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Morbus Bechterew (M. Bechterew, Spondylitis ankylosans)

Morbus Bechterew ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung, die zu einer Versteifung der Wirbelsäule führen kann. Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen sind mögliche Symptome


Sie wachen nachts auf wegen Schmerzen der unteren Wirbelsäule? Rücken und Gelenke fühlen sich vor allem morgens unbeweglich und steif an? Solche frühen Symptome können auf Morbus Becherew hindeuten

Was ist Morbus Bechterew?

Die Bezeichnung Morbus Bechterew (kurz: M. Bechterew, Bechterewsche Krankheit) ist medizinisch gesehen etwas veraltet, jedoch in der Alltagssprache weiterhin durchaus gebräuchlich. Die Krankheitsbezeichnung Bechterew geht auf den russischen Neurologen Wladimir Bechterew zurück, der sich vor über hundert Jahren eingehend mit der Erkrankung befasste. "Morbus" ist die lateinische Bezeichnung für Krankheit.

Der korrekte medizinische Fachbegriff für die Erkrankung lautet Spondylitis ankylosans oder ankylosierende Spondylitis. Gemeint ist damit eine besondere Form von entzündlichem Rheuma, bei der sich typischerweise Teile der Wirbelsäule und die Kreuz-Darmbein-Gelenke (Iliosakralgelenke) entzünden. Bei diesen Iliosakralgelenken handelt es sich um straffe gelenkige Verbindungen des Kreuzbeines mit den Beckenschaufeln. Aber auch Gelenke außerhalb des sogenannten Achsenskeletts sowie Sehnen sind häufig von Entzündungen betroffen.

Verknöcherung und Versteifung

Manchmal, aber nicht immer, bildet sich als Folge der Entzündung zwischen den betroffenen Wirbeln und den Kreuz-Darmbeingelenken Knochengewebe. Dadurch werden sie unbeweglich und können versteifen. Der Prozess der Verknöcherung, der auch Ankylosierung genannt wird, hat der Krankheit ihren fachlichen Namen gegeben.

Da deutliche Verknöcherungsprozesse nur in einem Teil der Fälle auftreten, bezieht sich der Name Morbus Bechterew oder ankylosierende Spondylitis also im engeren (wörtlichen) Sinn auf eine schwerere Verlaufsform der Erkrankung – im Gegensatz zu Verläufen ohne solche Verknöcherungen. Oft wird die Bezeichnung jedoch (eigentlich nicht ganz korrekt) auch für mildere Verlaufsformen ohne Verknöcherung angewendet.

Teilweise spricht man in der Anfangsphase der Erkrankung auch von einer Frühform eines Morbus Bechterew, ohne dass man vorhersagen kann, ob im Krankheitsverlauf Verknöcherungen auftreten oder nicht. Der durch den Arzt auch oft verwendete Oberbegriff Spondyloarthritis vereinigt Verläufe mit und ohne Verknöcherung zu einer Krankheitsfamilie.

Augenentzündungen, Darmerkrankungen

Mit der Krankheit vergesellschaftet kann es auch zu Augenentzündungen (Regenbogenhaut-, Aderhautentzündung) kommen, die sich unter anderen mit roten, schmerzenden Augen und Lichtempfindlichkeit bemerkbar machen. Teilweise besteht auch eine Verbindung mit entzündlichen Darmerkrankungen. In sehr seltenen Fällen betrifft Morbus Bechterew auch andere Organe, zum Beispiel die Lunge, die Niere, das Herz oder die Hauptschlagader (Aorta). Ist das Herz in Mitleidenschaft gezogen, können Herzklappenfehler wie eine Aortenklappeninsuffizienz entstehen.


Welche Ursachen hat Morbus Bechterew?

Die genauen Ursachen sind unbekannt. Bei Morbus Bechterew kommt es wohl zu einer Art Fehlfunktion des Immunsystems. Abwehrzellen (Immunzellen) wandern ins Gewebe ein und lösen dort eine entzündliche Reaktion aus. Es gibt eine familiäre Veranlagung für Morbus Bechterew. Damit es zur Krankheit kommt, sind jedoch weitere Faktoren nötig. Mehr Informationen lesen Sie im Kapitel Ursachen.

Welche Symptome deuten auf M. Bechterew hin?

Zu den Symptomen bei Morbus Bechterew zählen vor allem Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen. Betroffen sind hierbei in der Regel jüngere Erwachsene. Typisch sind in der Anfangsphase Schmerzen im Bereich der unteren Wirbelsäule. Die Schmerzen sind in der Regel in Ruhelagen (vor allem nachts) am schwersten und bessern sich bei Bewegung. Dazu kommt eine morgendliche Steifigkeit der Gelenke, die sich durch Bewegung ebenfalls allmählich bessert. Auch Fersenschmerzen oder Schmerzen am Brustbein können Zeichen des Morbus Bechterew sein. Im Krankheitsverlauf können die Wirbelsäule und der Brustkorb zunehmend unbeweglich werden. Teilweise bildet sich ein Rundrücken aus, der versteifen kann. Mehr zum Thema lesen Sie im Kapitel Symptome bei Morbus Bechterew.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Bei Verdacht auf Morbus Bechterew erkundigt sich der Arzt nach Beschwerden und Vorerkrankungen, dann untersucht er die Wirbelsäule und misst ihre Krümmung und Beweglichkeit. Außerdem prüft er, ob bei bestimmten Bewegungen Schmerzen auftreten.

Der Arzt wird außerdem Röntgenaufnahmen und eventuell auch eine Magnet-Resonanz-Tomografie anordnen. Eine Blutuntersuchung ergänzt die Diagnostik. Sehr häufig findet sich bei Patienten mit M. Bechterew im Blut ein spezielles Eiweiß auf der Oberfläche der weißen Blutkörperchen, das Funktionen im Abwehrsystem erfüllt: HLA-B27. Die Bestimmung von HLA-B27 ist ein Baustein für die Diagnosefindung, da fast alle Patienten mit Morbus Bechterew auch HLA-B27 auf der Zelloberfläche tragen. Allerdings kommt HLA-B27 auch bei vielen Gesunden vor, so dass das Vorhandensein von HLA-B27 allein noch nicht bedeutet, dass eine Krankheit vorliegt.

Wie sieht die Therapie bei Spondylitis ankylosans aus?

Die Krankheit ist nicht heilbar, ihr Verlauf kann aber beeinflusst werden. Bewegungstherapien, physikalische Therapien und Medikamente kommen zur Behandlung des Morbus Bechterew am häufigsten zum Einsatz. Tägliche Gymnastik mit speziellen Bewegungsübungen hält die Wirbelsäule beweglich und wirkt einer Versteifung entgegen. Arzneien können Entzündungen und Schmerzen lindern. Nur in schweren Fällen wird ein versteifter Rücken bei M. Bechterew operiert. Genaueres zur Behandlung lesen Sie im Kapitel Therapie bei Morbus Bechterew.

Wie verläuft ist die Bechterewsche Krankheit?

Die Erkrankung tritt meist zwischen der Pubertät und dem 45. Lebensjahr auf. Oft verläuft sie in Schüben, also in wechselnden Phasen von teils höherer, teils geringerer Krankheitsaktivität.

Die Ausprägung kann ganz unterschiedlich sein – manchmal so gering, dass die Erkrankung über sehr lange Zeit unerkannt bleibt. Bei milden Krankheitsverläufen kann die Verknöcherung dauerhaft ausbleiben, so dass man dann – wie oben bereits erwähnt – eigentlich nicht von einem Morbus Bechterew als einer ankylosierenden (verknöchernden) Spondylitis im engeren Sinne sondern eher von einer Spondyloarthritis als Oberbegriff sprechen sollte.

Selten kommen bei Morbus Bechterew auch sehr schwere Krankheitsverläufe vor. Dann kann es zur vollständigen Verknöcherung der gesamten Wirbelsäule kommen. Teilweise können auch die Hüftgelenke von Verknöcherungsprozessen betroffen sein. Die Bewegungsübungen bei den Erkrankten zielen daher auch darauf ab, eine aufrechte Haltung des Rückens zu erhalten um zu vermeiden, dass der Betroffene durch die Verknöcherung nicht mehr aufrecht gehen kann.

Wie häufig ist Morbus Bechterew?

Morbus Bechterew kommt mit einer Häufigkeit von etwa 0,5 Prozent in der Gesamtbevölkerung vor. Männer sind im Vergleich zu Frauen etwa doppelt so häufig von der Erkrankung betroffen.


Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.




Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY
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Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth ist Facharzt für Orthopädie


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Sind Rückenschmerzen ein Zeichen der Bechterew-Krankheit?

Als verlässlichster Nachweis für das Vorliegen einer Bechterew-Krankheit gilt das sogenannte HLA-B27-Antigen. Dieses ist bei 95 Prozent der Patienten im Rahmen einer Blutuntersuchung nachweisbar. Rückenbeschwerden sind heute leider sehr weit verbreitet – bei einem Patienten mit Morbus Bechterew sind sie aber typischerweise so stark, dass die morgendlichen Schmerzen ihn regelrecht aus dem Bett treiben.


Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth


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Ist es überhaupt die Bechterew-Krankheit?

Tatsächlich gibt es neben dem Morbus Bechterew viele andere Erkrankungen der Wirbelsäule und der Iliosakralgelenke (Darm-Kreuzbein-Gelenke), die ähnliche Beschwerdebilder hervorrufen können. Bei der Abgrenzung zu anderen entzündlichen Erkrankungen helfen das genaue Symptombild, Röntgenuntersuchungen und eine Blutuntersuchung. Ausgeschlossen werden müssen durch den Arzt oder die Ärztin Verschleißerkrankungen, Tumore und andere entzündliche Veränderungen. Die Diagnose „Bechterew-Erkrankung“ ergibt sich aber für die Ärztin oder den Arzt in der Regel bereits aus der Angabe typischer Beschwerden (zum Beispiel starke morgendliche Schmerzen), aus den klinischen Zeichen (Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule), dem Röntgenbild der Wirbelsäule (überbückende Knochenspangen zwischen den Wirbelkörpern) und der Iliosakralgelenke (Aufhellung des Knochens entlang der Iliosakralgelenke) sowie den Laboruntersuchungen (im Blut als sicherster Hinweis der „Marker“ HLA-B27, zudem eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit).


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Was bedeutet ein entzündetes Kreuzbeingelenk im Röntgenbild?

Was besagt der Befund eines entzündeten Kreuz(darm-)beingelenkes im Röntgenbild bei einem etwa fünfzigjährigen Mann mit nächtlichen Kreuzschmerzen und Steifigkeitsgefühl im Rücken nach dem Aufstehen?

Eine Entzündung des Kreuzdarmbeingelenkes muss nicht zwingend auf eine Bechterew-Erkrankung hinweisen. Hier kann auch eine örtliche bakterielle Entzündung vorliegen, welche meist einseitig auftritt. Die Ursache dafür ist nicht bekannt. Eine derartige Entzündung muss antibiotisch behandelt werden. Typisch für eine Bechterew-Erkrankung wäre in diesem Stadium, dass die Patienten durch die Schmerzen in der zweiten Nachthälfte aufwachen, sie werden dadurch regelrecht aus dem Bett getrieben. Die Schmerzen gehen nach etwas Bewegung im Tagesverlauf zurück. Die Diagnose einer Bechterew-Erkrankung wird erhärtet durch den Nachweis von HLA-B27 in den Laboruntersuchungen.


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Liegt die Bechterew-Krankheit in der Familie?

Und: Um wie viel höher ist das Erkrankungsrisiko des Kindes, wenn beide Elternteile an Bechterew erkrankt sind?

Wenn ein Elternteil an der Bechterew-Erkrankung leidet, liegt das Risiko für ein Kind, ebenfalls daran zu erkranken, zwischen fünf und zehn Prozent. Ob und wie sehr sich das Erkrankungsrisiko eines Kindes erhöht, wenn beide Elternteile an Bechterew erkrankt sind, ist nicht bekannt.


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Kann die Bechterew-Krankheit auch leicht verlaufen?

Der Verlauf des Morbus Bechterew variiert sehr. Es gibt häufig einen milden Krankheitsverlauf mit unterschiedlich langen, beschwerdearmen Intervallen ohne wesentliche funktionelle Beeinträchtigungen. Die Krankheit kann in jedem Stadium inaktiv werden. Rasch fortschreitende Verläufe sind eher selten.


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Genügt bei leichtem Bechterew Krankengymnastik?

Der Verlauf der Bechterew-Erkrankung ist sehr unterschiedlich (siehe auch vorangehende Frage). Es gibt milde Krankheitsverläufe mit unterschiedlich langen sowie beschwerdearmen Intervallen ohne wesentliche funktionelle Beeinträchtigung. Die Einnahme entzündungshemmender Medikamente ist lediglich abhängig vom Schmerzbild, welches wiederum von der Entzündungsaktivität abhängt. Bei niedriger Aktivität mit geringen Schmerzen kann auf Medikamente verzichtet werden. Trotzdem sollte auch bei milden Verläufen (selbstständig) Krankengymnastik durchgeführt werden. Dies dient vor allem dem Erhalt und der Verbesserung der Beweglichkeit, die Entzündung wird dadurch nicht beeinflusst.


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Verschlechtert eine Schwangerschaft die Bechterew-Krankheit?

Normalerweise besteht bei Frauen die Tendenz zu einem günstigeren Verlauf der Bechterew-Krankheit. Der Einfluss der Schwangerschaft auf die Krankheitssymptome ist jedoch nicht sicher vorhersehbar. Letztlich findet während der Schwangerschaft meist keine Änderung statt. Nach der Entbindung jedoch berichtet etwa die Hälfte der Patientinnen über eine Verstärkung der Erkrankung.


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Kann man Bechterew und Psoriasis-Arthritis gleichzeitig haben?

Kann jemand beides haben – Bechterew und Psoriasis-Arthritis, also die Gelenkentzündung bei Schuppenflechte? Was bedeutet das für die Therapie?

Ein gleichzeitiges Auftreten der Bechterew-Krankheit und Psoriasis ist nur bei Männern bekannt. Bezüglich der medikamentösen Therapie gibt es aufgrund des entzündlichen Charakters Überschneidungen, so dass es quasi zu einer „gemeinsamen“ Behandlung beider Krankheitsbilder kommt. Vor allem werden dabei nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Glukokortikoide (Kortisonpräparate) eingesetzt. Bei hoher Entzündungsaktivität, die nicht auf diese Arzneistoffe anspricht, werden so genannte TNF-alpha-Blocker verordnet.


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Was tun bei schmerzhaftem Bandscheibenvorfall und Bechterew?

Beim Bandscheibenvorfall muss zunächst abgeklärt werden, ob neurologische Schäden vorhanden sind. In diesem Falle kann eine operative Therapie unumgänglich werden. Das Gleiche gilt für den Fall, dass die durch den Bandscheibenvorfall hervorgerufenen Schmerzen mit Medikamenten nicht beherrschbar sind. Die Erkrankung an Morbus Bechterew ändert somit nicht grundsätzlich die Vorgehensweise beim Bandscheibenvorfall.


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Mehr Informationen im Netz unter

www.apotheken-umschau.de; aktualisiert am 17.07.2012, erstellt am 19.01.2012
Bildnachweis: Jupiter Images/FRENCH PHOTOGRAPHERS ONLY, W&B/Privat

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