Prolaktin: Das Milchhormon

Prolaktin ist das Hormon, das bei der Frau die Milchbildung in der Brust anregt

von Dr. med. Dunja Voos, aktualisiert am 10.02.2014

Prolaktin regt die Milchbildung in der Brust an

W&B/Fotolia

Kurz gesagt:

Prolaktin ist ein Hormon, das hauptsächlich für die Milchproduktion in der Brust verantwortlich ist. Es wird in der Hypophyse gebildet. Das Saugen des Babys an der Brust ist ein natürlicher Reiz, der den Prolaktinwert im Blut steigen lässt. Hormone des Hypothalamus fördern oder hemmen die Prolaktinbildung.


Was ist Prolaktin?

Prolaktin ist ein Hormon aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Die Bezeichnung leitet sich vom lateinischen Wort für Milch (lac) ab. Es wird vermehrt in der Schwangerschaft und Stillzeit produziert. Das Hormon fördert das Wachstum und die Reifung der Brust. In der Stillzeit sorgt Prolaktin für die Milchbildung. Die Stimulation der Brustwarzen, besonders das Saugen des Babys, steigert die Ausschüttung des Milchhormons. Der Reiz ist auch außerhalb der Schwangerschaft und Stillzeit wirksam. Die Steuerung der 
Prolaktinausschüttung ist nach wie vor nicht gänzlich aufgeklärt. Klar ist jedoch, dass der übergeordnete Hypothalamus durch Ausschütten der Neurotransmittersubstanz Dopamin die Prolaktinbildung hemmt.


Welcher Wert ist normal?

Frauen weisen im Blutserum eine Prolaktinkonzentration von 2,8 bis 29,2 µg/l auf.

Gelegentlich bildet der Körper bestimmte Stoffe gegen Prolaktin, sogenannte Autoantikörper, die sich mit Prolaktin zum sogenannten Makroprolaktin verbinden. Ist Makroprolaktin im Blut vorhanden, wird im Labor zur Prolaktinbestimmung die PEG-Fällung angewendet. Mithilfe von Polyethylenglykol werden die Immunkomplexe vom freien Prolaktin getrennt. Der Normwert nach PEG-Fällung beträgt bis 13,9 µg/l.

In der Schwangerschaft kann der Wert bis zu 209 µg/l steigen, nach der Menopause befindet er sich zwischen 1,8 und 20,3 µg/l.

Der normale Prolaktinwert des Mannes liegt bei 2,1 bis 17,7 µg/l (nach PEG-Fällung bis 11,2 µg/l).

Wann steigt der Wert?

Stress, Schwangerschaft und Stillzeit sind typische Faktoren, die den Prolaktinwert ansteigen lassen (Hyperprolaktinämie). Autoantikörper, die sich im Blut an das Prolaktin heften und somit sogenanntes Makroprolaktin bilden, können eine Erhöhung vortäuschen (siehe oben). Erhöhte Werte sind auch Begleiter einer Funktionseinschränkung der Niere (Niereninsuffizienz).

Daneben können Tumoren hinter einer Erhöhung des Prolaktins stecken. Ein überwiegend gutartiger Tumordes Hypophysenvorderlappens, das Prolaktinom, lässt den Prolaktinwert auf mehr als 200 µg/l ansteigen. Hypophysentumoren können aber auch zu einem Mangel an Dopamin (es hemmt die Ausschüttung von Prolaktin) führen, sodass die Prolaktinkonzentration im Blut ungebremst zunehmen kann. Auch Medikamente, die Dopamin hemmen (zum Beispiel Metoclopramid, Blutdruckmedikamente, Neuroleptika oder Antidepressiva), verursachen mitunter erhöhte Prolaktinwerte.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) setzt der Hypothalamus vermehrt ein bestimmtes Hormon (TRH = Thyreoliberin) frei, das auf die Hypophyse wirkt, damit mehr schilddrüsenaktivierendes Hormon freigesetzt wird (TSH = thyreoidea-stimulierendes Hormon). Doch wird dadurch gleichzeitig die Freisetzung von Prolaktin aus der Hypophyse angeregt. Daher kommt es bei einer Schilddrüsenunterfunktion unter Umständen zu einer erhöhten Prolaktinkonzentration im Blut. Manchmal tritt dabei sogar Milch aus der Brust aus (Galaktorrhö).

Wann ist der Wert zu niedrig?

Bei einer Unterfunktion der Hypophyse (Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz) ist der Prolaktin-Wert zu niedrig. Auch Medikamente wie Dopamin-Agonisten (werden zur Therapie der Parkinson-Krankheit eingesetzt, aber auch bei Hyperprolaktinämie) und Serotonin-Antagonisten (wirken gegen akutes Erbrechen) nehmen in dieser Richtung Einfluss.


Wichtig: Die Referenzwerte sowie die ermittelten Werte können sich von Labor zu Labor stark unterscheiden. Weiterhin gibt es unter Umständen starke tageszeitliche und (saisonale) jahreszeitliche Schwankungen ohne Krankheitswert. Bevor Sie sich durch abweichende Ergebnisse verunsichern lassen, bitten Sie daher Ihren Arzt, Ihnen Ihre persönlichen Daten zu erklären. Einzelne Laborwerte alleine sind zudem meistens nicht aussagekräftig. Oft müssen sie im Zusammenhang mit anderen Werten und im zeitlichen Verlauf beurteilt werden.

Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Peter B. Luppa, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München



Bildnachweis: W&B/Fotolia
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