nach obenPenisverkrümmung

Kerzengerade ist ein erigierter Penis eigentlich nie. Verkrümmungen sind vor allem dann problematisch, wenn sie die Erektion beziehungsweise den Geschlechtsakt mechanisch oder wegen Schmerzen behindern.
Ursachen: Eine Penis-Verkrümmung kann angeboren sein oder im Laufe des Lebens auftreten. Im zweiten Fall entsteht sie manchmal nach Verletzungen einschließlich Penis"bruch", selten durch eine Krebserkrankung des Penis oder durch Vernarbungen nach einem Eingriff an der Harnröhre. Eine weitere wichtige Ursache ist die sogenannte Induratio penis plastica. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Angeborene Verkrümmungen zeigen sich meistens ab der Pubertät. Sie können mit Anomalien des Schwellkörpers, einem zu kurzen Vorhautbändchen und einer zu kurzen Harnröhre verbunden sein.
Diagnose, Therapie: Holen Sie sich bei Beschwerden, oder wenn Sie sich verunsichert fühlen, fachlichen Rat beim Urologen – er kann am besten beurteilen, ob ein krankhafter Befund vorliegt und wenn ja, welche Therapie empfehlenswert ist.

nach obenPenisverhärtung: Induratio penis plastica (Ipp) oder Peyronie-Krankheit

Betroffene beschreiben die bei dieser Erkrankung auftretenden Veränderungen am Penis als Platte, Schwellung, Narbe oder Knoten unter der Haut. Häufiger kursiert tatsächlich auch der Begriff Induration. Die Bezeichnung Induratio penis plastica (kurz: IPP; weiterer Name der Krankheit: Penisfibromatose) bezieht sich auf eine Verhärtung der Schwellkörperwand. Das kommt gar nicht so selten vor: Etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Männer sind betroffen. Die Patienten sind meist über 50 Jahre alt, manche von ihnen haben auch mit Gewebeverhärtungen an anderen Körperstellen zu tun: an der Innenhand als sogenannte Dupuytren-Kontraktur, an der Fußsohle als Ledderhose-Krankheit, an der Schulter als chronische Schultersteife (engl. frozen shoulder). Jeweils verkürzen sich Bindegewebszüge, und es können Verkalkungen entstehen.

Die Ursachen der Peyronie-Krankheit sind unbekannt. Unter anderem werden genetische Faktoren und eine Bindgewebsstörung durch kleinste Verletzungen diskutert. Bei etwa fünf bis 15 Prozent der Betroffenen bildet sich die Krankheit zwar wieder zurück, meistens bleiben die Veränderungen am Glied jedoch bestehen, manchmal auch mit schubartigem Verlauf.
Symptome der IPP: Am Penis treten längliche, knotige Veränderungen auf, häufig an der Oberseite. Betroffene tasten sie mitunter selbst. Die Haut darüber ist unauffällig. Das ist zum Beispiel ein wichtiger Unterschied zum Peniskrebs, was natürlich im Einzelfall nur ein Arzt beurteilen kann. Im weiteren Verlauf schrumpft das Gewebe womöglich, was dazu führt, dass der Penis sich im erigierten Zustand verkrümmt. Besonders im akuten, Monate oder mehr als eineinhalb Jahre dauernden Frühstadium der IPP spüren die Männer Schmerzen beim Sex. In der chronischen Phase der Verkrümmung sind die Schmerzen meist verschwunden. Doch die Formabweichung belastet die Betroffenen nicht selten erheblich und verhindert teilweise die Erektion. Ist die Eichel mit einbezogen, kann es dort zu einem Taubheitsgefühl kommen. Auch das zieht mitunter eine Erektionsschwäche nach sich.

Die Diagnose ergibt sich in erster Linie aus dem klinischen Befund. Hinzukommt als bildgebendes Verfahren vor allem Ultraschall. Nur bei speziellen Fragestellungen ziehen Ärzte eine Magnetresonanztomografie (MRT) heran. Manchmal ist auch eine Gewebeentnahme (Biopsie) ratsam.

Zur Therapie setzen Ärzte im Anfangsstadium Medikamente wie zum Beispiel Kaliumparaaminobenzoat ein, außerdem ein Verfahren wie Iontophorese (Gleichstrom, der Arzneistoffe besser durch die Haut leitet), bei verkalkten Gewebevernarbungen auch Stoßwellen. Welche Medikamente anfangs sonst noch infrage kommen, welcher Zeitpunkt später der richtige für eine Operation ist und welche Art des Eingriffs letztlich sinnvoll erscheint, beurteilt am besten ein mit dem Krankheitsbild gut vertrauter Urologe.
Entscheidend sind das Ausmaß der Veränderungen einschließlich eventuell begleitender Erektionsstörung und der oft erhebliche Leidensdruck. Wenn die Erkrankung beispielsweise schon im zweiten Jahr besteht und sich über die letzten sechs Monate hinaus stabilisiert hat (keine Schmerzen, keine weitere Veränderung des Penis, eventuell Verkalkungen im Ultraschall sichtbar), kann eine plastisch-chirurgische Maßnahme angebracht sein. Sie korrigiert nur das Hauptsymptom, nicht aber die zugrunde liegende (unbekannte) Ursache.

Sonderfall: Dauererektion (Priapismus)

Bei einer Erektion wird der Penis größer, härter und richtet sich auf. Dazu muss vorübergehend genügend Blut in den Penisschwellkörper gelangen. Das ist ein an den Kreislauf angeschlossenes Gewebe mit befüllbaren kleinen Kammern. Unter Priapismus versteht man eine nicht durch sexuelle Erregung hervorgerufene, mindestens zwei Stunden anhaltende, schmerzhafte Versteifung des Penis. Bei der häufigsten Form staut sich das Blut im Schwellkörper (sogenannter Niedrigfluss- oder Low-flow-Priapismus, siehe unten, Absatz "Diagnose, Therapie"). Der Fachbegriff Priapismus stammt aus dem Griechischen: Priapos, Gott der Fruchtbarkeit.

Achtung, Notfall: Beim Priapismus muss zügig eine ärztliche Diagnose und Behandlung erfolgen, weil die Dauererektion den Schwellkörper unter Umständen schädigen und Erektionsstörungen zur Folge haben kann.

Heute nur noch zweite Wahl bei Impotenz: Selbstbehandlung mit Schwellkörperinjektionen (Schemazeichnung)

W&B/Jörg Neisel

Ursachen: Diese sind sehr unterschiedlich. Infrage kommen Medikamente wie einige Antidepressiva, etwa des Typs Serotoninwiederaufnahmehemmer, Schmerzmittel, Arzneien gegen Bluthochdruck wie sogenannte Alpha-Blocker, ferner bestimmte Mittel gegen Epilepsie. Alkohol und Drogen, zum Beispiel Kokain, können ebenfalls auslösend sein. Mitunter liegt eine Bluterkrankung wie Sichelzellanämie, Thalassämie oder Leukämie (kommt auch im Kindesalter vor) zugrunde. In der Folge kann sich auch die Blutgerinnung verändern und so den Blutfluss stören. Auch neurologische Krankheiten, Beckenbrüche, Verletzungen des Genitales oder verschiedene Tumoren, etwa der Prostata, kommen infrage. Häufig bleibt die Ursache unklar.

Mitunter gibt es eine Verbindung zum Sex: So kann eine Dauererektion bei der sogenannten SKAT auftreten. SKAT steht für Schwellkörperinjektion (genauer: Schwellkörperautoinjektionstherapie), ein Behandlungsverfahren bei Impotenz. Dabei spritzt sich der Mann mit einer feinen Nadel ein Medikament, üblicherweise ein sogenanntes Prostaglandin, in den Penisschwellkörper. Nach etwa zehn Minuten kommt es zur Erektion, die rund eine Stunde anhält. Nebenwirkungen sind unter anderem brennende Schmerzen und gelegentlich eben eine unerwünscht verlängerte Erektion. SKAT ist heute eine Reservetherapie für den Fall, dass Potenzmittel in Tablettenform nicht wirksam sind oder nicht eingenommen werden dürfen.

Diagnose, Therapie: Urologen unterscheiden beim Priapismus allgemein zwischen Formen mit vermehrtem Blutzufluss oder vermindertem Blutabfluss. Welche Störung des jeweils vorliegt, können eine Ultraschallunterschung und eine Blutentnahme aus dem Schwellkörper verraten. Richtungweisend für die genaue Diagnose sind Angaben zum Hergang der Beschwerden und zur Krankengeschichte, zur Einnahme von Medikamenten und eventuellem Drogengebrauch, sodann der körperliche Untersuchungsbefund und weitere Analysen, vor allem verschiedene Blutwerte.

Die erste, seltenere Form (High-flow-Priapismus) kann unter konservativer ärztlicher Hilfe wie örtlichen Kühlmaßnahmen und entzündungshemmenden Mitteln wieder abklingen. Selten, nämlich bei vermutetem Kurzschluss zwischen Schwellkörpergefäßen und der arteriellen Blutbahn, ist eine Kathetermaßnahme angezeigt. Damit lässt sich nicht nur der Kurzschluss als Ursache orten, sondern auch gleich beheben. Da es sich um einen Eingriff handelt, sind immer auch Risiken möglich, über die der Patient selbstverständlich aufgeklärt wird.

Bei den häufigeren Low-flow-Formen mit gestörtem Blutabfluss richtet sich die Behandlung nach der Ursache, soweit feststellbar. Medikamente können helfen, die Grunderkrankung zu beeinflussen und /oder die Blutzirkulation zu optimieren. Mutmaßlich auslösende Arzneimittel wird der Arzt gegebenfalls absetzen. Der Urologe kann außerdem Blut aus den Schwellkörpern abziehen oder den Blutabfluss operativ verbessern.

Unverträglichkeits- und allergische Reaktionen der Haut

Mitunter kommen beim Mann Hautreaktionen auf Veränderungen im Scheidenmilieu der Partnerin als Ursache für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr in Betracht. Bestandteile in Präparaten zur Intimpflege oder in Gleit- und Verhütungsmitteln können die Haut an der Eichel (siehe auch oben: Balanitis) oder am Penis reizen. Dann lohnt sich zunächst ein Auslassversuch bei diesen Produkten. Schutz bietet zudem ein Kondom. Gehen Sie zum Arzt, wenn die Hautprobleme nicht abklingen oder sich noch verstärken.

nach obenSeltene Hautentzündung: Lichen sclerosus

Lichen sclerosus ist eine seltene, entzündliche Hautkrankheit, die überall an der Haut auftreten kann. Bevorzugt zeigt sie sich im Genitalbereich, vor allem bei Frauen. Lichen bedeutet eigentlich kleines, flaches Knötchen; sclerosus steht für Verhärtung, besonders des Bindegewebes. Die Ursache ist unbekannt. Vermutlich spielen vorausgehende Schäden an den erkrankten Hautpartien eine Rolle. Auch Immunreaktionen sind mutmaßlich beteiligt. Einige Betroffene haben zugleich (andere) Autoimmunkrankheiten wie eine Schilddrüsenentzündung mit Unterfunktion oder Weißfleckenkrankheit (Vitiligo). Männer erkranken vergleichsweise selten. Bei betroffenen Jungen können sich die Veränderungen in der Pubertät bessern. Ohne Beschneidung ist das Risiko für Lichen sclerosus erhöht, da er häufig an der Vorhaut einschließlich Bändchen in Erscheinung tritt. Die Krankheit wird nicht durch Sex übertragen.
Symptome: An den erkrankten Hautstellen entwickeln sich zunächst kleine, weißliche Knötchen, die zu größeren Flecken zusammenfließen können. Die Haut – hier die Vorhaut – dünnt aus, kann feine "Runzeln" bilden, juckt, spannt und reißt leicht ein. Dann können Narben entstehen, welche die Vorhaut, seltener auch die Harnröhrenöffnung, verengen. Beim Geschlechtsverkehr führt das zu Schmerzen. Eine verengte Harnröhre kann die Ausscheidung des Urins behindern.
Die Diagnose stellt in der Regel der Hautarzt. Er lässt sie durch eine kleine Gewebeprobe (Hautbiopsie) sichern.
Therapie: Eine Salbenbehandlung der erkrankten Haut mit Kortison oder anderen Wirkstoffen sollte so früh wie möglich begonnen werden. Falls das nicht hilft, schlagen Ärzte Männern meist eine Beschneidung vor. Mitunter ist auch ein Eingriff an der Harnröhre notwendig, um den Harnfluss zu verbessern. Lichen sclerosus kann das Risiko für eine bestimmte Form von Hautkrebs etwas erhöhen. Daher sollten Betroffene sich etwa einmal jährlich vom behandelnden Arzt kontrollieren lassen.

nach obenLeidige Intiminfektion: Herpes genitalis

Herpes genitalis wird sexuell vermittelt. Auslöser sind mehrheitlich Herpesviren vom Typ Herpes-Simplex-Virus 2 (HSV 2), seltener Typ HSV 1, der hauptsächlich Lippenherpes verursacht. Die Erreger gelangen nach entsprechendem Partnerkontakt beziehungsweise Kontakt von gesunder zu infizierter Schleimhaut in den Körper und setzen sich dann ein Leben lang in nahe gelegenen Nerven fest. Allerdings macht die Infektion nicht immer Beschwerden: Während manche mehrmals im Jahr Symptome haben, erkranken andere seltener, geringfügig oder gar nicht und wissen auch nichts von ihrer Infektion. Dennoch können sie unter Umständen ansteckend sein. Immunschwäche, Hormonschwankungen, starke körperliche oder seelische Stressbelastungen begünstigen manchmal Rückfälle. Dann wird das Virus wieder aktiv und verursacht die lästigen Beschwerden (siehe nachfolgend). Im Wiederholungsfall wirkt sich das oft negativ auf das Sexualleben aus, was wiederum die Partnerschaft nachhaltig belasten kann.
Symptome: Zwei Tage bis zwei Wochen nach der Erstinfektion wird der Ausbruch der Erkrankung zunächst mit einem Kribbeln auf der Haut spürbar, etwa am Penis, am Hoden, Oberschenkel und im Analbereich. Dann ist auch der Intimkontakt schmerzhaft. Anschließend tritt an den befallenen Stellen eine rötliche Schwellung auf, die dann in schmerzhafte, juckende Bläschen übergeht. Sie reißen schließlich ein und hinterlassen kleine nässende Geschwüre, die verkrusten und abheilen – ein Prozess, der ein bis zwei Wochen oder länger dauern kann. Bei Frauen kommt es manchmal zu Schmerzen beim Wasserlassen (siehe unten: "Harnröhrenentzündung"), zu Bläschen und Geschwüren im inneren Genitalbereich und zu Ausfluss.
Zudem sind allgemeine Symptome wie Krankheitsgefühl, Gliederschmerzen, schmerzempfindlichen, leicht geschwollenen Lymphknoten in der Leiste und Fieber möglich.
Rückfälle verlaufen häufig kürzer, schwächer und meist ohne Allgemeinsymptome.
Tipps zur Vorbeugung: Die sehr infektiösen Hautbläschen nicht berühren und sich bei mutmaßlichem Kontakt stets sorgfältig die Hände waschen – auch, um zum Beispiel eine Infektion am Auge zu vermeiden. Solange Hauterscheinungen bestehen, Sexualkontakte möglichst ruhen lassen. Für Menschen, die gerade eine Herpes-genitalis-Infektion hatten, ist es ratsam, sich und den/die Partner/in in den ersten Monaten nach Abklingen der Erkrankung mit Kondomen zu schützen. Allerdings schirmen sie nur den bedeckten Hautbereich ab. Das bedeutet auch: Es ist wichtig, sich als Betroffener offen mit dem oder der Partner/in über den Sex und Infektionsschutz auszutauschen. Bei wechselnden Intimpartnern sind Kondome eigentlich immer empfehlenswert. Denn: Viele Menschen tragen das Virus in sich, ohne etwas davon zu wissen oder zu merken. Trotzdem kann es sich über die Schleimhäute weiter verbreiten. Treten verdächtige Beschwerden im Genitalbereich auf, sollte man zum Arzt gehen. Er wird die Betroffenen auch über die Möglichkeiten einer antiviralen Therapie und die Besonderheiten der Infektion informieren.

Risikofaktoren, Diagnose und Therapie beschreibt der Ratgeber "Herpes genitalis" ausführlicher.

nach obenHarnröhrenentzündung (Urethritis)

Harnröhren- und Blasenentzündungen machen zum Teil ähnliche Beschwerden. Daher sind sie nicht immer auf Anhieb voneinander zu unterscheiden. So erklärt sich, warum in dem Zusammenhang häufig von einem Harnwegsinfekt die Rede ist. Genau genommen gibt es aber doch Unterschiede. Sie beziehen sich zum Beispiel auf die Ursachen, und die erlauben wiederum gewisse Rückschlüsse auf den Ort der Infektion.

Ursachen: Zu einem Harnwegsinfekt kommt es einmal durch Erreger, die bei ungeschütztem Sex in die Harnröhre gelangen. Da Frauen eine deutlich kürzere Harnröhre haben, betrifft die Infektion bei ihnen vor allem die Blase. Bei Männern spielt sich das Geschehen meist in der Harnröhre ab. Beteiligt sind dann häufig Bakterien vom Typ Chlamydien, Gonokokken und Mykoplasmen, Viren wie Herpes simpelx (genitalis), außerdem Trichomonaden und Pilze.

Zum anderen begünstigt eine vergrößerte Prostata (gutartige Prostatatahyperplasie, BPH) Harnwegsinfekte bei Männern: Die BPH ist ein typisches Männerleiden in der zweiten Lebenshälfte. Die Vergrößerung der Drüse kann dazu führen, dass sich die Blase schlechter entleert. Zurückbleibender Urin bietet Bakterien mitunter einen guten Nährboden, sodass  sich leicht eine Infektion entwickelt.

Doch auch andere Veränderungen im unteren Harntrakt können die Entleerung der Blase erschweren und so Harnwegsinfekten den Weg bahnen: etwa Verengungen durch Narben (Striktur, siehe oben), seltener ein Stein am Blasenauslass oder Fehlbildungen, etwa eine Aussackung der Blase (Divertikel), seltener ein Tumor.

Manchmal kommt es auch zu Symptomen eines Harnwegsinfektes (siehe unten) und zu Beschwerden beim Sex, obwohl sich eine Infektion nicht nachweisen lässt. Ärzte gehen dann eher von unbestimmten, unspezifischen Reizzuständen aus. Hierhin gehört zum Beispiel das Stichwort chronisches Beckenschmerzsyndrom. Mehr dazu weiter unten unter "Chronische Prostataentzündung, Absatz: Sonderform chronisches männliches Beckenschmerzsyndrom" und im Abschnitt "Schmerzen bem Sex (Männer): Psyche".

Eine Harnröhrenentzündung kann auch durch mechanische Reize entstehen, die die verletzliche Schleimhaut irritieren, etwa im Zuge der Selbstbefriedigung (Masturbation). Oder bei allergischen Reaktionen gegen chemische Verhütungsmittel, Gleitmittel und Produkte zur Intimhygiene.

Eher selten ist das sogenannte Reiter-Syndrom. Das ist eine rheumaartige entzündliche Gelenkerkrankung, die ein paar Wochen beispielsweise nach einer Darm- oder Harnwegsinfektion auftritt. Sie kann neben wechselnden Schmerzen an Gelenken, etwa Knien oder Sprunggelenken, vielfältige Beschwerden bereiten. Erkranken können hier der Harn- und Geschlechtstrakt, die Augen, innere Organe und bestimmte Hautpartien wie Handflächen, Fußsohlen und die Eichel / Vorhaut am Penis (siehe oben: Eichel- und Vorhautentzündung).

Mitunter breitet sich ein Harnwegsinfekt auf die Prostata (siehe nachfolgend), seltener auch auf den Nebenhoden und Hoden aus.

Wichtig: Um die Infektionsquelle möglichst auszuschalten, sollte sich bei einer Harnröhrenentzündung stets auch der/die Partner/in vom Arzt untersuchen lassen.
Symptome: Häufig kommt es bei einer Harnröhrenentzündung zu Beschwerden wie brennenden Schmerzen und Problemen beim Wasserlassen: Die Betroffenen haben häufigen Harndrang, scheiden aber nur kleine Harnportionen aus. Neben Jucken und Brennen in der Harnröhre tritt häufig auch ein glasiger, schleimiger oder eitriger Ausfluss auf. Die Öffnung der Harnröhre ist oft gerötet und schmerzhaft. Der Urin sieht zudem oft getrübt oder blutig aus, und die Gegend vorne über dem Schambein schmerzt, wie auch der Intimverkehr beziehungsweise Samenerguss mit Schmerzen einhergeht. Eine Prostataentzündung führt mitunter außerdem dazu, dass das Sperma leicht blutig ist – alles keine guten Vorzeichen für Lust am Sex.

Weiteres zu Diagnose und Therapie im Ratgeber "Harnröhrenentzündung".

So liegt die Prostata im unteren Becken (Schemazeichnung)

W&B/Jörg Neisel

nach obenSchmerzen beim Sex: Probleme im Unterleib

Chronische Prostataentzündung (Chronische Prostatitis)

Im Zusammenhang mit Sexualschmerzen spielen chronische Entzündungen der Prostata eine wichtige Rolle. Sie verursachen allerdings meist nur unbestimmte Beschwerden und beeinträchtigen das Befinden weniger stark als akute Entzündungen.

Ursachen: Zu einer chronischen Prostataentzündung kann es einmal kommen, wenn eine akute Infektion der Drüse nicht richtig ausheilt. Verantwortlich sind hier häufig Darmbakterien, manchmal auch beim Sex übertragene Keime. Sie befallen zuerst die Harnröhre und breiten sich dann auf die Prostata aus. Die Erreger können auch rückwärts wieder aktiv werden, erneut Entzündungen der Harnröhre auslösen und in die Prostata streuen.

Dies erklärt einen Teil der Symptome: Häufig treten Beschwerden beim Wasserlassen auf wie Brennen, wiederholter Harndrang und Ausscheiden nur kleiner Urinmengen bis hin zum Harnträufeln – typische Anzeichen für Reizungen der unteren Harnwege. Daneben spüren die Betroffenen ein unbestimmtes Druckgefühl im Dammbereich und Schmerzen beim Sex, genauer: beim Samenerguss. Die Schmerzen können in den Penis, die Hoden, Leisten und ins Kreuz ausstrahlen. Außerdem kann es zu Problemen mit der Erektion kommen. Manche Betroffenen klagen auch oft über Störungen bei der Darmentleerung, Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit und Müdigkeit.

Komplex und häufig: Sonderform chronisches männliches Beckenschmerzsyndrom

Immer wieder mal kommt es bei solchen Symptomen zu Überschneidungen mit dem sogenannten chronischen männlichen Beckenschmerzsyndrom. Anders gesagt: Bei der Mehrzahl der Patienten mit Beschwerden, die zu einer chronischen Prostatitis passen, soll dieses Syndrom zugrunde liegen. Es wird auch chronische abakterielle Prostatitis genannt. Abakteriell besagt, dass sich keine Erreger in relevantem Ausmaß bei einer Urinkultur finden lassen. Syndrom bedeutet, dass ein Beschwerdebild von mehreren Symptomen geprägt ist.

Symptome und Diagnose: Definitionsgemäß handelt es sich um einen chronischen Schmerzzustand mit vielfältigen, hartnäckigen Schmerzen im Unterleib – innerlich im Beckenbereich, im Genitale und Damm. Die Beschwerden sind oft mit Störungen der Blasen- und Sexualfunktionen verbunden. Sichere Hinweise auf eine organische Erkrankung ergeben sich für den Arzt nicht. Einzig die weißen Blutkörperchen können im Urin (spezielle Untersuchung), im Prostatasekret und gegebenenfalls auch im Ejakulat vermehrt sein. Dieser Umstand, ein Laborbefund, gilt als ein Entzündungszeichen und ist dann mit der Variante der abakteriellen entzündlichen Beckenschmerzsyndrome vereinbar. Dazu müssen aber noch weitere Bedingungen erfüllt sein, etwa die Ergebnisse eines Fragebogens.
Bei der zweiten Form sind keinerlei Entzündungszeichen in den genannten Körpersekreten nachweisbar. Das ist dann die abakterielle, nicht entzündliche Form des Syndroms. 

Neben den zuvor genannten Kriterien ist es für die Diagnose wichtig, dass eine jegliche andere urologische oder sonstige Ursache im gesamten unteren Beckenbereich ausgeschlossen sein muss. Das hat mitunter umfangreiche Untersuchungen zur Folge. Auszuschließen sind insbesondere krankhafte Veränderungen in den Harnwegen und der Prostata, auch eine gutartige Vergrößerung der Drüse (siehe unten, Abschnitt "Weitere Ursachen von Prostataentzündungen"), sodann Veränderungen im Enddarm und Analbereich, im Leistenbereich und im Kreuz.

Das heißt, der Arzt wird den Patienten unter anderem auch auf einen Leistenbruch oder seltener vorkommende Besonderheiten wie eine Schambeinentzündung hin untersuchen (mehr dazu im Beitrag "Leistenschmerzen", Kapitel "Ursachen: Muskeln, Sehnen, Gelenke"). Klar ist, dass die entsprechenden Ursachen dann auch behandelt werden müssen. Dann wird sich auch weisen, welches Krankheitsbild wohl vorgelegen hat oder weiter vorliegt.

Gelegentlich spielen beim Beckenschmerzsyndrom auch Depressionen und andere psychische Faktoren eine Rolle. Sie können eine Folge, eine parallele Störung oder ein auslösender oder begünstigender Umstand sein. Mehr Informationen zu diesem speziellen Aspekt weiter unten im Abschnitt "Chronische Beckenschmerzen und Psyche".

Therapie: Zur Behandlung nutzen Ärzte zum Beispiel Medikamente, die den Beckenboden am Blasenauslass entspannen. Auch entzündungshemmende Schmerzmittel kommen zur Anwendung. Antibiotika setzen Ärzte in der Regel bei fehlendem signifikantem Keimnachweis nicht oder nur sehr zurückhaltend ein. Empfohlen werden auch warme Sitzbäder und häufige Ejakulationen. Bei Tendenz zur Verstopfung sind stuhlregulierende Maßnahmen sinnvoll. Verfahren wie TENS oder andere Techniken zur Nervenstimulation, Biofeedback, Entspannungsübungen für den Beckenboden gehören ebenfalls zu den Therapieoptionen (mehr dazu auch weiter unten im Abschnitt "Chronische Beckenschmerzen und Psyche" unter "Schmerzen beim Sex (Männer): Psyche").

Weitere Ursachen von Prostataentzündungen

Andere mögliche Auslöser chronischer Entzündungen der Prostata sind zum Beispiel Verengungen, sogenannte Strikturen, der Harnröhre. Liegen sie unterhalb der Stelle, an der die Drüsengänge der Prostata einmünden, kann der Urin in die Prostata eintreten und dort eine Entzündung verursachen. Solche Verengungen entstehen durch Narben nach Verletzungen, etwa durch einen Katheter oder einen endoskopischen Eingriff über die Harnröhre.

Symptome hier: Der Betroffene spürt vor allem Missempfindungen beim Wasserlassen, das erheblich erschwert ist: Der Strahl ist abgeschwächt, dünn, eventuell geteilt oder weicht zur Seite ab. Urin kann sich zurückstauen. Mögliche Folgen: Infektionen, die eine akute oder chronisch schwelende bakterielle Prostataentzündung begünstigen – und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Diagnose und Therapie: Der Urologe kann eine Striktur mittels Verfahren wie Harnstrahlmessung oder Urethrografie nachweisen, sie aufdehnen (bougieren) oder spalten (Urethrotomie). Dann sollten sich auch die Beschwerden im Harn- und Geschlechtstrakt deutlich bessern. Mitunter haben Harnröhrenstrikturen jedoch die Tendenz, sich wieder neu zu bilden.

Ausführliche Informationen über entzündliche Erkrankungen der Prostata finden Sie im Ratgeber "Prostataentzündung".

Manchmal schmerzt auch die Psyche

Image Source/RYF

nach obenSchmerzen beim Sex (Männer): Welche Rolle spielt die Psyche?

Auch Männern können seelische Probleme Schmerzen beim Intimkontakt bereiten. Bevor der Arzt zu dieser Einschätzung kommt, wird er zunächst körperliche Veränderungen bis hin zu einer ausgeprägten Überempfindlichkeit im Genitalbereich, auch nach der Ejakulation, ausschließen müssen. Sexuelle Praktiken, die die Ejakulation verzögern und das Glied übermäßig beanspruchen, können ebenfalls eine Rolle spielen.

Der Betroffene selbst erleichtert dem Arzt die Spurensuche, indem er dessen Fragen gegenüber offen ist und möglichst genau beschreibt, welche Probleme er mit der Sexualität hat. Klar ist: Die Psyche beeinflusst das sexuelle Erleben empfindlich. Dass sie es auch stören kann, liegt nahe, ebenso der umgekehrte Fall.


Eichelphobie

Eichelphobie bedeutet, dass ein Mann seiner von der Vorhaut entblößten Eichel mit starken Angstempfindungen begegnet. Schon bei Berührung der Eichel ist seine angstvolle Schmerzerwartung so ausgeprägt, dass er den Geschlechtsakt abbricht.

Eine solchermaßen psychisch bedingte Dyspareunie ordnen Experten heute bei den sogenannten somatoformen Störungen (siehe nachfolgend) ein. Es können hier zum Beispiel frühere Konflikte und seelische Verletzungen auf der sexuellen Ebene, etwa Missbrauch, zugrunde liegen. Aber auch aktuelle Partnerschaftsprobleme spielen oft eine Rolle. Eine psychologische Therapie kann der geeignete Rahmen sein, um die Störung zu bewältigen.

Chronische Beckenschmerzen und Psyche

Anhaltende Schmerzen und Funktionsstörungen im Urogenitalbereich ohne nachweisbare organische Ursache (siehe dazu auch weiter oben im Abschnitt "Chronische Prostatitis, Absatz: Chronisches männliches Beckenschmerzsyndrom") werden ebenfalls den somatoformen Schmerzstörungen zugeordnet. So soll das chronische Beckenschmerzsyndrom mithin die häufigste somatoforme Störung des Urogenitaltraktes beim Mann darstellen. Aus psychologischer Sicht betrifft das beide Varianten – die abakterielle entzündliche wie die nicht entzündliche Form, sofern sie auf eine medizinische Therapie nicht ansprechen.

Was bedeutet somatoform? Es besagt, dass ein körperliches Störungsbild vorliegt, das organisch nicht hinreichend erklärbar ist. Dies setzt definitionsgemäß voraus, dass der Betroffene gemäß der Hauptbeschwerden sorgfältig, aber ergebnislos von entsprechenden Fachärzten untersucht worden ist: beim Beckenschmerzsyndrom zunächst von einem Urologen, eventuell auch von einem Enddarmspezialisten (Proktologen) oder Orthopäden. Da die Betroffenen mitunter auch unter Depressionen oder Angsterkrankungen leiden, sollte bei entsprechenden Hinweisen ein Psychiater zur Diagnose und Therapie hinzugezogen werden.

Als krankheitsprägend werden unter anderem Wechselwirkungen zwischen Beziehungskonflikten (Fachleute benutzen hier gerne den Begriff psychoziale Faktoren) und einer gestörten Verarbeitung dieser Konflikte angenommen. Das können zum Beispiel unbewältigte seelische Belastungen in der frühen Kindheit sein, aus denen sich besondere Partnerabhängigkeiten entwickeln.

Manche Betroffenen leiden auch unter einem ausgeprägt negativen Selbstbild und gestörter Emotionalität. Zugleich entwickeln sie mitunter eine ausgeprägte Aufmerksamkeit gegenüber dem eigenen Körper. Wenn Patienten Zusammenhänge mit Konfliktpunkten oder emotionalen Belastungen in ihrer Lebensgeschichte sehen und einen besseren Zugang dazu wie auch Hilfen im Umgang damit finden möchten, ist eine psychologische Therapie sinnvoll.

Um somatoforme Krankheiten kümmern sich in erster Linie Fachärzte für Psychosomatische Medizin sowie ärztliche und psychologische Psychotherapeuten, sofern das Krankheitsbild zuvor hinreichend körperlich abgeklärt worden ist. Neuere Empfehlungen raten an, die körperliche und psychologische Diagnostik möglichst parallel durchzuführen, besonders wenn auch psychische Belastungen erkennbar sind.

Psychosomatische Krankheitsbilder sind nicht einfach "gleich psychisch", sondern erfordern eine ganzheitliche Sichtweise auf den Menschen, da vielfältige Wechselwirkungen zwischen Körper, Psyche, Nerven-, Hormon- und Immunsystem bestehen. Diese sind vielfach noch gar nicht erforscht oder nur hypothetisch.


Psychologische Therapieverfahren umfassen unter anderem Verhaltens-, Entspannungs- und Gesprächstechniken, die auch in umfassendere Therapiekonzepte mit psychotherapeutischen Ansätzen einfließen können. Dazu gehören außerdem Schmerzbewältigungstechniken, Stressverarbeitung, Körperwahrnehmungsverfahren, Atemtherapie, Sport und Bewegungstherapie.

Gemeinsam neue Wege suchen

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nach obenSchmerzen beim Sex (Männer): Auch Selbsthilfe ist Therapie

Die Behandlung von Sexualschmerzen ist so vielfältig wie das Spektrum der Ursachen. Eine einzig mögliche Behandlung gibt es nicht. Bei der Beschreibung der auslösenden Krankheitsbilder geht dieser Beitrag teilweise auf die Therapiemöglichkeiten ein. Darüber hinaus finden Sie Informationen unter den Ratgeber-Links im Text. Wichtig ist, dass Sie sich bei Problemen wie Dyspareunie einem Arzt anvertrauen, damit sich die Schmerzen nicht festsetzen. Er wird Ihnen auch sagen, inwieweit Sie sich eventuell selbst helfen können.

Zur Sexualität gehören zwei. Ein wichtiger erster Schritt ist, mit dem Partner über Ihre Situation zu sprechen. Nur dann kann er / sie Verständnis aufbringen – egal ob Ihr Problem eher auf der körperlichen oder seelischen Ebene liegt. Manchmal befreit schon der Wechsel bei Techniken und Stellungen von Schmerzen und Verspannungen. Hautreizungen lassen sich oft beheben, in dem Sie bestimmte Mittel zur Pflege oder Verhütung vermeiden. Der Schmerz ist häufig auch ein "SOS der Beziehung". Neue Wege auszuloten, belebt das Zusammensein, verspricht mehr Erfüllung und eröffnet der Partnerschaft neue Chancen. Auch gibt es nicht nur bei sexuell übertragbaren Infektionen die Möglichkeit der Partnertherapie, sondern auch auf der psychologischen Ebene – als Paartherapie. Hier können beide Partner aktiv mitwirken.

Fachliteratur zu diesem Ratgeber:

Schmelz H-U, Sparwasser Chr, Weidner W (Hrsg.): Facharztwissen Urologie, 2. Auflage, Berlin Heidelberg New York Springer-Verlag 2010
Moll I: Dermatologie, 7. Aufl., Stuttgart Georg Thieme Verlag 2010
Vetter B.: Sexualität: Störungen, Abweichungen, Transsexualität, 1. Auflage, Stuttgart Schattauer GmbH 2007

Morschitzky H: Somatoforme Störungen, 2. Auflage, Wien New York Springer 2007

Edwards SK, Bunker CB, Ziller F, van der Meijden WI: 2013 European guideline for the management of balanoposthitis. In: Int J STD AIDS OnlineFirst, published on May 14, 2014 as doi:10.1177/0956462414533099. Online:

http://std.sagepub.com/content/early/2014/05/06/0956462414533099.full.pdf (Abgerufen am 15.3.2015)
Amrican Cancer Society: What is penile cancer? Causes, risk factors and prevention. Online:
http://www.cancer.org/cancer/penilecancer/detailedguide/penile-cancer-risk-factors
(Abgerufen am 26.5.2015)

Schaefert R, Hausteiner-Wiehle, C, Häuser W et al.: Nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden. Klinische Leitlinie. In: Deutsches Ärzteblatt, Jg.109, heft 47, November 2012. Online: Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie e.V. (DGPM), Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM), AWMF Leitlinien, Registernummer 051-001:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-001k_S3_Nicht-spezifische_funktionelle_somatoforme_Koerperbeschwerden_2012-12.pdf
Weitere Informationen im Internet:
www.urologenportal.de (Abgerufen am 14.4.2015)
www.urologielehrbuch.de (Abgerufen am 14.4.2015)
Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft e.V.  (DGSMTW). Online: http://www.dgsmtw.de
Deutsche Gesellschaft für Biofeedback e. V. (DGBfb). Online: http://www.dgbfb.de/index.php/de/ (Abgerufen am 15.4.2015)

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Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.




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