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Was tun bei einer Lebensmittel-Vergiftung?

Befinden sich Keime auf dem Essen, kann es schnell zu den ersten Anzeichen einer Lebensmittelvergiftung kommen: Durchfall und Bauchkrämpfe. Was hilft, wie Sie sich schützen können


Lecker, aber nicht lange haltbar: Bienenstich. Manchmal sind Keime in ihm Ursache einer Lebensmittelvergiftung

Eigentlich war der Bienenstich köstlich. Doch ein paar Stunden später grummelt der Darm. Dann geht es schnell. Erbrechen, Durchfall, heftige Bauchschmerzen. War der Bienenstich verdorben? Gut möglich, denn die Symptome sprechen für eine Lebensmittelvergiftung. Besonders, wenn es der Freundin, die ebenfalls vom Bienenstich gekostet hat, genauso ergeht.

Lebensmittelvergiftung oder Lebensmittelinfektion?

Unter den Begriffen Lebensmittelvergiftung und Lebensmittelinfektion verstehen viele Menschen dasselbe. „Eine klassische Lebensmittelvergiftung ist jedoch keine Infektion“, sagt Dr. Heribert Keweloh, freiberuflicher Mikrobiologe aus Oberhausen. Hinter einer Lebensmittelvergiftung stecken normalerweise Toxine, also Giftstoffe, die über das Essen in den Magen-Darm-Trakt gelangen. Die Bakterien bilden die Giftstoffe schon in der Nahrung. Meistens steckt hinter einer Lebensmittelvergiftung das Bakterium Staphylococcus aureus, seltener kommen Bacillus cereus und Clostridium-Arten vor.



Vorsicht, wenn Dips und Eierspeisen zu lange im Warmen stehen!

Bei einer Lebensmittelinfektion dringt der Erreger in den Magen-Darm-Trakt ein, vermehrt sich dort und ruft Beschwerden hervor. Zu den klassischen Auslösern einer Lebensmittelinfektion zählen Campylobakter-Bakterien, Salmonellen, Listerien und Noroviren. „Campylobakter-Bakterien lösen inzwischen häufiger Brechdurchfall aus als Salmonellen“, erklärt Keweloh. Auch EHEC-Bakterien, Yersinien, Hepatitis- und Rotaviren können sich im Essen befinden und zu einer Magen-Darm-Infektion führen. Die Keime können auf den gleichen Nahrungsmitteln sitzen wie die Erreger einer Lebensmittelvergiftung.

Welche Lebensmittel sind anfällig für Keime?

Lebensmittel wie zum Beispiel Fleisch, Geflügel oder Fisch sind häufig die Keimträger. Auch Eier – ob „pur“ oder verarbeitet zu Dips, Kuchenfüllungen sowie Cremeeis –, Salat, Kartoffelsalat, Rohmilch und Käse aus Rohmilch enthalten manchmal Keime. Clostridium botulinum, der Erreger des Botulismus, kommt vorwiegend in Konserven und vakuumerpackten Lebensmitteln vor – allerdings nur sehr selten.

Das Toxin aus diesem Erreger ist ein Nervengift, das neben Übelkeit und Durchfall vor allem zu Sehstörungen und Lähmungen führen kann – dem Botulismus. Die Vergiftung kann lebensgefährlich werden, bis zum Atemstillstand führen. Treten zwölf bis 36 Stunden nach dem Essen solche Beschwerden auf, müssen Sie sofort einen Arzt aufsuchen, im Zweifelsfall auch den Notarzt verständigen.

Symptome: Welche Beschwerden ruft eine Lebensmittelvergiftung hervor?

Die ersten Anzeichen einer Lebensmittelvergiftung – also Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe – treten rasch auf. Meist innerhalb weniger Stunden nachdem der Giftstoff in den Körper eingedrungen ist. Dafür lassen die Symptome recht bald wieder nach, oft innerhalb weniger Tage. „Staphylokokkentoxine verursachen meist nur einen Tag lang Beschwerden, dann hat sich der Körper der Giftstoffe entledigt“, erklärt Keweloh.

Vorsicht bei aufgeblähten Konservendosen

Wirkt eine Konservendose aufgebläht, sollten Sie diese unbedingt entsorgen oder dem örtlichen Gesundheitsamt überreichen. Denn aufgeblähte Dosen weisen auf den Botulismuserreger hin. Die Hauptgefahr geht jedoch nicht von Fertigprodukten aus, sondern laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung von selbst eingekochten Konserven. Möchten Sie Fleisch oder Gemüse „einwecken“, sollten Sie es vorsorglich zweimal erhitzen.

Riecht oder schmeckt ein Lebensmittel komisch, sollten Sie besser die Finger davon lassen. Denn Verderb kann sich auf diese Weise bemerkbar machen. „Allerdings gehören Verderbbakterien nicht unbedingt zu den Keimen, die eine Erkrankung hervorrufen“, sagt Experte Keweloh. Im Gegenteil: Ein Bienenstich kann köstlich schmecken und trotzdem voller Salmonellen oder Staphylokokken stecken. „Sie sehen es einem Lebensmittel meistens nicht an, dass es verdorben ist“, warnt der Mikrobiologe.

Behandlung: Was hilft bei einer Lebensmittelvergiftung?

Verspüren Sie die Anzeichen einer Lebensmittelvergiftung, sollten Sie vorsichtshalber einen Arzt aufsuchen. Vor allem, wenn sie Speisen wie Tiramisu, Sushi, Hühnchenbrust oder Ähnliches gegessen haben. Oft verspüren andere Menschen, die das Gleiche verzehrt haben, auch Symptome. Je nachdem, wie stark der Durchfall ist, kann der Körper viel Flüssigkeit und Salze verlieren. Trinken Sie deshalb ausreichend – bevorzugt nicht reines Wasser, sondern zum Beispiel Tee. Spezielle Elektrolytlösungen aus der Apotheke helfen, den Salzhaushaushalt wieder zu normalisieren. Wirkstoffe wie Loperamid helfen zwar gegen den Durchfall, halten aber den krankmachenden Giftstoff oder die Keime im Darm zurück. Geriebene Äpfel, Bananen oder schwarzer Tee empfehlen sich eher.

Bei Babys, Kleinkindern, alten Menschen und solchen, die ein geschwächtes Immunsystem haben, kann eine Lebensmittelvergiftung schwerer verlaufen. Deshalb ist hier unbedingt ein Arztbesuch angeraten. Auch wenn die Symptome länger als drei Tage anhalten, Beschwerden wie Fieber oder blutiger Durchfall auftreten, wird der Doktor unumgänglich. Hinter solchen Anzeichen können auch andere ernstzunehmende Krankheiten stecken. Besondere Vorsicht gilt ebenso bei Schwangeren.

Wie Sie einer Lebensmittelvergiftung vorbeugen können

Schützen können Sie sich vor einer Lebensmittelvergiftung oder -infektion, indem Sie ein paar Hygieneregeln einhalten: Möchten Sie das Essen zubereiten, dann waschen Sie sich vorher und nachher gründlich die Hände mit Wasser und Seife. „Da Geflügel besonders oft mit Keimen belastet ist, sollten Sie sich jedes Mal, nachdem Sie das Hühnchen angefasst haben, die Hände waschen“, betont der Mikrobiologe. Schneiden Sie Fleisch, Geflügel oder Fisch nicht auf demselben Brett wie Salat und kalte Beilagen. Sonst gelangen Keime auch auf andere Lebensmittel.

Entsorgen Sie Tauwasser und Verpackungen von Fleischwaren umgehend. Reinigen Sie die benutzten Arbeitsflächen nach jedem Gebrauch. Wechseln Sie regelmäßig Schwämme, Spülbürsten und Lappen. Lagern Sie leicht verderbliche Lebensmittel im Kühlschrank – am besten getrennt voneinander – und brauchen Sie diese rasch auf. Gehen Sie im Sommer besonders sorgsam mit Lebensmitteln um, denn da steigt die Zahl der Lebensmittelvergiftungen deutlich an. Ansonsten gilt: Kochen, braten oder garen Sie Fleisch, Fisch oder Geflügel  ausreichend lange, dann werden die meisten Erreger abgetötet. Ausnahme: Das Gift aus Staphylokokken überdauert selbst 30 Minuten Kochen bei 100 Grad Celsius. Hier hilft es nur, immer wieder gründlich die Hände zu waschen und empfindliche Lebensmittel von anderem Essen fernzuhalten.

Auch andere Nahrungsmittel können Vergiftungen hervorrufen. Unter anderem verdorbene Pilze, ein Übermaß an Alkohol oder Toxine aus Fisch. Pilze halten nicht lange wegen ihres hohen Eiweißgehaltes. Beim Alkohol führt weniger Verderb, sondern eher ein Übermaß an Bier oder Wein zu einer Alkoholvergiftung. Die Ciguatera, eine gefährliche Fischvergiftung, tritt vor allem in Urlaubsländern wie der Karibik auf.



Unser Experte: Dr. Heribert Keweloh

Unser Experte: Dr. Heribert Keweloh, freiberuflicher Mikrobiologe aus Oberhausen


Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Quellen:

Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung

Online-Informationen der Gesundheitsministerien der Länder und der Gesundheitsämter

Informationen des Robert Koch-Instituts




Bildnachweis: W&B/Privat, iStock/PeJo29, Panthermedia/Christian Sommer

Dr. Martina Melzer / www.apotheken-umschau.de; 29.03.2010, aktualisiert am 10.12.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, iStock/PeJo29, Panthermedia/Christian Sommer

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