Wetterfühligkeit – was steckt dahinter?

Kann das Wetter schuld sein, wenn wir uns unwohl fühlen? Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme hängen jedenfalls manchmal damit zusammen

Es besteht kein Zweifel. Unser Körper reagiert auf das Wetter. Ob Regen oder Sonne, Hitze oder Kälte – der Organismus passt sich ständig an Temperaturschwankungen und Luftdruckänderungen an. Das passiert aber unbewusst, wir merken normalerweise nichts davon.

Wetterfühligkeit: Schlafstörungen, Müdigkeit, gereizte Stimmung

Manche Menschen reagieren auf einen Wetterwechsel jedoch empfindlicher als andere. Wetterfühligkeit nennt sich das. Bei diesen Personen treten unspezifische Symptome auf – sie werden zum Beispiel müde, schlafen nicht gut oder fühlen sich erschöpft. Bei Föhn – einem warmen Fallwind aus den Alpen – soll die Stimmung gereizter werden. Andere sind genaugenommen eher wetterempfindlich: Bei Ihnen entstehen oder verschlimmern sich Symptome einer bestehenden Krankheit, wie zum Beispiel einer Migräne oder eines Rheuma.

Wetterwechsel sind besonders häufig die Auslöser. „Je stärker und schneller sich das Wetter ändert, desto größer ist der Einfluss auf empfindliche Personen“, sagt Dr. Christina Koppe, Medizin-Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Freiburg. Dabei spielt weniger der Luftdruck eine Rolle, sondern vielmehr der Luftmassenwechsel an sich. Der Organismus ist mit den neuen Bedingungen überfordert, kann sich nicht schnell genug anpassen. Bei Menschen mit niedrigem Blutdruck kann bei bestimmten Wetterlagen zum Beispiel der Kreislauf eher schlapp machen.

Menschen mit Asthma oder Rheuma sind oft empfindlich

Menschen mit Asthma oder Gelenkerkrankungen wie Rheuma leiden auch oft unter dem Wetter. Wird es kälter, können sich Symptome wie Atembeschwerden oder Gelenkschmerzen verstärken. Experten sprechen hier von Wetterempfindlichkeit. „Die Symptome kann man in diesem Fall einer Grunderkrankung zuordnen“, weiß Koppe.

Während sich Tiefdruckgebiete meistens eher negativ auf den Körper auswirken, hebt ein stabiles Hoch oft die Laune. „Allerdings kann auch schönes Wetter mit großer Hitze oder Kälte einhergehen, was den Körper wieder belastet“, bemerkt Koppe. Deshalb hat ein Hoch im Frühling oder Herbst den positivsten Effekt.

Wie können wetterfühlige Menschen vorbeugen?

Für gesunde Ewachsene ist das eigentlich ganz einfach: den Körper abhärten. Also bei jedem Wetter – außer bei Sturm oder Gewitter – täglich eine halbe Stunde raus an die frische Luft. „Spazieren gehen reicht da schon aus, das überfordert den Körper auch nicht“, empfiehlt die Medizin-Meteorologin. So lernt unser Organismus wieder, sich an Temperaturänderungen anzupassen und diese besser auszugleichen. Auch Kneipp-Anwendungen und Wechselduschen können helfen, die Anpassungsfähigkeit zu trainieren.

Chronisch kranke und ältere Patienten sollten vorsichtiger sein: Sie fragen zuvor vorsichtshalber ihren Arzt, was sie tun können. Menschen, die aufgrund von Stress sensibel auf das Wetter reagieren, können sich eventuell mit Entspannungsmethoden wie Yoga zur Ruhe bringen. Zudem hilft natürlich eine ausgewogene Ernährung, den Körper fit zu halten.

Für wetterempfindliche Menschen eignen sich die vorbeugenden Maßnahmen teilweise auch. Sie sollten jedoch mit ihrem behandelnden Arzt unbedingt zuvor abklären, was sie sich bei ihrer Erkrankung zumuten können und welche Methoden für sie am besten sind.

Wie wirkt sich der Klimawandel auf unsere Gesundheit aus?

„Ob wir in Zukunft mehr Regen bekommen, es eher trockener wird oder sich das Wetter schneller ändert, lässt sich derzeit schwer abschätzen“, sagt Koppe. Größere Hitzeperioden im Sommer sind jedoch ziemlich wahrscheinlich. Das wird vor allem älteren Menschen zusetzen und solchen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Neue Mückenarten können zudem Infektionskrankheiten einschleppen, die in Mitteleuropa momentan nicht vorkommen. Ein Beispiel hierfür wäre die Sandfliege, die Leishmaniose übertragen kann. Allergiker könnten in Zukunft länger im Jahr an Heuschnupfen leiden, falls sich die Pollenflugzeit ausdehnt. Zudem können Neophyten, also neue Pflanzen, die in Deutschland noch nicht heimisch sind, Probleme bereiten. Bestes Beispiel ist die Ambrosia-Pflanze, die wärmeres Klima liebt und sich in Deutschland ausbreitet und zu Allergien führt.

www.apotheken-umschau.de / Apotheken Umschau, 20.03.2013