Schizophrenie

Denkstörungen, Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Realitätsverlust sind mögliche Symptome bei Schizophrenie. Die psychische Erkrankung wird mit Medikamenten (Antipsychotika) und Psychotherapie behandelt

aktualisiert am 30.04.2014

Die Stimmung ist gedrückt, Gedanken geraten immer wieder durcheinander oder reißen plötzlich ab – mögliche Anzeichen einer Schizophrenie

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Was ist eine Schizophrenie?

Die Schizophrenie gehört zur Gruppe der sogenannten Psychosen, die durch Störungen in der Realitätswahrnehmung und –beurteilung charakterisiert sind. Die psychische Erkrankung umfasst Störungen im Denken, Fühlen und in der Wahrnehmung. Oft sind auch Antrieb und soziales Verhalten beeinträchtigt.

Die Krankheit kann in jedem Lebensalter beginnen. Am häufigsten fällt die erste akute Krankheitsepisode aber in die Zeit zwischen 18. und 35. Lebensjahr. Männer erkranken im Durchschnitt etwas früher als Frauen. Die meisten Ersterkrankungen treten bei Männern zwischen 20 und 25 Jahren auf, bei Frauen zwischen 25 und 30. Mehr zum Krankheitsverlauf im Kapitel "Symptome und Verlauf".

Schizophrenien sind weltweit verbreitet. Sie kommen in armen und reichen Ländern und unterschiedlichen Kulturen vor. Das Risiko, einmal im Leben an einer Form der Schizophrenie zu erkranken, beträgt etwa ein Prozent.


Unser Experte: Univ.-Prof. Dr. med. Wolfgang Gaebel, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

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Wie macht sich eine Schizophrenie bemerkbar?

Eine Schizophrenie kann sich ganz unterschiedlich zeigen. Oft kündigt sie sich allmählich über Jahre an – zunächst mit unspezifischen Symptomen wie abnehmender Belastbarkeit, Unruhe, gedrückter Stimmung, Schlafstörungen, außerdem Konzentrationsstörungen und sozialem Rückzug.

Kommt es zu einer akuten Krankheitsphase, nehmen die Betroffenen die Realität verändert wahr. Sie erleben zum Beispiel ihre eigenen Gedanken als fremd. Manche glauben, ihre Gedanken würden von außen "entzogen" oder von anderen Menschen mitgelesen. Typisch sind auch Denkstörungen. Die Kranken haben zum Beispiel Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, ihr Gedankenfluss gerät immer wieder ins Stocken oder durcheinander. Viele entwickeln in der akuten Phase Wahnideen oder leiden an Sinnestäuschungen (Halluzinationen). Sie hören zum Beispiel Stimmen, die gar nicht da sind. Auch Bewegungs- uns Antriebsstörungen sind mögliche Zeichen einer Schizophrenie. Genaueres zu den Symptomen der Krankheit lesen Sie im Kapitel "Symptome und Verlauf".

Wie entsteht die Krankheit?

Nach heutigem Wissen wirken unterschiedliche Faktoren zusammen. Neben einer insbesondere genetischen Disposition ("Anfälligkeit") spielen offenbar stressbehaftete Lebensereignisse eine wichtige Rolle. Genaueres lesen Sie im Kapitel "Ursachen".

Wie sieht die Therapie aus?

Es gibt effektive Behandlungsmöglichkeiten. Die wichtigsten Bausteine sind Medikamente, Psychotherapie und Soziotherapie. In welcher Gewichtung diese Therapieelemente zum Einsatz kommen richtet sich nach der jeweiligen Krankheitsphase und den individuellen Behandlungszielen. Genauere Informationen dazu erhalten Sie im Kapitel "Therapie".

Welche Folgen hat die Krankheit?

Der Zeitpunkt der Ersterkrankung fällt oft in eine entscheidende Lebensphase, in der mit Schule, Berufsausbildung und Familiengründung normalerweise wichtige Weichen für ein selbstbestimmtes Leben gestellt werden. Die Krankheit kann die individuelle Lebensplanung daher deutlich und langfristig beeinträchtigen.

Moderne Therapie- und Wiedereingliederungsangebote ermöglichen zwar vielen Betroffenen ein weitgehend selbstbestimmtes Leben. Trotzdem führt eine Schizophrenie auch oft zur Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit und Frühberentung.

Schizophrenie gleich "gespaltene Persönlichkeit"?

Der von Eugen Bleuler (1911) geprägte Krankheitsbegriff "Schizophrenie" kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt in etwa "gespaltene Seele". Als gespaltene Persönlichkeit, als "zwei Personen in einem Menschen" treten Schizophrenie-Kranke häufig in Romanen und Filmen in Erscheinung. Diese Darstellung der Krankheit ist falsch. Eine "multiple Persönlichkeit" ist nicht Zeichen einer Schizophrenie. Trotzdem hält sich diese Vorstellung hartnäckig – sehr zum Leidwesen der Betroffenen und ihrer Familien. Sie kämpfen nicht nur gegen die Krankheit, sondern oft auch gegen weit verbreitete Vorurteile. Tatsächlich meint der Begriff "Schizophrenie" das Nebeneinander von gestörtem und ungestörtem Erleben und Verhalten und das Auseinanderfallen von Realität und erlebter Realität.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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