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Nagelbettentzündung (Onychie, Paronychie, Panaritium)

An den Finger- oder Zehennägeln kann sich das Nagelbett schmerzhaft entzünden. Ursache sind meist Erreger wie Bakterien und Pilze, die über kleine Wunden an Nagelhaut, Nagelfalz oder Nagelwall eindringen. Nagelbettentzündungen können auch chronisch auftreten. Mehr zu Symptomen, Diagnose und Therapie


Schöne, gesunde Fingernägel: Die falsche Pflege, Krankheiten oder Medikamente können Entzündungen im Bereich der Nägel begünstigen

Was ist eine Nagelbettentzündung?

Das Nagelbett ist das Gewebe unter dem Finger- oder Zehennagel. Keime wie Bakterien oder Pilze können auch dort entzündliche Reaktionen auslösen. Häufig ist bei einer Nagelbettentzündung nicht nur das Nagelbett infiziert, sondern auch die umgebende Nagelpartie mit Nagelfalz, Nagelwall oder Nagelhaut. Mediziner sprechen von Onychie beziehungsweise Paronychie. In der Praxis sind die entzündeten Bereiche jedoch oft nicht so klar abzugrenzen, die Übergänge sind fließend.

Die Erreger gelangen meist über kleine Wunden an Nagelhaut, Nagelfalz oder Nagelwall bis in die Haut des Nagelbetts und rufen dort eine akute Entzündung hervor. Solche Eintrittsstellen entstehen zum Beispiel durch Schnittverletzungen, kleine Risse bei der Nagelpflege, durch eingewachsene Nägel oder intensive Hautreizungen. Die Erreger sind zumeist Bakterien, allen voran Staphylokokken, mitunter auch Pilze und Herpesviren. Nagelbettentzündungen können akut, aber auch chronisch auftreten.


Frau Angela Unholzer

Beratende Expertin: Dr. med. Angela Unholzer, Hautfachärztin mit Zusatzbezeichnungen Allergologie und Dermatohistologie

Anfällig für Entzündungen an den Nägeln sind vor allem Frauen, wenn sie nicht behutsam genug bei der Maniküre oder Pediküre vorgehen, und Menschen, deren Hände viel mit aggressiven Reinigungsmitteln in Berührung kommen. In ähnlicher Weise betroffen sind Patienten mit trockener Haut und Neigung zu atopischem Ekzem (= Neurodermitis). Sie entwickeln häufig chronische Entzündungen. Diabetiker, die aufgrund möglicher Folgeerkrankungen stärker zu trockener, rissiger Haut und schlechterer Wundheilung neigen, haben öfter mit Nagelbettinfektionen, besonders an den Füßen, und dauerhaften Entzündungen zu tun. Das gilt auch für Menschen, die an Durchblutungsstörungen leiden, ein geschwächtes Immunsystem haben oder aufgrund einer Krebserkrankung mit neuartigen Medikamenten, so genannten EGFR-Antagonisten oder bestimmten Tyrosinkinase-Hemmern, behandelt werden.

Welche Symptome sind typisch für eine Nagelbettentzündung?

Eine Nagelbettentzündung äußert sich durch gerötete und druckempfindliche Schwellungen, die sich überwärmt anfühlen und zunehmend auch starke, klopfende Schmerzen bereiten. An den seitlichen Rändern des Nagelwalls sowie unter dem Nagel können sich Eiterherde bilden. Eine eitrige Entzündung an Nagelwall oder Nagelfalz bezeichnen die Ärzte als Panaritium paraunguale, eine eitrige Entzündung im Nagelbett, also unter der Nagelplatte, als Panaritium subunguale. Wenn die Entzündung nicht rechtzeitig behandelt wird, kann sie sich ausbreiten und weitere Teile des Fingers oder des Zehs bis zu den Knochen und Sehnen erfassen. Bei schweren Entzündungen ist es auch möglich, dass sich der Nagel verformt oder sich sogar vollständig vom Nagelbett löst.

Eine chronische Entzündung ist meist weniger schmerzhaft. Sie betrifft oft mehrere Nägel, die sich dann am Nagelfalz bläulich oder rötlich verfärben können.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Dem Arzt genügen oft schon die typischen Symptome, um eine Nagelbettentzündung zu diagnostizieren. Je nachdem, wie ausgeprägt die Entzündung ist, nimmt er manchmal zudem einen Abstrich von der entzündeten Hautstelle. Im Labor lässt sich so der genaue Krankheitserreger ermitteln.

Hat der Arzt den Verdacht auf eine chronische Form, wird er nach den Ursachen fahnden, Lebensumstände und -gewohnheiten erfragen sowie, falls nicht bekannt, durch weiterführenden Untersuchungen mögliche zugrundeliegende Erkrankungen wie eine Zuckerkrankheit feststellen.

Wie sieht die Therapie aus?

Eine akute Entzündung behandelt der Arzt, je nachdem, wie ausgeprägt sie ist und um welchen Erreger es sich handelt, mit entzündungshemmenden, antiseptischen (= Erreger abtötenden) Salben und Bädern, Ruhigstellen des erkrankten Fingers beziehungsweise Fußes, gegebenenfalls zusätzlich innerlich mit Antibiotika oder Anti-Pilzmitteln. Bei schweren eitrigen Infektionen ist häufig ein operativer Eingriff in örtlicher Betäubung notwendig. Dabei ritzt der Arzt die Haut über der Eiter-Ansammlung an und desinfiziert die Wundhöhle. Die operative Behandlung zielt darauf ab, den Eiter nach außen abzuleiten. Dies entlastet den Patienten von dem pochenden Schmerz und dem Druckgefühl, die von der eitrigen Entzündung ausgehen. Ohne entsprechende Behandlung kann sich eine Nagelbettentzündung auf das gesamte Endglied des Fingers oder des Zehs bis hin zum Knochen ausbreiten und dort eine gefährliche Knochenmarkentzündung verursachen.

Wenn es sich um eine chronische Entzündung handelt, ist es wichtig, die auslösenden Ursachen zu meiden, etwa Hautkontakt mit aggressiven Putzmitteln oder unsachgemäße Pflege. Für Diabetiker ist eine sorgfältige Blutzuckereinstellung grundlegend, ebenso eine achtsamer Umgang mit den oft am meisten gefährdeten Füßen.

Wann zum Arzt?

Oft helfen schon einfache Maßnahmen wie Bäder, desinfizierende Lösungen und Cremes, damit eine beginnende Entzündung rasch abklingt. Wenn sie nach der ersten Behandlung nicht zurückgegangen ist, die Beschwerden zunehmen, die Rötungen sich ausbreiten, eine Schwellung oder Überwärmung auftritt, die Schmerzen stärker werden oder gar bei jedem Pulsschlag als "klopfend" empfunden werden, oder wenn nässende oder eitrige Stellen dazukommen, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen.

Als Faustregel gilt: Rötung, Schwellung, Schmerz und Überwärmung, eventuell in Kombination mit einer Funktionseinschränkung des betroffenen Fingers oder der Zehe, stellen die Hauptsymptome einer akuten Entzündung dar und zeigen an, dass ein Arztbesuch dringend erforderlich ist.

Solange die Haut in der Nagelumgebung lediglich gerötet ist und eventuell nässt, aber noch keine Schwellung, Überwärmung, pochender Schmerz oder eine Eiter-Ansammlung aufgetreten ist, bleibt noch Zeit zur Selbstbehandlung. Wenn diese jedoch nicht innerhalb einiger Tage zur Besserung führt, sollten Sie ebenfalls einen Arzt aufsuchen.

Selbst helfen können Sie sich bei rissiger, trockener Haut in der Nagelumgebung. Eine konsequente Selbstbehandlung mit einer ausreichend fetthaltigen Salbe, an den Zehen zweimal täglich, an den Fingern mehrmals täglich und nach jedem Händewaschen, kann einer Entzündung vorbeugen.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Liquid Library, W&B/Privat
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www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 21.05.2014, erstellt am 11.01.2011
Bildnachweis: Liquid Library, W&B/Privat

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