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Nierenwerte: Maß für die Nierenfunktion

Die Nieren sind lebenswichtige Organe. Ob sie gut funktionieren, kann der Arzt unter anderem durch eine Bestimmung der "Nierenwerte" im Blut erkennen. Auch die Untersuchung des Urins gehört zur Nierendiagnostik


Ist die Niere krank, kann verstärkt Albumin mit dem Urin verloren gehen

Kurz gesagt:

Unter „Nierenwerten“ verstehen Ärzte im Alltag normalerweise im Blutserum gelöste Stoffwechselprodukte, die sich bei Nierenstörungen verändern. Hierzu gehören hauptsächlich das Kreatinin und der Harnstoff. Sehr oft lässt der Arzt 
weitere Werte bestimmen, um die Funktionsfähigkeit der Niere zu überprüfen. Dazu gehören die Elektrolyte (Kalium, Natrium und Chlorid) sowie Phosphat, Albumin, Harnstoff und Harnsäure. Auch eine Urinuntersuchung gehört zur Nierendiagnostik. Hier wird insbesondere die Eiweißkonzentration bestimmt.

Was sind Nierenwerte?

Die „Nierenwerte“ im Blut lassen erkennen, ob die Nieren gesund sind oder nicht. Besonders wichtig sind dabei Kreatinin und Harnstoff, aber auch etliche andere Laborwerte. Die Untersuchung des Urins hilft dem Arzt ebenfalls dabei, die Funktionstüchtigkeit der Niere zu überprüfen. Der Begriff „Nierenwerte“ fällt umgangssprachlich jedoch meistens im Zusammenhang mit der Blutuntersuchung. Ein Laborwert allein sagt meistens noch nicht viel aus. Weicht er von der Norm ab, kann das ganz unterschiedliche Ursachen haben. Der Arzt betrachtet die Untersuchungsergebnisse daher immer im Zusammenhang mit weiteren Befunden.

Oft bestimmt der Arzt folgende Nierenwerte:

Kreatinin ist das Abbauprodukt des Kreatins, das dem Muskel als Energiespeicher dient. Kreatin nehmen wir mit der fleischhaltigen Nahrung auf („Krea“ = griechischer Wortteil mit der Bedeutung „Fleisch“). Kreatinin wird über die Nieren ausgeschieden. Der Kreatininwert im Blutserum steigt erst bei fortgeschrittener Nierenschädigung an. Die Normwerte (= Referenzwerte) des Kreatinins betragen bei Männern bis 1,3 mg/dl (bis etwa 115 μmol/l) und bei Frauen bis 1,1 mg/dl (bis etwa 97 μmol/l).


Um die Nierenfunktion genauer zu untersuchen, bestimmt der Arzt die sogenannte „Kreatinin-Clearance“. Dieser Wert zeigt an, wie gründlich das Blut in der Niere von Kreatinin befreit wird. Der Wert errechnet sich aus dem Kreatininwert im Serum, im Urin und der Urinmenge, die in 24 Stunden ausgeschieden wird. Der Normwert der Kreatinin-Clearance liegt – je nach Alter und Geschlecht – bei etwa 40 bis 140 ml/min.

Ein weiterer wichtiger Nierenwert ist der Harnstoff. Wird im Körper Eiweiß abgebaut, entsteht über das giftige Zwischenprodukt Ammoniak der ungiftige Harnstoff. Dieser wiederum wird mit der Niere ausgeschieden. Sind die Harnstoffwerte im Serum erhöht, zeigt das eine eingeschränkte Nierenfunktion an. Die Normwerte von Harnstoff im Blutserum liegen bei 17 bis 43 mg/dl (2,8 bis 7,1 mmol/l). Mit dem Urin werden täglich etwa 40 Gramm Harnstoff ausgeschieden.

Neben dem Harnstoff gibt es noch die Harnsäure – diese Begriffe werden leicht verwechselt. Harnsäure entsteht unter anderem, wenn Körperzellen zugrunde gehen und abgebaut werden. Die Niere scheidet Harnsäure aus. Ist die Niere in ihrer Funktion gestört, steigt der Harnsäurewert im Serum an. Der Normalwert der Harnsäure im Blutserum beträgt bei Männern bis 7,2 mg/dl (bis 428 μmol/l) und bei Frauen bis 6 mg/dl (bis 357 μmol/l). Bei der Nierenfunktionsdiagnostik spielt die Bestimmung der Harnsäure im Serum jedoch keine Rolle.

Wichtige Hinweise auf die Nierenfunktion liefert auch die Bestimmung der Elektrolyte im Blut. Zu den Elektrolyten zählen Natrium, Kalium und Chlorid. Scheidet die Niere aufgrund einer Störung zu viel Natrium aus, sinkt der Wert im Blut; Kalium und Chlorid hingegen steigen an, wenn die Niere nicht mehr richtig funktioniert. Die Normwerte von Natrium im Blut liegen bei 135 bis 145 mmol/l, von Kalium bei 3,5 bis 5 mmol/l und von Chlorid bei 98 bis 107 mmol/l.

Auch Phosphat, eine wichtige Substanz des Knochenstoffwechsels und des Säure-Basen-Haushaltes, wird zur genaueren Überprüfung der Niere bestimmt. Überschüssiges Phosphat wird normalerweise über die Niere ausgeschieden. Ist die Niere krank, kann sie nicht mehr genügend Phosphat ausscheiden, und der Wert im Blut steigt an. Die Normwerte von Phosphat liegen bei 2,5 bis 4,0 mg/dl Blutserum.

Die Eiweiße des Blutes, insbesondere das „Haupteiweiß“ Albumin, werden von der Niere normalerweise nicht ausgeschieden. Eine kranke Niere jedoch hält die Eiweiße nicht mehr in dem Maße zurück wie eine gesunde Niere, sodass Eiweiß, insbesondere Albumin, mit dem Harn verloren geht. Die Eiweißausscheidung lässt sich mit Urinteststreifen messen. Ist die Eiweißkonzentration im Urin einmal erhöht, ist das noch kein Grund zur Sorge. Bei ernsthaften Erkrankungen der Niere jedoch ist die Albuminkonzentration im Blut erniedrigt und im Harn dauerhaft erhöht. Die Normalwerte von Albumin im Blut liegen bei 35 bis 52 g/l. Im Urin, der über 24 Stunden gesammelt wurde, beträgt die Albuminkonzentration normalerweise weniger als 30 mg/24 Stunden.

Cystatin C ist ein relativ „neuer“ Parameter, der erst seit kurzer Zeit zur Bestimmung der Nierenfunktion dient. Seine Konzentration im Blut hängt hauptsächlich von der Funktionsfähigkeit der Niere ab (von der sogenannten „glomerulären Filtrationsrate“, GFR). Der Cystatin-C-Wert im Blut steigt schon bei geringsten Funktionsstörungen der Niere an, gilt daher als empfindlicher Messwert. Der Normwert von Cystatin C im Serum beträgt bis zu 0,96 mg/l (Kinder > 1 Jahr und Erwachsene). Cystatin C kommt in allen kernhaltigen Zellen des Körpers vor und wird in den sogenannten Tubuluszellen der Niere vollständig abgebaut. Normalerweise wird Cystatin C nicht mit dem Urin ausgeschieden. Erscheint die Substanz jedoch im Urin, so spricht das ebenfalls für eine eingeschränkte Nierenfunktion.

Bei einer Sonderform der Nierenerkrankungen, bei den sogenannten Glomerulonephritiden, werden noch weitere Blutwerte bestimmt. Als Glomeruli werden die Nierenkörperchen (= Filterkörperchen) bezeichnet. Sie leisten die eigentliche „Reinigungsarbeit“. Die „guten Stoffe“ werden behalten, die überflüssigen oder „schlechten“ Stoffe werden mit dem Harn ausgeschieden. Diese Glomeruli können aufgrund vieler verschiedener Ursachen entzündet sein, zum Beispiel aufgrund von Infektionen oder Autoimmunerkrankungen. Hier bestimmt der Arzt zusätzlich zu den Nierenwerten noch verschiedene Antikörper, zum Beispiel Streptokokken-Antikörper oder Autoantikörper (beispielsweise „ANCA“ = Anti-Neutrophilen-Zytoplasma-Antikörper).



Blutproben zur Bestimmung verschiedener Werte


Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München 




Bildnachweis: W&B/Fotolia, W&B/Deniz Saylan

Dr. med. Dunja Voos / www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 23.05.2014,
Bildnachweis: W&B/Fotolia, W&B/Deniz Saylan

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