Mobbing: Jetzt ist Schluss damit!

Ob in der Schule oder am Arbeitsplatz: Die Opfer von Mobbing sind den Schikanen ihrer Mitschüler oder Kollegen ausgesetzt. Die Folgen für die körperliche und psychische Gesundheit sind oft gravierend

Die angeregten Gespräche verstummen, wenn man den Raum betritt, in der Kantine sitzt man allein am Mittagstisch, von wichtigen Terminen erfährt man nichts – und beim Chef wird man für seine angeblich schlechte Arbeit angeschwärzt. Mobbing-Opfer haben nichts zu lachen. Betroffen sind Millionen: Laut Studien sind rund 3,8 Millionen Erwerbstätige regelmäßig Beleidigungen oder Erniedrigungen ausgesetzt. Jeder siebte bis achte Arbeitnehmer hat schon einmal unter Mobbing gelitten. Der Begriff ist vor diesem Hintergrund alles andere als ein Modewort für harmlose Hänseleien unter Kollegen, sondern ein ernstzunehmendes Problem. Angst um den eigenen Arbeitsplatz und wachsender Leistungsdruck im globalen Wettbewerb gehören zu den Ursachen für das zunehmende Problem.

Mobbing leitet sich aus dem Englischen „to mob“ ab und bedeutet „angreifen, anpöbeln, bedrängen, über jemanden herfallen“. Die Kriterien für Mobbing sind erfüllt, wenn der betroffene Mensch unterlegen ist und von einer oder mehreren Personen systematisch und über einen längeren Zeitraum hinweg angegriffen wird, mit dem Ziel, das Opfer zu schädigen oder aus dem Job zu ekeln.

Die Schikanen können vielseitig sein: von bösen Gerüchten und sozialer Isolation über Arbeit, für die der Betroffenen überqualifiziert ist, bis hin zum Lästern beim Chef. Apropos Chef: Mobbing kommt nicht nur unter gleichgestellten Kollegen vor, auch manche Vorgesetzte setzen Mitarbeiten mit Psychoterror zu – genannt „Bossing“. Auch in der Schule und seit neuestem sogar im Internet (Cyber-Mobbing) werden Menschen zu Opfern regelmäßiger seelischer Gewalt. Tendenz steigend.

Die Folgen von Mobbing

Statistisch gesehen werden Männer und Frauen nahezu gleich häufig gemobbt. Sensible Menschen mit wenig Selbstbewusstsein, aber auch überdurchschnittlich engagierte Mitarbeiter haben es besonders schwer. Vor allem die kreativen, leistungsstarken Köpfe sind den weniger motivierten Mitarbeitern suspekt. Angst, Neid und Missgunst sind die treibenden Kräfte, die vormals freundliche Kollegen – aber auch Vorgesetzte – zu fiesen Mobbern machen. Die körperlichen und seelischen Folgen für die Opfer sind enorm. Betroffene gehen deutlich weniger motiviert zur Arbeit und haben fast doppelt so viele Fehltage wie Menschen, die ihren Job ohne Psychoterror erledigen können. Allein die Kosten für Fehltage durch Mobbing liegen Schätzungen zufolge bei 2,3 Milliarden Euro pro Jahr!

Noch schwerer als die finanziellen wiegen die gesundheitlichen Konsequenzen: Mobbing-Opfer leiden unter Schlaflosigkeit, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen, Nervosität und Konzentrationsstörungen. Wenn sich der Kleinkrieg am Arbeitsplatz über Jahre hinzieht, können die Symptome bis hin zum sogenannten posttraumatischen Belastungssyndrom reichen. Darunter fallen zum Beispiel Angstzustände, Albträume und Depressionen.

Hilfe für Betroffene

Ist es wirklich Mobbing – oder bin ich zu empfindlich? Das ist nicht immer leicht zu unterscheiden. Am besten, Sie schreiben sich auf, was genau passiert ist und versuchen im Gespräch mit Familie oder Freunden das Geschehene mit Abstand zu betrachten und zu reflektieren. Dann können Sie entscheiden: Schaffe ich das alleine oder brauche ich Hilfe? Bundesweit gibt es außerdem eine Vielzahl von Stellen für eine persönliche Beratung. Lassen Sie es nicht länger zu, dass Ihr Arbeitsplatz zur täglichen Kampfzone wird.

Simone Herzner / www.apotheken-umschau.de / Apotheken Umschau, 22.05.2012