Morbus Bechterew (M. Bechterew, Spondylitis ankylosans)

Morbus Bechterew ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die zu einer Versteifung der Wirbelsäule führen kann. Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen sind mögliche Symptome

aktualisiert am 30.12.2014

Sie wachen nachts auf wegen Schmerzen der unteren Wirbelsäule? Rücken und Gelenke fühlen sich vor allem morgens unbeweglich und steif an? Solche frühen Symptome können auf Morbus Becherew hindeuten

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Was ist Morbus Bechterew?

Die Bezeichnung Morbus Bechterew (kurz: M. Bechterew, Bechterewsche Krankheit) ist medizinisch gesehen etwas veraltet, jedoch in der Alltagssprache weiterhin durchaus gebräuchlich. Die Krankheitsbezeichnung Bechterew geht auf den russischen Neurologen Wladimir Bechterew zurück, der sich vor über hundert Jahren eingehend mit der Erkrankung befasste. "Morbus" ist die lateinische Bezeichnung für Krankheit.

Der korrekte medizinische Fachbegriff für die Erkrankung lautet Spondylitis ankylosans oder ankylosierende Spondylitis. Gemeint ist damit eine besondere Form von entzündlichem Rheuma, bei der sich typischerweise Teile der Wirbelsäule und die Kreuz-Darmbein-Gelenke (Iliosakralgelenke) entzünden. Bei diesen Iliosakralgelenken handelt es sich um straffe gelenkige Verbindungen des Kreuzbeines mit den Beckenschaufeln. Aber auch Gelenke außerhalb des sogenannten Achsenskeletts sowie Sehnen sind häufig von Entzündungen betroffen.

Verknöcherung und Versteifung

Manchmal, aber nicht immer, bildet sich als Folge der Entzündung zwischen den betroffenen Wirbeln und den Kreuz-Darmbeingelenken Knochengewebe. Dadurch werden sie unbeweglich und können versteifen. Der Prozess der Verknöcherung, der auch Ankylosierung genannt wird, hat der Krankheit ihren fachlichen Namen gegeben.

Da deutliche Verknöcherungsprozesse nur in einem Teil der Fälle auftreten, bezieht sich der Name Morbus Bechterew oder ankylosierende Spondylitis also im engeren (wörtlichen) Sinn auf eine schwerere Verlaufsform der Erkrankung – im Gegensatz zu Verläufen ohne solche Verknöcherungen. Oft wird die Bezeichnung jedoch (eigentlich nicht ganz korrekt) auch für mildere Verlaufsformen ohne Verknöcherung angewendet.

Teilweise spricht man in der Anfangsphase der Erkrankung auch von einer Frühform eines Morbus Bechterew, ohne dass man vorhersagen kann, ob im Krankheitsverlauf Verknöcherungen auftreten oder nicht. Der durch den Arzt auch oft verwendete Oberbegriff Spondyloarthritis vereinigt Verläufe mit und ohne Verknöcherung zu einer Krankheitsfamilie.

Augenentzündungen, Darmerkrankungen

Mit der Krankheit vergesellschaftet kann es auch zu Augenentzündungen (Regenbogenhaut-, Aderhautentzündung) kommen, die sich unter anderen mit roten, schmerzenden Augen und Lichtempfindlichkeit bemerkbar machen. Teilweise besteht auch eine Verbindung mit entzündlichen Darmerkrankungen. In sehr seltenen Fällen betrifft Morbus Bechterew auch andere Organe, zum Beispiel die Lunge, die Niere, das Herz oder die Hauptschlagader (Aorta). Ist das Herz in Mitleidenschaft gezogen, können Herzklappenfehler wie eine Aortenklappeninsuffizienz entstehen.


Welche Ursachen hat Morbus Bechterew?

Die genauen Ursachen sind unbekannt. Bei Morbus Bechterew kommt es wohl zu einer Art Fehlfunktion des Immunsystems. Abwehrzellen (Immunzellen) wandern ins Gewebe ein und lösen dort eine entzündliche Reaktion aus. Es gibt eine familiäre Veranlagung für Morbus Bechterew. Damit es zur Krankheit kommt, sind jedoch weitere Faktoren nötig. Mehr Informationen lesen Sie im Kapitel Ursachen.

Welche Symptome deuten auf M. Bechterew hin?

Zu den Symptomen bei Morbus Bechterew zählen vor allem Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen. Betroffen sind hierbei in der Regel jüngere Erwachsene. Typisch sind in der Anfangsphase Schmerzen im Bereich der unteren Wirbelsäule. Die Schmerzen sind in der Regel in Ruhelagen (vor allem nachts) am schwersten und bessern sich bei Bewegung. Dazu kommt eine morgendliche Steifigkeit der Gelenke, die sich durch Bewegung ebenfalls allmählich bessert. Auch Fersenschmerzen oder Schmerzen am Brustbein können Zeichen des Morbus Bechterew sein. Im Krankheitsverlauf können die Wirbelsäule und der Brustkorb zunehmend unbeweglich werden. Teilweise bildet sich ein Rundrücken aus, der versteifen kann. Mehr zum Thema lesen Sie im Kapitel Symptome bei Morbus Bechterew.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Bei Verdacht auf Morbus Bechterew erkundigt sich der Arzt nach Beschwerden und Vorerkrankungen, dann untersucht er die Wirbelsäule und misst ihre Krümmung und Beweglichkeit. Außerdem prüft er, ob bei bestimmten Bewegungen Schmerzen auftreten.

Der Arzt wird außerdem Röntgenaufnahmen und eventuell auch eine Magnet-Resonanz-Tomografie anordnen. Eine Blutuntersuchung ergänzt die Diagnostik. Sehr häufig findet sich bei Patienten mit M. Bechterew im Blut ein spezielles Eiweiß auf der Oberfläche der weißen Blutkörperchen, das Funktionen im Abwehrsystem erfüllt: HLA-B27. Die Bestimmung von HLA-B27 ist ein Baustein für die Diagnosefindung, da fast alle Patienten mit Morbus Bechterew auch HLA-B27 auf der Zelloberfläche tragen. Allerdings kommt HLA-B27 auch bei vielen Gesunden vor, so dass das Vorhandensein von HLA-B27 allein noch nicht bedeutet, dass eine Krankheit vorliegt.

Wie sieht die Therapie bei Spondylitis ankylosans aus?

Die Krankheit ist nicht heilbar, ihr Verlauf kann aber beeinflusst werden. Bewegungstherapien, physikalische Therapien und Medikamente kommen zur Behandlung des Morbus Bechterew am häufigsten zum Einsatz. Tägliche Gymnastik mit speziellen Bewegungsübungen hält die Wirbelsäule beweglich und wirkt einer Versteifung entgegen. Arzneien können Entzündungen und Schmerzen lindern. Nur in schweren Fällen wird ein versteifter Rücken bei M. Bechterew operiert. Genaueres zur Behandlung lesen Sie im Kapitel Therapie bei Morbus Bechterew.

Wie verläuft ist die Bechterewsche Krankheit?

Die Erkrankung tritt meist zwischen der Pubertät und dem 45. Lebensjahr auf. Oft verläuft sie in Schüben, also in wechselnden Phasen von teils höherer, teils geringerer Krankheitsaktivität.

Die Ausprägung kann ganz unterschiedlich sein – manchmal so gering, dass die Erkrankung über sehr lange Zeit unerkannt bleibt. Bei milden Krankheitsverläufen kann die Verknöcherung dauerhaft ausbleiben, so dass man dann – wie oben bereits erwähnt – eigentlich nicht von einem Morbus Bechterew als einer ankylosierenden (verknöchernden) Spondylitis im engeren Sinne sondern eher von einer Spondyloarthritis als Oberbegriff sprechen sollte.

Selten kommen bei Morbus Bechterew auch sehr schwere Krankheitsverläufe vor. Dann kann es zur vollständigen Verknöcherung der gesamten Wirbelsäule kommen. Teilweise können auch die Hüftgelenke von Verknöcherungsprozessen betroffen sein. Die Bewegungsübungen bei den Erkrankten zielen daher auch darauf ab, eine aufrechte Haltung des Rückens zu erhalten um zu vermeiden, dass der Betroffene durch die Verknöcherung nicht mehr aufrecht gehen kann.

Wie häufig ist Morbus Bechterew?

Morbus Bechterew kommt mit einer Häufigkeit von etwa 0,5 Prozent in der Gesamtbevölkerung vor. Männer sind im Vergleich zu Frauen etwa doppelt so häufig von der Erkrankung betroffen.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




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